Die Verhütungspille mit verlängertem Zyklus

Pillen mit verlängertem Zyklus oder mit kürzerer Unterbrechung der Tabletteneinnahme können bei einigen Frauen sicherer eine Schwangerschaft verhüten als die normale Einnahme der Verhütungspille über 21 Tage gefolgt von einer siebentägigen Pause, weil es weniger tablettenfreie Intervalle im Jahr gibt.

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Üblicherweise sollen Hormonpräparate zur Schwangerschaftsverhütung (Pille) so verwendet werden, dass die Regelblutung weiterhin alle 4 Wochen einsetzt: Wie verordnet nimmt die Frau an 21 Tagen je eine Pille und macht dann 7 Tage Pause, während der die Blutung einsetzt. Nimmt die Frau die Pille einfach auch nach Tag 21 weiterhin ein, so kommt es nicht zur Regelblutung – was in manchen Situationen erwünscht ist.

Auf diese Weise lässt sich die Menstruation bei bestimmten Gelegenheiten, wie z. B. bei anstehendem Urlaub oder Prüfungen bzw. sportlichen Wettkämpfen kurzzeitig verschieben. Im (Leistungs-)Sport sind auch Verschiebungen der Menstruation über längere Zeiträume üblich. Je nachdem, wie lange die Hormonpille ohne Pause weiter eingenommen wird, lässt sich die Regelblutung mehrere Monate hinausschieben. Nutzerinnen können dazu einfach mehrere Pillenpackungen (Blister) in Folge verwenden, auch wenn dieses Vorgehen nicht der eigentlich vorgesehenen Einnahme entspricht. Oft nehmen Frau bei diesem Vorgehen 3 oder 4 Monate lange durchgehend die Pille ein und setzen dann einige Tage aus; so kommt es im Jahr nur 3- bis 4-mal zur Menstruation. Es ist aber empfehlenswert, dieses Vorgehen mit dem Frauenarzt/der Frauenärztin abzusprechen.

Führt sie zu weniger Schwangerschaften?

Bei der normalen Anwendung der Pille (21 + 7 Tage) kommt es grundsätzlich sehr selten trotzdem zu einer Schwangerschaft. Die meisten ungeplanten Schwangerschaften werden dadurch verursacht, dass Frauen die Pille nicht nach Plan einnehmen bzw. an manchen Tagen vergessen. Das Risiko für eine Schwangerschaft steigt in der hormonfreien Zeit, weil vergessen wird, die Pille direkt davor noch regelmäßig und genau 7 Tage danach ebenfalls wieder einzunehmen. Denn wenn eine Frau vergisst, die Pille wieder zu nehmen (z. B. nach einer tablettenfreien Periode), kann der Eisprung schon 9–10 Tage nach der letzten Pille stattfinden. Mehrere Studien, die zu Verhütungspillen mit verlängertem Zyklus oder mit kürzerer Unterbrechung der Tabletteneinnahme durchgeführt wurden, deuten darauf hin, dass diese seltener zu unerwünschten Schwangerschaften führen als die herkömmliche Einnahme der Pille (21 + 7 Tage), weil es weniger tablettenfreie Intervalle in einem Jahr gibt.

Um auch bei der üblichen Einnahme der Pille dafür zu sorgen, dass die Frau möglichst keine Pille vergisst, gibt es auch zwei andere Varianten: Zum einen gibt es auch Pillen, die mit einem Einnahmeschema von 24 + 4 Tage verordnet werden, bei denen das tablettenfreie Intervall also kürzer ist. Zum anderen können Pillenpackungen verschrieben werden, die für jeden Tag eine Tablette enthalten, von denen jedoch die letzten 7 keinen Hormonwirkstoff enthalten. So nimmt die Frau zwar einfach täglich eine Pille, macht aber dennoch 7 Tage lang eine „Hormonpause“.

Wie wird die Schleimhaut der Gebärmutter beeinflusst?

Bei der traditionellen Anwendung der Pille bleibt die Schleimhaut in der Gebärmutter (Endometrium) dünner, und die monatlichen Blutungen können deswegen schwächer werden oder gar ausbleiben. Es wurden Untersuchungen des Endometriums (Gebärmutterschleimhaut) bei der Anwendung der Pille mit verlängertem Zyklus durchgeführt. Dabei hat sich herausgestellt, dass dabei das Endometrium nicht so hoch aufgebaut wird, dass es bei der Menstruation ausgeschieden werden muss. Die Abbruchblutung bei einer traditionellen Anwendung der Verhütungspille hat auch keine „biologischen” Ursachen, sondern tritt aufgrund der verringerten Konzentration der künstlichen Hormone (sogenannte Hormonentzugsblutung) auf.

