Eierstockzysten

Eine Zyste ist eine mit Flüssigkeit gefüllte Blase, die an der Oberfläche des Eierstocks sichtbar ist. Häufig treten mehrere gleichzeitig Zysten auf.

Deximed – Deutsche Experteninformation Medizin

"Deximed ist für mich eine große Hilfe, um im Praxisalltag schnell aktuelles Wissen zur Therapie oder Diagnostik nachschlagen zu können. Die übersichtliche Struktur ermöglicht es, sogar im Patientenkontakt rasch etwas nachzulesen." - PD Dr. med. Guido Schmiemann, Facharzt für Allgemeinmedizin, Bremen

Deximed ist ein unabhängiges Arztinformationssystem mit Fokussierung auf die primärärztliche Versorgung. Evidenzbasierte und regelmäßig aktualisierte Artikel zu allen medizinischen Gebieten zeichnen Deximed aus.

Mehr erfahren

Was sind Eierstockzysten?

Bei gutartigen Tumoren der Eierstöcke handelt es sich häufig um Zysten. Eine Zyste ist eine mit Flüssigkeit gefüllte Blase, die an der Oberfläche des Eierstocks sichtbar ist. Häufig treten mehrere Zysten gleichzeitig auf. Beim polyzystischen Ovarialsyndrom (PCO) handelt es sich jedoch um eine eigenständige Erkrankung, die durch zahlreiche Zysten an den Eierstöcken gekennzeichnet ist. Das PCO wird im oben verlinkten Artikel beschrieben.

Das Vorkommen von Eierstocksyten im fruchtbaren Alter ist normal; man nennt sie funktionelle Zysten. Diese stehen im Zusammenhang mit Eireifung und Eisprung und verschwinden gewöhnlich im Verlauf von ein bis drei Monaten. Andere Zysten sind auf ein übermäßiges Wachstum unterschiedlicher Zelltypen in den Eierstöcken zurückzuführen.

Etwa 10 % aller geschlechtsreifen Frauen im Alter von 45 bis 50 Jahren haben eine oder mehrere Eierstockzysten. Bei Frauen ohne Mensturation ist der Anteil derer mit Eierstockzysten etwas geringer (ca. 7 %).

Ursache

Normale (funktionelle) Zysten

Reifende Follikelzysten
Reifende Follikelzysten

In Vorbereitung auf den Eisprung bildet sich eine Reihe kleinerer Zysten (Follikelzysten) um die reifenden Eier in den Eierstöcken. Eines dieser Eier erweist sich gegenüber den anderen als überlegen, die Zyste platzt und das Ei tritt aus und gelangt in die Bauchhöhle, wo es von einem der Eileiter aufgenommen wird. Unmittelbar nach diesem Eisprung kommt es zu hormonellen Veränderungen, aufgrund derer der Reifungsprozess der anderen Eier unterbrochen wird; die Zysten um die übrigen Eier bilden sich zurück (sie platzen). In einigen Fällen bleibt das Platzen der Follikelzysten aus. Am Eierstock können demnach auch mehrere Zysten verbleiben, bis körpereigene Funktionen diese für Gewöhnlich eliminieren. Bei PCO bilden sich zahlreiche Follikelzysten an beiden Eierstöcken. Aber auch andere Arten von „normalen“ Zysten können sich an den Eierstöcken entwickeln (Corpus-luteum-Zysten, Theka-Luteinzysten), die keinen krankheitswert haben.

Gutartige Tumoren der Eierstöcke

An den Eierstöcken kann sich eine Vielzahl an Tumoren entwickeln. Man unterscheidet zwischen Tumoren, die von der Oberfläche der Eierstöcke ausgehen und solchen, die sich im Inneren der Eierstöcke bilden.

Bei den von der Oberfläche der Eierstöcke ausgehenden Tumoren unterscheidet man wiederum zwischen serösen (wässrigen) und muzinösen (schleimigen) Zystadenomen.

Seröse Zystadenome machen etwa 25 % alle gutartigen Eierstocktumoren aus; in 20 % der Fälle sind sie an beiden Eierstöcken angesiedelt. Seröse Zystadenome können groß werden.

Muzinöse Zystadenome können eine noch beträchtlichere Größe erreichen. Ein Platzen ist nicht auszuschließen; in diesem Fall kommt beim muzinösen Zystadenom zu einer Versprengung von schleimproduzierenden Zellen auf das Bauchfell. Dies kann zur Bildung weiterer Zysten an anderen Stellen in der Bauchhöhle führen.

Dermoidzysten (reife zystische Teratome) gehen von Eizellen aus. Ihr Anteil beträgt 10 % der gutartigen Eierstocktumoren. Auffallend bei dieser Art von Tumoren ist das Vorhandensein unterschiedlicher Gewebetypen wie beispielsweise Talg, Haare, Zähne und Knochen.

