Azyklische Menstruation

Eine normale Regelblutung (Menstruation) erfolgt regelmäßig, wobei sie drei bis acht Tage dauert und sich ungefähr alle vier Wochen wiederholt. Eine azyklische Menstruation bezeichnet Zwischenblutungen und wird fachsprachlich auch Metrorrhagie genannt.

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Was sind unregelmäßige (azyklische) Blutungen?

  • Eine normale Menstruation erfolgt regelmäßig, wobei sie drei bis acht Tage dauert und sich ungefähr alle vier Wochen wiederholt. Eine azyklische Menstruation bezeichnet Zwischenblutungen und wird fachsprachlich auch Metrorrhagie genannt.
  • Alle Blutungen der Gebärmutter, die außerhalb des normalen Menstruationszyklus auftreten, werden als azyklische Blutungen bezeichnet.

Bei wen können azyklische Blutungen auftreten?

  • Azyklische Blutungen sind bei Frauen in jedem Alter möglich. Jedoch sind die Ursachen der Blutungen altersbezogen unterschiedlich.
  • Hormonstörungen
    • Bei jungen Frauen sind oft vorübergehende Hormonstörungen eine Erklärung. In der Altersgruppe zwischen 15 und 20 Jahren beobachtet man bei ca. 20 % aller Frauen azyklische Blutungen, die sich über ein Jahr erstrecken.
    • Hormonstörungen sind die Hauptursache bei Frauen, die sich den Wechseljahren nähern.
    • Nebenwirkungen von Verhütungsmitteln

Warum wird die Menstruation unregelmäßig?

  • Menstruation und Eisprung werden von einem Zusammenspiel zwischen Hypothalamus und Hypophyse im Gehirn mit den Eierstöcken gesteuert. Dies erfolgt mithilfe von Hormonen, die über den Blutkreislauf zwischen den Organen transportiert werden. Während der ersten Hälfte des Menstruationszyklus produzieren die Eierstöcke Östrogen, das die Schleimhaut der Gebärmutter aufbaut. Nach dem Eisprung wird Progesteron produziert, das die Schleimhaut für eine eventuelle Schwangerschaft vorbereitet. Wenn keine Schwangerschaft zustande kommt, sinkt der Progesteronspiegel wieder. Dies führt dazu, dass die Gebärmutterschleimhaut in Form einer Menstruationsblutung ausgestoßen wird. Der Eisprung, der von Hormonen der Hypophyse ausgelöst wird, ist die Voraussetzung für regelmäßige Menstruationen.
  • Dieses Zusammenspiel ist sehr störungsempfindlich und eine Störung kann zu unregelmäßigen Blutungen führen. Bei jungen Frauen ist die Erklärung fast immer eine vorübergehende Hormonstörung. Auch etwas Stress kann genügen, die Hormone und damit die Menstruation aus dem Gleichgewicht zu bringen. Auch vor und nach der Menopause sind Hormonstörungen die Hauptursache.
  • Azyklische Blutungen können auch eine Nebenwirkung von Verhütungsmitteln oder Anzeichen für eine Erkrankung sein.

Wie kommt es zu azyklischen Blutungen?

Häufige Ursachen

  • Noch nicht voll ausgebildetes oder instabiles Hormonsystem
    • Die ersten Jahre nach Beginn der Menstruation verlaufen oft unregelmäßig.
    • Das Hormonsystem kann immer noch instabil sein und es dauert in vielen Fällen zwei bis drei Jahre bis zur Stabilisierung.
  • Stresseinwirkung
    • Stress ist eine häufige Ursache für Hormonstörungen.
    • Schulstress, Liebeskummer, lange Reisen, Gewichtsabnahme sowie Hochleistungssport sind weitere Faktoren, die die Menstruation einer Frau beeinflussen können.
  • Wechseljahre (Klimakterium)
    • Damit bezeichnet man die Übergangsjahre bis zur letzten Menstruation (Menopause), die mit ca. 52 Jahren eintritt.
    • Typische Symptome sind Blutungsstörungen, Hitzewallungen, Schweißausbrüche und Schlafstörungen.
  • Nebenwirkungen von Verhütungsmitteln
  • Während der Schwangerschaft
    • Blutungen im Frühstadium einer Schwangerschaft sind nicht ungewöhnlich.
    • Fehlgeburt
    • Eileiterschwangerschaft
  • Entzündung des Gebärmutterhalses
    • Wird hervorgerufen durch Chlamydien, Gonorrhö, Trichonomonas- oder Herpesinfektion.
    • vermehrter Ausfluss, teilweise mit klienen Blutungen
  • Akute Eierstockentzündung (Salpingitis)
    • am häufigsten bei sexuell aktiven jungen Frauen
    • Tritt oft schleichend ein, mit Schmerzen oder Druckempfindlichkeit im unteren Bauchbereich, vermehrtem Ausfluss, Blutungsstörungen und Fieber.
  • Polyp im Gebärmutterhals
    • Dies ist ein ungefährlicher Zustand, der zu sporadischen Blutungen führen kann, insbesondere nach dem Geschlechtsverkehr.
  • Medikamente
    • Bestimmte Medikamente und Kräuter können zu anormalen Blutungen führen.

