Sexualität im Alter

Man ist nie zu alt, um Freude an der Liebe zu haben.

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Ein gesundes Liebesleben kann alle Aspekte des Lebens positiv beeinflussen, einschließlich der körperlichen Gesundheit und des Selbstvertrauens. Man ist nie zu alt, um das Bedürfnis nach intimer Zuwendung, nach Hingabe und emotionaler Nähe zu verspüren. Vielleicht ist sexuelle Aktivität für Sie nicht mehr so wichtig, sodass Sie darauf verzichten. Entscheidend ist alleine, dass Sie die Wahl haben, und es so halten können, wie Sie möchten.

Mehr als körperliche Befriedigung

In einem Artikel in einer dänischen Ärztezeitschrift („Ugeskrift for læger“) wurden 122 zufällig ausgewählte 60-jährige Frauen zur Sexualität befragt. Dabei gab die Hälfte dieser Frauen an, jeden Monat oder häufiger sexuelles Verlangen zu verspüren. Ebenso viele hatten einmal im Monat oder häufiger Geschlechtsverkehr. Die Autoren wiesen darauf hin, dass die Frauen trotz Vorurteilen gegenüber sexuellem Verlangen bei älteren Menschen und deren sexuellen Aktivität in der Lage gewesen waren, ihr Sexualleben zu bewahren. Das geschah im Einklang mit den Veränderungen der sexuellen Normen, die im Laufe ihres Erwachsenenlebens stattfanden.

Die Beschreibung der Frauen einer guten sexuellen Erfahrung zeigt, dass es sich um mehr als nur körperliche Befriedigung handelt. Viel Zeit, die richtige Atmosphäre, Intimität, ein langes Vorspiel und Humor waren ausschlaggebend für eine gute sexuelle Erfahrung.

Ein Artikel, der ebenfalls in besagter Ärztezeitung erschienen ist, und sich mit dem Sexualleben 60-jähriger Männer befasste, ergab, dass etwa die Hälfte der Männer in der Studie einmal pro Woche oder öfter sexuelles Verlangen hatten. Etwas mehr als die Hälfte hatte einmal im Monat oder öfter Geschlechtsverkehr. Zwei Drittel masturbierten und zwei Drittel waren mit ihrem derzeitigen Sexualleben zufrieden. Wie auch die Frauen beschrieben sie eine gute sexuelle Erfahrung als etwas mehr als nur die Befriedigung eines körperlichen Bedürfnisses.

Neue Stellungen und Techniken ausprobieren

In anderen Studien wurde „eine bessere Gesundheit“ als häufigste Antwort auf die Frage, was zu einem besseren Sexualleben führen könnte, angegeben. Krankheiten, Nebenwirkungen von Medikamenten, hormonelle Veränderungen und Schmerzen können die sexuelle Funktion und Lust im Alter beeinträchtigen, auch wenn eine Fortsetzung des Sexuallebens gewünscht wird.

Körperliche Veränderungen können dazu führen, dass es schwieriger wird, Sex zu haben – ein guter Grund, neue Stellungen und Techniken auszuprobieren.

Eine häufig vorkommende körperliche Veränderung bei älteren Frauen ist, dass die Scheide bei sexueller Erregung länger benötigt, um feucht und bereit für den Geschlechtsverkehr zu werden. Weiterhin nimmt die Elastizität der Scheide ab, und damit kann auch der Verkehr beeinträchtigt werden. Die Haut kann gereizt und empfindlich sein, was dazu führen kann, dass Hautkontakt als weniger angenehm empfunden wird als in jüngeren Jahren. Auch die Orgasmen können kürzer sein als früher und die Kontraktionen beim Orgasmus können als unangenehm empfunden werden. Aber denken Sie daran, dass nicht bei allen solche Probleme auftreten.

Die Gesundheit und die Einstellung zu Sex sind wichtigere Faktoren als das Alter

Ältere Menschen sind glücklich

Nach Angaben eines Artikels bezüglich der Sexualität im Alter war bei Frauen das häufigste Problem eine trockene Scheide. Laut einem Zeitungsartikel über das Sexualleben der Männer hatten 64 % keine Erektionsprobleme. 21 % der Männer fanden den Penis zu weich, während 25 %der Männer berichtete, dass der Penis zu langsam steif wurde, nicht ausreichend hart und zu langsam war oder sie hatten andere Probleme mit der Qualität der Erektion. Unter denen, die Geschlechtsverkehr hatten, bekamen etwa 80 % jedes Mal einen Orgasmus, 14 % fast jedes Mal, und 5 % erlebten in mehr als der Hälfte der Fälle einen Orgasmus. 18 % litten unter vorzeitiger Ejakulation, und 3 % unter zu später Ejakulation.

