Hormonelle Verhütungsmittel und Nebenwirkungen

Hormonelle Verhütungsmittel haben am Anfang der Behandlung häufig Nebenwirkungen, von denen die meisten ungefährlich sind. Die Nebenwirkungen gehen zumeist schnell zurück und sind für die meisten Frauen akzeptabel.

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Hormonelle Verhütungsmittel bestehen zumeist aus den beiden Hormonen Gestagen (synthetisch hergestelltes Hormon, das die gleiche chemische Struktur hat wie Progesteron, dem körpereigenen Gelbkörperhormon) und Östrogen oder enthalten nur ein Gestagen.

Es gibt verschiedene hormonelle Verhütungsmittel:

  • Orale Kontrazeptiva („Pille“): Kombinationspräparat mit Östrogen und Gestagen
  • Minipille (Gestagenpille): niedrig- bzw. mitteldosierte Pille mit ausschließlich Gestagen ohne Östrogen
  • Verhütungsspritze: langzeitwirksames Gestagen in Spritzenform
  • Verhütungsstäbchen (unter der Haut des Oberarms): Enthält nur Gestagen.
  • Hormonspirale: Hat Hormoneinlagen aus Gestagen.
  • Postkoitalpille („Pille danach“): Die Pille danach mit dem hochdosierten Gestagen Levonorgestrel sollte innerhalb von 72 Stunden (drei Tage) nach dem Geschlechtsverkehr eingenommen werden, während die Pille danach mit Ulipristalaceteat (UPA), eine, Progesteron-Rezeptormodulator, bis zu 120 Stunden (fünf Tage) nach einem ungeschützten Verkehr wirksam ist. Beide sind rezeptfrei in der Apotheke erhältlich.

Von hormonellen Verhütungsmitteln verursachte Nebenwirkungen nehmen in der Regel innerhalb von drei bis fünf Monaten ab und sind für die meisten akzeptabel. Obwohl die meisten Nebenwirkungen vorübergehend sind, geben zwei von drei Frauen an, die hormonellen Verhütungsmittel aufgrund der Nebenwirkungen bzw. einer Angst vor Nebenwirkungen abzusetzen.

Je nach Art der Nebenwirkungen können die Beschwerden häufig durch einen Wechsel des Verhütungsmittels gemindert werden. Die sind die häufigsten Nebenwirkungen:

Gewichtszunahme

Die Verhütungsspritze ist das einzige hormonelle Verhütungsmittel, das nachgewiesenermaßen mit einer Gewichtszunahme in Verbindung steht. Eine Studie mit einem Beobachtungszeitraum von drei Jahren hat bei denjenigen, die eine Verhütungsspritze bekommen, eine Gewichtszunahme von durchschnittlich 5 kg festgestellt.

Bei allen, die die üblichen modernen oralen Kontrazeptiva einnehmen, konnte keine Gewichtszunahme festgestellt werden. Es besteht kein Unterschied zwischen den verschiedenen „Pillen“ in Bezug auf eine eventuelle Gewichtszunahme. Einige Pillen können jedoch harntreibend wirken. Zahlreiche Studien zum Zusammenhang von oralen Kontrazeptiva und Gewichtszunahme hatten das Ergebnis, dass die modernen Pillen nicht zu einer Gewichtszunahme führen.

Kopfschmerzen

Orale Kontrazeptiva erhöhen das Risiko für einen Herzinfarkt bei Frauen, die an Migräne mit Aura leiden, und sollten deswegen von diesen Frauen nicht eingenommen werden. Ca. 10 % aller Frauen, die hormonelle Verhütungsmittel anwenden, bekommen Probleme mit neu auftretenden Kopfschmerzen. Das Risiko kann von der Art der Verhütungspilee abhängen.

Kopfschmerzen sind während des ersten Zyklus mit einer neuen Pille üblich, und bei Pillen mit einem höheren Östrogengehalt, d. h. wenn sie mehr Östrogen enthalten bzw. abgeben. Häufig hilft es, das Präparat oder die Methode zu wechseln. Meist verschwinden die Beschwerden aber auch nach den ersten Monaten.

Schmerzempfindliche Brüste

Bei Frauen, deren Brüste nach der Einnahme der Pille schmerzempfindlich werden, hören die Beschwerden nach einigen Monaten bei fortgesetzter Einnahme auf. Aber auch hier bestehen Unterschiede zwischen den verschiedenen Präparaten und Methoden, abhängig vom Hormongehalt. Wegen des höheren Östrogeneinflusses treten schmerzempfindliche Brüste häufiger auf, wenn mit Pflaster verhütet wird.

Unregelmäßige Blutungen

Während der ersten Monate nach Beginn der Einnahme kommen häufiger geringe unregelmäßige Blutungen vor. Einige Patientinnen setzen die Pille deswegen ab. Bei Minipillen, oralen Kontrazeptiva mit geringem Hormongehalt oder bei den neueren Pillen mit natürlichem Östrogen kommen diese Blutungen häufiger vor. Bei der Verhütungsspritze oder einer Hormonspirale sind unregelmäßige Blutungen zu Beginn der Behandlung üblich. Die Blutungen können danach vollständig aussetzen, was viele als sehr positiv empfinden. Dies gilt auch für die neueren Pillen. Verhütungsstäbchen sind auch dafür bekannt, dass sie Blutungsstörungen verursachen, während ein Vaginalring meist zu regelmäßigen Blutungen führt.

Wenn länger als drei bis sechs Monate unregelmäßige Blutungen auftreten, kann erwogen werden, das Verhütungsmittel zu wechseln.

