Unregelmäßige Menstruation (anomale uterine Blutungen, AUB)

Vor allem bei jungen Mädchen und bei Frauen, die sich der Menopause nähern, können unregelmäßige (azyklische), übermäßig starke und nicht selten lang anhaltende Blutungen auftreten. Die Ursache sind häufig Hormonstörungen, es können jedoch auch Krankheiten der Geschlechtsorgane zugrunde liegen.

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Was sind unregelmäßige, azyklische Regelblutungen?

Eine „normale“ Regelblutung (Eumenorrhö) tritt alle 25 bis 31 Tage mit einem Blutverlust von 30–100 ml/Tag auf und dauert etwa 5 Tage. Für unregelmäßige und/oder zu starke Monatsblutungen kommen verschiedene Ursachen infrage. Grob lassen sich diese Ursachen in strukturelle Veränderungen (also Auffälligkeiten von Organen bzw. Geweben) und nicht strukturelle Veränderungen (Hormonstörungen) unterteilen. Zur ersten Gruppe gehören z. B. Myome oder Polypen des Uterus, zur zweiten Hormonschwankungen infolge eines fehlenden Eisprungs.

Unregelmäßige Monatsblutungen gehen oft mit sehr starken Regelblutungen einher; oft ist zudem die Blutungsdauer verlängert. Es wird zwischen verschiedenen Blutungsstörungen unterschieden:

  • Menorrhagie: lange (länger als 6 Tage), dabei regelmäßige (zyklische) Blutungen
  • Metrorrhagie: unregelmäßige (azyklische) Blutungen; oft zusätzlich verlängert
  • Polymenorrhö: sehr häufig auftretende, regelmäßige (zyklische) Blutungen (häufiger als alle 23 Tage)
  • Oligomenorrhö: sehr seltene, regelmäßige Blutung (nur alle 35 Tage)
  • Hypermenorrhö: sehr starke Blutung (mehr als 80 ml/Tag bzw. mehr als 5 Tampons/Binden pro Tag)
  • Hypomenorrhö: schwache Blutung (weniger als 2 Tampons/Binden pro Tag)
  • Eisprungblutung: Minimalblutung, die um den Zeitpunkt des Eisprungs herum auftritt.

Die oben genannte Einteilung wird noch oft verwendet, allerdings hat sich unter den Fachleuten die Definition geändert. Nun werden diese einzelnen Begriffe nicht mehr unterschieden, sondern man spricht allgemein von anomalen uterinen Blutungen (Uterus = Gebärmutter). Diese Diagnose wird gestellt, wenn eine Frau Blutungsveränderungen aufweist, die in Bezug auf Dauer, Regelmäßigkeit, Intervall und Stärke deutlich unter (< 5. Perzentile) oder deutlich über (> 95. Perzentile) dem Durchschnitt der Frauen liegt. Als anomale uterine Blutung gilt dabei:

  • Ausbleiben der Regel oder Schwankung um mehr als 20 Tage
  • Intervall zwischen den Blutungen weniger als 23 Tage oder mehr als 35 Tage
  • Blutverlust während der Menstruation weniger als 5 ml oder mehr als 80 ml
  • Dauer der Monatsblutung weniger als 4,5 Tage oder mehr als 8 Tage.

Dysfunktionelle Blutungsstörungen kommen nicht selten vor. Besonders häufig treten die Beschwerden bei jungen Mädchen und bei Frauen im Alter von 38 bis 50 Jahren auf. Es wird davon ausgegangen, dass etwa 15 bis 20 % aller Frauen im gebärfähigen Alter von auffällig veränderten Uterusblutungen betroffen sind. Die Beschwerden treten häufiger bei übergewichtigen Frauen und bei Frauen mit polyzystischem Ovarialsyndrom auf.

