Ausbleiben der Menstruation (sekundäre Amenorrhö)

Sekundäre Amenorrhö ist das Ausbleiben der Regelblutung über mehrere Monate bei Frauen, die sie bereits menstruiert habe.

Teilen Sie diese Patienteninformation

QR-Code

Fotografieren Sie diesen QR-Code mit Ihrem Smartphone

Deximed – Deutsche Experteninformation Medizin

"Deximed ist für mich eine große Hilfe, um im Praxisalltag schnell aktuelles Wissen zur Therapie oder Diagnostik nachschlagen zu können. Die übersichtliche Struktur ermöglicht es, sogar im Patientenkontakt rasch etwas nachzulesen." - PD Dr. med. Guido Schmiemann, Facharzt für Allgemeinmedizin, Bremen

Deximed ist ein unabhängiges Arztinformationssystem mit Fokussierung auf die primärärztliche Versorgung. Evidenzbasierte und regelmäßig aktualisierte Artikel zu allen medizinischen Gebieten zeichnen Deximed aus.

Mehr erfahren

Was ist sekundäre Amenorrhö?

Sekundäre Amenorrhö ist das Ausbleiben der Regelblutung, die bereits schon einmal aufgetreten ist (siehe auch primäre Amenorrhö = Nichteintreten der Menstruation). Die sekundäre Amenorrhö kommt häufiger vor als die primäre.

Von einer sekundären Amenorrhö wird gesprochen, wenn:

  • die Menstruation über den Zeitraum von mindestens drei Zyklen oder über mindestens sechs Monate ausbleibt.
  • bei einer Frau mit zuvor unregelmäßigem Zyklus die Menstruation über einen Zeitraum von neun Monaten oder mehr ausbleibt.

Häufigkeit

Ausbleibende Regelblutungen treten relativ häufig auf. In der Altersgruppe von 16–24 Jahren ist ein Ausbleiben der Regelblutung im Laufe eines Jahres bei ca. 8 % aller Frauen zu beobachten.

Bei ca. 3 von 4 Frauen mit diesem Symptom tritt die Regelblutung ohne weitere Behandlung innerhalb von einem Jahr wieder auf. Deswegen werden vor Ablauf eines Jahres neben einer gewöhnlichen gynäkologischen Untersuchung in der Regel keine weiteren Untersuchungen durchgeführt.

Auch nach dem Abstillen kann mit einer ärztlichen Abklärung mindestens ein halbes Jahr abgewartet werden.

Die Regelblutung

Normalerweise wird die Menstruation durch ein feines Zusammenspiel von Hormonen gesteuert, die unter anderem im Hypothalamus, einem Bereich im Gehirn, gebildet werden. Die hier gebildeten Hormone regen die Hirnanhangsdrüse (Hypophyse) dazu an, die Eierstöcke zu stimulieren. Die eigentliche Produktion von Geschlechtshormonen findet in den Eierstöcken und in den Nebennieren statt. Die Geschlechtshormone wirken auf die Gebärmutterschleimhaut und sind für den Beginn und das Ende der Blutungen verantwortlich. Die Steuerung der Menstruation erfolgt in einem feinen Zusammenspiel von Hormonen auf allen diesen Ebenen.

Auch die Ursache für das Ausbleiben der Regelblutung kann auf sämtlichen Ebenen liegen: im Gehirn, in der Hypophyse, in den Eierstöcken oder in den Nebennieren.

Welche Ursachen sind möglich?

Häufige Ursachen

  • Schwangerschaft
    • Sollte immer in Erwägung gezogen werden.
  • Psychische Faktoren
    • Sind die häufigste Ursache.
    • Dies können z. B. geänderte Lebensumstände, Reisen oder psychische Belastungen sein.
    • Die psychischen Faktoren wirken über das Gehirn und den Hypothalamus.
  • Sport
    • Übermäßiger Sport und insbesondere Leistungssport kann zu einem Ausbleiben der Menstruation führen.
  • Essstörungen
  • Polyzystisches Ovarialsyndrom (PCOS)
  • Schilddrüsenerkrankungen
  • Hormonelle Verhütungsmittel
    • Nach dem Absetzen der Pille kann die Menstruation einige Monate ausbleiben.
    • Sehr häufig bleibt die Menstruation bei Verwendung der Hormonspirale oder der Verhütungsspritze aus.
  • Vorzeitige Wechseljahre
    • Wenn Frauen unter 40 Jahren in die Menopause (Aufhören der Regelblutung) kommen, spricht man von vorzeitigen Wechseljahren.
    • Die Behandlung besteht aus einer Hormonersatztherapie mit Östrogen und evtl. Gestagen.
  • Übergewicht

Seltenere Ursachen

  • Erhöhtes Prolaktin aufgrund von Überproduktion in der Hypophyse
    • prolaktinproduzierende Tumore der Hirnanhangsdrüse (fast immer gutartig)
    • Einnahme von Medikamenten, die den Prolaktinspiegel beeinflussen.
  • Autoimmunerkrankung
  • Chemotherapie oder Bestrahlung des Beckens
  • Androgenproduzierende Tumore der Eierstöcke oder der Nebennierenrinde (sehr selten)

Wie geht die Ärztin/der Arzt vor?

