Prämenstruelles Syndrom (PMS)

Nahezu 80 % aller Frauen leiden unter einem oder mehreren Symptomen des prämenstruellen Syndroms (PMS), ohne dass ihr Alltag dadurch beeinträchtigt wird. Nur ein Teil der Patientinnen muss behandelt werden.

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Was ist das prämenstruelle Syndrom (PMS)?

Beim prämenstruellen Syndrom (PMS) handelt es sich um körperliche und/oder psychische Beschwerden, die einige Tage vor der Menstruationsblutung auftreten und im Verlauf der ersten Tage der Menstruation wieder abklingen. Frauen, die unter PMS leiden, fühlen sich häufig niedergeschlagen, gereizt, rastlos oder haben Schlafstörungen. Auch körperliche Symptome wie Schmerzen in den Brüsten, das Gefühl von Aufgeschwollensein, Flüssigkeitsansammlungen zum Beispiel im Bereich der Knöchel, Gewichtszunahme, Kopfschmerzen, Völlegefühl, Übelkeit, Durchfall, Zunahme des Bauchumfangs und Hautveränderungen sind nicht selten.

Über 80 % der Frauen erleben in den Tagen vor der Menstruation geringfügige körperliche und emotionale Veränderungen. 20–32 % haben milde bis mäßige PMS-Symptome, während das schwerwiegendere Krankheitsbild bei 3–5 % auftritt. Die Symptome beginnen in der Regel im Alter von 20 bis 35 Jahren und sind bei Frauen zwischen 30 und 40 Jahren am stärksten ausgeprägt.

Ursache

Die Ursache von PMS ist nicht abschließend geklärt. Mehrere Faktoren können dabei eine Rolle spielen. So wurde in der Fachwelt diskutiert, ob PMS ein kulturelles Phänomen ist, da es anscheinend nicht überall auf der Welt vorkommt. Wahrscheinlich wirkt sich auch das psychische Befinden der Frau auf die Symptome aus.

Eine wichtige Ursache scheinen hormonelle Veränderungen während des Menstruationszyklus zu sein. Der Menstruationszyklus wird von verschiedenen Hormonen reguliert. Man nimmt daher an, dass das Zusammenspiel zwischen unterschiedlichen Hormonen bei PMS gestört ist und/oder dass manche Frauen empfindlicher als andere auf normale Hormonschwankungen reagieren. Dafür spricht, dass sich die Symptome nach der medikamentösen Unterdrückung des Eisprungs, z. B. durch die Antibabypille, häufig bessern.

Diagnostik

Die Beschwerden können rein psychischer Natur sein oder sich körperlich äußern. In vielen Fällen handelt es sich um eine Kombination aus körperlichen und psychischen Symptomen. Frauen, die am prämenstruellen Syndrom leiden, sind in ihrer Funktionsfähigkeit im Alltag und/oder in sozialen Beziehungen eingeschränkt. Die Symptome führen dabei nicht zu einer Verschlechterung anderer chronischer Erkrankungen. Sie treten typischerweise in der zweiten Zyklushälfte nach dem Eisprung auf und klingen während oder unmittelbar nach der Menstruation wieder ab. Der Zusammenhang zwischen Beschwerden, Eisprung und Menstruation ist charakteristisch und für die Diagnose ausschlaggebend.

Empfehlungen für Patientinnen

Eine ursächliche Therapie zur Heilung von PMS gibt es nicht, im Vordergrund steht daher die Linderung der Symptome. Es gibt zahlreiche „Hausmittel“ wie beispielsweise vermehrte körperliche Aktivität, Verzicht auf Kaffee, Nahrungsergänzungsmittel und pflanzliche Präparate (Mönchspfeffer, Nachtkerzenöl). Wissenschaftliche Belege für die Wirkung solcher Therapien fehlen jedoch.

