Genitale Chlamydien-Infektion

Bei der Chlamydien-Infektion handelt es sich um die häufigste sexuell übertragene bakterielle Infektion in Deutschland. Das Bakterium kann durch ungeschützten sexuellen Kontakt übertragen werden.

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Was ist eine genitale Chlamydien-Infektion?

Chlamydia trachomatis. Mikroskopische Untersuchung.
Chlamydia trachomatis. Mikroskopische Untersuchung.

Eine Chlamydien-Infektion im Genitalbereich wird vom Bakterium Chlamydia trachomatis verursacht. Die Infektion verläuft in 60–90 % der Fälle symptomlos. Zu den häufigsten Symptomen zählen Schmerzen beim Wasserlassen und/oder Ausfluss bei Frauen und Männern. Männer verspüren oft einen Juckreiz um die Harnröhrenöffnung. Bei Frauen können zudem unregelmäßige Blutungen auftreten. Die Erkrankung kann Unterleibsschmerzen und Fieber zur Folge haben. In seltenen Fällen können vorübergehende Gelenkschmerzen auftreten.

Unbehandelt kann eine Infektion mit Chlamydien zu einer Entzündung der Eileiter, Extrauteringravidität (Schwangerschaft außerhalb der Gebärmutter) sowie Unfruchtbarkeit führen.

Gebärmutter (Uterus) von vorn

Bei der Chlamydien-Infektion handelt es sich um die häufigste sexuell übertragene bakterielle Infektion in Deutschland. Geschätzt werden bis zu 300.000 unerkannte Neuerkrankungen pro Jahr in Deutschland. Am häufigsten tritt die Infektion bei jungen Frauen und Männern unter 25 Jahren auf.

Alle sexuell aktiven Menschen sollten sich bei jedem Partnerwechsel mit ungeschütztem Geschlechtsverkehr sowie in der Schwangerschaft testen lassen. In der Praxis hat sich herausgestellt, dass Mädchen im Teenageralter weniger getestet werden als in den Richtlinien empfohlen.

Ursache

Die Infektion ist auf eine Ansteckung bei sexuellem Kontakt mit einer anderen Person zurückzuführen. Eine Chlamydien-Infektion verläuft häufig symptomlos. Deshalb kann bereits eine Ansteckung erfolgt sein, bevor der Patient sich einer Infektion bewusst wird. Früherkennung (Screening) sowie die Ermittlung der jeweiligen Ansteckungsquelle sind daher wichtige Maßnahmen, um die weitere Ausbreitung zu verhindern. Bei ungeschütztem Geschlechtsverkehr beträgt die Ansteckungsgefahr ca. 20 % sowohl für Frauen als auch für Männer.

Das Bakterium kann durch ungeschützten sexuellen Kontakt übertragen werden. Es setzt sich bei Männern und Frauen in der Harnröhrenschleimhaut fest und vermehrt sich dort. Bei Frauen erfolgt dies zudem am Gebärmutterhals (Cervix uteri). Die Bakterien können sich von der Harnröhre bis zur Prostata (Vorsteherdrüse) oder den Nebenhoden beim Mann bzw. bis zum Gebärmutterhals und den Eileitern bei der Frau ausbreiten. In seltenen Fällen kann beim Patienten eine immunologische (abwehrbedingte) Reaktion auf die genitale Chlamydien-Infektion erfolgen. Diese Reaktion kann zu einer Entzündung mit Gelenkschmerzen und -schwellung führen.

Diagnostik

Bei typischen Symptomen sollten Sie sich ärztlich untersuchen lassen, um andere Ursachen für die Beschwerden auszuschließen. Bei der Untersuchung entnimmt der Arzt bei Frauen am Muttermund oder der Scheide einen Abstrich. Dabei wird mithilfe eines Wattestäbchens Zellmaterial vom Gebärmutterhals (Cervix uteri) entnommen. Dieser Abstrich kann ersatzweise auch aus dem tiefen Scheideninneren gewonnen und theoretisch auch von der Patientin selbst durchgeführt werden.

Im Rahmen des Screenings (Frauen unter 25 Jahren, Schwangere) kann auch eine Urinprobe untersucht werden.

Bei Männern wird eine Urinprobe gewonnen.

Die Urinuntersuchung wird durchgeführt, indem die Patienten in einen Kunststoffbecher urinieren. Dabei muss es sich unbedingt um Erststrahlurin handeln (15–20 ml). Dazu muss der Boden des Kunststoffbechers (bis ca. 2 cm nach oben) mit Urin gefüllt werden. Der Rest des Urins kann in die Toilette verworfen werden. Die kleine Urinmenge im Kunststoffbecher wird danach in den Transportbehälter entleert. 

