Verhütung, natürliche Methoden

Verschiedene natürliche Verhütungsmethoden, bei denen weder Hormone noch mechanische Hilfsmittel, wie Kondome, zum Einsatz kommen, werden überall auf der Welt angewandt, vor allem in ärmeren Ländern. Das Risiko dieser Verhütungsmethoden zu versagen ist hoch und viele Frauen werden ungewollt schwanger.

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Bei einer Frau mit normaler Fruchtbarkeit (Fertilität), die sexuell aktiv ist, liegt die Wahrscheinlichkeit, innerhalb eines Jahres schwanger zu werden, bei ca. 85 %. Zu allen Zeiten wurden unterschiedliche Methoden angewandt, um eine unerwünschte Schwangerschaft zu verhindern.

Enthaltsamkeit

Absolute Enthaltsamkeit bedeutet vollständig auf sexuelle Aktivitäten zu verzichten. Die Methode hat keine hormonellen Nebenwirkungen. Enthaltsamkeit wird von einigen religiösen Gruppen empfohlen. Die Methode der absoluten Enthaltsamkeit ist zu 100 % wirksam, um eine Schwangerschaft oder auch die Übertragung von Geschlechtskrankheiten zu verhindern. In der Praxis funktioniert es allerdings nicht so einfach, weil die Sexualität nicht berechenbar ist.

Frauen mit wenigen Sexualpartnern haben ein geringeres Risiko, Geschlechtskrankheiten zu bekommen und dadurch ein geringeres Risiko für Fruchtbarkeitsprobleme und die Entwicklung eines Zervixkarzinoms (Gebärmutterhalskrebs) als Folge von Geschlechtskrankheiten. Enthaltsamkeit kostet nichts, ist aber schwierig in einer Paar-Beziehung einzuhalten.

Coitus interruptus

Unterbrochener Geschlechtsverkehr, Coitus interruptus, bedeutet, dass der Mann seinen Penis aus der Scheide zieht bevor er ejakuliert, also bevor die Spermien den Penis verlassen. Die Befruchtung wird verhindert, wenn die Spermien nicht in Kontakt mit der Eizelle der Frau kommen. Diese Methode wird in armen Ländern sehr häufig praktiziert.

Wie sicher ist die Methode? Das hängt davon ab, ob der Mann es schafft, seinen Penis vor dem Samenerguss herauszuziehen und gar keine Spermien in die Scheide gelangen. Darüber hinaus wurde nachgewiesen, dass sich Spermien in der Flüssigkeit befinden können, die vor der Ejakulation aus der Harnröhre des Mannes abgesondert wird. Schätzungsweise 20 bis 40 % der Fälle, bei denen ein Paar diese Methode anwendet, enden mit einer Schwangerschaft. Die Methode bietet deshalb keinen guten Schutz gegen eine ungewollte Schwangerschaft. Weil sie der Übung bedarf, eignet sie sich zudem vor allem bei Jüngeren nicht gut als Verhütungsmethode.

Der Vorteil der Methode ist, dass sie jederzeit angewandt werden kann, ohne besondere Hilfsmittel, ohne Kosten, ohne Chemikalien oder Hormone und mit geringem Risiko für andere Probleme. Der Nachteil besteht darin, dass das Risiko schwanger zu werden groß ist und dass die Methode keinen Schutz vor sexuell übertragbaren Krankheiten bietet.

Zeitweise Enthaltsamkeit

Dies ist eine der am häufigsten angewandten Methoden bei der Befruchtungskontrolle, insbesondere bei Menschen mit religiösen oder kulturbedingten Prinzipien, die weder mechanischen Schutz noch Medikamente erlauben, um einer Schwangerschaft vorzubeugen. Die Methode bedeutet zeitweise Enthaltsamkeit, also den Verzicht auf Geschlechtsverkehr, in den Zeiten rund um den Eisprung der Frau. Der Eisprung ist eine Phase im Menstruationszyklus der Frau, in der die Eierstöcke eine Eizelle abgeben, die bereit zur Befruchtung ist.

Sicher ist diese Verhütungsmethode nur, wenn nur dann Geschlechtsverkehr erfolgt, wenn nicht die Chance besteht, dass ein Spermium eine Eizelle befruchtet. Fünf Tage vor dem Eisprung steigt die Wahrscheinlichkeit, dass Geschlechtsverkehr zu einer Schwangerschaft führt, da die Spermien eine ganze Weile überleben können, bis sie eine Eizelle befruchten. Die Chance schwanger zu werden ist am größten zum Zeitpunkt des Eisprungs sowie in den zwölf darauf folgenden Stunden. Es ist also nicht „sicher“, dass eine Schwangerschaft vermieden werden kann, selbst bei einer einwöchigen Enthaltsamkeit – also vier bis fünf Tage vor dem Eisprung bis zwei bis drei Tage nach dem Eisprung. Darüber hinaus beruht die Methode auf dem Vorliegen eines völlig regelmäßigen Eisprungs, den es nicht gibt. D. h. es gibt auch keine komplett „sicher unfruchtbare Phasen“.

