Medikamentöser Schwangerschaftsabbruch

Seit 1999 ist es möglich, einen Schwangerschaftsabbruch medikamentös herbeizuführen.

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Medikamentöser Schwangerschaftsabbruch

Beim medikamentösen Schwangerschaftsabbruch werden in zwei Durchgängen Tabletten (Mifepriston und Misoprostol) eingenommen. Das erste Präparat, Mifepriston, erweicht den Gebärmutterhals, verstärkt die Empfindlichkeit der Gebärmutter gegenüber Misoprostol und führt dazu, dass sich die Gebärmutter zusammenzieht (Kontraktionen). Misoprostol trägt anschließend dazu bei, dass die Gebärmutter den Embryo durch Kontraktionen abstößt. Die Kombination dieser Präparate ist heute die Standardmethode bei einem medizinisch indizierten Schwangerschaftsabbruch. Um eine optimale Wirkung zu erzielen, muss zwischen den beiden Behandlungsschritten eine gewisse Zeit vergehen. Wenn die Schwangerschaft schon weiter fortgeschritten ist, muss die Misoprostol-Behandlung gegebenenfalls mehrfach wiederholt werden.

Patientinnenrechte

Frauen in Deutschland, die einen Schwangerschaftsabbruch wünschen, haben bis zum Ende der 12. Woche nach der Empfängnis (14. Schwangerschaftswoche nach der letzten Regelblutung) die Möglichkeit, diesen straffrei durchführen zu lassen, vorausgesetzt die gesetzlich vorgeschriebene Schwangerenkonflikt-Beratung wurde mindestens 3 volle Kalendertage vor dem Abbruch konsultiert. Medikamentöse Schwangerschaftsabbrüche sind bis zur 9. Schwangerschaftswoche (63. Tag) möglich.

Immer mehr Frauen entscheiden sich dazu, einen Teil des Abbruchs zu Hause durchzuführen, d. h. sie nehmen die zweite Tablette (Misoprostol) zu Hause ein, nachdem sie die Behandlung in der Klinik mit Mifepriston unter ärztlicher Aufsicht begonnen haben.

Wer führt den medikamentösen Schwangerschaftsabbruch durch?

Allen Frauen, die einen Schwangerschaftsabbruch wünschen, wird bis zum Ende der 9. Schwangerschaftswoche ein medikamentöser Abbruch angeboten. In Deutschland ist der medikamentöse Schwangerschaftsabbruch nur unter ärztlicher Kontrolle zugelassen. 

Erkundigen Sie sich bei der Schwangerenkonflikt-Beratung nach geeigneten Ärzten in Ihrer Umgebung, die einen medikamentösen Schwangerschaftsabbruch anbieten.

Wie wird der medikamentöse Schwangerschaftsabbruch durchgeführt?

Der Abbruch wird mit der Einnahme einer Tablette Mifepriston eingeleitet. Die aktive Substanz der Tablette führt dazu, dass die Gebärmutter nicht auf das schwangerschaftsbewahrende Hormon des Körpers (Progesteron) reagiert. Sie müssen 1–3 Tabletten unter ärztlicher Aufsicht einnehmen, können dann aber nach etwa 30 bis 60 Minuten nach Hause gehen. Wenn Sie diese Tablette/n genommen haben, wurde der Abbruch eingeleitet. Oft wird dies von Patientinnen nicht bemerkt. Manchmal kommt es allerdings zu Blutungen, die in seltenen Fällen so stark sein können, dass der Abbruch bereits nach der ersten Tabletteneinnahme stattfindet. Wenn Sie die Mifepriston-Tablette genommen haben, können Sie Ihren Alltagsbeschäftigungen wie gewohnt nachgehen. Während der folgenden Tage können Übelkeit, Erbreche, Durchfälle, Bauchkrämpfe sowie Blutungen auftreten.

Nach 36 bis 48 Stunden wird die Behandlung mit Misoprostol fortgesetzt. Das Mittel wird bis zum 49. Tag der Schwangerschaft (7. Woche) in Tablettenform geschluckt. In der fortgeschritteneren Schwangerschaft (50. bis 63. Tag, also 8. bis 9. Woche) werden drei Tabletten Misoprostol tief in die Scheide eingeführt. Manchmal können die Tabletten auch auf andere Weise verabreicht werden oder in einer anderen Dosis. Der Arzt oder das Pflegepersonal werden Sie in einem solchen Fall darüber informieren.

