Abbildung: Colourbox

Druckverletzungen im Ohr, Barotrauma

Ein Barotrauma im Ohr entsteht durch eine große Druckdifferenz zwischen der Außenseite und der Innenseite des Mittelohrs. Es kann zu Schäden am Trommelfell und manchmal sogar im Innenohr führen.

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Was ist ein Barotrauma des Mittelohrs?

Das Mittelohr ist ein luftgefüllter Raum, dessen Außenwand das Trommelfell und dessen Innenwand eine dünne Knochenmembran ist, die den Raum vom Innenohr trennt. In der Innenwand befinden sich zwei mit einer Membran ausgekleidete „Fenster“ in der Ohrschnecke, das runde und das ovale Fenster. Durch die vordere Wand in diesem Raum verläuft ein dünner Kanal (die Eustachische Röhre, Tuba auditiva) nach unten zum hinteren Teil der Nase. Durch diese Röhre kann Luft vom Mittelohr zum Nasenraum und wieder zurück strömen.

Ohr: Überblick

Der Druck im Mittelohr muss mit dem Druck außerhalb des Ohres ausgeglichen werden, damit das Trommelfell normal vibrieren kann und damit Geräusche deutlich zu hören sind. Unter normalen Bedingungen wird die Luft im Mittelohr langsam durch die Schleimhaut absorbiert und muss kontinuierlich ersetzt werden. Dies geschieht in der Regel, wenn wir schlucken oder gähnen, da sich die Tuba auditiva dann kurz öffnet und Luft in das Mittelohr eintreten oder aus ihm entweichen lässt. Bei einer Fehlfunktion in der Tuba auditiva, beispielsweise bei einer Erkältung, entsteht ein Druckunterschied zwischen dem Mittelohr und der Außenseite. Eine solche Druckdifferenz stört das Trommelfell und kann zu Beschwerden, Hörminderung oder -verlust und Verletzungen führen. Eine durch solche Druckdifferenzen verursachte Krankheit wird als Barotrauma bezeichnet.

Ursachen

Die häufigste Ursache sind jedoch Flugreisen. Die Inzidenz der Erkrankung hängt von der Flughöhe, der Art des Fluges und den Eigenschaften des Passagiers ab. Eine Studie unter Passagieren ergab, dass 20 % der Erwachsenen und 40 % der Kinder nach der Flugreise einen Unterdruck im Mittelohr hatten (niedrigeren Druck als auf der Außenseite), und dass 10 % der Erwachsenen und 22 % der Kinder sichtbare Anzeichen für eine Schädigung des Trommelfells hatten.Als Barotrauma bezeichnet man Verletzungen im Ohr, d. h. der Hör- oder Gleichgewichtsorgane, infolge von Druckeinwirkung. Schädliche Druckbelastungen entstehen unter anderem beim Tauchen, während Flugreisen, schnellen Höhenänderungen und bei Explosionen. Die am stärksten ausgeprägten Barotraumata entstehen in der Regel beim Tauchen.

Was passiert im Ohr?

Eine plötzliche Druckveränderung führt zu Veränderungen im Trommelfell und in den sehr empfindlichen Strukturen der Bogengänge (Gleichgewichtsorgan) – oder in der so genannten Hörschnecke (Cochlea), dem Hörorgan im Innenohr.

Ohr Bogengaenge und Nerven.jpg
Ohr: Bogengänge und Nerven

Während des Sinkfluges vor der Landung eines Flugzeugs ist der Luftdruck im Mittelohr niedriger als der Luftdruck in der Kabine. Dies verursacht Unbehagen und einen Druckunterschied, der ausgeglichen werden muss. Eine enge, entzündete oder dysfunktionale Tuba auditiva, z. B. bei einer Erkältung, verhindert möglicherweise die erforderliche Luftzufuhr zum Mittelohr. Wenn sich die Druckdifferenz erhöht, wird das Trommelfell nach innen gezogen und unter Spannung gesetzt. Dies kann zu Blutungen im Trommelfell, zur Bildung von Flüssigkeit im Mittelohr und manchmal zum Reißen des Trommelfells führen.

Beim Steigflug mit dem Flugzeug ist der Druckunterschied umgekehrt. Dabei ist der Druck im Mittelohr höher als der äußere Luftdruck. Abgesehen davon, dass wir dies dadurch bemerken können, dass es in den Ohren „ploppt“ oder „knackst“, verursacht diese Situation selten Probleme, weil der Überdruck im Mittelohr die Tuba auditiva nach oben drückt und den Druckunterschied ausgleicht.

Während des Tauchens sind die Druckunterschiede deutlich höher, bis zu einem Druck von mehreren Atmosphären. Das Risiko für Barotraumata ist daher beim unvorsichtigen Tauchen viel größer, sowohl beim Abstieg als auch beim Aufstieg. Es besteht auch ein höheres Risiko dafür, dass die Membranen des runden und des ovalen Fensters reißen können, sodass die Flüssigkeit in der Cochlea, die Perilymphe, aus dem Mittelohr austritt, was zu starkem Schwindel führen kann.

Symptome

Die typischen Symptome eines Barotraumas sind ein „wattiges“ Gefühl im Ohr, Hörverlust und Tinnitus. In den seltenen Fällen, in denen eine Leckage der Perilymphe auftritt, entstehen erhebliche Übelkeit und Schwindel. Die Beschwerden können in einigen Fällen so ausgeprägt sein, dass Sie Probleme mit dem Gleichgewicht bekommen.

Therapie

Druckverletzungen entstehen am ehesten, wenn die Schleimhaut der Ohrtrompete geschwollen ist, wie bei Erkältungen und in Phasen mit allergischen Reaktionen der Nasenschleimhaut, dem Heuschnupfen. Es ist daher wichtig, dass Sie in Phasen mit solchen Beschwerden besonders vorsichtig sind.

In den meisten Fällen lassen die Symptome allmählich nach und verschwinden ohne Behandlung innerhalb von Minuten bis Stunden. Eine Ausnahme bilden Symptome mit starkem Schwindel und Übelkeit, die nach dem Tauchen aufgetreten sind. Dieser Zustand kann lebensbedrohlich sein und erfordert eine Behandlung in der Druckkammer.

Wenn Sie mit dem Flugzeug unterwegs sind, können Sie den Problemen im Vorfeld und während der Reise durch die Verwendung von Nasentropfen vorbeugen. Optional können abschwellende Tabletten verwendet werden. Es kann auch hilfreich sein, Kaugummi zu kauen, weil Kauen und Schlucken dazu beitragen, die Tuba auditiva offen zu halten.

Tauchen sollte bei Erkältungen vermieden werden, oder wenn Sie infolge von Allergien angeschwollene Schleimhäute im Nasen- und Rachenraum haben. Abgesehen davon müssen Sie beim Auf- und Abstieg im Rahmen des Tauchens immer vorsichtig sein und Anweisungen des Tauchlehrers folgen.

Weiterführende Informationen

  • Barotrauma – Informationen für ärztliches Personal

Autoren

  • Susanne Meinrenken, Dr. med., Medizinjournalistin, Bremen

Literatur

Dieser Artikel basiert auf dem Fachartikel Barotrauma. Nachfolgend finden Sie die Literaturliste aus diesem Dokument.

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  2. Deutsche Gesellschaft für Arbeitsmedizin und Umweltmedizin. Arbeiten in Überdruck. AWMF-Leitlinie Nr. 002-011, Stand 2010. www.awmf.org
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