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Gesünder leben mit Haustieren?

Für viele Menschen ist ihr Haustier ein geliebter und treuer Begleiter, der nicht selten auch Sicherheit und Stabilität in den Alltag bringt.

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"Deximed ist für mich eine große Hilfe, um im Praxisalltag schnell aktuelles Wissen zur Therapie oder Diagnostik nachschlagen zu können. Die übersichtliche Struktur ermöglicht es, sogar im Patientenkontakt rasch etwas nachzulesen." - PD Dr. med. Guido Schmiermann, Facharzt für Allgemeinmedizin, Bremen

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Ein Haustier zu haben, bringt laut einiger Experten viele Vorteile für die Gesundheit. Laut den amerikanischen Centers for Disease Control and Prevention (CDC) (der US-Gesundheitsbehörde) können Haustiere unter anderem zu einer Senkung des Blutdrucks, des Cholesterinspiegels und des Triglyzeridspiegels beitragen und Gefühlen von Einsamkeit entgegenwirken. Außerdem bieten Haustiere zusätzliche Gelegenheiten, Sport zu treiben, sich im Freien zu bewegen und andere Menschen zu treffen.

Laut einem Artikel in einer großen medizinischen Fachzeitschrift (British Medical Journal, BMJ)1 deuten Forschungsergebnisse darauf hin, dass Haustierbesitzer im Vergleich zu Menschen ohne ein Haustier seltener an Herzerkrankungen leiden, seltener zum Arzt gehen und im Kindesalter seltener eine Allergie oder Asthmaanfälle haben.

Neuere Untersuchungen haben diese Ergebnisse zwar nicht bestätigt, doch es finden sich ebenfalls Hinweise darauf, dass Kinder, die ein Haustier haben, seltener krankheitsbedingt in der Schule fehlen.

In einer amerikanischen Studie2 wurde untersucht, welche Auswirkungen Haustiere auf die körperliche und geistige Gesundheit älterer Menschen haben. Den Ergebnissen zufolge waren die Tierbesitzer im Durchschnitt jünger, hatten häufiger kürzlich geheiratet bzw. wohnten eher mit einem Partner zusammen und waren im Alltag aktiver als die Personen ohne Haustier. In Bezug auf das psychische Wohlbefinden gab es jedoch keinen Unterschied zwischen den Studienteilnehmern mit und denen ohne Haustier.

Grundsätzlich sind also beim Thema Gesundheit und Haustiere noch einige Fragen offen. Gerade zu Allergien bei Kindern allerdings gibt es inzwischen recht viele verschiedene Studien; eine aktuelle Empfehlung ist, dass eine Familie mit einem Kind mit hohem Allergierisiko (etwa, weil Vater oder Mutter Allergiker sind) keine Katze aufnehmen sollte. Im Gegensatz dazu erhöhen Hunde als Haustiere das Allergierisiko offenbar nicht.

Haustiere schaffen Sicherheit und Vertrauen in Therapiesituationen

Die meisten Studien, in denen die Auswirkungen von Haustieren auf die Gesundheit untersucht wurden, beziehen sich auf die Wirkung von Katzen oder Hunden. Es gibt nur wenige Studien, die sich mit der Wirkung anderer Tierarten beschäftigt haben.

Hunde werden auch in medizinischen Einrichtungen und Krankenhäusern zu Therapiezwecken eingesetzt, um das Erreichen konkreter Behandlungsziele zu unterstützen oder das Wohlbefinden und den Lebensmut der Patienten zu steigern. Für blinde oder taube Menschen stellen speziell ausgebildete Hunde eine entscheidende Hilfe dar, um überhaupt im Alltag selbstständig zurechtzukommen.

Mitunter setzen auch Psychologen Tiere als Teil des Therapieprogramms ein – dies wird als tiergestützte Therapie bezeichnet. So berichtet etwa eine Psychologin von den positiven Erfahrungen, die sie mit Hunden im Rahmen der Gesprächstherapie mit kleinen Kindern gemacht hat. Der Hund trägt dazu bei, dass zwischen Kind und Therapeut ein vertrauensvolles Verhältnis entsteht, so die Psychologin. Patienten, bei denen herkömmliche Therapien zuvor nicht zum Erfolg geführt hatten, öffneten sich mehr, sodass positive Interaktionen (Gespräche, Zusammenarbeit) ermöglicht wurden.