Wann wird die Probe entnommen?

Da viele Personen keinerlei Symptome aufweisen, wird die Probennahme in folgenden Situationen empfohlen:

  • bei Frauen unter 25 Jahren (Screening)
  • in der Schwangerschaft bei der Erstuntersuchung
  • vor einem Schwangerschaftsabbruch
  • bei jungen Frauen und Männern, die mit einem neuen Partner ungeschützten Geschlechtsverkehr hatten
  • bei Frauen mit starkem vaginalen Ausfluss
  • bei Frauen mit Symptomen für eine Unterleibsentzündung
  • bei Zwischenblutungen oder anderen Blutungsstörungen (auch bei Pillenanwenderinnen)
  • bei Frauen mit einer Harnwegssymptomatik und negativem Kulturergebnis
  • bei Männern mit einer Harnwegssymptomatik.

Behandlung

Antibiotika wirken bakterienabtötend. Die Erstbehandlung erfolgt mit Doxycyclin (z. B. 2 x 100 mg über 7 Tage) oder 1–1,5 g Azithromycin als Einmaldosis zum Einnehmen. Während der Schwangerschaft nehmen Patientinnen 4 x 500 mg Erythromycin über 7 Tage. Der Partner ist unabhängig vom Testergebnis mitzubehandeln. Erst nach einer Woche Behandlung darf wieder ungeschützter Geschlechtsverkehr erfolgen, da die Bakterien noch einige Tage überleben können. Die Krankheit gilt als ernstzunehmende ansteckende Krankheit, die eine Behandlung erfordert.

  • Die Verwendung von Kondomen verhindert eine Ansteckung.
  • Eine Chlamydien-Infektion ist in Deutschland prinzipiell nicht meldepflichtig. 
    • Eine Ausnahme bildet das Bundesland Sachsen (Labormeldepflicht für Chlamydien und Gonorrhö).

Folgetermin zur Kontrolle nach Therapie?

Üblicherweise wird empfohlen, nach durchgeführter Behandlung einen Folgetermin zur Kontrolle wahrzunehmen. Bei der Kontrolluntersuchung wird diagnostiziert, ob die Infektion ausgeheilt ist. Ist dies nicht der Fall, handelt es sich häufig um eine Reinfektion oder der Patient hat die Therapie nicht vorschriftsgemäß befolgt.

Zwischen Behandlung und Kontrolle sollten mindestens sechs Wochen liegen.

Prognose

Sie können Chlamydien haben, ohne Symptome zu bemerken. Von der Infektion bis zur möglichen Entwicklung von Symptomen vergehen 5–14 Tage. Tragen Sie die Krankheit unbehandelt in sich, genesen Sie vermutlich innerhalb weniger Jahre. Nahezu alle Personen gesunden nach einer Antibiotikatherapie. Bei einer unzureichenden oder verspäteten Behandlung von Frauen können sich die Eileiter (Tuben) entzünden. Dies kann zu Infertilität (Unfruchtbarkeit) führen. Da die Krankheit üblicherweise beschwerdefrei verläuft, tragen viele die Chlamydien bereits längere Zeit in sich, ehe sie medizinischen Rat einholen. Jede vierte bis fünfte Frau mit einer genitalen Chlamydien-Infektion ist in Deutschland laut Statistik von Unfruchtbarkeit betroffen.

Entzündung oder Vernarbung der Eileiter erhöhen die Gefahr für eine spätere extrauterine Schwangerschaft (Schwangerschaft außerhalb der Gebärmutter, z. B. Eileiterschwangerschaft). Einige Frauen können infolge einer unzureichenden Chlamydien-Therapie chronische Unterleibsschmerzen entwickeln. Eine Infektion kann während des Geburtsvorgangs auf das Kind übertragen werden und eine Augen- oder Lungenentzündung nach sich ziehen. Sie kann auch zu Komplikationen in der Schwangerschaft führen. Embryonale Schädigungen werden jedoch nicht verursacht. 

Bei einer mangelhaften Behandlung von Männern können Chlamydien zu einer Nebenhodenentzündung und damit zu Unfruchtbarkeit führen.

Illustrationen

Weiterführende Informationen

Autoren

  • Martina Bujard, Wissenschaftsjournalistin, Wiesbaden
  • Julia Trifyllis, Dr. med., Fachärztin für Gynäkologie und Geburtshilfe, Münster/W

Literatur

Dieser Artikel basiert auf dem Fachartikel Chlamydien-Infektion, genitale bei Frauen. Nachfolgend finden Sie die Literaturliste aus diesem Dokument.

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