Die weitestgehend „sichere“ Zeit kann auf verschiedene Weise berechnet werden. Wenn Sie eine regelmäßige Menstruation haben, findet der Eisprung bei den meisten Frauen 12 bis 14 Tage vor dem Beginn der nächsten Menstruation statt. Sie können aber auch die Körpertemperatur messen, bevor sie morgens aufstehen. Normalerweise steigt die Temperatur nach dem Eisprung um ca. 0,5 Grad. Es gibt auch Tests, die in der Apotheke gekauft werden können. Der Test stellt den Zeitpunkt des Eisprungs fest, indem er Hormone im Urin misst. Einige Frauen beobachten den Zervikalschleim, um den Zeitpunkt des Eisprungs zu bestimmen. Bis zum Eisprung steigt die Menge des Schleims und dessen Konsistenz wird zähflüssiger (der Schleim sieht dann aus wie rohes Eiweiß). Danach nimmt der Sekretfluss schnell ab und die Vagina wird bis zur nächsten Menstruation trockener. Als am ehesten unfruchtbare Phase gilt die Zeit ab vier Tage nach der größten Schleimproduktion.

Wie zuverlässig sind „sicher unfruchtbare Phasen"? Die Methode führt bei rund 25 % der Fälle zur Schwangerschaft, wenn sie mindestens ein Jahr lang angewendet wird. Häufiger bei jüngeren, stark fruchtbaren Paaren. Die Methode eignet sich deshalb besser zur Bestimmung des Eisprungs für diejenigen, die versuchen schwanger zu werden, als für diejenigen, die eine Schwangerschaft vermeiden wollen.

Der Vorteil der Methode ist, dass sie ohne Nebenwirkungen und - mit Ausnahme der Ovulationstests - ohne Kosten funktioniert. Einer der Nachteile ist, dass die Methode am besten zu Frauen passt, deren Menstruation regelmäßig und berechenbar kommt. Trotz regelmäßiger Menstruationen kann der Eisprung schwanken. Deshalb gibt es in der Praxis keine „sicher unfruchtbare Phasen“. Die Methode ist eine besonders unsichere Verhütungsmethode. In der fruchtbaren Zeit ist eine vollständige Enthaltsamkeit notwendig. Die Methode erfordert Disziplin und die systematische Erfassung der Menstruationen. Sie schützt nicht vor Geschlechtskrankheiten.

Stillen als Verhütungsmethode

Nach der Geburt verhindern bestimmte Hormone, dass Frauen einen Eisprung bekommen, wenn sie stillen. Wie lange diese Hormone wirken variiert. Es hängt davon ab, wie oft die Frau stillt und wie viel Zeit seit der Geburt vergangen ist. Der Eisprung tritt in der Regel nach sechs Monaten wieder ein, auch wenn die Frau weiterhin stillt.

Damit das Stillen den größtmöglichen Einfluss auf die Hormone hat, die den Eisprung hemmen, ist es wichtig, dass die Frau voll stillt und dass die Muttermilch die hauptsächliche Nahrung des Kindes ist. Je weniger intensiv gestillt wird, desto unsicherer ist das Stillen als Verhütungsmethode. Bevor die Menstruation wieder eintritt, muss eine andere Verhütungsmethode angewendet werden, wenn ein sicherer Verhütungsschutz gewünscht ist. Der Eisprung findet vor der Menstruation statt.

Wie zuverlässig ist die Methode? Es wird angegeben, dass sie in den ersten sechs Monaten nach der Geburt zu 90 % Sicherheit bietet, wenn die oben aufgeführten Kriterien erfüllt werden. Sobald Eisprung und Menstruation wieder einsetzen, steigt das Risiko für eine Schwangerschaft deutlich. Der Vorteil der Methode ist, dass sie ohne Nebenwirkungen und Kosten ist. Der Nachteil besteht darin, dass es schwierig ist herauszufinden, wann die Frau es riskiert, wieder schwanger zu werden. Das Kind muss regelmäßig, rund um die Uhr gestillt werden. Die Methode schützt nicht vor Geschlechtskrankheiten.

Scheidenspülungen

Das Spülen der Scheide im Sinne der "Reinigung der Scheide" funktioniert nicht als Verhütungsmethode und kann schädlich sein. Unter Scheidenspülung versteht man einen Vorgang, bei dem die Frau Wasser oder eine schwache Essigsäurelösung mit einer Flasche oder einem Schlauch in die Vagina spült.

Eine Vaginalspülung kann sehr riskant sein, weil sie das natürliche Gleichgewicht in der Vagina zerstören kann. Einige Frauen spülen nachdem die Menstruation vorbei ist oder nachdem sie Sex hatten, in der Vorstellung sich nicht mit einer Geschlechtskrankheit anzustecken. Einige glauben fälschlicherweise, dass das Spülen nach dem Sex eine Schwangerschaft verhindert.

Das Spülen der Scheide ist allerdings nicht empfehlenswert. Das Spülen verändert die empfindliche natürliche Scheidenflora und erhöht das Risiko für Infektionen im Unterleib. Die Methode schützt auch nicht vor Geschlechtskrankheiten. Im Gegenteil, sie erhöht das Risiko für Unterleibsinfektionen und die Übertragung von Geschlechtskrankheiten. Das Spülen nach dem Geschlechtsverkehr schützt auch nicht vor Schwangerschaften.

Autoren

  • Julia Trifyllis, Dr. med., Fachärztin für Gynäkologie und Geburtshilfe, Münster/W