Sind wir gesünder, weil wir ein Haustier haben, oder haben wir ein Haustier, weil wir gesünder sind?

Als Erklärung für den besseren Gesundheitszustand von Tierbesitzern werden unter anderem die sozialen Vorteile und die emotionale Unterstützung angeführt, die Haustiere mit sich bringen. Diese stützende Wirkung von Haustieren gleicht Studien zufolge bestimmten Elementen zwischenmenschlicher Beziehungen, die sich positiv auf die Gesundheit auswirken.

Ein Haustier kann jedoch auch weniger angenehme Konsequenzen haben. So besteht die Möglichkeit, sich durch den Kontakt mit Tieren mit Krankheiten anzustecken. Dies passiert in Deutschland jedoch selten, da die Tiere hierzulande im Allgemeinen sehr gesund sind. Haustierhalter sollten jedoch sehr auf die Gesundheit ihrer Tiere achten. Studien haben allerdings ergeben, dass sich knapp 70 Prozent der Tierhalter, die gegen ihr Haustier allergisch reagieren, entgegen den Empfehlungen nicht von ihrem Haustier trennen. Zudem meiden gerade ältere Menschen mitunter den (nötigen) Gang zum Arzt, da sie befürchten, dass sich niemand um ihr Haustier kümmern wird, falls sie ins Krankenhaus oder in eine Pflegeeinrichtung eingewiesen werden.

Eine wichtige Frage ist, ob Besitzer von Haustieren gesünder sind, weil sie ein Haustier haben, oder ob sie ein Haustier haben, weil sie gesünder sind. Wäre Letzteres der Fall, wäre das Haustier eben nicht die Ursache für die bessere Gesundheit der Besitzer, sondern nur ein Hinweis darauf, dass gesündere Menschen eher ein Haustier besitzen als andere. Diese Frage lässt sich durch wissenschaftliche Untersuchungen nur schwierig beantworten.

Zusammenfassung

Wissenschaftliche Untersuchungen deuten auf eine positive Wirkung von Haustieren hin,3 es sind jedoch noch weitere Studien erforderlich, um zu klären, wie sich die Interaktion zwischen Mensch und Tier auf unsere Gesundheit auswirkt. Bisher ist nicht genau bekannt, welche Arten von Tieren sich bei welchen Arten gesundheitlicher Probleme – körperlichen, geistigen oder sozialen – positiv auswirken und welche Aspekte des Verhältnisses zwischen Mensch und Tier dabei die größte Rolle spielen. Besitzer von Haustieren wissen, dass ein Tier als treuer Begleiter viele Vorteile mit sich bringt. Unter welchen Umständen diese Vorteile den größten Effekt haben, ist jedoch nicht bekannt. Wenn es den Forschern gelingt, für konkrete Situationen einen spezifischen gesundheitlichen Nutzen nachzuweisen, könnten diese Erkenntnisse eingesetzt werden, um die Haltung gegenüber Tieren zu ändern, sodass mehr Menschen einen solchen Nutzen aus dem Kontakt mit Tieren ziehen können. Dies könnte eventuell sogar dazu führen, dass etwa die Vorschriften für Schulen, Gesundheitseinrichtungen, Sozialwohnungen und Ähnliches geändert werden, wo der Kontakt mit Tieren bisher meist verboten ist.

Quellen

Literatur

  1. McNicholas J, Gilbey A, Rennie A, Ahmedzai S, Dono JA, Ormerod E. Pet ownership and human health: a brief review of evidence and issues . BMJ 2005; 331: 1254-5. .
  2. Cherniack EP, Cherniack AR. The benefit of pets and animal-assisted therapy to the health of older individuals. Curr Gerontol Geriatr Res. 2014. doi: 10.1155/2014/623203 DOI
  3. Matchock RL. Pet ownership and physical health. Curr Opin Psychiatry. 2015 Sep;28(5):386-92. doi: 10.1097/YCO.0000000000000183 DOI

Autoren

  • Susanne Meinrenken, Dr. med., Bremen