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Unregelmäßige Menstruation (dysfunktionelle uterine Blutungen, DUB)

Vor allem bei jungen Mädchen und bei Frauen, die sich der Menopause nähern, können unregelmäßige (azyklische), starke und nicht selten lang anhaltende Blutungen auftreten. Die Ursache sind häufig Hormonstörungen.

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Was sind unregelmäßige, azyklische Regelblutungen?

Eine „normale" Regelblutung (Eumenorrhoe) tritt alle 25 bis 31 Tage mit einem Blutverlust von 30–100 ml/Tag auf und dauert 3 bis 5 Tage. Für unregelmäßige und/oder zu starke Monatsblutungen kommen verschiedenste Ursachen in Frage. Häufig ergeben die ärztlichen Untersuchungen jedoch keine organische Erkrankung, in diesem Fall sprechen Ärzte von azyklischen Blutungen unklarer Genese bzw. dysfunktionellen Blutungsstörung. Hierbei handelt es sich um eine sogenannte Ausschlussdiagnose, was bedeutet, dass der Arzt zuvor alle möglichen Ursachen für die unregelmäßige Menstruation geprüft und ausgeschlossen haben muss.

Unregelmäßige Monatsblutungen gehen oft mit sehr starken Regelblutungen einher; oft ist zudem die Blutungsdauer verlängert. Es wird zwischen verschiedenen Blutungsstörungen unterschieden:

  • Menorrhagie: lange (länger als 6 Tage), dabei regelmäßige (zyklische) Blutungen
  • Metrorrhagie: unregelmäßige (azyklische) Blutungen; oft zusätzlich verlängert
  • Polymenorrhoe: sehr häufig auftretende, regelmäßige (zyklische) Blutungen (häufiger als alle 25 Tage)
  • Oligomenorrhoe: sehr seltene, regelmäßige Blutung (nur alle 35 Tage)
  • Hypermenorrhoe: sehr starke Blutung (mehr als 100 ml/Tag bzw. mehr als 5 Tampons/Binden pro Tag)
  • Hypomenorrhoe: schwache Blutung (weniger als 2 Tampons/Binden pro Tag)
  • Eisprungblutung: Minimalblutung, die um den Zeitpunkt des Eisprungs herum auftritt.

Dysfunktionelle Blutungsstörungen kommen nicht selten vor. Besonders häufig treten die Beschwerden bei jungen Mädchen und bei Frauen im Alter von 38 bis 50 Jahren auf. Es wird davon ausgegangen, dass die Hälfte aller Frauen mindestens einmal im fertilen Alter von auffällig veränderten Uterusblutungen betroffen ist. Bei wiederum der Hälfte hiervon (25 %) sind dysfunktionelle Uterusblutungen die Ursache. Die Beschwerden treten häufiger bei übergewichtigen Frauen und bei Frauen mit polyzystischem Ovarialsyndrom auf.

Schätzungen zufolge sucht nur jede 4. Frau mit starken Uterusblutungen einen Arzt auf.

Ursachen

Die Beschwerden sind häufig auf harmlose Hormonstörungen zurückzuführen. Die häufigste Erklärung ist, dass kein Eisprung stattfindet (Anovuation). Hierdurch gerät die Ausschüttung der verschiedenen Geschlechtshormone aus dem Gleichgewicht. Durch den fehlenden Eisprung kommt es in der Folge zu einer gestörten Hormonproduktion in den Eierstöcken (Ovarien). Der normale, zyklische Hormonhaushalt sowie auch die normale Abstoßung der Gebärmutterschleimhaut im Rahmen der Menstruation sind gestört: Es kommt zu unregelmäßigen (azyklisch), stark und lang anhaltenden Blutungen. Als mögliche Ursache ist an Übergewicht und das polyzystische Ovarialsyndrom zu denken. Auch psychische Faktoren sind in manchen Fällen eine Erklärung für den fehlenden Eisprung.

Gebärmutter, Ansicht von vorne

Anovulatorische (ohne Eisprung) Blutungen treten besonders häufig bei jungen Mädchen in den ersten Jahren nach der Menarche (erste Menstruation) sowie bei Frauen, die sich der Menopause nähern, auf. 

In manchen Fällen können Wucherungen in der Muskelschicht der Gebärmutter (Myome) oder auch gutartige Veränderungen wie Polypen die Beschwerden verursachen. In selten Fällen kann Gebärmutterhalskrebs oder Gebärmutterkörperkrebs vorliegen. Vorübergehende Blutungsstörungen können durch Schwangerschaft und Spontanaborte entstehen. Manchmal kann es durch Medikamente zu auffälligen Blutungen kommen, etwa durch Blutverdünner oder Hormonpräparate. Blutkrankheiten wie Thrombozytopenie (Mangel an Blutplättchen) und Leukämie (Blutkrebs) können ebenfalls zu azyklischen Blutungen der Gebärmutter führen, da hier generell eine erhöhte Blutungsneigung vorliegt. Weitere mögliche Ursachen sind z. B. ein polyzystisches Ovarsyndrom oder auch Störungen der Schilddrüsenfunktion.

Geschlechtskrankheiten (Chlamydien, Gonorrhoe) führen zur Entzündung der Gebärmutterhalsschleimhaut. Hierdurch kann es zu ständigen schwachen Blutungen kommen.

