Vorbereitung auf einen Schwangerschaftsabbruch

In der ärztlichen Vorbereitung auf einen möglichen Schwangerschaftsabbruch erfolgt eine gynäkologische Untersuchung und ein ausführliches Gespräch über die Vorgehensweisen. Sie werden über mögliche Nebenwirkungen aufgeklärt und erhalten eine Verhütungsmittelberatung. Handelt es sich um einen Schwangerschaftsabbruch ohne zwingenden medizinischen Grund, ist die vorherige Schwangerschaftskonflikt-Beratung gesetzlich vorgeschrieben.

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Schwangerschaftsabbruch

Ein Schwangerschaftsabbruch stellt für betroffene Frauen eine schwerwiegende Entscheidung dar, die intensiv überdacht werden muss. Deshalb ist eine ausführliche Beratung über die Risiken und Folgen sowohl körperlicher als auch psychischer Natur unabdingbar. Die Entscheidung ist höchstpersönlich von der betroffenen Frau und von niemand anderem zu fällen und kann vor dem Beginn der eigentlichen Behandlung jederzeit rückgängig gemacht werden.

Erwägen Sie einen Schwangerschaftsabbruch, so wenden Sie sich an eine nahegelegene Schwangerschaftskonflikt-Beratungsstelle. Die Beratung ist eine Hilfeleistung, die kostenlos und vertraulich angeboten wird. Hier können Sie alle Ängste, Sorgen und Probleme ansprechen und Informationen über die rechtlichen Aspekte eines Schwangerschaftsabbruchs erhalten. Sie können die Beratungsstelle auch in Begleitung von Bezugspersonen aufsuchen. Die Konfliktberatung ist vor einem Schwangerschaftsabbruch gesetzlich verpflichtend vorgeschrieben und darf nicht vom Arzt, der den eigentlichen Abbruch vornimmt, durchgeführt werden. Zwischen der Beratung und dem Eingriff müssen mindestens drei volle Kalendertage liegen. Eine Ausnahme stellen Fälle dar, in denen ein Schwangerschaftsabbruch aus medizinischen Gründen notwendig ist.

Bleibt der Entschluss zum Abbruch der Schwangerschaft weiterhin bestehen, wird ein Termin beim Arzt vereinbart, der den Abbruch durchführen soll. Hier wird Ihnen ein erneutes Gespräch über die Gründe Ihres Schwangerschaftsabbruchs angeboten, welches Sie jedoch nicht wahrnehmen müssen. Zudem erfolgt eine ausführliche Aufklärung über die Bedeutung des Abbruchs und die möglichen körperlichen und psychischen Auswirkungen. Falls noch nicht geschehen, wird außerdem ein Urin-Schwangerschaftstest durchgeführt. Um die Konzentration des Schwangerschaftshormons ß-hCG genauer festzustellen, wird in manchen Fällen auch Blut abgenommen. Außerdem werden Informationen über die möglichen Behandlungsstrategien vermittelt (siehe die Artikel Medikamentöser Schwangerschaftsabbruch oder Chirurgischer Schwangerschaftsabbruch) sowie eine Verhütungsmittelberatung durchgeführt.

Neben der gynäkologischen Untersuchung findet eine allgemeine körperliche Untersuchung mit Kontrolle des Blutdrucks sowie ggf. das Abhören von Herz und Lunge statt. Die gynäkologische Untersuchung dient der Feststellung der Schwangerschaftsdauer und dem Ausschluss einer genitalen Infektion. Das Vorliegen einer Chlamydieninfektion wird mithilfe einer Urinprobe oder eines vaginalen Abstrichs überprüft. Eventuell wird der Abstrich auf weitere Erreger untersucht. Um die Schwangerschaftsdauer festzustellen, erfolgt eine Ultraschalluntersuchung.

Zusammen mit dem Arzt vereinbaren Sie den Zeitpunkt und Art des Eingriffs.

Komplikationen

Jeder Eingriff bedeutet ein gewisses Komplikationsrisiko. In Deutschland kommt es jedoch nur bei wenigen Frauen zu Komplikationen.