Stimmung

Die verschiedenen hormonellen Verhütungsmethoden beeinflussen die Stimmung auf unterschiedliche Weise. Studien deuten darauf hin, dass hormonelle Verhütungsmittel das Risiko für Depressionen nicht erhöhen. Es kann aber individuelle Unterschiede bei der Empfindsamkeit geben. Einige Methoden der hormonellen Verhütung wirken gut bei leichten Formen der prämenstruellen Störungen (PMS).

Sexuelle Störung

Die Forschungsergebnisse sind uneinheitlich und die Mechanismen möglicher Auswirkungen sind unklar. Ein deutliches Muster ist nicht erkennbar, aber es kann nicht ausgeschlossen werden, dass hormonelle Verhütungsmittel die Libido bei einzelnen Patientinnen beeinflussen können, sowohl auf positive als auch auf negative Weise. Bei eventuellen negativen Auswirkungen, die länger als drei Monate anhalten, kann ein Wechsel des Präparates hilfreich sein. Es ist wichtig „intelligent zu wechseln“, d. h. es sollte Rücksicht auf den Hormongehalt bei den verschiedenen Methoden genommen werden. Es gibt allerdings keine Studie, die nachweist, dass eine Methode besser ist als eine andere. Weil die Sexualfunktion auf vielen verschiedenen Faktoren beruht, sollten Sie gemeinsam mit Ihrer Ärztin/Ihrem Arzt überlegen, ob es auch andere Erklärungen für die Veränderung geben kann, bevor Sie das Verhütungsmittel wechseln.

Hautveränderungen

Akne und Pickel können auftreten oder sich bei Anwendung bestimmter Gestagen-Präparate verschlimmern, während sich die Haut bei einer kombinierten Pille oft verbessert. Wenn Hautveränderungen eintreten wird empfohlen, dass Sie zu einer Kombinationspille wechseln (enthält sowohl Östrogen als auch Gestagen), wenn keine anderen medizinischen Gründe dagegen sprechen. Bei den meisten geht das Akneproblem dann zurück. Verschiedene Antibabypillen wirken unterschiedlich bei Akne.

Auswirkungen auf die Knochen

Studien zeigen, dass die langfristige Einnahme von Gestagenen in hoher Dosis zu einer verringerten Östrogenproduktion in den Eierstöcken führen und sich damit negativ auf die Knochendichte auswirken kann. Dies hat sich bisher nur als Problem bei Depotspritzen mit Gestagen (Verhütungsspritze) erwiesen und ist ein wichtiger Grund dafür, dass diese Verhütungsmethode bei Minderjährigen und bei Frauen mit erhöhtem Risiko für Osteoporose nicht empfohlen wird, ebenso wenig wie für Behandlungen, die über mehrere Jahre in Folge erfolgen. Es hat sich gezeigt, dass die Knochendichte wieder im Normalbereich liegt, wenn die Behandlung ein bis zwei Jahre ausgesetzt wurde.

Erhöhtes Risiko für Blutgerinnsel

Verhütungsmittel, die Östrogen enthalten, erhöhen das Risiko für Blutgerinnsel. Frauen, die ein Blutgerinnsel gehabt haben, die Verwandte ersten Grades mit Blutgerinnseln haben oder bei denen selbst ein erhöhtes Risiko für Blutgerinnsel besteht, sollten keine Verhütungsmittel verwenden, die Östrogen enthalten. Auch bei gesunden Frauen steigt das Risiko für Blutgerinnsel bei der Anwendung von kombinierten Antibabypillen, jedoch ist das Risiko weiterhin so gering, dass es als sicher gilt, die Pille zu nehmen, wenn keine Risikofaktoren vorliegen.Das Risiko unter der kombinierten Pille eine Thrombose zu erleiden, ist in den ersten Einnahmewochen höher als bei der Langzeitanwendung, sodass auf unnötiges Pausieren der Pille (mit Ausnahme der dreiwöchigen Pillenpause für 7 Tage) verzichtet werden sollte. Während einer Schwangerschaft ist das Risiko für ein Blutgerinnsel wesentlich erhöht. Es wird angenommen, dass Antibabypillen, bei denen Östrogen mit dem Gestagen Levonorgestrel kombiniert wird, das geringste Risiko für Blutgerinnsel haben. Diese sind deshalb erste Empfehlung bei einer Neuverschreibung. Theoretisch gilt dies auch für neuere orale Kontrazeptiva, selbst wenn dies in der Praxis noch nicht nachgewiesen wurde. Weil Blutgerinnsel so selten sind, sind einige Jahre nötig und viele 10.000 Nutzerinnen, um einen möglichen Unterschied beim Risiko nachzuweisen. Es gibt heutzutage viele orale Kontrazeptiva mit Levonorgestrel. Bei Präparaten mit ausschließlich Gestagen ist das Risiko für Blutgerinnsel nicht erhöht.

Verminderte Milchproduktion

Es ist nicht sicher, ob die kombinierte Pille die Produktion von Muttermilch beeinflusst. Unabhängig davon, wird Frauen abgeraten während des Stillens und während der ersten sechs Wochen nach der Geburt kombinierte Pillen zu nehmen, weil ein erhöhtes Risiko für Blutgerinnsel besteht. Die Mittel mit Gestagen beeinflussen die Milchproduktion nicht.

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Autoren

  • Julia Trifyllis, Dr. med., Fachärztin für Gynäkologie und Geburtshilfe, Münster/W.