Unerwünschte Wirkungen?

Wenn mit der Einnahme von der Pille mit verlängertem Zyklus begonnen wird, sind häufiger unregelmäßige Kurzblutungen zu beobachten. Allerdings scheint die Frequenz der unregelmäßigen Blutungen nach mehreren Zyklen die gleiche zu sein, wie bei der traditionellen Anwendung der Pille. Das Vorkommen von unregelmäßigen Blutungen ist bei Frauen, die nie zuvor die Pille genutzt haben wahrscheinlich höher als bei Frauen, die vom ursprünglichen Einnahmeschema der Pille umstellen.

Zwischen Verhütungspillen mit traditionellem und verlängertem Zyklus wurden keine Unterschiede in Bezug auf Nebenwirkungen wie Brustschmerzen, Übelkeit, Nervosität, Schwindel, Akne, Gewichtsveränderungen und Depression nachgewiesen. Der einzige Unterschied, der festgestellt wurde, ist ein selteneres Vorkommen von Kopfschmerzen bei einem verlängerten Zyklus. Das kann damit erklärt werden, dass einige Frauen bei traditioneller Anwendung der Pille in der tablettenfreien Zeit Kopfschmerzen bekommen.

Langzeiteffekte

Es bestehen keine negativen Langzeiteffekte bei der Anwendung von Verhütungspillen mit verlängertem Zyklus. Die meisten Frauen erleben eine dreimonatige Behandlung ohne Zwischenblutungen. Bei einer längeren Behandlungszeit können die Zwischenblutungen zunehmen. Bestehende Studien haben sich auf die Frage konzentriert, wie gut die Tabletten im Langzeitzyklus toleriert werden, welche Blutungsmuster auftreten und welche Wirkung vor Schwangerschaft schützt. Die Studien waren allerdings zu klein und hatten eine zu kurze Untersuchungszeiten, um seltene Nebenwirkungen zu entdecken. Also sind seltene Nebenwirkungen evtl. möglich, aber (noch) nicht bekannt.

Bei dem traditionellen Einnahmeschema der Verhütungspillen wurde eine verringertes Risiko für Veränderungen der Gebärmutterschleimhaut, Gebärmutterkörperkrebs und Eierstockkrebs (Ovarialkarzinom) nachgewiesen. Es ist zwar nicht in Studien nachgewiesen aber sehr wahrscheinlich, dass diese schützende Wirkung auch bei der Anwendung der Pille mit verlängertem Zyklus besteht. Verhütungspillen haben im Gegensatz dazu ein erhöhtes Risiko für Blutgerinnsel, Herzinfarkt, Schlaganfall und Gebärmutterhalskrebs. Es ist nicht geklärt, ob bei der Pille mit verlängertem Zyklus die Risiken im gleichen Ausmaß bestehen.

Vorteile der Verhütungspille mit verlängertem Zyklus

Die Pille wird von Frauen zur Behandlung verschiedener Beschwerden eingesetzt, die mit der Menstruation zusammenhängen. Pillen mit verlängertem Zyklus werden bei der Behandlung von Krankheiten wie Endometriose und polyzystischem Ovarialsyndrom angewendet. Ein verlängerter Zyklus bietet sich bei prämenstruellem Syndrom (PMS), bei deutlichen Menstruationsschmerzen (Dysmenorrhö) und bei Frauen mit durch starke Blutungen verursachter Blutarmut (Anämie) an. Die Pille mit verlängertem Zyklus kann auch bei Frauen, die bei der Menstruation oder bei Abbruchblutungen an Migräne oder epileptischen Anfällen leiden, eine positive Wirkung haben. Es gibt aber nur wenige Studien zu dieser Art der Behandlung.

Fazit

Für Frauen mit Menstruationsproblemen kann die Pille mit verlängertem Zyklus eine Behandlungsalternative sein. Der verlängerte Zyklus kann auch bei gesunden Frauen günstig wirken, die aufgrund ihres Lebensstils weniger Blutungen haben möchten. 

Weitere Informationen

Autoren

  • Susanne Meinrenken, Dr. med., Bremen
  • Julia Trifyllis, Dr. med. Fachärztin für Gynäkologie und Geburtshilfe, Münster/W.