Zu lange und zu starke Regelblutungen (Menorrhagie)

Blutungen, die regelmäßig und in normalen Intervallen auftreten, jedoch von längerer Dauer sind (je nach Definition mehr als 7 oder 8 Tage). Oftmals sind diese mit erhöhtem Blutverlust (je nach Definition mehr als 80 ml bzw. 100 ml je Menstruation) verbunden.

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Was sind verlängerte bzw. verstärkte Regelblutungen?

  • In der Fachsprache werden zur starke und zu lange Regelblutungen als Menorrhagie bezeichnet.
  • Blutungen in regelmäßigen, normalen Regelintervallen, die jedoch
    • länger andauern (mehr als 8 bzw. 10 Tage)
    • Diese sind oftmals auch mit erhöhtem Blutverlust von mehr als 80 bzw. 100 ml je Menstruation verbunden. Wenn die Dauer der Menstruation normal ist und nur die Blutung deutlich stärker ausfällt, spricht man von einer Hypermenorrhö.

Was kann zu Menorrhagie oder Hypermenorrhö führen?

  • Häufig lässt sich die Ursache auch bei gründlicher Untersuchung nicht klären.
  • Bei jungen Mädchen:
    • In der Zeit nach der ersten Menstruationsblutung kommen Hormonstörungen als Ursache in Frage.
  • Bei Frauen über 30 Jahren:
    • Myome (gutartige Wucherungen/Muskelknoten) in der Gebärmutter sind eine häufige Ursache.
  • In den Wechseljahren
    • Auch in dieser Zeit sind Myome (Muskelknoten/Wucherungen) in der Gebärmutter eine häufige Ursache. Myome können auch zu umfangreicheren Blutungen führen. Sind die Blutungen ganz regelmäßig, ist Krebs wenig wahrscheinlich.

Was kann die Ursache sein?

Häufige Ursachen

  • Harmlose Hormonstörungen
    • Sind bei jungen Mädchen häufig.
    • Auch bei Frauen kurz vor dem Eintritt der Wechseljahre (40-50 Jahre) können verstärkte und unregelmäßige Blutungen auftreten.
  • Myome (Muskelknoten/Wucherungen) in der Gebärmutter (Myoma uteri):
    • Häufig. Mit zunehmenden Alter nimmt die Häufigkeit zu, in der Regel kommt es aber nach der Menopause seltener zu Myomen bzw. zu einem Wachstumsstop der Myome.
    • Sind der Regel symptomlos und werden häufig zufällig entdeckt. Die häufigsten Symptome sind verstärkte und häufige Regelblutungen, Druckschmerzen, Schwierigkeiten beim Wasserlassen und Schwierigkeiten beim Stuhlgang.
  • Spirale
    • Die gängige Kupferspirale führt in der Regel zu etwas stärkeren Regelblutungen, was sich aber häufig mit der Zeit gibt.
    • Hormonspiralen führen dagegen zu einer Verringerung der Blutungen. In manchen Fällen bleibt die Menstruation ganz aus.
  • Polyzystisches Ovarialsyndrom
    • Hiervon sind ca. 5–10 % aller Frauen im fertilen Alter betroffen.
    • Häufige Symptome sind Zyklusstörungen, verminderte Fruchtbarkeit, verstärkte Körperbehaarung, Akne, Übergewicht.
  • Allgemein erhöhte Blutungsneigung.
    • Es gibt zudem andere Anzeichen einer erhöhten Blutungsneigung wie Hautblutungen und Nasenbluten.
    • Einsatz von blutverdünnenden Medikamenten wie Acetylsalicylsäure.

Seltene Ursachen

  • Gebärmutterkrebs (Endometriumkrebs)
    • Kann bei Frauen nach der Menopause zu Blutungen und Ausfluss führen. Bei Frauen vor der Menopause zu unregelmäßigen Blutungen, in späteren Stadien Schmerzen.
  • Schilddrüsenüberfunktion (Hyperthyreose)
    • Häufige Symptome sind Herzklopfen, Müdigkeit, Nervosität, Reizbarkeit, Gewichtsverlust bei normalem Appetit, vermehrtes Schwitzen, Wärmeintoleranz und in manchen Fällen verstärkte Regelblutungen.
  • Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose)
    • Typische Symptome sind Teilnahmslosigkeit, Kälteintoleranz, Muskelschmerzen, erhöhter Schlafbedarf, Gewichtszunahme (in der Regel mäßig), Obstipation, Schwindel, Parästhesien, Haarausfall, belegte Stimme. In manchen Fällen treten auch verstärkte Regelblutungen auf.

Wann sollten Sie ärztlichen Rat suchen?

  • Blutungen nach der Menopause müssen immer zeitnah ärztlich abgeklärt werden.
  • Verstärkte Regelblutungen über einen längeren Zeitraum sollten ärztlich abgeklärt werden.

Wie geht die Ärztin/der Arzt vor?

Anamnese – folgende Fragen können gestellt werden

  • Wie äußern sich die Regelblutungen?
    • Jetzt im Vergleich zu früher?
    • Dauer und Intervall?
  • Menge?
    • Wird die Binde/der Tampon durchgeblutet?
    • Wie oft muss die Binde/der Tampon gewechselt werden?
    • Muss die Binde/der Tampon während der Nacht gewechselt werden?
    • Kommen Beimischungen von Blutkoageln (Klümpchen) vor?
  • Sind die Regelblutungen schmerzhaft?
  • Wird eine Spirale verwendet?
  • Andere Erkrankungen?
  • Besteht auch ansonsten eine Blutungsneigung?
    • Nasenbluten? Blaue Flecken auf der Haut?
  • Gibt es Fälle erhöhter Blutungsneigung in der Verwandtschaft? (Gilt für alle Formen von Blutungen)

Untersuchung

  • In der Regel nimmt Ihr Arzt eine gynäkologische Untersuchung der Gebärmutter und Eierstöcke vor. Sofern nicht gerade erst erfolgt, werden Zellabstriche von der Gebärmutterschleimhaut (Pap-Abstrich) und/oder ggf. aus der Gebärmutter entnommen.
  • Bei Verdacht auf eine andere Grunderkrankung ist ggf. eine umfassendere Untersuchung erforderlich.
  • Eine Reihe von Blutuntersuchungen werden durchgeführt, u. a. zur Kontrolle der roten Blutkörperchen (Erythrozyten), denn häufig kommt es durch den hohen Blutverlust zur Blutarmut (Anämie).
  • Wird eine eine andere Grunderkrankung vermutet, werden ggf. andere Blutuntersuchungen durchgeführt.

Überweisung zum Spezialisten

  • Bei ungeklärter Diagnose werden weitergehende Untersuchungen durchgeführt.
  • Um eine schwerwiegende Erkrankung auszuschließen erfolgt ggf. die Überweisung ins Krankenhaus.

Autoren

  • Julia Trifyllis, Dr. med, Fachärztin für Gynäkologie und Geburtshilfe, Münster/W.

Literatur

Dieser Artikel basiert auf dem Fachartikel Menorrhagie. Nachfolgend finden Sie die Literaturliste aus diesem Dokument.

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