Tumore, die vom Inneren des Eierstocks (dem Ovarialstroma) ausgehen, sind gelegentlich hormonell aktiv. Sie können einen Anstieg unterschiedlicher Hormone bewirken und auf diese Weise Hormonstörungen und unterschiedliche Erkrankungen auslösen.

Symptome

Eierstockzysten oder -tumore verursachen erst dann Symptome, wenn sie aufgrund ihrer Größe auf Blase oder Enddarm drücken oder wenn es zu einer Vergrößerung des Bauchumfangs kommt. Bei großen Befunden besteht zudem die Gefahr, dass diese sich inklusive des Eierstocks um sich selbst wickeln. Hierdurch kann die Blutversorgung zum Eierstock und zur Zyste abgeschnürt werden. Akute, meist schubweise auftretende Bauchschmerzen sind die Folge. Wenn der komplette Eierstock torqiert ist, muss dies schnellstmöglich mittels einer Operation (zumeist im Rahmen einer Bauchspiegelung) behoben werden, damit der Eierstock nicht abstirbt. Schmerzen können auch dann auftreten, wenn die Zyste zu bluten beginnt oder einreißt. Wie oben erwähnt kann es vorkommen, dass Tumoren/Zysten Hormone produzieren. In diesen Fällen machen sich unterschiedliche Symptome bemerkbar, die auf die Hormonproduktion zurückzuführen sind.

Diagnostik

Die Symptome sind gelegentlich Anlass für eine Verdachtsdiagnose. Nur durch eine ärztliche Untersuchung kann festgestellt werden, ob es sich um einen Eierstocktumor oder eine funktionelle Zyste am Eierstock handelt.

Bei einer gynäkologischen Untersuchung können Ärzte viele dieser Tumoren/Zysten ertasten. Je größer sie sind, desto leichter lassen sie sich bei der Tastuntersuchung erkennen. Zur sicheren Diagnosestellung wird eine Ultraschalluntersuchung des Unterleibs durchgeführt; die entgültige Diagnose kann erst nach feingeweblicher Untersuchung von im Rahmen einer Operation gewonnenen Gewebes gestellt werden.

Zysten bei Frauen in und nach den Wechseljahren müssen kurzfristig kontrolliert und abgeklärt werden, um nicht das Vorliegen eines Eierstockkrebses zu übersehen.

Behandlung

Follikelzysten werden im Verlauf von einem oder zwei Zyklen beobachtet. Die meisten verschwinden spontan. Wenn die Zyste an Größe zunimmt oder Symptome verursacht, kann sie operativ entfernt werden.

Ebenfalls operativ entfernt werden seröse und muzinöse Zystadenome sowie Dermoidzysten.

Im Fall einer Operation wird man versuchen, die Eierstöcke soweit wie möglich zu erhalten. Zumeist ist die Operation per Bauchspiegelung möglich.

Bei Unklarkeit, ob es sich um gutartige oder bösartige Befunde handelt, wird man Ihnen – insbesondere nach den Wechseljahren – zur operativen Abklärung raten, damit Sie Sicherheit haben.

Prognose

Eierstockzysten neigen dazu, nach der Therapie erneut aufzutreten. Die Prognose ist jedoch gut, wenn es sich um eine gutartige Erkrankung handelt.

Weiterführende Informationen

Autoren

  • Julia Trifyllis, Fachärztin für Gynäkologie und Geburtshilfe, Köln
  • Philipp Ollenschläger, Medizinjournalist, Köln

Literatur

Dieser Artikel basiert auf dem Fachartikel Ovarialzyste. Nachfolgend finden Sie die Literaturliste aus diesem Dokument.

  1. Hopkins MP, Randolph LK. Ovarian cysts. BestPractice, last updated Nov 05, 2013.
  2. Bailey CL, Ueland FR, Land GL, DePriest GD et al. The malignant potential of small cystic ovarian tumours in women over 50 years of age. Gyn Oncol 1998;69:819-24. PubMed
  3. Kroon E, Andolf E. Diagnosis and follow-up of simple ovarian cysts detected by ultrasound in postmenopausal women. Obstet Gynecol 1995;85:211-4. PubMed
  4. Lattrich C, Schüler S, Ortmann O. Operative Strategien bei Ovarialzysten. Frauenheilkunde uptodate 2013. dx.doi.org
  5. Hall GH, Turnbull LW, Richmond I, et al. Localisation of somatostatin and somatostatin receptors in benign and malignant ovarian tumours. Br J Cancer 2002;87:86-90. PubMed
  6. Shwayder JM. Pelvic pain, adnexal masses, and ultrasound. Semin Reprod Med 2008;26:252-265. PubMed
  7. Grimes DA, Jones LB, Lopez LM, Schulz KF. Oral contraceptives for functional ovarian cysts. Cochrane Database of Systematic Reviews 2014, Issue 4. Art. No.: CD006134. DOI: 10.1002/14651858.CD006134.pub5. DOI