Hormonspirale

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Wirkungsmechanismus

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Diese Spirale enthält Hormone und setzt diese frei. Bei dem Hormon handelt es sich um Gestagen. Es gehört zu der gleichen Gruppe Hormone, die in der Minipille enthalten sind. Die Hormonspirale enthält, im Unterschied zu den kombinierten Verhütungspillen, kein Östrogen.

Durch kleine Poren wird jeden Tag eine konstante und sehr kleine Menge Hormone ausgeschieden. Diese wirken auf die Schleimhaut in der Gebärmutter und bewirken, dass:

  • sich das Sekret im Gebärmutterhals verändert und die Spermien nicht mehr so leicht hindurch kommen. Die Funktion der Spermien wird beeinflusst, sodass die Befruchtung verhindert wird.
  • die Gebärmutterschleimhaut weniger empfänglich für eine befruchtete Eizelle wird.
  • die Hormonmenge außerhalb der Gebärmutter so gering ist, dass der Eisprung in der Regel nicht beeinflusst wird.

Vorteile

  • Es ist eine sehr wirksame Verhütungsmethode.
  • Es bestehen keine schweren Nebenwirkungen:
    • Kein erhöhtes Risiko für Blutgerinnsel
    • Die Spirale kann auch bei Frauen eingesetzt werden, die aufgrund einer tiefen Venenthrombose mit Marcumar oder Warfarin behandelt werden.
  • Die Menstruation wird gering und kurz. Bei mehr als 20 % der Frauen hören die Blutungen nach einigen Monaten vollständig auf. Die Spirale eignet sich deswegen besonders gut für Frauen, die ein Problem mit starken Blutungen haben. Sie ist eine wirksame Behandlung gegen starke Menstruationsblutungen.
  • Die Spirale kann fünf Jahre in der Gebärmutter bleiben, bis sie ausgetauscht werden muss.
  • Nachdem die Hormonspirale herausgenommen wurde, ist die Wahrscheinlichkeit schwanger zu werden genauso hoch wie vorher. Die Frauen sind sofort wieder fruchtbar. Sie müssen auch nicht damit warten, schwanger zu werden, nachdem die Spirale entfernt wurde.
  • Es ist eine preiswerte Verhütungsmethode.
  • Die Hormonspirale kann auch während des Stillens eingesetzt werden.

Nachteile

  • In der ersten Zeit kann es zu unregelmäßigen, schwachen Blutungen kommen, meist während der ersten zwei bis vier Monate nach dem Einsetzen. Danach nimmt die Menstruation ab, wie oben beschrieben.
  • Schmerzempfindliche Brüste, Kopfschmerzen, fettige Haut und Haare sowie Pickel können vor allem während der ersten Monate nach dem Einsetzen auftreten.
    • Diese Nebenwirkungen sind selten und gehen meist vorüber.
  • Die Spirale bietet keinen Schutz vor Geschlechtskrankheiten, kann aber aufgrund ihres Einflusses auf das Gebärmuttersekret einen gewissen Schutz vor aufsteigenden Infektionen bieten.

Die Hormonspirale muss nach fünf Jahren ausgewechselt werden.

Die Spirale wird nach fünf Tagen ohne Geschlechtsverkehr entnommen. Die Hormonspirale kann auch verwendet werden, um die Gebärmutterschleimhaut während der Östrogenbehandlung im Klimakterium zu schützen. Hormonspiralen erhöhen nicht das Risiko für eine Infektion in der Gebärmutter, sondern bieten einen gewissen Schutz. Beim Einsetzen kann allerdings eine bestehende Infektion ausgelöst werden und muss bei Bedarf behandelt werden.

Allgemeines

  • Die Spirale, insbesondere die Hormonspirale, ist ein sehr sicheres Verhütungsmittel.
  • Es gibt mittlerweile verschiedene Größen der Hormonspirale, so dass sie auch auch bei jungen Frauen, die noch kein Kind geboren haben, eingesetzt werden kann.
  • Es besteht kein erhöhtes Risiko für die Entstehung von Brustkrebs. Frauen mit Brustkrebs sollten allerdings keine Hormonspirale oder andere hormonelle Verhütungsmittel verwenden. Eine ausgezeichnete Alternative ist die Kupferspirale.
  • Die Hormonspirale eignet sich gut für Frauen, die an starken Menstruationsblutungen leiden. Sie schützt auch vor einer dadurch bedingten Blutarmut (Anämie).
  • Sie ist eine gute Alternative, wenn die Kupferspirale beschwerliche Blutungen verursacht.

Weiterführende Informationen

Autoren

  • Julia Trifyllis, Dr. med., Fachärztin für Gnäkologie und Geburtshilfe, Münster/W

Literatur

Dieser Artikel basiert auf dem Fachartikel Spirale, intrauterine. Nachfolgend finden Sie die Literaturliste aus diesem Dokument.

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