Chronische Unterleibsschmerzen bei Frauen

Als chronische Unterleibsschmerzen werden Schmerzen im Unterleib definiert, die mehr als sechs Monate andauern, ohne dass eine krankhafte Veränderung im Unterleib zu finden ist, die die Schmerzen erklären kann.

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Was sind chronische Unterleibsschmerzen?

Als chronische Unterleibsschmerzen werden Schmerzen im Unterleib definiert, die mehr als sechs Monate andauern, ohne dass eine krankhafte Veränderung im Unterleib zu finden ist, die die Schmerzen ausreichend erklären kann. Typisch sind langanhaltende Schmerzen, häufig in Form von einem konstant dumpfen Schmerz im Unterleib. Die Beschwerden können auch periodisch mit akuten Schmerzen auftreten. Die Schmerzen führen zu einer deutlichen Einschränkung der Lebensqualität.

Der Schmerz wird oft als tief im Becken sitzend empfunden. Er tritt beidseitig in der Leistengegend sowie über den gesamten Unterleib auf. Der Unterleib wird als besonders empfindlich erlebt, der Schmerz als diffus oder intensiv schneidend beschrieben. Häufig verschlimmert sich der Schmerz bei schwerem Heben und Bewegung. Am frühen Morgen ist er am wenigsten ausgeprägt. Der Schmerz kann beim Geschlechtsverkehr ausgelöst werden und einige Minuten bis Stunden anhalten. Bei einem Drittel der Frauen treten zusätzlich Störungen der Darmfunktion auf.

Beschwerden bei der Menstruation (Dysmenorrhö) oder während des Geschlechtsverkehrs (Dyspareunie) zählen nicht zu den chronischen Unterleibsschmerzen, da sie auf eine offensichtliche Ursache zurückzuführen sind.

Ursache

Diese Erkrankung ist nicht ungewöhnlich. In Großbritannien wurde eine Untersuchung durchgeführt, bei der in der Hausarztpraxis bei drei bis vier von 100 Frauen chronische Unterleibsschmerzen festgestellt wurden.

Im Allgemeinen wird davon ausgegangen, dass bei den meisten Betroffenen mehr als eine Ursache für diese Erkrankung vorliegt. Bei einem Teil der Patientinnen können körperliche Störungen überwiegend ursächlich sein, bei anderen Patientinnen können emotionale Konflikte oder psychosoziale Belastungen die entscheidende Ursache darstellen. Frühere Erkrankungen oder Schäden/Belastungen des Unterleibs erhöhen die Anfälligkeit für diese Erkrankung. Dies betrifft Ereignisse wie Operationen, Entzündungen, Endometriose, schwierige Geburten sowie sexuellen Missbrauch und Misshandlung. Auch psychische Faktoren wie Depressionen, Angst und Stress begünstigen die Entstehung chronischer Unterleibsschmerzen. Je mehr von diesen Belastungen vorliegen, desto größer ist das Potenzial für chronische Schmerzen.

Eine Theorie erklärt die Schmerzen z. T. damit, dass die Nervenfasern, die im Beckenbereich in besonders großer Zahl vorliegen, überempfindlich reagieren. Dies ist auf Schädigungen zurückzuführen. So können die Schmerzen bereits durch Reize (Stimuli) ausgelöst werden, die normalerweise keine Schmerzen verursachen.

Diagnostik

Um andere Schmerzursachen auszuschließen, sind eine gründliche körperliche Untersuchung sowie ein gynäkologische Untersuchung wichtig. Aus demselben Grund werden Blut- und Urinuntersuchungen vorgenommen. Bei der gynäkologischen Untersuchung werden dabei häufig Muskelverspannungen und eine ungewöhnliche Überempfindlichkeit festgestellt.

Die Ärztin sollte auch psychosomatische Ursachen abklären.

Bei Unsicherheit in der Diagnosestellung können ergänzende Untersuchungen wie z. B. Ultraschall notwendig sein.

In seltenen Fällen kann eine Bauchspiegelung erforderlich sein. Diese sollte sehr zurückhaltend und bei immer wiederkehrenden Unterleibsschmerzen ohne erkennbare Ursache möglichst nicht wiederholt durchgeführt werden. 

Behandlung

Eine gründliche Information zu den Ursachen und zum Wesen dieser Erkrankung sowie zu den Untersuchungsergebnissen hat sich bei vielen Patienten als gute und bei manchen Patienten als ausreichende Therapie bewährt.

Der Behandlungsbedarf ist individuell verschieden. Bei vorherrschenden Muskelbeschwerden können warme Bäder, Bewegung im warmen Wasser, Physiotherapie und Entspannungsübungen helfen. Bei psychosomatischen Ursachen kann eine Psychotherapie erwogen werden.

Einige Patientinnen können von einer vorübergehenden medikamentösen Behandlung mit Schmerzmitteln profitieren. Damit sollte aber besonders vorsichtig umgegangen werden. Bei langwierigen Beschwerden können langfristige Medikamentengaben die Folge sein. Daher sollten Sie Medikamente vermeiden, die eine Abhängigkeit auslösen können.

Bei einigen Patientinnen können bestimmte Antidepressiva zu einer Verbesserung der Beschwerden beitragen.

Wenn die Schmerzen vom Nervensystem ausgehen, kann ein Therapieversuch mit Antiepileptika unternommen werden.

Wenn gleichzeitig Menstruationssschmerzen auftreten, kann die Einnahme der Antibabypille zu einer Verbesserung führen.

Eine Behandlung wie bei einer Endometriose kann in einigen Fällen zu guten Ergebnissen führen, selbst wenn keine Endometriose nachgewiesen wurde.

Prognose

Erfahrungen zufolge stellt sich bei vielen, wahrscheinlich sogar den meisten, langfristig eine Besserung ein. Daher ist eine optimistische Herangehensweise notwendig. Eine Prophylaxe von Depression und Medikamentenabhängigkeit ist wesentlich, da sie stets eine Gefahr bei lang anhaltenden Schmerzen darstellen und eine Verbesserung der Symptome verschleiern können.

Ein Zusammenhang zwischen dieser Erkrankung und der Gefahr für Unterleibskrebs besteht nicht.

Weiterführende Informationen

Autoren

  • Martina Bujard, Wissenschaftsjournalistin, Wiesbaden
  • Julia Trifyllis, Dr. med., Fachärztin für Gynäkologie und Geburtshilfe, Münster/W

Literatur

Dieser Artikel basiert auf dem Fachartikel Unterbauchschmerz, chronischer bei Frauen (CPP). Nachfolgend finden Sie die Literaturliste aus diesem Dokument.

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