Seltenere Ursachen

  • Gebärmutterkrebs
    • Kommt selten bei Frauen unter 45 Jahren vor, häufig jedoch nach der Menopause.
    • Bei menstruierenden Frauen treten dabei azyklische Blutungen auf, typischerweise auch Blutungen nach dem Ende der Menstruation.
  • Gebärmutterhalskrebs
    • Davon können auch jüngere Frauen betroffen sein.
    • Symptome: Ausfluss und azyklische Blutungen sowie Blutungen beim Geschlechtsverkehr und bei körperlicher Anstrengung

Was können Sie selbst tun?

Orale Kontrazeptiva („Pille“) und kleinere Blutungen

  • Besprechen Sie mit Ihrer Frauenärztin/Ihrem Frauenarzt, ob der Wechsel auf ein anderes Verhütungsmittel sinnvoll ist.
  • Hierzu kommt zum Beispiel eine andere „Pille“ infrage. Lassen Sie sich beraten.

Wann sollten Sie ärztlichen Rat suchen?

Altersbezogen

  • Junge Mädchen
    • Bevor der Eisprung richtig in Gang gekommen ist, können die Menstruationen lange dauern und die Blutungen können sehr stark sein. Dies kann sogar zu Blutarmut führen.
  • Frauen im gebärfähigen Alter
    • Fast alle Frauen machen früher oder später die Erfahrung mit vorübergehenden azyklischen Menstruationen. Einige Jahre vor der Menopause sind azyklische Blutungen durchaus häufig. Bei langwierigen und reichlichen Blutungen sollte man jedoch einen Arzt aufsuchen.
  • Frauen nach der Menopause
    • Eine Blutung nach der Menopause muss immer ernst genommen und ärztlich untersucht werden.

In Bezug auf die Form der Blutung

  • Bei folgenden Anzeichen einer anormalen Blutung sollten vorsichtshalber zur Ärztin/zum Arzt gehen:
    • Wenn die Periode häufiger als normal kommt (weniger als 21 Tage dazwischen).
    • Wenn die Periode seltener als normal kommt (mehr als 35 Tage dazwischen).
    • Wenn die Menstruation stärker als sonst ist.
    • Wenn Blutungen in der Zeit zwischen den Perioden auftreten.

Wie geht die Ärztin/der Arzt vor?

Anamnese

Die Ärztin/der Arzt wird Ihnen eventuell folgende Fragen stellen:

  • Wann haben Sie das zum ersten Mal bemerkt?
  • Wie häufig kommt Ihre Blutung?
  • Wie stark ist Ihre Blutung?
  • Haben Sie Blutungen nach dem Geschlechtsverkehr?
  • Haben Sie andere Beschwerden im Unterleib?
    • Haben Sie Schmerzen?
    • Haben Sie Juckreiz oder ein brennendes Gefühl im Unterleib?
    • Vermehrter Ausfluss?
    • Fieber?
  • Könnten Sie schwanger sein?
  • Welche Art von Verhütungsmittel benutzen Sie?
  • Leiden Sie an anderen Erkrankungen?
  • Nehmen Sie Medikamente ein oder benutzen Sie Kräuterpräparate?

Ärztliche Untersuchung

  • Die Ärztin/der Arzt führt in der Regel eine allgemeine körperliche Untersuchung und eine gynäkologische Untersuchung durch, eventuell auch eine Ultraschalluntersuchung. Dabei werden eine Zellprobe vom Gebärmutterhals (Pap-Abstrich) und eventuell Bakterienproben entnommen.

Erhöhtes Risiko für Gebärmutterkrebs

  • Bestimmte Frauen haben ein erhöhtes Risiko, Gebärmutterkrebs zu entwickeln. Das Risiko steigt durch:
    • höheres Alter (unter 45 Jahren sehr selten)
    • Übergewicht
    • länger als 35 Tage zwischen den Menstruationen
    • Diabetes oder Bluthochdruck
    • keine Geburten
    • Einnahme von Medikamenten wie zum Beispiel Östrogen ohne Gelbkörperhormon oder Tamoxifen.

Überweisung an einen Spezialisten oder ein Krankenhaus

  • Bei unklarer Diagnose oder Verdacht auf eine schwere Erkrankung werden Sie an einen Spezialisten überwiesen.

Autoren

  • Julia Trifyllis, Dr. med., Fachärztin für Gynäkologie und Geburtshilfe, Münster/W.