In erster Linie empfehlen Experten :

  • regelmäßigen Sport (mindestens dreimal pro Woche)
  • ausreichenden Schlaf
  • Verzicht auf Kaffee, Colagetränke, Tee, Alkohol, Salz und Nikotin
  • eine geringere Flüssigkeitsaufnahme als sonst
  • Normalisierung des Körpergewichtes: Frauen mit höherem Gewicht leiden deutlich häufiger unter PMS als schlanke Frauen
  • fettarme und betont vitaminreiche Ernährung (für Kalzium, Vitamin D und Vitamin B6 sind diese Effekte in Studien erprobt)
  • regelmäßiger Verzehr von fettreichem Fisch.

Medikamentöse Therapie

Bei einigen Frauen, die unter PMS leiden und gleichzeitig ein Verhütungsmittel anwenden möchten, hat sich die Antibabypille als wirksam erwiesen. Symptome wie Kopfschmerzen, Völlegefühl, Schmerzen im Beckenbereich, Schwellungen, empfindliche Brüste und Stimmungsschwankungen gingen bei Anwendung der Antibabypille im Langzeitzyklus zurück, wie in Studien gezeigt werden konnte.

Bei gravierendem PMS mit vorwiegend psychischer Symtomatik haben auch neuere Antidepressiva (SSRI) in Studien eine gute Wirkung gezeigt. Die Therapie mit diesen Arzneimitteln über kürzere Zeiträume erwies sich als ebenso wirksam wie eine kontinuierliche Behandlung über einen längeren Zeitraum. Bei Frauen, bei denen die psychischen PMS-Symptome überwiegen, ist auch eine psychologische Behandlung mit kognitiver Verhaltenstherapie wirksam.

Unter den harntreibenden Arzneimitteln konnte nur unter Spironolacton eine Linderung von PMS nachgewiesen werden. Die Therapie scheint besonders bei empfindlichen Brüsten, Völlegefühl und Reizbarkeit gut anzuschlagen. 

Vitamin- und Mineralstoffpräparate mit Kalzium, Vitamin D und Vitamin B6 reduzieren nachweislich prämenstruelle Beschwerden. In der letzten Phase des Zyklus können Sie täglich 1.200 mg Kalzium und 1–2 mal täglich 40 mg Vitamin B6 einnehmen, um Beschwerden zu lindern. Auch bei Frauen, die täglich Vitamin D einnehmen, treten seltener PMS-Symptome auf.

Als pflanzliche Arzneimittel kommen vor allem Mönchspfeffer (Vitex agnus castus) und Nachtkerzenöl zur Behandlung des prämenstruellen Syndroms in Frage. Allerdings fehlen bislang Studien, die die Wirkung dieser Heilpflanzen belegen.

Behandlungsvorschläge bei speziellen Symptomen

  • Kopfschmerzen können Sie mit rezeptfreien Schmerzmitteln wie Paracetamol oder Ibuprofen behandeln.
  • Wenn Sie unter Kraftlosigkeit und Schlafstörungen leiden, können Sie versuchen, Ihre Schlafgewohnheiten zu ändern und auf koffeinhaltige Getränke zu verzichten.
  • Bei empfindlichen Brüsten kann eine Behandlung mit Nachtkerzenöl oder Vitamin E helfen.
  • Bei ausgeprägteren Beschwerden sind möglicherweise Antidepressiva oder eine Hormonbehandlung zu erwägen.
  • Eine gute Therapieoption ist die Antibabypille, wenn die Betroffene gleichzeitig ein Verhütungsmittel anwenden möchte.
  • Bei Völlegefühl kann eine harntreibende Therapie mit Spironolacton erwogen werden.

Prognose

Dauer, Schwere und Intensität von PMS schwanken individuell erheblich, daher besteht im Hinblick auf die Auswirkungen auf die betroffenen Frauen eine große Spannbreite. In den Wechseljahren verschwinden die prämenstruellen Beschwerden.

Weiterführende Informationen

Autoren

  • Martina Bujard, Wissenschaftsjournalistin, Wiesbaden
  • Dr. med. Julia Trifyllis, Fachärztin für Gynäkologie und Geburtshilfe, Münster/W

Literatur

Dieser Artikel basiert auf dem Fachartikel Prämenstruelles Syndrom. Nachfolgend finden Sie die Literaturliste aus diesem Dokument.

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