Diagnostik

Ausschlaggebend für eine sichere Diagnose ist die Erhebung der Krankengeschichte. Azyklische Blutungen, starke und lang andauernde Blutungen bei sehr jungen Mädchen oder bei Frauen ab 35 bis 40 Jahren sind typisch für die Diagnose dysfunktionelle Uterusblutungen. Der Arzt wird neben Dauer und Stärke der Blutungen auch nach dem Beginn der Menstruation, Gebrauch von Medikamenten, anderen Krankheiten, ggf. Schwangerschaften etc. fragen.

Der Arzt wird die Patientin zudem gynäkologisch untersuchen; bei jungen Mädchen ist diese Untersuchung jedoch nicht immer notwendig. In der Regel ist die Untersuchung ohne Befund, sie ist jedoch wichtig, um organische Ursachen für die Blutungen, beispielsweise Tumoren oder Entzündungen, auszuschließen. Zum Ausschluss von Gebärmutterhalskrebs wird auch ein Zellabstrich aus dem Gebärmutterhals entnommen. Zum Ausschluss von Blutarmut werden Blutproben gestestet, wobei z. B. auch Entzündungszeichen und Schilddrüsenparameter bestimmt werden können. Ist die Diagnose unsicher, sollte eine Ultraschalluntersuchung erfolgen. Bei Verdacht auf eine Geschlechtskrankheit, in der Regel Chlamydien, werden im Rahmen der gynäkologischen Untersuchung Abstriche von auffälligen Regionen vorgenommen, anhand derer ein evtl. Bakterienwachstum nachweisbar ist.

Behandlung

Sofern keine organische Erkrankung nachgewiesen wird, ist eine Behandlung häufig nicht erforderlich. Die Beschwerden sind harmlos. Eine Behandlung ist nur dann erforderlich, wenn die Blutungen mit starken Beschwerden/Schmerzen verbunden sind oder eine Blutarmut (Anämie) zur Folge haben. Bei jungen Mädchen geben sich die Beschwerden in der Regel mit der Zeit von selbst. Bei älteren Frauen enden die Beschwerden mit dem Eintritt der Menopause.

Wird eine Geschlechtskrankheit als Ursache nachgewiesen, hören die Blutungen in der Regel nach der erfolgreichen Behandlung der Infektion auf.

Eine etwaige Behandlung erfolgt durch Hormongabe. Die Einnahme von Gestagen (weibliches Geschlechtshormon) im letzten Teil des Menstruationszyklus vom 16. bis einschl. 26. Tag normalisiert die Blutungen. Eine solche Behandlung kann beispielsweise in drei aufeinander folgenden Menstruationszyklen stattfinden.

Eine Hormonspirale setzt Gestagen frei. Sie wird nicht selten zur Behandlung erwachsener Frauen mit funktionellen Blutungsstörungen empfohlen. Häufig kommt es mit der Hormonspirale zu erheblich weniger Blutungen, gleichzeitig schützt die Spirale vor einer Schwangerschaft. Viele Frauen sind mit dieser Behandlung sehr zufrieden. Bei jungen Frauen sind bei Bedarf hormonelle Verhütungsmittel (Pille) das Mittel der Wahl. Diese regulieren sowohl den Umfang als auch den Zeitpunkt der Blutung.

Eine Alternative zur Hormonbehandlung ist das Präparat Tranexamsäure, das die Blutung eindämmt. Es wird teilweise akut eingesetzt. Hierbei handelt es sich aber um eine rein symptomatische Behandlung, die nichts an der zugrunde liegenden Ursache ändert. Nach Abschluss der Behandlung treten die auffälligen Blutungen häufig erneut auf.

Chirurgische Maßnahmen wie die Entfernung der Gebärmutter (Hysterektomie) und die Ausschabung der Gebärmutter (Resektion des Endometriums) kommen bei wiederholt auftretenden, die Lebensqualität beeinträchtigenden Problemen bei Frauen in Betracht, die keine Kinder mehr haben möchten. Beide Behandlungen sind wirksam und führen zu hoher Patientenzufriedenheit. Auch wenn die Hysterektomie mit einer längeren Operationsdauer, einer längeren Rekonvaleszenz und vermehrten Komplikationen nach der Operation verbunden ist, bietet sie eine dauerhafte Lösung. Von einer Resektion des Endometriums erholen sich die Patientinnen schneller, sie muss aber nicht selten wiederholt werden.

Prognose

Dysfunktionelle Blutungsstörungen sind meist vorübergehende Beschwerden, die in den ersten Jahren nach der Menarche auftreten können und mit dem Einsetzen ovulatorischer Menstruationszyklen aufhören. Bei entsprechender Therapie haben auch Frauen in den Wechseljahren eine gute Perspektive. Mit Eintritt der Menopause hören die Beschwerden auf.

Unbehandelt und über einen langen Zeitraum prädisponieren die Beschwerden für Endometriumhyperplasie (Verdickung der Gebärmutterschleimhaut) und Gebärmutterkrebs.

Weiterführende Informationen

Autoren

  • Susanne Meinrenken, Dr. med., Bremen
  • Julia Trifyllis, Dr. med., Fachärztin für Gynäkologie und Geburtshilfe, Münster/W

Literatur

Dieser Artikel basiert auf dem Fachartikel Dysfunktionelle uterine Blutungen. Nachfolgend finden Sie die Literaturliste aus diesem Dokument.

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