Forschungen zeigten, dass bei Männern die sexuelle Reaktion im Alter von über 50 Jahren abnimmt. Der Sexualtrieb wird wahrscheinlich aber eher durch die Gesundheit und die Einstellung zu Sex und Intimität beeinflusst als durch das Alter.

Auch wenn die Ausprägung der Erektion mit der Zeit abnimmt, so können Männer, wenn ihr Penis gut mit Blut versorgt wird, ihr ganzes Leben lang Erektionen bekommen, die ausreichend fest sind, um den Geschlechtsverkehr durchzuführen. Ältere Männer können gelegentlich in den späteren Jahren die „besseren“ Sexualpartner ausmachen, da sie die Ejakulation eher verzögern können als in jungen Jahren. Das kann sich positiv auswirken, da Frauen oft länger brauchen, bis sie den Orgasmus erreichen.

Sprechen Sie mit Ihrem Arzt über Sex

Forschungen, die an Mayo-Klinken in den USA durchgeführt wurden, haben gezeigt, dass es normal ist, dass Männer im fortgeschrittenen Alter mehr Zeit benötigen, um eine Erektion zu bekommen und dass die Erektion nicht mehr so fest ist wie früher und auch nicht so lange anhält Probieren Sie verschiedene Stellungen, so kann es einfacher sein, den Penis einzuführen. Sprechen Sie mit Ihrem Arzt, wenn Sie sexuelle Probleme haben. Der Arzt kann Sie beraten und bei Bedarf Hilfsmittel wie Penispumpen oder Medikamente vorschlagen. Sildenafil (Viagra) wirkt lokal. Die empfohlene Dosis beim Mann beträgt 50 mg, die nach Bedarf etwa eine Stunde vor dem Geschlechtsverkehr eingenommen wird. Die Dosis kann auf 100 mg erhöht oder auf 25 mg verringert werden. Um einen Effekt zu erreichen, ist sexuelle Stimulation erforderlich. Das Medikament wirkt ungefähr drei Stunden lang. Beachten Sie, dass diese Art von Medikamenten nicht von Patienten verwendet werden soll, die Nitroglyzerin einnehmen oder unter einer instabilen Koronarerkankung leiden.

Bei Frauen mit vaginaler Trockenheit können beispielsweise Gleitmittel, Östrogencreme, hormonfreie Creme oder ein längeres Vorspiel helfen. Andere hilfreiche Tipps sind, sich beim Sex viel Zeit zu nehmen und mit dem Partner zu sprechen.

Wenn Sie sich für Ihre sexuellen Bedürfnisse schämen, kann das dazu führen, dass Sie keine Erregung spüren. Probleme und Leistungsdruck sind andere Faktoren, die Lust und Potenz beeinträchtigen können.

Häufig sind Gespräche zwischen den Partnern erforderlich.

Manche möchten im Alter mit sexuellen Aktivitäten fortfahren, während andere dies als ein Teil der Vergangenheit ansehen. Oft müssen die Partner einen Kompromiss finden, weil nicht beide notwendigerweise die gleichen Bedürfnisse haben. Wie auch immer Sie sich entscheiden, sollten Sie keine Angst haben, das Thema bei Ihrem Arzt anzusprechen. Solche Gespräche können Ihnen helfen, Zugang zu Hilfsmitteln oder Medikamenten zu erhalten, oder Ihnen die Sicherheit geben, weiterhin viele Jahre lang Ihre Sexualität zu genießen.

Für diejenigen mit einem neuen Partner ist es wichtig, daran zu denken, dass sexuell übertragbare Krankheiten auch im Alter vorkommen – verwenden Sie Kondome!

Weiterführende Informationen

Autoren

  • Julia Trifyllis, Dr. med., Fachärztin für Gynäkologie und Geburtshilfe, Münster/W