Entzündung oder Ekzem im Gehörgang

Eine Entzündung im äußeren Gehörgang verursacht oft starken Juckreiz und Beschwerden im Gehörgang. Eine Gehörgangsentzündung ist eine relativ häufige Erkrankung.

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Was ist eine Entzündung oder ein Ekzem im Gehörgang?

Eine Entzündung des äußeren Gehörgangs (also dem Anteil vor dem Trommelfell) ist eine relativ häufige Erkrankung. Die Erkrankung tritt am häufigsten bei Kindern und Jugendlichen und bei Schwimmern auf. Es wird angenommen, dass etwa 10 % der Bevölkerung mindestens einmal an einer Gehörgangsentzündung leiden. In ca. 90 % der Fälle tritt die Erkrankung akut (kürzer als 6 Wochen) und einseitig auf. In 3–5 % der Fälle kommt es zu einem chronischen Verlauf (länger als 3 Monate). Ekzeme im Gehörgang oder Entzündungen der Haut, die den Gehörgang vom äußeren Ohr bis zum Trommelfell bedeckt, verursachen oft starken Juckreiz und Beschwerden im Gehörgang. Es treten auch Schmerzen auf, die in Einzelfällen sehr stark sein können. Es kann zu Ausfluss aus dem Ohr kommen. Der Gehörgang kann anschwellen und so zu einem Druckgefühl und Schwerhörigkeit führen, da Schallwellen von außen das Trommelfell schlechter erreichen. Bei einer schweren Entzündung können sich  Fieber und Abgeschlagenheit entwickeln.

Symptome

Bei einer Entzündung oder einem Ekzem im Gehörgang rötet sich die Haut und ist geschwollen. Eine ausgeprägte Entzündung führt meist zu Schmerzen im äußeren Ohr (vor allem bei Druck auf den Tragus, den inneren Ohrknorpel) und unangenehm riechendem Ausfluss aus dem Ohr.

Bei einer chronischen Erkrankung kann sich der Gehörgang verengen und damit zu einer Hörminderung führen.

Ursache

Eine akute Gehörgangsentzündung ist oft mit einem lokalen Ekzem im Gehörgang verbunden. Die Erkrankung kann durch Feuchtigkeit im Gehörgang hervorgerufen werden, die dort eine bakterielle Infektion begünstigt. Akute Gehörgangsentzündungen treten bei Schwimmern und Surfern, Menschen mit wenig (oder zu festem) Ohrenschmalz, engen Gehörgängen oder Hörgeräten und nach Verletzungen der Haut im äußeren Gehörgang häufiger auf. Eine Entzündung kann infolge einer (zu groben) Reinigung des Ohrs mit einem Wattestäbchen o. Ä. entstehen. Gleiches gilt, wenn der Gehörgang durch einen Fremdkörper blockiert wird. Manchmal tritt eine akute Gehörgangsentzündung auch im Rahmen einer Grippe auf (Grippe-Otitis).

Bei einem Ekzem im Gehörgang oder Hautveränderungen infolge von Chemikalien wie Haarspray oder Haarfärbemitteln im äußeren Gehörgang können Bakterien die Hautbarriere leichter durchdringen. Es ist ganz normal, dass sich Bakterien in der Haut befinden. Bei Verletzungen der Haut können diese ansonsten harmlosen Bakterien jedoch eine Infektion verursachen. Aufgrund dieser Infektion kann es zu Ausfluss aus dem Ohr kommen. In chronischen Fällen können auch Pilzinfektionen auftreten.

Schlägt die Therapie bei einer akuten Gehörgangsentzündung nicht an, kann es zu einer chronischen Gehörgangsentzündung kommen. Dann sind meist neben Bakterien auch Pilze die Ursache, zudem chronische Entzündungsreaktionen der Haut. Auch eine allergische Kontaktdermatitis aufgrund von Ohrringen (Nickel), Chemikalien in Kosmetika und Shampoos, Kunststoff in Hörgeräten oder auch im Gehörgang aufgetragene Antibiotika kann zur chronischen Entzündung führen. Ist bei Hauterkrankungen wie Neurodermitis oder Psoriasis auch die Haut im Gehörgang betroffen, ist dies oft besonders schwierig zu behandeln. Eine chronische Entzündung kann zu einer chronischen Schwellung im Gehörgang führen; passende Hörgeräte lassen sich dann schwierig finden.

