Sexuelle Funktionsstörungen in den Wechseljahren

Während der Wechseljahre können bei Frauen sexuelle Funktionsstörungen, also ein nicht zufriedenstellendes Sexualleben, auftreten.

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Was ist die sexuelle Dysfunktion?

Bei Frauen in der Menopause handelt es sich um ein Problem mit vielen verschiedenen Ursachen, die von physischen, psychischen, sozialen und emotionalen Faktoren beeinflusst werden. Die sexuelle Dysfunktion wird in vier Diagnosegruppen eingeteilt:

  • Lustprobleme
  • Erregungsprobleme
  • Orgasmusprobleme
  • Schmerzprobleme

Um die Diagnose zu stellen, müssen Sie selbst den Zustand als ein Problem wahrnehmen.

Sexuelle Probleme treten bei Frauen häufig auf, die Häufigkeit nimmt mit dem Alter zu. Die Menopause hat einen negativen Einfluss auf das Sexualleben. Unter sexuell aktiven Frauen betragen die Häufigkeiten wie folgt:

  • 15–25 % der Frauen vor sowie 40–55 % der Frauen nach der Menopause leiden an Lustproblemen.
  • Von vaginaler Trockenheit berichten vor der Menopause 10–15 % und nach der Menopause 25–30 %.
  • Orgasmusprobleme kommen unabhängig des Alters bei etwa 20 % der Frauen vor, mit steigender Tendenz bei jüngeren Frauen.
  • Schmerzen beim Geschlechtsverkehr kommen bei etwa 5 % der jüngeren Frauen vor, die Häufigkeit steigt mit zunehmenden Alter und variiert bei Frauen nach der Menopause zwischen 12 und 45 %.

Ursache

Welche Faktoren während der Menopause zu einem erhöhten Vorkommen sexueller Dysfunktionen führen, ist bislang nicht abschließend geklärt. Viele Faktoren beeinflussen das Sexualleben. Gewöhnliche Erklärungen sind u. a. ein veränderter allgemeiner gesundheitlicher Zustand der Frau, hormonelle Veränderungen, frühere sexuelle Funktion, Erektionsprobleme des Partners, veränderte Lebens- und Beziehungsverhältnisse, die Erwartungen der Frau an das Sexualleben in diesem Abschnitt des Lebens und die Akzeptanz physischer und psychischer Veränderungen.

Wenn die Menstruation aufhört, fällt der Östrogenspiegel im Körper schnell ab, während bereits ab einem Alter von 25 Jahren eine allmähliche Reduzierung der männlichen Hormone (Androgene), die auch bei Frauen zu einem kleinen Anteil vorkommen, erfolgt. Durch den niedrigen Östrogenspiegel nach den Wechseljahren wird die Schleimhautauskleidung der Scheide dünner und trockener, was Beschwerden beim Geschlechtsverkehr verursachen kann. Die Bedeutung der Hormone für andere Veränderungen der Sexualität in den Wechseljahren wurde nur in wenigen wissenschaftlichen Studien erforscht. Sinkende Östrogenspiegel hängen mit geringerem sexuellem Verlangen zusammen und beeinträchtigen sexuelle Reaktionen wie Erregung, Orgasmus und Genuss.

Weiterhin können allgemeine und gynäkologische Erkrankungen sowie psychische Probleme einen negativen Einfluss auf die sexuelle Funktion haben.

Therapie

Die übliche Behandlung besteht aus einer Sexualberatung, eventuell in Kombination mit einer Hormontherapie. Die Wahl der Behandlung sollte sich an einer individuellen Zustandsbewertung orientieren, wobei der Fokus auf Ihren subjektiven Beschwerden sowie eventuellen Risikofaktoren und zugrundeliegenden Ursachen liegen sollte. Verschiedene Medikamente wurden in Studien beurteilt.

Östrogen in Form von Tabletten Ob eine zusätzliche Verabreichung von Östrogen, eventuell in Kombination mit dem Hormon Progesteron, bei sexuellen Funktionsstörungen hilft, wird seit vielen Jahren diskutiert und bleibt ein kontroverses Thema. Fest steht, dass Östrogen in Form von Tabletten gegen Irritationen der Scheide hilft und die Scheidentrockenheit sowie Schmerzen beim Geschlechtsverkehr reduziert. Es gibt Studien, die auch positive Wirkungen auf das sexuelle Verlangen der Frau sowie die Orgasmushäufigkeit und allgemeine sexuelle Lust zeigen.

Lokal angewendetes Östrogen Die Verabreichung kann in Salbenform oder als Zäpfchen erfolgen. So erreicht man eine sehr gute lokale Wirkung bei gleichzeitig minimaler systemischer Wirkung. Diese Behandlung verbessert die vaginale Trockenheit und es lassen sich dadurch Schmerzen beim Geschlechtsverkehr lindern. Keine der Therapievarianten wirkt sich auf die sexuelle Lust aus.

Zugabe von Testosteron Die Ergebnisse mehrerer Forschungsstudien deuten darauf hin, dass sich eine sexuelle Dysfunktion in der Menopause durch die Gabe von Testosteron positiv beeinflussen lässt. Ein Testosteron-Pflaster wurde für die Behandlung von postmenopausalen Frauen untersucht und in mehreren europäischen Ländern registriert, aktuell jedoch nicht in Deutschland.

Tibolon Tibolon ähnelt in seiner Wirkung sowohl Östrogen als auch Progestoron und hat überdies eine leicht androgene Wirkung. Es gibt nur einige wenige Forschungsergebnisse, die zeigen, dass das Mittel eine positive Wirkung auf das sexuelle Verlangen, die vaginale Trockenheit und die Orgasmusfähigkeit hat.

Generell ist Vorsicht bei der systemischen Behandlung mit künstlichen Hormonen geboten: Dosierung und Behandlungszeitraum sollten so gering wie möglich gehalten werden. Eine Hormontherapie erhöht das Risiko für Thrombosen und langfristig auch für Herzinfarkt, Brustkrebs, Schlaganfall und Lungenembolie.

Es gibt leider keine ideale Behandlung von sexuellen Funktionsstörungen in den Wechseljahren. Auch wenn Medikamente gezeigt haben, dass sie eine gewisse Wirkung haben, so können sie auch manchmal Nebenwirkungen verursachen, und sie können teuer sein. Es ist daher häufig eine Ermessensfrage, und Sie sollten mit Ihrem Arzt besprechen, ob die Vorteile so groß sind, dass sie eventuelle Nachteile der Behandlung überwiegen.

Weiterführende Informationen

Autoren

  • Martina Bujard, Wissenschaftsjournalistin, Wiesbaden
  • Julia Trifyllis, Dr. med., Fachärztin für Gynäkologie und Geburtshilfe, Münster/W

Literatur

Dieser Artikel basiert auf dem Fachartikel Sexuelle Dysfunktion in der Menopause. Nachfolgend finden Sie die Literaturliste aus diesem Dokument.

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