Vaginale Pilzinfektion

Eine vaginale Pilzinfektion (Vaginalkandidose) wird durch Hefepilze hervorgerufen, häufig durch Candida albicans.

Deximed – Deutsche Experteninformation Medizin

"Deximed ist für mich eine große Hilfe, um im Praxisalltag schnell aktuelles Wissen zur Therapie oder Diagnostik nachschlagen zu können. Die übersichtliche Struktur ermöglicht es, sogar im Patientenkontakt rasch etwas nachzulesen." - PD Dr. med. Guido Schmiermann, Facharzt für Allgemeinmedizin, Bremen

Deximed ist ein unabhängiges Arztinformationssystem mit Fokussierung auf die primärärztliche Versorgung. Evidenzbasierte und regelmäßig aktualisierte Artikel zu allen medizinischen Gebieten zeichnen Deximed aus.

Mehr erfahren

Was ist eine vaginale Pilzinfektion?

Eine vaginale Pilzinfektion (Vaginalkandidose) wird durch Hefepilze hervorgerufen, häufig durch Candida albicans. Die Symptome äußern sich durch ein Brennen und Jucken in der Scheide, um den Scheideneingang und an den Schamlippen, sowie Beschwerden beim Wasserlassen. Ein dickflüssiger, weißer und klumpiger Ausfluss (Fluor) ist typisch. Für viele Patientinnen ist der Geschlechtsverkehr mit Schmerzen und Schmerzempfindlichkeit verbunden.

Die vaginale Pilzinfektion ist eine häufige Erkrankung. Etwa 75 % aller Frauen erkranken ein- oder mehrmals im Leben daran. Davon entwickeln etwa 9 % eine chronisch wiederkehrende Infektion.

Ursache

Hefepilze (Candida albicans) sind bei vielen Frauen in der Scheide vorhanden, ohne dass es zu Beschwerden kommt. Geschlechtsverkehr führt aufgrund der Reibung zu verstärkten Symptomen.

Hormonelle Faktoren spielen ebenfalls eine Rolle. Während der Schwangerschaft und kurz nach der Menstruation kommen Pilzinfektionen vermehrt vor. Begünstigende Faktoren führen zu einer Änderung des pH-Werts in der Scheide und damit zu einem verstärkten Wachstum von Hefepilzen.

Eine Antibiotika-Behandlung kann eine Pilzinfektion auslösen. Antibiotika hemmen das Wachstum der „guten Bakterien" der normalen Scheidenflora, die herkömmlicherweise mit den in geringer Zahl in der Scheide befindlichen Pilzen zusammenleben. Werden die Bakterien abgetötet, kann sich der Pilz durchsetzen und stark vermehren. Eine Kortisontherapie oder eine medikamentöse Behandlung zur Unterdrückung des Immunsystems kann ebenfalls eine vaginale Pilzinfektion auslösen.

Weitere begünstigende Faktoren sind Erkrankungen wie Diabetes mellitus und Allergien, die Einnahme von Östrogenen, sowie Wärme, Feuchtigkeit und eng anliegende Kleidung.

Diagnostik

Zu den typischen Symptomen zählen weißer, krümeliger, geruchloser Ausfluss, der an Hüttenkäse erinnert und ggf. Juckreiz oder Brennen in der Scheide. Sie lassen auf eine Pilzinfektion schließen. Bei einer gynäkologischen Untersuchung kann der Pilz mikroskopisch nachgewiesen werden. Darüber hinaus ist bei Bedarf ein Nachweis per Pilzkultur möglich.

Einer Studie zufolge konnte nur bei einem Drittel der Frauen, die meinten, eine Pilzinfektion zu haben, diese Diagnose bestätigt werden. Die Diagnose sollte daher in der Regel durch eine ärztliche Untersuchung bestätigt werden.

Behandlung

Verschiedene Medikamente können den Pilz beseitigen. Normalerweise werden sie in Form von Vaginalzäpfchen für ein bis drei Tage verabreicht. Bei Bedarf kann auch eine Creme für Schamlippen und Scheideneingang verwendet werden. Diese Antimykotika sind nicht verschreibungspflichtig. Lesen und befolgen Sie die Hinweise auf der Packungsbeilage zur Verwendung des Präparats.

Ist eine lokale Behandlung im Genitalbereich nicht möglich oder erwünscht, kann eine Behandlung mit Tabletten (Fluconazol) erfolgen. Diese werden üblicherweise als Einzeldosis verabreicht und sind verschreibungspflichtig.

In der Schwangerschaft besteht ein erhöhtes Risiko. Eine Infektion mit Hefepilzen kann während der Entbindung auf das Kind übertragen werden. Daher sollten auch symptomfreie Infektionen während der letzten sechs Schwangerschaftswochen behandelt werden.