Ohrenschmalz enthält viele Substanzen, die den Gehörgang vor Infektionen schützen. Daher sollte nicht zu viel Ohrenschmalz entfernt werden, da dies das Risiko einer Entzündung erhöht. Auf der anderen Seiten kann verdickter Ohrenschmalz Ablagerungen bilden, die eine Infektion begünstigen können.

Auch Menschen mit Typ-1- oder Typ-2-Diabetes sind besonders anfällig für Entzündungen des Gehörgangs. Bei diesen Krankheiten ist die Abwehr gegen Infektionen allgemein und auch in der Haut beeinträchtigt, wodurch Erreger leichter Infektionen auslösen können. Bei solchen Patienten tritt selten eine gefährliche Form der Otitis externa auf, bei der ein Teil des Schädelknochens im Bereich des Ohrs geschädigt wird (nekrotisierende Otitis externa).

Diagnostik

Für die Diagnose wird das Ohr mit einem Ohrtrichter (Otoskop) untersucht; oft lassen sich auch schon mit bloßem Augen von außen Auffälligkeiten erkennen. Die Haut im Gehörgang ist rot und geschwollen, sodass das Trommelfell häufig gar nicht sichtbar ist. Das Trommelfell selbst kann auch gerötet/entzündet sein. Gegebenenfalls wird zur Feststellung, welche Bakterien die Entzündung verursacht haben, eine Probe aus dem Sekret aus dem Gehörgang entnommen. Eine Ohrspülung kann erforderlich sein, um eine bessere Übersicht zu erhalten, ist jedoch auch für die Reinigung des Gehörgangs wichtig. Die lokalen Lymphknoten können geschwollen und schmerzempfindlich sein, und beim Gähnen können Schmerzen auftreten.

Therapie

Das Ohr muss trocken gehalten werden. Bis die Entzündung unter Kontrolle ist, sollten Sie nicht schwimmen o. Ä. Es sollten keine Ohrstöpsel verwendet werden (stattdessen ggf. Lärmschutzkopfhörer). 

Der Arzt wird zunächst versuchen, den Gehörgang sorgfältig und vorsichtig zu spülen und zu säubern. Gelingt dies nicht, kann ein Hals-Nasen-Ohren-Arzt hinzugezogen werden. Je nach Grad der Entzündung und Beschwerden erfolgt die Therapie in der Regel mit Ohrentropfen oder Salben, die Antibiotika und entzündungshemmende Wirkstoffe (Kortison) enthalten. Gegebenenfalls kann der Arzt auch eine kleine mit Medikamenten getränkte Tamponade oder zusammengerollte Kompresse in das Ohr einsetzen. Diese sollten Sie spätestens nach 2–3 Tagen entfernen. Informieren Sie den Arzt darüber, wenn sich der Zustand nach begonnener Therapie nicht bessert.

Bestehen ausgeprägte Schmerzen, sind Schmerzmittel angezeigt.

Hat sich die Infektion auf die umgebende Haut ausgebreitet und/oder besteht Fieber, so kann eine Antibiotikatherapie mit Tabletten oder evtl. auch über Infusionen erforderlich werden.

Prävention

  • Sie sollten zum Kratzen, Säubern oder Reinigen des Gehörgangs keine Wattestäbchen o. Ä. verwenden.
  • Nach dem Schwimmen oder Baden können Sie den Gehörgang mit einem Fön auf niedrigster Stufe trocknen.

Prognose

In den meisten Fällen geht die Entzündung durch die Therapie vorüber. Achten Sie jedoch auf Anzeichen einer erneuten Entzündung des Gehörgangs und lassen Sie diese frühzeitig behandeln.

Wird die Entzündung nicht behandelt, kann sie chronisch werden. Befolgen Sie die Anweisungen zur Therapie daher sorgfältig.

Weitere Informationen

Illustrationen

Ohr Uebersicht.jpg
Aufbau des Ohres

Autoren

  • Susanne Meinrenken, Dr. med., Bremen

Literatur

Dieser Artikel basiert auf dem Fachartikel Otitis externa. Nachfolgend finden Sie die Literaturliste aus diesem Dokument.

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