Endometriose

Bei der Endometriose befindet sich Schleimhautgewebe desselben Typs wie die Gebärmutterschleimhaut (Endometrium) außerhalb der Gebärmutterhöhle, z. B. an den Eileitern (Tuben), Eierstöcken (Ovarien) oder am Bauchfell (Peritoneum). Auch Darm und Harnblase können betroffen sein.

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Was ist Endometriose?

Endometriose, verschiedene Lokalisationen
Endometriose, verschiedene Lokalisationen

Bei der Endometriose befindet sich Schleimhautgewebe desselben Typs wie die Gebärmutterschleimhaut (Endometrium) außerhalb der Gebärmutterhöhle, z. B. an den Eileitern (Tuben), Eierstöcken (Ovarien), am Bauchfell (Peritoneum), am Darm, an der Harnblase oder auch in der Gebärmutterwand. Oftmals handelt es sich bei solchen Veränderungen um stecknadelkopfgroße Herde, sogenannte Läsionen, am Bauchfell oder um Endometriosezysten der Eierstöcke, sogenannte Endometriome. Die Größe der Zysten variiert. Sie können wenige Millimeter groß sein, aber auch Apfelsinengröße aufweisen. Ihr Inhalt besteht aus altem, eingedicktem, dunkelbraunem Blut. Sie werden daher manchmal auch „Schokoladenzysten“ genannt. Diese Endometriosezellen sind denselben hormonellen Einflüssen wie die Schleimhaut in der Gebärmutter unterworfen. Entsprechend bluten die Endometrioseherde zyklusabhängig.

Als Hauptsymptom der Erkrankung treten starke, zyklusabhängige Unterbauchschmerzen auf. Häufig spüren die Betroffenen aber auch keine Symptome. Oft ist die Endometriose ein Zufallsbefund. Mindestens 5–10 % aller Frauen leiden an einer Endometriose. Dieser Zustand tritt bei etwa 30 % der Frauen auf, die aufgrund von Unfruchtbarkeit untersucht werden. Experten gehen davon aus, dass die Endometriose unterdiagnostiziert ist.

Ursache

Die Ursache für Endometriose ist bislang unklar. Doch existieren zwei Haupttheorien: Eine besagt, dass eine Endometriose entsteht, wenn sich Zellen des Bauchfells (Peritoneum) an einigen Bereichen im kleinen Becken in Gebärmutterschleimhaut (Endometrium) umwandeln. Die zweite Theorie geht davon aus, dass sich Zellen bei der Menstruation von der Gebärmutterschleimhaut lösen und über die Eileiter in die Bauchhöhle gelangen. Das Gewebe setzt sich an den Eierstöcken, am Bauchfell oder Darm fest. Bei vielen Frauen kommt es im Rahmen der Periode zu Blutungen von der Gebärmutter (Uterus) in die Bauchhöhle (retrograde Menstruation). Bei einigen aber „erlaubt“ das körpereigene Immunsystem, dass die Schleimhaut an der „falschen“ Stelle festwächst. Starke, langanhaltende und häufige Menstruationsblutungen begünstigen, dass sich eine Endometriose entwickelt. Zudem sind Frauen mit bestimmten Anomalien der Gebärmutter besonders anfällig für Endometriose.

Eine Voraussetzung für die Entwicklung einer Endometriose ist das weibliche Geschlechtshormon Östrogen. Demzufolge tritt vor der Pubertät keine Endometriose auf und die Beschwerden klingen nach den Wechseljahren (Klimakterium) ab.

Vermutlich spielt bei dieser Krankheit eine erbliche Komponente eine Rolle. Besteht mütterlicher- oder schwesterlicherseits eine Endometriose, so ist das Risiko dafür um das bis zu Siebenfache erhöht. Für die Entstehung dieser Krankheit ist eine Kombination aus erblicher Veranlagung und Triggerfaktoren notwendig.

Symptome

Die weiblichen Hormone wirken sich auf die Endometriosezellen gleichermaßen aus, wie auf die Gebärmutterschleimhaut. Das durch die Endometriose gebildete Blut kann jedoch nicht mit der Menstruation abgegeben werden, sondern sammelt sich in der Bauchhöhle oder unter oder auf dem Bauchfell an.

