Prämenstruelles Syndrom (PMS)

Über 80 % aller Frauen leiden unter leichten Beschwerden vor der Menstruation, ohne dass ihr Alltag dadurch beeinträchtigt wird. Nur ein Teil der Patientinnen muss behandelt werden.

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Was ist das prämenstruelle Syndrom (PMS)?

Beim prämenstruellen Syndrom (PMS) handelt es sich um körperliche und/oder psychische Beschwerden, die einige Tage vor der Menstruationsblutung auftreten und die Frauen im Alltag beeinträchtigen. Im Verlauf der ersten Tage der Menstruation klingen die Beschwerden wieder ab. Frauen, die unter PMS leiden, fühlen sich häufig niedergeschlagen, gereizt, rastlos, angespannt, ängstlich oder haben Schlafstörungen. Auch körperliche Symptome wie Schmerzen in den Brüsten, das Gefühl des Aufgeblähtseins, Flüssigkeitsansammlungen z. B. im Bereich der Knöchel, Gewichtszunahme, Hitzewallungen, Kopfschmerzen/Migräne, Bauchschmerzen, Heißhungerattacken, Schmerzen beim Geschlechtsverkehr, Rückenschmerzen, Erschöpfung und Hautveränderungen (Akne) sind nicht selten.

Eine schwere Form des PMS ist die sogenannte prämenstruelle dysphorische Störung (PMDS), bei der psychische Beschwerden im Vordergrund stehen. Dabei treten regelmäßig mindestens 5 der folgenden Symptome in den Tagen vor der Menstruation auf: 

  • Angst, Angespanntsein
  • Reizbarkeit, Wut
  • Gefühl der Hoffnungslosigkeit, Selbstabwertung, Niedergeschlagenheit
  • Traurigkeit, wechselnde Stimmungslage
  • erhöhte Ermüdbarkeit, verminderte Energie
  • Konzentrationsschwierigkeiten
  • Gefühl, die Kontrolle zu verlieren.
  • vermindertes Interesse an Alltagsaktivitäten
  • zu viel oder zu wenig Schlaf
  • veränderter Appetit, evtl. Heißhunger
  • schmerzhafte Brüste, Geblähtsein, Gewichtszunahme, Muskel- oder Gelenkbeschwerden.

Über 80 % der Frauen erleben in den Tagen vor der Menstruation geringfügige körperliche und emotionale Veränderungen. Das prämenstruelle Syndrom beeinträchtigt schätzungsweise 12 % der Frauen, während das schwerwiegendere Krankheitsbild der prämenstruellen dysphorischen Störung bei ca. 1–5 % der Frauen auftritt. Die Symptome beginnen in der Regel im Alter von 20 bis 35 Jahren und sind bei Frauen zwischen 30 und 40 Jahren am stärksten ausgeprägt.

Ursache

Die Ursache von PMS ist nicht abschließend geklärt. Mehrere Faktoren können dabei eine Rolle spielen. 

Eine wichtige Ursache scheinen hormonelle Veränderungen während des Menstruationszyklus zu sein. Der Menstruationszyklus wird von verschiedenen Hormonen reguliert. Vermutlich ist das Zusammenspiel zwischen unterschiedlichen Hormonen bei PMS gestört und/oder die betroffenen Frauen reagieren empfindlicher als andere auf normale Hormonschwankungen. Dafür spricht, dass die Symptome in der zweiten Zyklushälfte nach dem Eisprung entstehen und mit dem Beginn der Menstruation wieder verschwinden. Der Spiegel der Geschlechtshormone ist bei Frauen mit PMS nicht erhöht.

Geschlechtshormone beeinflussen auch Rezeptoren und bestimmte Botenstoffe im Gehirn. Dadurch können z. B. Stimmungsschwankungen ausgelöst werden.

Inwieweit genetische Faktoren eine Rolle spielen, ist nicht geklärt.

Diagnostik

Die Beschwerden können rein psychischer Natur sein oder sich körperlich äußern. In vielen Fällen handelt es sich um eine Kombination aus körperlichen und psychischen Symptomen. Frauen, die am prämenstruellen Syndrom leiden, sind in ihrer Funktionsfähigkeit im Alltag und/oder in sozialen Beziehungen eingeschränkt. Die Symptome werden dabei nicht durch eine Verschlechterung anderer chronischer Erkrankungen verursacht. Sie treten typischerweise in der zweiten Zyklushälfte nach dem Eisprung auf und klingen während oder unmittelbar nach der Menstruation wieder ab. Der Zusammenhang zwischen Beschwerden, Eisprung und Menstruation ist charakteristisch und für die Diagnose ausschlaggebend. Um die Diagnose zu sichern, können Sie ein Symptomtagebuch über die Dauer von mindestens 2 Menstruationszyklen führen.