Ursachen

Die Beschwerden sind häufig auf harmlose Hormonstörungen zurückzuführen. Die häufigste Erklärung ist, dass kein Eisprung stattfindet (Anovulation). Hierdurch gerät die Ausschüttung der verschiedenen Geschlechtshormone aus dem Gleichgewicht: Durch den fehlenden Eisprung kommt es in der Folge zu einer gestörten Hormonproduktion in den Eierstöcken (Ovarien). Der normale, zyklische Hormonhaushalt sowie auch die normale Abstoßung der Gebärmutterschleimhaut im Rahmen der Menstruation sind gestört: Es kommt zu unregelmäßigen (azyklischen), stark und lang anhaltenden Blutungen. Mögliche Ursache sind Übergewicht und das polyzystische Ovarialsyndrom. Auch psychische Faktoren sind in manchen Fällen eine Erklärung für den fehlenden Eisprung.

Gebärmutter, Ansicht von vorne

Anovulatorische (ohne Eisprung) Blutungen treten besonders häufig bei jungen Mädchen in den ersten Jahren nach der Menarche (erste Menstruation) sowie bei Frauen, die sich der Menopause nähern, auf. Natürlich sind der Beginn der Wechseljahre aufgrund der damit einhergehenden Hormonschwankungen häufig der Auslöser für Blutungsstörungen.

In manchen Fällen können zudem Wucherungen in der Muskelschicht der Gebärmutter (Myome) oder auch gutartige Veränderungen wie Polypen die Beschwerden verursachen. Eine Endometriose ist eine mögliche Ursache für verstärkte und/oder sehr schmerzhafte Regelblutungen. In seltenen Fällen kann Gebärmutterhalskrebs oder Gebärmutterkrebs vorliegen. Vorübergehende Blutungsstörungen können durch Schwangerschaft und Fehlgeburt entstehen.

Manchmal kann es durch Medikamente zu auffälligen Blutungen kommen, etwa durch Blutverdünner, Hormonpräparate, Kortison und andere. Weitere mögliche Ursachen sind z. B. das polyzystische Ovarsyndrom, Störungen der Schilddrüsenfunktion oder auch ein unzureichend behandelter Diabetes.

Geschlechtskrankheiten (Chlamydien, Gonorrhö) führen zur Entzündung der Gebärmutterhalsschleimhaut. Auch ausgedehnte andere Infektionen der Organe im Unterleib/Becken der Frau oder eine Entzündung des Muttermundes können zu ständigen schwachen Blutungen führen.

Diagnostik

Ausschlaggebend für eine sichere Diagnose ist die Erhebung der Krankengeschichte.

Ist das Blutungsintervall recht gleichmäßig, Stärke und Dauer der Blutung jedoch auffällig verändert, spricht dies eher für eine strukturelle Ursache (z. B. Uterusmyom).

Die Ärztin/der Arzt wird neben Dauer und Stärke der Blutungen sowie Veränderungen gegenüber früheren Zeiten auch nach dem Beginn der Menstruation, Einnahme von Medikamenten, anderen Krankheiten, ggf. Schwangerschaften etc. fragen.

Außerdem wird die Patientin gynäkologisch untersucht; bei jungen Mädchen ist diese Untersuchung jedoch nicht immer notwendig. Häufig ist die Untersuchung ohne Befund, sie ist jedoch wichtig, um organische Ursachen für die Blutungen, beispielsweise Tumoren oder Entzündungen, auszuschließen. Zum Ausschluss von Gebärmutterhalskrebs wird auch ein Zellabstrich aus dem Gebärmutterhals entnommen. Zum Ausschluss von Blutarmut werden Blutproben gestestet, wobei z. B. auch Entzündungszeichen und Schilddrüsenparameter bestimmt werden können. Ist die Diagnose unsicher, sollte eine Ultraschalluntersuchung erfolgen. Bei Verdacht auf eine Geschlechtskrankheit, in der Regel Chlamydien, werden bei der gynäkologischen Untersuchung Abstriche genommen, anhand derer ein evtl. Bakterienwachstum nachweisbar ist.

