Brustwarze, Ausfluss (Sekretion)

Bei Ausfluss (Sekretion) aus der Brustwarze tritt außerhalb einer Stillperiode einseitig oder beidseitig Flüssigkeit aus der Brust aus.

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Wie äußert sich der Ausfluss aus der Brustwarze?

  • Der Flüssigkeitsabgang kann vorübergehend oder dauerhaft sein. Es können einzelne Tropfen oder größere Flüssigkeitsmengen austreten. Die Flüssigkeit kann spontan oder nur durch Druck auf die Brust, einseitig oder beidseitig abgehen.
  • In den meisten Fällen handelt es sich bei dem Sekret um Muttermilch oder eine milchartige Flüssigkeit (Galaktorrhoe).

Häufigkeit

  • Vereinzelte Flüssigkeitsabgänge kommen relativ häufig vor und sind in der Regel nicht krankhaft.
  • In den allermeisten Fällen ist der Ausfluss aus den Brustwarzen harmlos. Bei bis zu 5 % ist allerdings Brustkrebs die Ursache dafür.
  • Tritt blutiges Sekret aus der Brust aus, erhöht sich das Risiko, dass Brustkrebs ursächlich ist, auf 25 %.
  • In seltenen Fällen ist ein Tumor in der Hirnanhangdrüse (Hypophyse) die Ursache.

Warum geht Flüssigkeit ab?

  • Die Brust besteht u. a. aus Drüsen, die nach einer Geburt für die Milchbildung sorgen. Unmittelbar nach einer Geburt werden von der Hirnanhangdrüse (Hypophyse) große Mengen Prolaktin ausgeschüttet, ein Hormon, das die Milchbildung angeregt. In manchen Fällen stellen die Milchdrüsen nach einer Stillperiode ihre Tätigkeit nicht ganz ein und bilden weiterhin Milch. Wie viel Prolaktin gebildet wird, ist individuell. Auch wie empfindlich die Brustdrüsen auf die Stimulation durch Prolaktin reagieren, ist unterschiedlich.
  • Brüste und Brustwarzen können durch mechanische Reize, scheuernde Kleidung, Drücken/Streicheln/Kitzeln der Brustwarzen oder sexuelle Aktivität stimuliert werden. Die Stimulation kann den Prolaktinspiegel erhöhen, in der Folge tritt Brustmilch aus. Auch dauerhafter Stress kann in manchen Fällen die Ursache sein.

Was kann die Ursache sein?

Häufige Ursachen

  • Verschiedene Arten der Bruststimulation. Das ist ganz normal. Siehe Text oben.
  • Dauerhafter Stress.
  • Tritt bei Neugeborenen Flüssigkeit aus der Brust aus, ist dies darauf zurückzuführen, dass Hormone (Östrogen) von der Mutter auf das Kind übergehen.
  • Brustkrebs
    • Die häufigste Krebsform bei Frauen, in Deutschland mit rund 70.000 Neuerkrankungen pro Jahr.
    • Häufig werden zufällig Knoten in der Brust oder in den Achselhöhlen entdeckt, hiervon treten 60 % im oberen Teil der Brust auf.
    • Mögliche Symptome sind Flüssigkeitsabgänge aus der Brustwarze, Ekzem auf der Brustwarze oder nicht heilende Wunden auf der Brust, Schmerzen in einem umgrenzten Bereich, Druckempfindlichkeit außerhalb der Regelblutung sowie schlechter Allgemeinzustand bei fortgeschrittener Erkrankung.

Seltenere Ursachen

Was Sie selbst tun können ...

  • In der Regel sind keine Maßnahmen und keine Behandlungen erforderlich.
  • Ist das Allgemeinbefinden gut und die Sekretion tritt immer auf, wenn die Brust oder Brustwarzen in irgendeiner Form stimuliert wurden, besteht kein Anlass zur Beunruhigung.
  • Bei Neugeborenen erfordert die Sekretion aus den Brustwarzen keine Maßnahmen oder Behandlung. Sie hört von selbst auf. Bei gestillten Kindern kann die Sekretion etwas länger andauern als bei nicht gestillten Kindern.

Wann sollten Sie einen Arzt aufsuchen?

  • Beschwerden, die spontan mehr als 1/2–1 Jahr seit der letzten Stillperiode auftreten und sich nicht eindeutig auf eine Ursache zurückführen lassen, sollten ärztlich abgeklärt werden.
  • Flüssigkeitsabgänge aus der Brust, die von Blutbeimengungen, Kopfschmerzen, Mattigkeit, Sehstörungen, Menstruationsstörungen, gesteigertem Durstgefühl und Wasserlassen begleitet sind, müssen ärztlich abgeklärt werden.
  • Unsicherheit bei der Diagnose

Was macht der Arzt?

Anamnese

Der Arzt stellt voraussichtlich folgende Fragen:

  • Wann Sind Sie auf die Flüssigkeitsabgänge aus der Brust aufmerksam geworden?
  • Ist nur eine oder sind beide Brüste betroffen?
  • Haben Sie gerade entbunden oder abgestillt?
  • Gab es Blutbeimengungen in der Flüssigkeit?
  • Tritt das Sekret spontan aus oder nur auf Druck?
  • Sind Ihnen andere Veränderungen an den Brüsten aufgefallen?
  • Nehmen Sie regelmäßig Medikamente ein? Wenn ja, welche?
  • Haben Sie andere Erkrankungen?
  • Ist die Menstruation regelmäßig?
  • Haben Sie andere Symptome oder Beschwerden?
  • Gibt es auslösende Faktoren?

Untersuchung beim Arzt

  • Ihr Arzt untersucht Ihre Brüste.
  • In Ausnahmefällen ist eine umfassendere Untersuchung erforderlich.

Andere Untersuchungen

  • In manchen Fällen werden Hormontests durchgeführt, u. a. um eine Schwangerschaft auszuschließen.
  • In seltenen Fällen, in denen ein Verdacht auf einen Tumor im Gehirn besteht, ist eine Magnetresonanztomografie (MRT) erforderlich.

Überweisung zum Spezialisten oder in ein Krankenhaus

  • Bei unklarer Diagnose oder bei Verdacht auf eine schwerwiegende Erkrankung.

Autoren

  • Julia Trifyllis, Dr. med, Fachärztin für Gynäkologie und Geburtshilfe, Münster/W

Literatur

Dieser Artikel basiert auf dem Fachartikel Brustdrüsensekretion. Nachfolgend finden Sie die Literaturliste aus diesem Dokument.

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