Falls die Möglichkeit einer Schwangerschaft besteht, wird dies zuerst abgeklärt werden. Wichtig ist auch  zu wissen, ob Sie hormonelle Verhütungsmittel nehmen oder schon in der Menopause sind.

Ihre Hausärztin/Ihr Hausarzt wird Ihre Körpergröße und Ihr Gewicht messen und nach Ihren Sport- und Ernährungsgewohnheiten fragen, um eventuelle Essstörungen oder exzessive sportliche Betätigung auszuschließen. Junge Sportlerinnen können eine Kombination aus mehreren Gesundheitsproblemen entwickeln, die als „Female Athlete Triad" bezeichnet wird und Essstörungen, Amenorrhö und Osteoporose (Knochenschwund) umfasst. Bei Verdacht auf Osteoporose wird eventuell eine Knochendichtemessung in Betracht gezogen.

Außerdem wird abgeklärt werden, ob es Anzeichen einer Über- oder Unterfunktion der Schilddrüse oder auf ein polyzystisches Ovarialsyndrom gibt.

Ergänzend kann eine gynäkologische Untersuchung mit einem vaginalen Ultraschall bei Ihrer Frauenärztin/Ihrem Frauenarzt vorgenommen werden. Auch eine Hormonanalyse ist möglich, um der Ursache der Amenorrhö auf den Grund zu gehen.

Weitere Informationen

Autoren

  • Martina Bujard, Wissenschaftsjournalistin, Wiesbaden
  • Julia Trifyllis, Dr. med, Fachärztin für Gynäkologie und Geburtshilfe, Münster/W.

Literatur

Dieser Artikel basiert auf dem Fachartikel Amenorrhö, sekundäre . Nachfolgend finden Sie die Literaturliste aus diesem Dokument.

