Abbildung: Colourbox

Labyrinthitis

Akute Labyrinthitis ist eine akute Entzündung des Hör- und Gleichgewichtsorgans, des sogenannten Labyrinths. Die Erkrankung ist durch plötzlich entstehenden starken Schwindel und Probleme mit dem Hören charakterisiert.

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Was ist Labyrinthitis?

Eine Labyrinthitis ist eine Infektion des Hör- und Gleichgewichtsorgans, des Labyrinths, im Innenohr. Es ist eine Erkrankung, die durch akut entstehenden Schwindel und eine Hörminderung in einem Ohr oder in beiden Ohren gekennzeichnet ist. Die Symptome können in der ersten Woche ausgeprägt sein. Der Schwindel lässt in der Regel innerhalb von wenigen Tagen bis zu einigen Wochen nach, aber Schwanken und Schwindel, die durch Kopfbewegungen ausgelöst werden, können mehrere Monate andauern.

Die meisten Fälle treten bei Erwachsenen im Alter von 30 bis 60 Jahren auf. Man nimmt an, dass eine durch Viren bedingte Labyrinthitis eine recht häufige Ohrenerkrankung bei Erwachsenen ist, während eine bakterielle Infektion deutlich seltener vorkommt und vor allem bei Kindern unter 2 Jahren aufzutreten scheint. Die Inzidenz wird auf 1 Fall pro 10.000 Personen geschätzt, wobei bis zu 40 % dieser Patienten über Schwindel oder Gleichgewichtsprobleme klagen.

Ursachen

Cochlea und Vestibulum des Innenohres

Das Labyrinth befindet sich im Innenohr und ist von Knochengewebe umgeben. Es besteht aus zwei Teilen (s. Abbildung): (1) Die Cochlea, die Schnecke, erfasst die Schallsignale und sendet diese über Nervenbahnen an das Gehirn, sodass der Ton zu hören ist. (2) Das Gleichgewichtsorgan, das Vestibularorgan, mit drei flüssigkeitsgefüllten bogenförmigen Kanälen, ist für den Gleichgewichtssinn verantwortlich.

Das Labyrinth entzündet sich aufgrund von Infektionen, die sich entweder nur im Ohr (lokal) oder auch im ganzen Körper (systemisch) ausbreiten. Meistens handelt es sich um eine Virusinfektion, z. B. nach einer vorangegangenen Erkältung oder Grippe (Influenza). In viel selteneren Fällen handelt es sich um eine bakterielle Infektion, z. B. als Teil einer Hirnhautentzündung (Meningitis) oder Mittelohrentzündung. Die Entzündung des Labyrinths kann die Hör- und Gleichgewichtsfähigkeit stören und die genannten Symptome auslösen. Die Erkrankung kann ein Ohr oder beide Ohren betreffen.

Symptome

Die Erkrankung beginnt in der Regel akut mit einem deutlichen Schwindel, der häufig so ausgeprägt ist, dass der Patient die ersten Tage im Bett bleiben muss. Der Schwindel verursacht das Gefühl, als würde sich die Umgebung bewegen oder drehen. Er kann auch durch Kopfbewegungen ausgelöst werden. Es tritt ein vorübergehend reduzierter Gleichgewichtssinn auf. Gleichzeitig mit dem Schwindel setzt eine Hörminderung eines oder beider Ohren ein. Die Schwerhörigkeit kann leicht oder ausgeprägt sein. Andere Symptome können ein Gefühl eines "verstopften" Ohrs, ein Geräusch im Ohr (Tinnitus), das Auslaufen von Flüssigkeit aus dem Ohr, Ohrenschmerzen, Übelkeit und Erbrechen, Fieber, eventuell Gesichtslähmungen, ein steifer Nacken oder Erkältungssymptome sein.

Die Erkrankung kann die Lebensqualität und die Fähigkeit des Patienten, tägliche Aktivitäten auszuführen erheblich einschränken.

Diagnostik

Die Diagnose wird auf der Grundlage der Anamnese und möglicher körperlicher Befunde gestellt. Der Arzt kann in vielen Fällen anomale Augenbewegungen, einen sogenannten Nystagmus, erkennen, bei dem der Blick langsam auf die Seite der Augen gleitet, bevor sich der Blick rasch wieder fokussiert, um dann langsam wieder wegzugleiten und so weiter. Eine Hörminderung kann auch bei den meisten Patienten nachgewiesen werden.

Es gibt keine spezifischen Labortests, aber die Messung von Entzündungswerten im Blut (CRP, Blutkörperchensenkungsgeschwindigkeit und weiße Blutkörperchen) kann aufdecken, ob es sich um eine Infektion handelt – jedoch nicht immer. So genannte kalorische Test, bei denen jeweils kaltes (ca. 30 °C) und warmes Wasser (ca. 44 °C) in den Gehörgang gespült wird, können manchmal dazu beitragen, die Diagnose zu klären. Andere Tests haben in der Regel wenig Wert. Bei Verdacht auf eine andere zugrunde liegende Erkrankung kann es bei ausgeprägten und hartnäckigen Fällen angemessen sein, CT- und/oder MRT-Untersuchungen durchzuführen.

Therapie

In den meisten Fällen vergehen die Symptome der Labyrinthitis innerhalb von wenigen Tagen bis zu einigen Wochen von selbst, aber die Schwerhörigkeit kann länger anhalten. Die Behandlung besteht aus Ruhe (Bettruhe) und möglicherweise symptomlindernden Medikamenten, z. B. Antiemetika (Medikamente gegen Übelkeit). In manchen Fällen versucht der Arzt eine kurze Kortisontherapie, die einigen Patienten helfen kann. Evtl. empfiehlt die Ärztin auch Antibiotika oder Wirkstoffe gegen Viren. Bei ausgeprägten Beschwerden mit Übelkeit und Erbrechen kann es notwendig sein, den Patienten für eine intravenöse Flüssigkeitstherapie ins Krankenhaus einzuweisen.

Bei anhaltenden Gleichgewichtsproblemen kann es notwendig sein, ein Trainingsprogramm (vestibulare Rehabilitationstherapie) zu beginnen. Dies ist eine Behandlung, die dazu dient, das Gehirn so zu trainieren, dass es die veränderten Signale aus dem Gleichgewichtsorgan sozusagen nicht mehr als störend wahrnimmt.

Verläuft die Infektion sehr schwer, kann wegen der Gefahr einer Mitbeteiligung des umgebenden Knochens in seltenen Fällen ein chirurgischer Eingriff nötig werden. Liegt der Labyrinthitis eine spezielle Krankheit z.B. des Immunsystems (sehr selten) zugrunde, ist eine entsprechend spezifische Behandlung engezeigt.

Prognose

Die Prognose ist für die meisten Patienten gut, aber bei einigen halten die Symptome für mehrere Monate, seltener auch für Jahre, an. Ungleichgewicht und/oder positionsabhängiger Schwindel (Stellung des Kopfes) können für Wochen bestehen bleiben, nachdem die akute Infektion bereits zurückgegangen ist.

Weiterführende Informationen

Autoren

  • Susanne Meinrenken, Dr. med., Medizinjournalistin, Bremen

Literatur

Dieser Artikel basiert auf dem Fachartikel Labyrinthitis. Nachfolgend finden Sie die Literaturliste aus diesem Dokument.

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