Misoprostol führt dazu, dass sich die Gebärmutter zusammenzieht und der Embryo abgestoßen wird. In den meisten Fällen geschieht dies innerhalb von einigen Stunden, manchmal kann es aber auch länger dauern. Der medikamentöse Schwangerschaftsabbruch ähnelt einer Fehlgeburt. Der Gebärmutterhals wird erweicht, öffnet sich und der Embryo wird unter Krämpfen und Blutungen ausgeschieden.

Wenn Sie sich dafür entscheiden, den Schwangerschaftsabbruch zu Hause durchzuführen, sollten Sie zur Unterstützung in dieser schwierigen Situation jemanden bei sich haben. Wenn Sie in stationär bleiben möchten, können Sie Ihren Partner, einen Freund, die Eltern oder eine andere Person, die Sie dabei haben möchten, mitnehmen. Wenn Sie Fragen haben, können Sie sich mit der Klinik in Verbindung setzen. Die Behandlung zu Hause ist gefahrlos möglich und wird von vielen Patientinnen bevorzugt.

Nachuntersuchung

Die meisten Frauen haben in den folgenden 14 Tagen Blutungen. Die Blutungen können auch länger anhalten, sollten aber nach und nach in ihrer Intensität abnehmen. In der Regel wird nach zwei bis vier Wochen ein Termin zur Nachuntersuchung vereinbart, um festzustellen, ob die Behandlung erfolgreich war. Dies wird anhand einer Urinprobe überprüft. Bei Bedarf kann bei der Nachuntersuchung z. B. eine Spirale eingesetzt werden. Manchmal sind auch Blutuntersuchungen, eine gynäkologische Untersuchung oder eine Ultraschalluntersuchung notwendig. Wenn der Abbruch scheitert, muss die Schwangerschaft mit einer erneuten Behandlung oder chirurgisch unterbrochen werden. Dies kommt allerdings nur selten vor (2–4 % der Fälle).

Die Blutung selbst ist kein Beweis dafür, dass der Abbruch vollständig war. Eine Nachuntersuchung ist deshalb wichtig.

Nebenwirkungen

Aufgrund der Kontraktionen der Gebärmutter und der Erweiterung des Gebärmutterhalses kommt es während des Schwangerschaftsabbruchs häufig zu Schmerzen. Sie bekommen ein Schmerzmittel, wenn Sie es benötigen. Nach dem Abbruch treten häufig bis zu zwei Wochen menstruationsähnliche Blutungen auf, manchmal auch länger. Einige Patientinnen leiden außerdem an Übelkeit, Erbrechen, Durchfällen oder Müdigkeit. Bei zunehmenden oder starken Blutungen oder einem beeinträchtigten Allgemeinzustand ist anzuraten, den behandelnden Arzt oder eine Klinik aufzusuchen. Trotz einem geringen Infektionsrisiko kann nach einem Schwangerschaftsabbruch eine Infektion auftreten. Sollten Sie Fieber, Schüttelfrost, übelriechenden Ausfluss oder zunehmende Bauchschmerzen bemerken, ist eine dringende Vorstellung in einer Klinik empfehlenswert.

Einfluss auf spätere Schwangerschaften?

Die Fruchtbarkeit wird durch einen komplikationslosen medikamentösen oder chirurgischen Schwangerschaftsabbruch nicht beeinträchtigt. Allerdings kann das Risiko für eine Frühgeburt und ein geringes Geburtsgewicht in Folgeschwangerschaften erhöht sein.

Weitere Informationen

Autoren

  • Julia Trifyllis, Dr. med., Fachärztin für Gynäkologie und Geburtshilfe, Münster/W.

Literatur

Dieser Artikel basiert auf dem Fachartikel Schwangerschaftsabbruch. Nachfolgend finden Sie die Literaturliste aus diesem Dokument.

  1. Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend. Schwangerschaftsabbruch nach § 218 Strafgesetzbuch. Stand 01/2018 www.bmfsfj.de
  2. Richtlinie des Gemeinsamen Bundesausschusses zur Empfängnisregelung und zum Schwangerschaftsabbruch in der Fassung vom 10. Dezember 1985, zuletzt geändert am 04.01.2018. www.g-ba.de
  3. Statistisches Bundesamt. Schwangerschaftsabbrüche. Letzter Abruf 27.11.2015 www.destatis.de
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