Chirurgischer Schwangerschaftsabbruch

Ein chirurgischer Schwangerschaftsabbruch kann bis zur 12. Schwangerschaftswoche durchgeführt werden.

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Schwangerschaftsabbruch

Frauen in Deutschland, die einen Schwangerschaftsabbruch wünschen, haben bis zum Ende der 12. Woche nach der Empfängnis (14. Schwangerschaftswoche nach der letzten Regelblutung) die Möglichkeit, diesen straffrei durchführen zu lassen, vorausgesetzt die gesetzlich vorgeschriebene Schwangerenkonflikt-Beratung wurde mindestens 3 volle Kalendertage vor dem Abbruch konsultiert. Bis vor kurzem wurde der Abbruch ausschließlich chirurgisch durchgeführt. Heute können Frauen oftmals zwischen einem chirurgischen oder einem medikamentösen Schwangerschaftsabbruch wählen, wobei der medikamentöse nur bis zur 9. Schwangerschaftswoche durchgeführt werden kann.

Wie wird der chirurgische Schwangerschaftsabbruch durchgeführt?

Ein chirurgischer Schwangerschaftsabbruch kann bis zur 12. Schwangerschaftswoche durchgeführt werden. Nach einem Gespräch mit einem Arzt erhalten Sie einen Termin für die Operation. Mindestens drei volle Kalendertage vor der Operation muss die gesetzlich vorgeschriebene Schwangerenkonfliktberatung bei einer spezialisierten Beratungsstelle erfolgt sein.

Damit der Eingriff so schonend wie möglich durchgeführt werden kann, erhalten Sie in der Regel vor der Operation eine medikamentöse Vorbehandlung mit einem Medikament, das den Gebärmutterhals erweicht und erweitert. Das Medikament kann als Tablette zum Schlucken, als Vaginaltabletten oder als Scheidenzäpfchen verabreicht werden. Das Personal in der Klinik wird Ihnen erklären, wie und wann genau Sie das Medikament einnehmen sollten. Die vorbereitenden Medikamente können ein Zusammenziehen der Gebärmutter (Kontraktionen), Blutungen, Übelkeit, Durchfälle, Ausschlag und Schüttelfrost verursachen. Wenn Sie die Tabletten genommen haben, können Sie Ihre Meinung nicht mehr ändern und der Abbruch muss durchgeführt werden, weil die Tablette den Schwangerschaftsabbruch bereits einleitet.

Der Eingriff selbst erfolgt meist unter Vollnarkose, kann aber auch unter örtlicher Betäubung durchgeführt werden. Der Arzt weitet zunächst den Gebärmutterhals. Anschließend führt er ein Kunststoff-/Metallrohr in die Gebärmutter ein, mit dem der Fruchtsack mit dem Embryo vorsichtig abgesaugt (Saugkürretage) wird, um die Gebärmutter nicht zu beschädigen. Alternativ können Fruchtsack und Embryo mit einem stumpfen Instrument, einer sogenannten Kürette, ausgeschabt werden. Der ganze Eingriff dauert etwa 10 Minuten.

Im Vorfeld des Eingriffs wird Ihre Blutgruppe bestimmt. Liegt bei Ihnen eine rhesus-negative Blutgruppe vor, erhalten Sie nach dem Eingriff eine Spritze gegen eine Antikörperbildung. Diese dient dem Schutz späterer Schwangerschaften.

Nach einer Vollnarkose werden Sie für einige Stunden beobachtet, bevor Sie nach Hause dürfen. Beachten Sie, dass sie nicht aktiv am Straßenverkehr teilnehmen dürfen. Wenn Sie nach dem Eingriff Schmerzen haben, wird Ihnen ein schmerzstillendes Medikament, z. B. Paracetamol, angeboten. Beachten Sie bei der Einnahme zu Hause die maximale Tagesdosis. Nach dem Eingriff haben die meisten Frauen etwa sieben bis zehn Tage lang Blutungen. Solange die Blutung anhält, sollten Sie auf Geschlechtsverkehr, die Verwendung von Tampons, Vollbäder und Besuche im Schwimmbad, in der Sauna und im Solarium verzichten. 

Nachuntersuchung

Nach einem chirurgischen Schwangerschaftsabbruch wird für gewöhnlich eine Nachuntersuchung durchgeführt. Vereinbaren Sie nach 14 Tagen einen Termin bei Ihrem Gynäkologen.

Nebenwirkungen

Die Behandlung hat in der Regel wenige Nebenwirkungen und verläuft meistens ohne Komplikationen. Übelkeit und Erbrechen kommen häufig vor und hängen meist mit der Narkose zusammen. Einige Frauen können starke Blutungen und Krämpfe bekommen. Das Infektionsrisiko ist niedrig. In seltenen Fällen können die Gebärmutter, die Harnblase oder der Darm beschädigt werden. Dies birgt ein Risiko für Folgeoperationen.

Haben Sie den Verdacht auf eine Infektion (Fieber, starke Schmerzen, übelriechender Ausfluss) oder besonders starke Blutungen, suchen Sie bitte unverzüglich einen Arzt auf.

Manchmal muss ein weiterer Eingriff durchgeführt werden, wenn der Embryo oder Anteile der Eihäute in der Gebärmutter nicht vollständig entfernt wurden. Die Schwangerschaft wird bei einem chirurgischen Vorgehen allerdings in fast 100 % der Fälle abgebrochen. Bleibt die Menstruation in den nächsten vier bis sechs Wochen jedoch aus, sollten Sie einen Arzt aufsuchen, um kontrollieren zu lassen, ob der Abbruch vollständig war.

Einfluss auf spätere Schwangerschaften?

Die Fruchtbarkeit wird durch einen komplikationslosen chirurgischen Schwangerschaftsabbruch nicht beeinträchtigt. Allerdings kann das Risiko für eine Frühgeburt und ein geringes Geburtsgewicht in Folgeschwangerschaften erhöht sein.

Weitere Informationen

Autoren

  • Julia Trifyllis, Dr. med., Fachärztin für Gynäkologie und Geburtshilfe, Münster/W.

Literatur

Dieser Artikel basiert auf dem Fachartikel Schwangerschaftsabbruch. Nachfolgend finden Sie die Literaturliste aus diesem Dokument.

  1. Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend. Schwangerschaftsabbruch nach § 218 Strafgesetzbuch. Stand 01/2018 www.bmfsfj.de
  2. Richtlinie des Gemeinsamen Bundesausschusses zur Empfängnisregelung und zum Schwangerschaftsabbruch in der Fassung vom 10. Dezember 1985, zuletzt geändert am 04.01.2018. www.g-ba.de
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