Eine gynäkologische Untersuchung ergibt keinen auffälligen Befund.

Empfehlungen für Patientinnen

Eine ursächliche Therapie zur Heilung von PMS gibt es nicht, im Vordergrund steht daher die Linderung der Symptome. Es gibt zahlreiche „Hausmittel“ wie beispielsweise vermehrte körperliche Aktivität, Verzicht auf Kaffee, Nahrungsergänzungsmittel und pflanzliche Präparate (Mönchspfeffer, Nachtkerzenöl). Wissenschaftliche Belege für die Wirkung solcher Therapien fehlen jedoch.

Medikamentöse Therapie

Bei Frauen, die unter PMS leiden und gleichzeitig ein Verhütungsmittel anwenden möchten, hat sich die Antibabypille als wirksam erwiesen. Symptome wie Kopfschmerzen, Völlegefühl, Schmerzen im Beckenbereich, Schwellungen, empfindliche Brüste und Stimmungsschwankungen gingen bei Anwendung der Antibabypille im Langzeitzyklus zurück, wie in Studien gezeigt werden konnte. Unter Umständen kann sich auch eine Hormonspirale günstig auf prämenstruelle Beschwerden auswirken.

Bei schwerem PMS mit vorwiegend psychischer Symtomatik und bei PMDS haben auch neuere Antidepressiva (SSRI) in Studien eine gute Wirkung gezeigt. Die Therapie mit diesen Arzneimitteln über kürzere Zeiträume erwies sich als ebenso wirksam wie eine kontinuierliche Behandlung über einen längeren Zeitraum. Bei Frauen, bei denen die psychischen PMS-Symptome überwiegen, ist auch eine psychologische Behandlung mit kognitiver Verhaltenstherapie wirksam.

Unter den harntreibenden Arzneimitteln konnte nur mit Spironolacton eine Linderung von PMS nachgewiesen werden. Die Therapie scheint besonders bei empfindlichen Brüsten, Aufgeblähtsein und Reizbarkeit gut anzuschlagen. 

Vitamin- und Mineralstoffpräparate mit Kalzium, Vitamin D und Vitamin B6 reduzieren möglicherweise prämenstruelle Beschwerden. In der letzten Phase des Zyklus können Sie täglich 500–1.200 mg Kalzium und 1–2 mal täglich 40 mg Vitamin B6 einnehmen, um Beschwerden zu lindern. Auch bei Frauen, die täglich Vitamin D einnehmen, scheinen PMS-Symptome seltener aufzutreten.

Als pflanzliches Arzneimittel kommt vor allem Mönchspfeffer (Vitex agnus castus) zur Behandlung des prämenstruellen Syndroms in Frage. Zur Linderung von Brustschmerzen können Sie Nachtkerzenöl verwenden.

Behandlungsvorschläge bei speziellen Symptomen

  • Kopfschmerzen können Sie mit rezeptfreien Schmerzmitteln wie Paracetamol oder Ibuprofen behandeln.
  • Wenn Sie unter Kraftlosigkeit und Schlafstörungen leiden, können Sie versuchen, Ihre Schlafgewohnheiten zu ändern und auf koffeinhaltige Getränke zu verzichten.
  • Bei empfindlichen Brüsten kann ein gut sitzender BH helfen.
  • Bei ausgeprägteren Beschwerden sollten Sie mit Ihrem Arzt eine Behandlung mit Hormonen oder Antidepressiva besprechen.
  • Eine gute Therapieoption ist die Antibabypille, wenn die Betroffene gleichzeitig ein Verhütungsmittel anwenden möchte.
  • Bei Völlegefühl kann eine harntreibende Therapie mit Spironolacton erwogen werden.

Prognose

Dauer, Schwere und Intensität von PMS schwanken individuell erheblich, daher besteht im Hinblick auf die Auswirkungen auf die betroffenen Frauen eine große Spannbreite. In der Schwangerschaft und in den Wechseljahren verschwinden die prämenstruellen Beschwerden. 

Weitere Informationen

Autoren

  • Martina Bujard, Wissenschaftsjournalistin, Wiesbaden
  • Dr. med. Julia Trifyllis, Fachärztin für Gynäkologie und Geburtshilfe, Münster/W.

Literatur

Dieser Artikel basiert auf dem Fachartikel Prämenstruelles Syndrom. Nachfolgend finden Sie die Literaturliste aus diesem Dokument.

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