Falls es während einer Schwangerschaft zu Blutungen kommt, ist besondere Vorsicht geboten.

Behandlung

Sofern keine organische Erkrankung nachgewiesen wird, ist eine Behandlung häufig nicht erforderlich und nur dann nötig, wenn die Blutungen mit starken Beschwerden/Schmerzen verbunden sind oder eine Blutarmut (Anämie) zur Folge haben. Bei jungen Mädchen geben sich die Beschwerden in der Regel mit der Zeit von selbst. Bei älteren Frauen enden die Beschwerden mit dem Eintritt der Menopause.

Wird eine Geschlechtskrankheit oder andere Infektion als Ursache nachgewiesen, hören die Blutungen in der Regel nach der entsprechenden erfolgreichen Behandlung auf. Stehen die Hormon- bzw. Blutungsstörungen in Zusammenhang mit einer anderen zugrunde liegenden Krankheit (z. B. Schilddrüsenfunktionsstörung), zielt die Therapie darauf ab. Wird ein bösartiger Tumor im Bereich der weiblichen Geschlechtsorgane nachgewiesen, wird dieser operiert bzw. medikamentös behandelt.

Eine etwaige Behandlung erfolgt durch Hormongabe. Die Einnahme von Gestagen (weibliches Geschlechtshormon) im letzten Teil des Menstruationszyklus vom 16. bis einschl. 26. Tag normalisiert die Blutungen. Eine solche Behandlung kann beispielsweise in drei aufeinander folgenden Menstruationszyklen stattfinden.

Eine Hormonspirale (Intrauterinpessar) setzt Gestagen frei. Sie wird nicht selten zur Behandlung erwachsener Frauen mit funktionellen Blutungsstörungen empfohlen. Häufig kommt es mit der Hormonspirale zu erheblich weniger Blutungen, gleichzeitig schützt die Spirale vor einer Schwangerschaft. Viele Frauen sind mit dieser Behandlung sehr zufrieden. Bei jungen Frauen sind bei Bedarf hormonelle Verhütungsmittel („Pille“) das Mittel der Wahl. Diese regulieren sowohl den Umfang als auch den Zeitpunkt der Blutung.

Eine Alternative zur Hormonbehandlung ist das Präparat Tranexamsäure, das die Blutung eindämmt. Es wird teilweise akut eingesetzt. Hierbei handelt es sich aber um eine rein symptomatische Behandlung, die nichts an der zugrunde liegenden Ursache ändert. Nach Abschluss der Behandlung treten die auffälligen Blutungen häufig erneut auf.

Stehen bei den Beschwerden starke Schmerzen im Vordergrund, reicht möglicherweise die Einnahme von Schmerzmitteln während der Menstruation.

Chirurgische Maßnahmen wie die Entfernung der Gebärmutter (Hysterektomie) und die Ausschabung der Gebärmutter (Resektion des Endometriums) kommen bei wiederholt auftretenden, die Lebensqualität beeinträchtigenden Problemen bei Frauen in Betracht, die keine Kinder mehr haben möchten.

Prognose

Dysfunktionelle Blutungsstörungen sind meist vorübergehende Beschwerden, die in den ersten Jahren nach der Menarche auftreten können und mit dem Einsetzen regelmäßiger ovulatorischer Menstruationszyklen aufhören. Wenn angezeigt, ist eine hormonelle Therapie hier oft effektiv.

Bei entsprechender Therapie haben auch Frauen mit anomalen Gebärmutterblutungen im Zeitraum der Wechseljahre eine gute Perspektive. Mit Eintritt der Menopause hören die Beschwerden auf.

Weitere Informationen

Autoren

  • Susanne Meinrenken, Dr. med., Bremen
  • Julia Trifyllis, Dr. med., Fachärztin für Gynäkologie und Geburtshilfe, Münster/W.

Literatur

Dieser Artikel basiert auf dem Fachartikel Gynäkologische Blutungsstörungen. Nachfolgend finden Sie die Literaturliste aus diesem Dokument.

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