Nach dem Eingriff können starke oder lange andauernde Blutungen auftreten. Vor allem beim medikamentösen Abbruch kann die Behandlung schmerzhaft sein und Übelkeit, Erbrechen sowie Durchfälle verursachen. Unterleibsinfektionen kommen zwar selten vor, können jedoch zu einer dauerhaften Verklebung der Eileiter führen, was wiederum die Fruchtbarkeit beeinträchtigen kann. Das Risiko ist vor allem bei bestehender Chlamydien-Infektion erhöht, weswegen im Vorfeld auf die Erkrankung getestet und ggf. behandelt wird. Während beim chirurgischen Vorgehen die Schwangerschaft in fast 100 % der Fälle abgebrochen wird, ist der medikamentöse Abbruch in 2–4 % der Fälle nicht wirksam. Als Folge muss ein erneuter medikamentöser oder ein chirurgischer Abbruch durchgeführt werden. Bleibt die Menstruation in den nächsten vier bis sechs Wochen aus, sollten Sie einen Arzt aufsuchen, um kontrollieren zu lassen, ob der Abbruch vollständig war. Sehr selten kann beim chirurgischen Vorgehen die Gebärmutter verletzt werden (Perforation), was eine Operation nach sich ziehen kann.

Ein komplikationsloser Schwangerschaftsabbruch wirkt sich nicht auf die Fruchtbarkeit oder spätere Schwangerschaften aus. Beachten Sie, dass Sie direkt nach dem Eingriff erneut schwanger werden können, weshalb Sie eine sichere Verhütungsmethode anwenden sollten. Bei Unsicherheit über mögliche Verhütungsmethoden steht Ihnen Ihr Arzt beratend zur Verfügung.

Mögliche psychische Folgen nach einem Schwangerschaftsabbruch

Ein Schwangerschaftsabbruch kann eine Frau psychisch stark beanspruchen. Die Verarbeitung des Geschehenen hängt von der persönlichen Einstellung und der momentanen Lebenssituation ab. Der Abbruch kann beispielsweise eine depressive Verstimmung oder Schlaflosigkeit auslösen. Die hormonelle Umstellung nach einem Abbruch kann diese Gefühle noch verstärken. Gespräche mit Angehörigen, dem Arzt, Selbsthilfegruppen oder den Beratern der Konflikt-Beratungsstelle können helfen, das Geschehene zu verarbeiten. Bei anhaltenden psychischen Problemen ist eine psychotherapeutische Behandlung empfehlenswert. Wenden Sie sich hierzu an Ihren Arzt.

Verhaltensregeln

Für einen Schwangerschaftsabbruch gilt:

  • Sie müssen für einen chirurgischen Abbruch in Vollnarkose nüchtern sein (gilt nicht für einen medikamentösen Schwangerschaftsabbruch). Das bedeutet, dass Sie am Abend vor dem Eingriff nach 24 Uhr nichts mehr essen oder trinken dürfen. Sie dürfen dann auch nicht mehr rauchen.
  • Verzichten Sie in den ersten ein bis zwei Wochen nach dem Eingriff auf Baden in der Badewanne und im Schwimmbad, Saunagänge, Geschlechtsverkehr sowie die Nutzung von Tampons. Verwenden Sie stattdessen Binden.
  • In den ersten Tagen nach dem Eingriff sind Blutungen und menstruationsähnliche Beschwerden üblich. Wenn Sie allerdings Fieber, Schüttelfrost, übelriechenden Ausfluss oder stärker werdende Schmerzen und Blutungen bemerken, suchen Sie unverzüglich einen Arzt oder ein Krankenhaus auf.

Weitere Informationen

Autoren

  • Julia Trifyllis, Dr. med., Fachärztin für Gynäkologie und Geburtshilfe, Münster/W.

Literatur

Dieser Artikel basiert auf dem Fachartikel Schwangerschaftsabbruch. Nachfolgend finden Sie die Literaturliste aus diesem Dokument.

  1. Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend. Schwangerschaftsabbruch nach § 218 Strafgesetzbuch. Stand 01/2018 www.bmfsfj.de
  2. Richtlinie des Gemeinsamen Bundesausschusses zur Empfängnisregelung und zum Schwangerschaftsabbruch in der Fassung vom 10. Dezember 1985, zuletzt geändert am 04.01.2018. www.g-ba.de
  3. Statistisches Bundesamt. Schwangerschaftsabbrüche. Letzter Abruf 27.11.2015 www.destatis.de
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