Polyzystisches Ovarsyndrom (PCO-Syndrom)

Das polyzystische Ovarsyndrom (PCOS) ist die häufigste Hormonstörung bei Frauen im fertilen Alter und eine häufige Ursache für Infertilität. Die Erkrankung ist oft gekennzeichnet durch viele kleine Zysten (Eibläschen) in den Eierstöcken, die sogenannten polyzystischen Ovarien (PCO). Im Vordergrund stehen Zyklusstörungen und häufig Unfruchtbarkeit.

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Was ist ein polyzystisches Ovarsyndrom?

 Gebärmutter
Gebärmutter

Bei polyzystischen Ovarien (PCO) befinden sich an den Eierstöcken viele kleine Zysten (Eibläschen). Diese kommen bei ca. 20 % aller Frauen im fertilen Alter vor. Die Veränderungen sind nur durch Ultraschalluntersuchung sichtbar. Die meisten Frauen mit diesen Auffälligkeiten haben jedoch keine Symptome bzw. Beschwerden.

Wenn PCO in Verbindung mit einer Hormonstörung vorkommt, spricht man vom polyzystischen Ovarsyndrom (PCOS). Die Hormonstörung wird durch eine erhöhte Konzentration des männlichen Geschlechtshormons (Testosteron) und eine verminderte Empfindlichkeit gegenüber dem blutzuckersenkenden Hormon Insulin bewirkt. Zystenbildungen stören die Funktion der Eierstöcke und führen zum Ausbleiben des Eisprungs und zu Menstruationsstörungen.

Von PCOS sind ca. 5 bis 10 % der Frauen im gebärfähigen Alter betroffen. Die Erkrankung kommt in bestimmten Familien vermehrt vor - es können Mütter oder Schwestern von PCOS betroffen sein. Die Erkrankung kann bei fruchtbaren Frauen grundsätzlich in jedem Alter auftreten, wird jedoch bei vielen Frauen in der späteren Jugend bemerkt.

Symptome

Die Symptome für PCOS sind vermehrte Körperbehaarung (Hirsutismus), Akne, Ausbleiben der Menstruation oder lange Intervalle, Übergewicht und Störungen der Fruchtbarkeit (Infertilität). Möglich sind auch Haarausfälle wie bei Männern.

Vom auffälligen, eher männlichem Haarwuchs (Hirsutismus) sind ca. 70 % der Frauen mit PCOS betroffen. Kennzeichnend sind Bartwuchs, Behaarung zwischen den Brüsten, auf der Innenseite der Oberschenkel und vom Schambein mittig bis zum Nabel hinauf. Ungefähr die Hälfte aller Frauen mit PCOS leidet unter Übergewicht, wobei sich das Fettgewebe meistens um die Hüften herum ansammelt. Die Gewichtszunahme beginnt in der Regel ab ca. dem 15. Lebensjahr und erstreckt sich bis zum ca. 20. Lebensjahr. Die Menstruationsstörungen sind in 50 % der Fälle das Ausbleiben der Menstruation (Amenorrhö) und in 30 % der Fälle verlängerte Intervalle. Eine normale Menstruation behalten 20 % der betroffenen Patientinnen. Seltene oder ausgebliebene Menstruationen können im Laufe der Zeit die Gefahr für Gebärmutter-, Brust- und Eierstockkrebs etwas erhöhen.

Veränderungen im Stoffwechsel

Ein wichtiges Krankheitsanzeichen für PCOS ist die im Laufe der Jahre fortschreitende Stoffwechselstörung, das sogenannte metabolische Syndrom, das zudem mit Übergewicht, hohen Cholesterinwerten und hohem Blutdruck einhergeht. Diese Veränderungen sind Risikofaktoren für mögliche spätere Erkrankungen, wie Zuckerkrankheit (Diabetes mellitus) sowie Herz- und Gefäßerkrankungen. Neben der Behandlung der PCOS-Symptome ist es daher sehr wichtig, eventuellen zukünftigen Herz- und Gefäßkrankheiten vorzubeugen.

Ursache

Man vermutet eine erblich bedingte Veränderung des Hormonstoffwechsels in den Eierstöcken. Inzwischen steht fest, dass bei Frauen mit PCOS die normalen Schwankungen des Östrogenspiegels in Verbindung mit dem Menstruationszyklus fehlen. Bei den betroffenen Frauen liegt konstant ein erhöhter Östrogenspiegel vor, da Östrogen unter anderem im Fettgewebe aus Androgenen (männliche Geschlechtshormone) gebildet wird. Dies aktiviert die Freisetzung des Hormons LH, das wiederum zur Produktion des männlichen Geschlechtshormons beiträgt. So entsteht ein sich selbst verstärkender Kreislauf. Viele der Symptome entstehen aufgrund der erhöhten Menge männlicher Geschlechtshormone (v. a. Testosteron). Hormonstörungen führen auch zum Ausbleiben des Eisprungs und infolgedessen zu Blutungen, die keinem geregelten Zyklus entsprechen, und Infertilität.