Bei häufigen Rückfällen ist möglicherweise eine langfristige Behandlung angeraten, z. B. mit einer monatlichen Zäpfchengabe direkt im Anschluss an die Menstruation oder einer Fluconazol-Tablette pro Woche über einen Zeitraum von sechs Wochen oder länger. Eine Behandlung über mehr als sechs Monate empfiehlt sich nicht. Eine Langzeitbehandlung muss von Ihrer Ärztin verordnet werden.

Eine Partnerbehandlung wird nur bei entsprechenden Beschwerden oder bei wiederkehrenden Infektionen empfohlen.

Bei einer Pilzinfektion sollten Sie Geschlechtsverkehr nach Möglichkeit bis zur Ausheilung vermeiden, da sich sonst die Beschwerden verstärken können. Sie sollten den Genitalbereich besser nicht mit Seife, sondern nur mit Wasser und speziellen Intimwaschlotionen waschen. Der Juckreiz wird reduziert und ein Austrocknen verhindert. In der Apotheke und im Drogeriemarkt sind verschiedene Intimwaschlotionen erhältlich. Außerdem sollten Sie keine eng anliegende und synthetische Unterwäsche und enge Hosen oder Strumpfhosen tragen. Empfohlen wird Baumwollunterwäsche.

Prognose

Die Prognose ist gut und die Erkrankung vollkommen ungefährlich. Häufig erfolgt auch unbehandelt eine Genesung. Bei der Therapie haben sich Antimykotika bewährt. Rückfälle können jedoch ein gravierendes Problem darstellen.

Weiterführende Informationen

Autoren

  • Martina Bujard, Wissenschaftsjournalistin, Wiesbaden
  • Julia Trifyllis, Dr. med., Fachärztin für Gynäkologie und Geburtshilfe, Münster/W

Literatur

Dieser Artikel basiert auf dem Fachartikel Vulvovaginalkandidose. Nachfolgend finden Sie die Literaturliste aus diesem Dokument.

  1. Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (DGGG) Die Vulvovaginalcandidose AWMF-Leitlinie Nr. 015/072, Stand 2013 www.awmf.org
  2. Marrazzo J. Vulvovaginal candidiasis. Clin Evid 2002; 7: 1784-96. PubMed
  3. Bumbulienė Ž, Venclavičiūtė K, Ramašauskaitė D, et al. Microbiological findings of vulvovaginitis in prepubertal girls. Postgrad Med J 2014; 90: 8-12. doi:10.1136/postgradmedj-2013-131959 DOI
  4. Sobel JD, Faro S, Force RW, Foxman B, Ledger WJ, Nyirjesy PR, et al. Vulvovaginal candidiasis: epidemiologic, diagnostic, and therapeutic considerations. Am J Obstet Gynecol 1998; 178: 203-11. PubMed
  5. Eckert LO, Hawes SE, Stevens CE, Koutsky LA, Eschenbach DA, Holmes KK. Vulvovaginal candidiasis: clinical manifestations, risk factors, management algorithm. Obstet Gynecol 1998; 92: 757-65. PubMed
  6. Lowe NK, Neal JL, Ryan-Wenger NA. Accuracy of the clinical diagnosis of vaginitis compared with a DNA probe laboratory standard. Obstet Gynecol 2009; 113: 89-95. PubMed
  7. Young G, Jewell D. Topical treatment for vaginal candidiasis (thrush) in pregnancy. Cochrane Database of Systematic Reviews 2001, Issue 4. Art. No.: CD000225. DOI: 10.1002/14651858.CD000225. DOI
  8. Watson MC, Grimshaw JM, Bond CM, Mollison J, Ludbrook A. Oral versus intra-vaginal imidazole and triazole anti-fungal treatment of uncomplicated vulvovaginal candidiasis (thrush) (Cochrane Review). In: The Cochrane Library, Issue 1, 2001. Oxford: Update Software. The Cochrane Library
  9. Ferris DG, Nyirjesy P, Sobel JD, Soper D, Pavleti c A, Litaker MS. Over-the-counter antifungal drug misuse associated with patient-diagnosed vulvovaginal candidiasis. Obstet Gynecol 2002; 99: 419-25. PubMed
  10. Pirotta M, Gunn J, Chondros P, et al. Effect of lactobacillus in preventing post-antibiotic vulvovaginal candidiasis: a randomised controlled trial. BMJ 2004; 329: 548. PubMed
  11. Xie HY, Feng D, Wei DM, Mei L, Chen H, Wang X, Fang F. Probiotics for vulvovaginal candidiasis in non-pregnant women. Cochrane Database of Systematic Reviews 2017, Issue 11. Art. No.: CD010496. DOI: 10.1002/14651858.CD010496.pub2 cochranelibrary-wiley.com