Das häufigste Symptom bei Endometriose sind starke Menstruationsschmerzen (Dysmenorrhö). Zu anderen herkömmlichen Symptomen zählen Schmerzen vor Menstruationsbeginn (prämenstruelle Schmerzen) sowie hin und wieder Schmerzen beim Eisprung, der sogenannte Mittelschmerz. Schmerztabletten reichen häufig nicht aus. Im Laufe der Zeit können sich chronische Bauchschmerzen entwickeln. Dies kann Müdigkeit, Schlafstörungen und Appetitveränderungen zur Folge haben.

Weitere typische Symptome sind:

  • Schmerzen beim Geschlechtsverkehr (Dyspareunie). Diese Schmerzen können auch nach dem Geschlechtsverkehr für kürzere Zeit oder einige Tage bestehen bleiben.
  • Ein unerfüllter Kinderwunsch kann ebenfalls endometriosebedingt sein. Bei der Untersuchung zur Abklärung von Unfruchtbarkeit weisen 30 % der Frauen eine Endometriose auf. Bei bis zu 15 % der Paare mit unerfülltem Kinderwunsch ist die Endometriose der Frau die einzige nachweisbare Ursache. Warum Endometriose Unfruchtbarkeit verursacht, ist nicht hinreichend geklärt. Möglicherweise liegen an der Stelle „ungünstige“ Umgebungsbedingungen vor, wo die Fortpflanzung stattfinden soll.
  • Bei einer Endometriose auf oder im Darm können Schmerzen beim Stuhlgang auftreten. Die Schmerzintensität kann mit dem Menstruationszyklus variieren.
  • Endometriose der Harnblase kann beim Wasserlassen und bei voller Blase Schmerzen verursachen und zu häufiger Blasenentleerung führen.
  • Ein geschwollener Bauch, Zwischenblutungen und ein Schweregefühl im Unterleib sind ebenfalls möglich. Bei sehr großen Zysten können sich diese insbesondere bei schlanken Frauen als Beule im Bauch bemerkbar machen.
  • Frauen können während des gesamten Menstruationszyklus Schmerzen verspüren, die sich periodisch verstärken können.

Bislang ungeklärt ist die Tatsache, warum einige Frauen Schmerzen empfinden und andere nicht. Jede fünfte Patientin hat keine Symptome. Die Ursache kann im Zusammenhang mit der Lokalisation oder mit bestimmten Eigenschaften des Endometriosegewebes stehen. Die Verbreitung der Endometriose und der Grad der Schmerzen weisen keinen eindeutigen Zusammenhang auf. Auch große Zysten können symptomlos sein.

Diagnostik

Nach gründlicher Aufnahme der Krankengeschichte (Anamnese) erfolgt eine gynäkologische Untersuchung, die oftmals keine Abweichungen zeigt. Um andere Erkrankungen auszuschließen, erhebt die Ärztin ggf. einige Routinebefunde: z. B. Blutbild und Entzündungsmarker (CRP).

In Verbindung mit der Krankengeschichte kann insbesondere die Ultraschalluntersuchung zeigen, ob eine Endometriose mit größeren Endometrioseherden vorliegt. Kleine Herde können auch mittels Ultraschall nicht gesehen werden. In Einzelfällen wird ergänzend eine MRT durchgeführt. Eine Bauchspiegelung (Laparoskopie, minimalinvasive Chirurgie, „Schlüsselloch“-Chirurgie) oder in Ausnahmefällen ein Bauchschnitt sind allerdings gegenwärtig die einzigen Methoden für eine sichere Diagnose. Bei der Laparaskopie führt der Arzt ein Endoskop über den Bauchnabel in die Bauchhöhle ein. Die Patientin liegt dabei unter Narkose. Der Gynäkologe erhält so eine gute Übersicht über die gesamte Bauchhöhle, kann Gebärmutter (Uterus), Eierstöcke (Ovarien), Eileiter (Tuben), Teile des Darms und das Bauchfell (Peritoneum) in Augenschein nehmen. Zur Diagnosefindung werden Gewebeproben (Biopsien) zur feingeweblichen Untersuchung in die Pathologie geschickt.