Bei PCOS und v. a. gleichzeitigem Übergewicht reagiert der Körper oft auch nicht mehr auf Insulin, also das Hormon, das Glukose aus dem Blut in die Zellen strömen lässt. Die Unempfindlichkeit gegenüber Insulin wird wahrscheinlich durch einen körperlich inaktiven Lebensstil noch verstärkt. Als Folge erhöht sich der Blutzuckerspiegel (Metabolisches Syndrom als mögliche Vorstufe eines Diabetes mellitus).

Diagnostik

Die Symptome dieser Erkrankung sind im Normalfall leicht zu erkennen; ganz typisch ist eine Kombination aus seltener oder fehlender Menstruation, Unfuchtbarkeit, Behaarungstyp wie bei einem Mann und Übergewicht. Allerdings kann einerseits ein PCOS auch ohne auffällige Behaarung oder Übergewicht auftreten, und es kann andererseits eine Reihe anderer Krankheiten mit ähnlichen Beschwerden und Befunden einhergehen. Deshalb wird der Arzt verschiedene Untersuchungen durchführen, um andere Erkrankungen auszuschließen. Dazu gehören neben der Krankengeschichte eine allgemeine körperliche und eine gynäkologische Untersuchung, Ultraschall der Eierstöcke und der Gebärmutter sowie die Bestimmung der Geschlechtshormone im Blut, Messung des Blutzuckers und ggf. andere Bluttests. Der Arzt stellt die Diagnose PCOS, wenn mindestens zwei der folgenden Tatsachen zutreffen:

  • Viele, kleine Zysten an den Eierstöcken (PCO) im Rahmen der Ultraschalluntersuchung diagnostiziert.
  • Menstruationen mit stets sehr langen Intervallen (>35 Tage) oder keine Menstruation (Amenorrhö, Intervalle >6 Monate)
  • Menstruationen mit unterschiedlich langen Intervallen (>32 Tage)
  • hohe Testosteronwerte im Blut

Die gynäkologische Untersuchung ergibt in der Regel neben den möglicherweise vorliegenden zahlreichen kleinen Zysten an den Eierstöcken nichts Außergewöhnliches. Auch ohne im Ultraschall sichtbaren zahlreichen kleinen Zysten an den Eierstöcken kann die Diagnose des PCOS gestellt werden. Und es auch nicht ungewöhnlich, dass Frauen ohne PCOS-Erkrankung Zysten an den Eierstöcken haben. Für die Diagnose ist also eine Kombination verschiedener Befunde wichtig, jeder einzelne muss nicht auftreten.

Normalerweise macht der Arzt verschiedene Hormontests und kontrolliert bei Übergewicht die Werte für Blutzucker sowie die Blutfettwerte. Diese Blutproben werden normalerweise beim nüchternen Patienten entnommen.

Therapie

Für viele betroffene Frauen ist die einzig notwendige Behandlung eine Gewichtsabnahme. Schon eine Gewichtsabnahme von 5–10 % (evtl. sogar ab 2%) kann zur Normalisierung der Menstruation beitragen, wodurch der Eisprung zurückkehrt und eine Schwangerschaft in 20–60 % der Fälle ermöglicht wird. Bei einer Gewichtsabnahme bildet sich oft auch die starke Körperbehaarung zurück; besonders wichtig ist jedoch, dass das Erreichen und Halten eines Normalgewichts die Gefahr für Herz- und Gefäßkrankheiten verringert. Abzunehmen kann für PCOS-Patienten schwierig sein, ggf. ist es sinnvoll, einen Ernährungsberater für die gezielte Umstellung der Ernährung zu Rate ziehen.

Gewichtsabnahme

Die Gewichtsabnahme sollte nicht zu schnell erfolgen. Die wichtigsten Maßnahmen sind regelmäßige Bewegung und ausgewogene Mahlzeiten mit viel Gemüse und weniger Fett und Zucker.

Medikamente

Die Auswahl der Medikamente erfolgt symptombezogen:

Behandlung des vermehrten Haarwuchses

Eine Kombipille (Östrogen + Gestagen) kann die Behaarung an den typischen Körperstellen zurückdrängen; diese entfaltet ihre diesbezügliche Wirkung aber erst nach ca. 6–8 Monaten. Bei ausgesprochen starker Behaarung kann dem Testosteron mit Medikamenten, den sogenannten Antiandrogenen, entgegengewirkt werden. Das Medikament Spironolacton hemmt die Produktion und Wirkung von Testosteron, auch Dexamethason (ein Kortisonpräparat) bremst die Androgenproduktion.

