Kombinierte Verhütungspille und das Risiko von Blutgerinnsel

Wichtige Informationen über hormonelle Kontrazeption und das Risiko für Blutgerinnsel. Wann ist das Risiko erhöht? Auf welche Symptome sollten Sie achten?

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Alle hormonellen Verhütungsmethoden (Kontrazeptiva), die eine Kombination aus Östrogen und Progestogen enthalten, erhöhen das Risiko für Blutgerinnsel. Hierzu zählen kombinierte Antibabypillen, Verhütungspflaster oder Verhütungsringe. 

Das Risiko für Blutgerinnsel ist gering (5–12 Fälle pro 10 000 Frauen pro Jahr), aber Blutgerinnsel können schwerwiegende Folgen haben, und in sehr seltenen Fällen können sie tödlich sein. Das Risiko für ein Thrombose und Embolie pro Jahr bei fehlenden Risikofaktoren hängt vom Alter ab: bis zum 20 Lebensjahr erkrankt eine von 100.000 Frauen, vom 30. bis zum 40. Lebensjahr eine von 10.000, Frauen, zwischen 40 und 75 Jahren eine von 1000 Frauen und über dem 75. Lebensjahr eine von 100 Frauen. Kombinierte Pillen erhöhen das Risiko im ersten halben Einnahmejahr 6–8-fach, bei langjähriger Einnahme 2–3-fach. Drei Monate nach dem Absetzen ist das Risiko nicht mehr erhöht.

Es ist wichtig, dass Sie sich darüber im Klaren sind, was bei Ihnen ein erhöhtes Risiko für ein Blutgerinnsel verursachen kann, welche Anzeichen und Symptome Sie beachten sollten, und was sie tun sollten.

Kombinationspräparate mit dem geringsten Risiko

Das geringste Risiko für venöse Thromboembolien unter den kombinierten hormonellen Kontrazeptiva haben solche mit Gestagenen der 3. Generation. Präparate mit dem Wirkstoff Levonorgestrel gelten als Methoden der 1. Wahl laut der bundesdeutschen und europäischen Arzneimittelbehörde für die Erstverschreibung. Die Entscheidung für die Verwendung eines anderen kombinierten hormonellen Kontrazeptivums als desjenigen mit dem geringsten Risiko sollte nur nach einem ausführlichen Patientin-Arzt-Gespräch mit Erläuterung der Alternativen getroffen werden. Auch bei diesen Kombinationspräparaten sind die Gegenanzeigen zu beachten.

In welchen Situationen ist das Risiko für ein Blutgerinnsel insbesondere erhöht?

  • Im ersten halben Jahr, in dem Sie ein hormonelles Kombinationspräparat verwenden (auch, wenn Sie nach einer Pause von 4 Wochen oder mehr wieder mit der Verwendung beginnen). Das höchste Risiko besteht nach 4 Monaten nach Einnahmebeginn.
  • Wenn Sie übergewichtig sind (Body Mass Index, BMI, über 30 kg/m2)
  • Wenn Sie älter als 35 Jahre sind.
  • Wenn ein enges Familienmitglied von Ihnen ein Blutgerinnsel in einem relativ jungen Alter (z. B. unter 50 Jahren) gehabt hat.
  • Im Wochenbett

Wenn Sie rauchen und älter als 35 Jahre sind, wird dringend empfohlen, dass Sie mit dem Rauchen aufhören oder dass Sie eine andere Methode der Empfängnisverhütung als ein kombiniertes hormonelles Verhütungsmittel verwenden.