Behandlung

Ziel der Therapie ist es, Schmerzen zu lindern und einer Unfruchtbarkeit vorzubeugen bzw. diese zu behandeln. Die Endometriose wird von Frauenärzten (Gynäkologen) behandelt.

Körperliche Aktivität, sowie Wärme oder Kälte können sich schmerzlindernd auswirken. Bei einer Schwangerschaft und während der Stillzeit verringern sich die Schmerzen allmählich.

Erste Wahl bei endometriosebedingten Schmerzen sind Schmerzmittel vom Typ NSAR (nichtsteroidale Antirheumatika bzw. Antiphlogistika) in Kombination mit Paracetamol. NSAR zeichnen sich zusätzlich durch eine entzündungshemmende Wirkung aus. Wird keine akzeptable Schmerzlinderung erzielt, ist eine hormonelle Behandlung notwendig.

Mithilfe der Hormonbehandlung sollen Menstruationsblutungen verringert bzw. gestoppt werden und damit auch die Aktivität in den Endometrioseherden. Die Behandlung sollte mindestens drei bis sechs Monate andauern. Nach der Therapie setzt die Menstruation wieder ein, manchmal kehren auch die Schmerzen wieder. Verschiedene Behandlungsmethoden sind möglich. Sogenannte kombinierte hormonelle Kontrazeptiva (z. B. kombinierte Antibabypille) oder das Gelbkörperhormon (Progesteron/Gestagen) sind erste Wahl. Frauen mit Endometriose nehmen die Antibabypille im Langzyklus ein, damit möglichst wenige Zwischenblutungen auftreten. Alternativ kann die tägliche Einnahme des Gestagens Dienogest oder eine Hormonspirale mit Levonorgestrel die Beschwerden bei Endometriose lindern.

Wird der gewünschte Effekt nicht erzielt, können GnRH-Analoga verwendet werden. Bei dieser Therapie wird die Produktion der Geschlechtshormone in den Eierstöcken annähernd so wirksam gestoppt wie bei einer operativen Entfernung der Eierstöcke. Vorübergehend kommt es zu einem klimakteriumsähnlichen Zustand („künstliche Wechseljahre“). Zu den Nebenwirkungen der Behandlung zählen Hitzewallungen, Schweißausbrüche und trockene Schleimhäute. Bei einer Langzeitbehandlung können Kopfschmerzen und Gelenkprobleme ebenso auftreten wie eine gewisse Minderung der Knochenmasse (Osteoporosegefahr). Zur Linderung dieser Nebenwirkungen erfolgt eine sogenannte Add-back-Therapie mit niedriger Östrogendosierung. Nach abgeschlossener Behandlung kehrt die Menstruation wieder zurück.

Bei unerfülltem Kinderwunsch kann eine In-vitro-Fertilisation (künstliche Befruchtung im Reagenzglas) erwogen werden. Auch eine Operation der Endometrioseherde erhöht nachweislich die Fruchtbarkeit bei Frauen mit Endometriose.

In einigen Fällen ist eine Operation notwendig, z. B. bei symptomatischer Endometriosezyste (Endometriom) oder besonders starken Schmerzen. Ziel ist die komplette Entfernung aller Endometrioseherde. Diese erfolgt möglichst minimalinvasiv mittels Bauchspiegelung (Laparaskopie). Bei Herden in der Darmwand oder Harnblase hat sich ein chirurgischer Eingriff als beste Option bewährt, ein Bauchschnitt kann erforderlich werden. 

Wirkung der Behandlung

Eine Hormonbehandlung erzielt in den meisten Fällen einen Effekt. Bei vielen Patientinnen kommt es zu einer erfolgreichen Schmerzlinderung und einige erleben eine vollständige Schmerzfreiheit. Nach einer abgeschlossenen Behandlung kehren leider in vielen Fällen die Symptome zurück, auch wenn dies erst nach mehreren Jahren der Fall sein kann. Daher kommt der prophylaktischen Behandlung eine große Bedeutung zu. Die Endometriose wird als chronische Erkrankung betrachtet. Nach den Wechseljahren und der damit verbundenen Verringerung der Östrogenproduktion und dem Eintritt der Menopause klingen bei den meisten Frauen die Beschwerden ab.