Man kann dem vermehrten Haarwuchs auch mit einem speziellen Medikament gegen Akne begegnen, das Östrogen und Antiandrogen mit Gestagen-Wirkung enthält. Dies funktioniert auch als Empfängnisverhütungsmittel und ist eine Alternative zu herkömmlichen Verhütungspillen. 

Bei beschwerlichem Haarwuchs sind oft das Epilieren oder die Haarentfernung mithilfe von Laser Optionen.

Behandlung von Menstruationsstörungen (kein Kinderwunsch)

Orale Kontrazeptiva sorgen für regelmäßige Menstruationen und schützen auf längere Sicht gegen Gebärmutterkrebs.

Wenn Sie keine kombinierten Pillen nehmen wollen oder können, sollten regelmäßige Menstruationen mithilfe von Gestagen (synthetisches Gelbkörperhormon) hervorgerufen werden. Die Gestagen-Tabletten werden zum Beispiel alle zwei Monate für jeweils zehn Tage lang eingenommen.

Behandlung bei unerfülltem Kinderwunsch

Bei bestehendem Kinderwunsch kann der Arzt Medikamente verschreiben, die den Eisprung stimulieren. Da es bei PCOS vermehrte Eianlagen gibt, lässt sich ein Eisprung oftmals leicht hervorrufen. Zum Hervorrufen des Eisprungs werden 5 Tage lang Clomifen-Tabletten eingenommen, damit nach ca. 10 Tagen ein Eisprung erfolgt bzw. medikamentös ausgelöst wird. Die Medikation mit Clomifen bewirkt in 50–60 % der Fälle einen Eisprung und in ca. 30 % der Fälle eine Schwangerschaft. Diese Behandlung steigert jedoch das Risiko von Mehrlingsgeburten (Zwillinge oder Drillinge). Möglicherweise rät der Arzt zur zusätzlichen Gabe von Dexamethason oder einer alternativen Therapie mit Gonadotropin oder anderen Hormonen. Grundsätzlich gibt es diesbezüglich verschiedene mögliche Therapieoptionen, der Arzt kann Sie genau beraten.

Das Medikament Clomifen kann mit dem Diabetes-Medikament Metformin kombiniert werden, allerdings ist dieses für die Therapie des PCOS offiziell nicht zugelassen. Der Arzt kann es aber unter bestimmten Bedingungen trotzdem verschreiben.

Wenn die Behandlung mit Tabletten nicht hilft, können Hormonspritzen eingesetzt werden. Eine weitere Möglichkeit ist die künstliche Befruchtung.

Weitere Behandlungsmöglichkeiten

Als ein Schritt in der Behandlung gegen unerfüllten Kinderwunsch bei PCOS können im Rahmen eines kleinen, chirurgischen Eingriffs die Zysten an den Eierstöcken eröffnet werden (sog. „Ovarian Drilling“).

Falls die Familienplanung bei einer betroffenen Frau abgeschlossen ist, und sich die Symptome des PCOS durch Medikamente und andere Maßnahmen nicht lindern lassen, kann die chirurgische Entfernung der Gebärmutter und der Eierstöcke eine Möglichkeit der Therapie sein.

Prognose

Diese Erkrankung ist chronisch, aber mit Behandlung und Gewichtsabnahme können die Beschwerden gut verringert werden. Unerfüllter Kinderwunsch ist für viele betroffene Frauen ein Problem, aber die Menstruationen werden im Laufe der Behandlungszeit oft regelmäßiger und können eine spontane Schwangerschaft ermöglichen. Es gibt auch weitere, gute Möglichkeiten zur Stimulierung einer Schwangerschaft. Schwangere Frauen nach PCOS werden sorgfältig und regelmäßig untersucht, weil sie etwas häufiger als andere während dieser Zeit zuckerkrank werden oder auch eine Frühgeburt erleben. Grundsätzlich sind bei allen Patientinnen mit PCOS regelmäßige ärztliche Kontrollen wichtig, um der Gefahr von Diabetes sowie Herz- und Gefäßerkrankungen entgegenzuwirken.

Weitere Informationen

Autoren

  • Susanne Meinrenken, Dr. med., Bremen
  • Julia Trifyllis, Dr. med., Fachärztin für Gynäkologie und Geburtshilfe, Münster/W.

Literatur

Dieser Artikel basiert auf dem Fachartikel Polyzystisches Ovarsyndrom. Nachfolgend finden Sie die Literaturliste aus diesem Dokument.

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