Wenden Sie sich umgehend an einen Arzt oder ein Krankenhaus, wenn Sie eines der unten aufgeführten Symptome bekommen

  • Schmerzen oder Schwellung in einem Bein oder Arm, möglicherweise in Kombination mit Empfindlichkeit, Wärme oder veränderter Hautfarbe (blass, rot oder blau). Diese Symptome können Anzeichen für ein Blutgerinnsel in einem der Gefäße des Beins oder Armes sein (tiefe Venenthrombose).
  • Plötzliche Atemnot oder schnelle Atmung; starke Schmerzen in der Brust, die sich häufig verschlimmern, wenn Sie tief einatmen; plötzlicher, starker Husten ohne eine klare Ursache (möglicherweise Aushusten von Blut). Diese Symptome können Anzeichen für ein Blutgerinnsel in den Lungen sein (Lungenembolie). Ein Blutgerinnsel in der Lunge muss so schnell wie möglich behandelt werden.
  • Brustschmerzen in Form von beklemmenden Schmerzen, Unwohlsein, Druckgefühl, das zum Rücken, Kiefer, Hals, Bauch oder Arm ausstrahlen kann. Sie können auch ein Gefühl des Erstickens, kalten Schweiß, Übelkeit, Erbrechen oder Schwindel haben. Dies können Anzeichen für einen Herzinfarkt sein.
  • Schwäche oder Taubheit im Gesicht, Arm oder Bein, häufig auf einer Seite des Körpers, Schwierigkeiten beim Sprechen oder Verstehen; plötzliche Verwirrung; plötzlicher Verlust des Sehvermögens oder verschwommenes Sehen; starke Kopfschmerzen/Migräne, die schlimmer als normalerweise sind. Dies können Anzeichen für einen Schlaganfall sein.

Achten Sie auf Symptome für Blutgerinnsel, besonders, wenn Sie

  • Gerade eine Operation hinter sich haben.
  • Lange Zeit bettlägerig gewesen sind (z. B. aufgrund einer Verletzung oder Erkrankung, oder wenn Sie ein eingegipstes Bein haben).
  • Sie sich auf einer längeren Reise befinden (Flugreise von mehr als 4 Stunden).

Denken Sie immer daran, dem Arzt oder Pflegepersonal mitzuteilen, dass Sie ein kombiniertes hormonelles Verhütungsmittel verwenden, wenn Sie:

  • Eine Operation haben werden oder kürzlich gehabt haben.
  • Vom ärztlichen Personal gefragt werden, ob Sie irgendwelche Medikamente verwenden.
  • Bei jeglichem Kontakt mit dem Arzt/Gesundheitsdienst.

Gegenanzeigen für die kombinierten Verhütungsmittel in Bezug auf das Thromboserisiko

Gegenanzeigen (Kontraindikationen) für kombinierte Verhütungsmethoden sind unter anderem akute oder in der Vergangenheit stattgehabte tiefe Venenthrombose und/oder Embolie ebenso wie bekannte Thromboseneigung bei diversen Erkrankungen (Faktor-V-Leiden-Mutation,Prothrombin-Polymorphismus G20210AProtein-C-MangelProtein-S-Mangel, Antithrombin-Mangel).

Beim Vorliegen mehrerer der folgenden Risikofaktoren sollte eine andere Verhütungsmethode in Betracht gezogen werden:

  • Übergewicht mit BMI über 30 kg/m2
  • Alter über 35 Jahre
  • Rauchen
  • Blutdruck ≥ 140–159/90–99 mmHg
  • thromboembolische Episode vor einem Alter von 50 Jahren bei einem Verwandten 1. Grades
  • Erhöhte eigene Cholesterinwerte oder bei einem nahen Familienmitglied
  • Migräne
  • Herz-Kreisslauf-Erkrankungen, wie z. B. Vorhofflimmern oder Herzklappenerkrankung
  • Diabetes mellitus
  • Andere medizinische Bedingungen, die das Risiko einer Thrombose erhöhen können (Krebserkrankungen, systemischer Lupus erythematodes mit Antiphospholipid-Antikörpern, Sichelzellenkrankheit, Morbus Crohn, Colitis ulcerosa, hämolytisch-urämisches Syndrom usw.)
  • Medikamentengebrauch, der das Risiko einer Thrombose erhöhen kann (Kortikosteroide, Neuroleptika, Antipsychotika, Antidepressiva, Chemotherapie u. a.).

Autoren

Julia Trifyllis, Dr. med., Fachärztin für Gynäkologie und Geburtshilfe, Münster/W