Ein unzureichendes Therapieergebnis kann auf eine schlecht behandelbare Endometriose zurückzuführen sein. Möglicherweise handelt es sich aber bei den Beschwerden auch nicht um endometriosebedingte Symptome. Die Behandlung wird dann nach erneuter Diagnostik auf die Symptomursache ausgerichtet.

Therapie ungewollter Kinderlosigkeit

Ein chirurgischer Eingriff kann in einigen Fällen die Fruchtbarkeit verbessern, während eine Hormonbehandlung keine solche Auswirkung zeigt. Eine Hormonbehandlung wirkt im Gegenteil präventiv. Sie verschiebt die natürliche Fähigkeit, schwanger zu werden. In einigen Fällen dauert es etwas länger, bis eine Schwangerschaft eintritt. Bei einer andauernden Unfruchtbarkeit stellt eine IVF-Behandlung (In-vitro-Fertilisation, Reagenzglasbefruchtung) eine gute Behandlungsalternative dar. Große Endometriome sind möglicherweise zu entfernen, bevor eine Eizellentnahme für die IVF durchgeführt werden kann.

Spezielle Probleme bei Endometriose

Schwangerschaft und Geburt

Tritt eine Schwangerschaft ein, verläuft diese normal. Ein erhöhtes Risiko für eine Fehlgeburt oder eine Schwangerschaft außerhalb der Gebärmutter (extrauterine Schwangerschaft) besteht nicht. Bei einigen Schwangeren intensivieren sich die Schmerzen in den ersten Monaten. Bei den meisten verschwinden die Schmerzen jedoch während der Schwangerschaft.

Die schmerzfreie Periode hält meist so lange an, bis wieder die Menstruation einsetzt. Ein häufiges Stillen kann die Menstruation aufschieben. Folgeschwangerschaften treten bei einigen Patientinnen einfacher ein.

Nach den Wechseljahren

Ist eine Hormonbehandlung notwendig, z. B. aufgrund starker Wechseljahressymptome oder nach beidseitiger Eierstockentfernung (Ovarektomie), stellt eine Endometriose keine absolute Kontraindikation dar. In einigen Fällen können Rückfälle auftreten. In diesem Fall sollten Sie die Hormonersatztherapie abbrechen. Es stehen verschiedene Hormonbehandlungen zur Auswahl. Bei einigen besteht eine geringere Neigung, Endometriose zu stimulieren. Ihre Ärztin gibt Ihnen Hinweise zur Wahl der Behandlung.

Prognose

Eine Endometriose kann bereits in der Pubertät auftreten, entwickelt sich in den Zwanzigern, verursacht starke Beschwerden in den Dreißigern und klingt nach den Wechseljahren ab. Die medikamentöse Behandlung ist in der Regel effektiv. Die Wirksamkeit kann jedoch nur für die Dauer der Behandlung sichergestellt werden. Nach einer Operation kann eine vorbeugende medikamentöse Therapie für einen langfristigen Erfolg erwogen werden. Alternativ kann eine medikamentöse Therapie bei erneuten Beschwerden wieder aufgenommen werden. Im Rahmen einer Schwangerschaft können die Veränderungen vollkommen verschwinden.

Bei der Endometriose handelt es sich um eine chronische und wiederkehrende Erkrankung.

Sie ist ungefährlich. Ihre Symptomatik schränkt – insbesondere unbehandelt – die Lebensqualität stark ein.

Weiterführende Informationen

Autoren

  • Martina Bujard, Wissenschaftsjournalistin, Wiesbaden
  • Julia Trifyllis, Dr. med, Fachärztin für Gynäkologie und Geburtshilfe, Münster/W

Literatur

Dieser Artikel basiert auf dem Fachartikel Endometriose. Nachfolgend finden Sie die Literaturliste aus diesem Dokument.

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