  1. Solnik MJ. Assessment of secondary amenorrhoea. BMJ Best Practice. Last updated Dec 2018, last reviewed Feb 2020. bestpractice.bmj.com
  2. Frank-Herrmann P und Strowitzki T. Amenorrhö: Woran denken? J Klin Endokrinol Stoffw 2013; 6(3): 12-8. www.kup.at
  3. Master-Hunter T, Heiman DL. Amenorrhea: Evaluation and treatment. Am Fam Physician 2006; 73: 1374-82. PubMed
  4. Practice Committee of American Society for Reproductive Medicine. Current evaluation of amenorrhea. Fertil Steril. 2008;90(5 suppl):S219–S225. www.ncbi.nlm.nih.gov
  5. Klein DA, Poth MA. Amenorrhea: an approach to diagnosis and management. Am Fam Physician 2013; 87: 781-8. www.ncbi.nlm.nih.gov
  6. Pickett CA. Diagnosis and management of pituitary tumors: recent advances. Prim Care. 2003;30(4):765–789. www.ncbi.nlm.nih.gov
  7. Kiningham RB, Apgar BS, Schwenk TL. Evaluation of amenorrhea. Am Fam Physician 1996; 53: 1185-94. www.ncbi.nlm.nih.gov
  8. Miller KK, Parulekar MS, Schoenfeld E, Anderson E, Hubbard J, Klibanski A, et al. Decreased leptin levels in normal weight women with hypothalamic amenorrhea: the effects of body composition and nutritional intake. J Clin Endocrinol Metab 1998; 83: 2309-12. PubMed
  9. Welt CK, Chan JL, Bullen J, Murphy R, Smith P, DePaoli AM, et al. Recombinant human leptin in women with hypothalamic amenorrhea. N Engl J Med 2004; 351: 987-97. New England Journal of Medicine
  10. Drinkwater BL, Nilson K, Ott S, Chesnut CH III. Bone mineral density after resumption of menses in amenorrheic athletes. JAMA 1986; 256: 380-2. www.ncbi.nlm.nih.gov
  11. Robinson TL, Snow-Harter C, Taaffe DR, Gillis D, Shaw J, Marcus R. Gymnasts exhibit higher bone mass than runners despite similar prevalence of amenorrhea and oligomenorrhea. J Bone Miner Res 1995; 10: 26-35. PubMed
  12. Hergenroeder AC, Smith EO, Shypailo R, Jones LA, Klish WJ, Ellis K. Bone mineral changes in young women with hypothalamic amenorrhea treated with oral contraceptives, medroxyprogesterone, or placebo over 12 months. Am J Obstet Gynecol 1997; 176: 1017-25. PubMed
  13. Ackerman KE, Singhal V, Baskaran C, et al. Oestrogen replacement improves bone mineral density in oligo-amenorrhoeic athletes: A randomised clinical trial. Br J Sport Med 2018. PMID: 30301734 www.ncbi.nlm.nih.gov
  14. Nawroth F. Hyperprolaktinämie. Gynäkologe 2019 · 52:529–537. doi.org
  15. Riecher-Rössler A, Schmid C, Bleuer S, Birkhäuser M. Antipsychotika und Hyperprolaktinämie: Pathophysiologie, klinische Bedeutung, Abklärung und Therapie. Gynäkologische Endokrinologie 2009;7(3),171–182. doi:10.1007/s10304-009-0316-7 DOI
  16. Martin N. Prolactinoma. BMJ Best Practise. Last udated Feb 2019. Last reviewed Feb 2020. bestpractice.bmj.com
  17. Kalantaridou S, Naka KK, Papanikolaou E, Kazakos N, Kravariti M, Calis KA, et al. Impaired endothelial function in young women with premature ovarian failure: normalization with hormone therapy. J Clin Endocrinol Metab 2004; 89: 3907-13. PubMed
  18. Kalantaridou S, Davis SR, Nelson LM. Premature ovarian failure. Endocrinol Metab Clin North Am 1998; 27: 989-1006. PubMed
  19. Anasti JN. Premature ovarian failure: an update. Fertil Steril 1998; 70: 1-15. PubMed
  20. Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe. Peri- und Postmenopause - Diagnostik und Interventionen. AWMF-Leitlinie Nr. 015-062, Klasse S3, Stand 2020. www.awmf.org
  21. Kim TJ, Anasti JN, Flack MR, Kimzey LM, Defensor RA, Nelson LM. Routine endocrine screening for patients with karyotypically normal spontaneous premature ovarian failure. Obstet Gynecol 1997; 89: 777-9. PubMed
  22. van der Schouw Y, van der Graaf Y, Steyerberg EW, Eijkemans JC, Banga JD. Age at menopause as a risk factor for cardiovascular mortality. Lancet 1996; 347: 714-8. PubMed
  23. Jacobsen BK, Nilssen S, Heuch I, Kvale G. Does age at natural menopause affect mortality from ischemic heart disease? J Clin Epidemiol 1997; 50: 475-9. PubMed
  24. Laufer MR, Floor AE, Parsons KE, Kuntz KM, Barbieri RL. Hormone testing in women with adult onset amenorrhea. Gynecol Obstet Invest 1995; 40: 200-3. PubMed
  25. Nelson LM. Clinical practice. Primary ovarian insufficiency. N Engl J Med. 2009;360(6):606–614. www.ncbi.nlm.nih.gov
  26. Gordon CM. Clinical practice. Functional hypothalamic amenorrhea. N Engl J Med. 2010;363(4):365–371. www.ncbi.nlm.nih.gov
  27. Kalro B. Impaired fertility caused by endocrine dysfunction in women. Endocrinol Metab Clin North Am 2003; 32: 573-92. PubMed
  28. Arojoki M, Jokimaa V, Juuti A, Koshinen P, Irajala K, Anttila L. Hypothyroidism among infertile women in Finland. Gynecol Endocrinol 2000; 14: 127-31. PubMed
  29. Kakuno Y, Amino N, Kanoh M, et al. Menstrual disturbances in various thyroid diseases. Endocr J. 2010;57(12):1017–1022. www.ncbi.nlm.nih.gov
  30. Ludwig M. Gynäkologische Endokrinologie. Hamburg: optimist, 2012.
  31. Falsetti L, Gambera A, Barbetti L, Specchia C. Long-term follow-up of functional hypothalamic amenorrhea and prognostic factors. J Clin Endocrinol Metab. 2002;87(2):500–505. www.ncbi.nlm.nih.gov
  32. American College of Obstetricians and Gynecologists. ACOG practice bulletin no. 108: polycystic ovary syndrome. Obstet Gynecol. 2009;114(4):936–949. www.ncbi.nlm.nih.gov
  33. Tang T, Lord JM, Norman RJ, Yasmin E, Balen AH. Insulin-sensitising drugs (metformin, rosiglitazone, pioglitazone, D-chiro-inositol) for women with polycystic ovary syndrome, oligo amenorrhoea and sub-fertility. Cochrane Database Syst Rev. 2010;(1):CD003053. Cochrane (DOI)
  34. Bridger T, MacDonald S, Baltzer F, Rodd C. Randomized placebo-controlled trial of metformin for adolescents with polycystic ovary syndrome. Arch Pediatr Adolesc Med. 2006;160(3):241–246. www.ncbi.nlm.nih.gov
  35. Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (DGGG) und Deutsche Gesellschaft für Gynäkologische Endokrinologie und Fortpflanzungsmedizin (DGGEF). 220. Stellungnahme. Zum Einsatz von Metformin vor und während der Schwangerschaft bei Frauen mit PCOS und Kinderwunsch. 16.07.2015 www.dggg.de
  36. Webster J, Piscitelli G, Polli A, Ferrari CI, Ismail I, Scanlon MF, et al. A comparison of cabergoline and bromocriptine in the treatment of hyperprolactinemic amenorrhea. N Engl J Med 1994; 331: 904-9. New England Journal of Medicine