Blasenmole (Windei)

Der Trophoblast stellt die äußere Zellschicht der Keimblase (Blastozyste) dar. Dieser verbindet die Keimblase mit der Wand der Gebärmutter und dient dem Embryo bei einer normalen Schwangerschaft als Nährkanal. Der Trophoblast entwickelt sich im weiteren zu einem Teil der Fruchthülle sowie zu dem "kindlichen" Teil des Mutterkuchens. In seltenen Fällen kann es zum unkontrollierten Zellwachstum der Trophoblastzellen und dadurch zur Ausbildung eines Tumors, einer sogenannten Blasenmole (umgangssprachlich Windei genannt), kommen. Verantwortlich dafür ist vermutlich eine Fehlverteilung der Erbanlagen während der Befruchtung.

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Was ist eine Blasenmole?

Blasenmole

 

 

 

Der Trophoblast stellt die äußere Zellschicht der Keimblase (Blastozyste) dar und verbindet diese mit der Wand der Gebärmutter.  Der Trophoblast dient dem Embryo als Nährkanal, aus dem sich im weiteren Verlauf ein Teil der Fruchthülle sowie der embryonale Teil der Plazenta bilden.

Eine Blasenmole entwickelt sich innerhalb der Gebärmutter, durchwächst aber nicht die Gebärmutterwand. Manchmal lässt sich lediglich Tumorgewebe nachweisen, in anderen Fällen ist neben dem Tumorgewebe auch ein Embryo vorhanden, der jedoch nicht lebensfähig ist.

Es handelt sich um eine eher seltene Schwangerschaftskomplikation, die etwa 1 von 1.000 Schwangerschaften betrifft.

Symptome

Ein Trophoblastentumor produziert das Schwangerschaftshormon hCG (humanes Choriongonadotropin) in hohen Mengen. Dies wird auch bei einer normalen Schwangerschaft produziert, bei einer Blasenmole ist der hCG-Wert im Blut allerdings im Vergeich zu Werten einer normalen Schwangerschaft stark erhöht.

Leitsymptom der Blasenmole sind vaginale Blutungen in der Frühschwangerschaft, die ebenfalls das Leitsymptom einer Fehlgeburt sind. Aus diesem Grund wird eine Blasenmole oftmals bei einer Ultraschalluntersuchung aufgrund des Verdachts einer Fehlgeburt diagnostiziert. Ein weiterer Hinweis auf ein Blasenmole ist ein unverhältnismäßig starkes Wachstum der Gebärmutter im Vergleich zur Schwangerschaftswoche. Infolge des hohen hCG-Werts im Blut kann es überdies zur Ausbildung von Eierstockzysten kommen, die ein Schweregefühl im Unterleib hervorrufen. Darüber hinaus erhöht sich durch einen Trophoblastentumor das Risiko einer Schwangerschaftsvergiftung.

Diagnostik

Die Verdachtsdiagnose erfolgt vorrangig aufgrund einer irregulären Blutung während der Frühschwangerschaft. Eine Ultraschalluntersuchung kann den Verdacht oftmals bestätigen oder zumindest erhärten. Manchmal zeigen sich auch nur wenige Symptome. In diesem Fall kann es das überdurchschnittliche schnelle Wachstum der Gebärmutter sein, das in der Frühschwangerschaft den Verdacht auf eine Blasenmole nahelegt.

Eine Blutuntersuchung, bei der der ß-HCG-Wert im Blut bestimmt wird, kann den Verdacht ebenfalls erhärten; eine eindeutige Diagnose ist allerdings erst im Anschluss an die Gebärmutter-Ausschabung und die histologische Untersuchung der Gewebeprobe möglich.

Therapie

Die Behandlung einer Blasenmole erfolgt stets auf chirurgischem Wege, da die Schwangerschaft in keinem Falle ausgetragen werden kann. Die Gebärmutter wird mittels Ausschabung (Abrasio) geleert: Ein Absaug-Katheter wird über die Scheide in die Gebärmutter eingeführt und der Inhalt der Gebärmutterhöhle abgesaugt. Falls sich eine embryonale Anlage gebildet hat, wird die Schwangerschaft durch dieses Verfahren unterbrochen. Eine Weiterentwicklung des Embryos zu einem lebensfähigen Kind ist bei Vorhandensein einer Blasenmole in der Gebärmutter nicht möglich.

Nach dem Eingriff wird der ß-HCG-Wert in regelmäßigen Abständen bestimmt, um sicherzustellen, dass die Blasenmole komplett entfernt wurde.

Prognose

Bei der Blasenmole handelt es sich um einen gutartigen Tumor. Im Grunde genommen können alle Frauen geheilt werden.

Im Ausnahmefall können die Trophoblastzellen allerdings entarten und bösartig (maligne) werden. Auch dann liegen die Heilungschancen bei entsprechender Behandlung aber immer noch bei über 90 %. Eine bösartig entartete Blasenmole (Chorionkarzinom) wird mittels Chemotherapie behandelt.

Um ganz sicher zu gehen, dass es sich nur um einen gutartigen Tumor handelt, wird allen Frauen nach der Entfernung einer Blasenmole empfohlen, über einen Zeitraum von sechs bis zwölf Monaten regelmäßige Kontrolluntersuchungen wahrzunehmen und in dieser Zeit von einer Schwangerschaft abzusehen. Die Aussichten auf eine normale Schwangerschaft nach erfolgreicher Behandlung sind sehr gut.

Weiterführende Informationen

Autoren

  • Julia Trifyllis, Dr. med, Fachärztin für Gynäkologie und Geburtshilfe, Münster/W

Literatur

Dieser Artikel basiert auf dem Fachartikel Trophoblasterkrankungen. Nachfolgend finden Sie die Literaturliste aus diesem Dokument.

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