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Mastoiditis

Als Processus mastoideus wird der Knochenvorsprung des Schädels direkt hinter dem Ohr bezeichnet, der sich gut ertasten lässt. Die als Mastoiditis bezeichnete Entzündung dieses Knochenvorsprungs tritt in der Regel als seltene Komplikation einer Mittelohrentzündung auf.

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Was ist eine Mastoiditis?

Als Processus mastoideus oder Warzenfortsatz wird der Knochenvorsprung des Schädels direkt hinter dem Ohr bezeichnet, der sich gut sehen und ertasten lässt. Die als Mastoiditis bezeichnete Entzündung dieses Knochenvorsprungs tritt in der Regel als Komplikation einer Mittelohrentzündung auf, ist aber sehr selten. Dabei kommt es zu einer lokalen Ausbreitung der Infektion vom Mittelohr in den Warzenfortsatz, was auf Dauer zu einer Schädigung des Knochens oder auch noch ausgedehnteren Infektionen führen kann.

Die Mastoiditis tritt heutzutage nur noch sehr selten auf, was wahrscheinlich auf die allgemeine Verbesserung des Gesundheitszustands und die bessere Widerstandsfähigkeit gegen Krankheiten in der Bevölkerung zurückzuführen ist. Die Mastoiditis ist am häufigsten bei Kleinkindern und tritt hier vor allem bei Patienten mit wiederkehrender Mittelohrentzündung auf.

Ursache

Eine Mastoiditis entsteht in den meisten Fällen dadurch, dass sich eine Mittelohrentzündung ins Knochengewebe hinter dem Ohr (Processus mastoideus) ausbreitet und dort die Knochenstruktur angreift. Zu Komplikationen einer Mastoiditis kommt es, wenn sich die Entzündung weiter in die Hirnhaut und andere Regionen des Gehirns ausbreitet. Eine solche ausgedehnte Infektion kann schwere und lebensbedrohliche Krankheiten verursachen (z .B. Gleichgewichtsstörungen, Lähmung des Gesichtsnervs, Infektion von Blutgefäßen im Gehirn).

Symptome

Eine Mastoiditis führt zu Fieber, Beeinträchtigungen des Hörvermögens, Ohrenschmerzen, deutlich krankem Allgemeinzustand und evtl. dem Abfließen eiterartiger Flüssigkeit aus dem äußeren Gehörgang. Es entwickeln sich erhebliche Schmerzen am Knochenvorsprung hinter dem Ohr, die Haut wird rot und heiß, und es entwickelt sich meist eine deutlich sichtbare Schwellung (das Ohr steht ab).

Etwa zwei Drittel aller Patienten hatten vor der Entwicklung der Mastoiditis lang andauernde Symptome einer Mittelohrentzündung. Manchmal entwickelt sich eine Mastoiditis aber auch, wenn die Beschwerden der Mittelohrentzündung eigentlich gerade einige Zeit nachgelassen hatten.

Diagnostik

Die Diagnose wird auf Grundlage der Krankengeschichte (Anamnese) und der lokalen Befunde wie der rötlich verfärbten Haut hinter dem Ohr, der Schwellung und starken Berührungsempfindlichkeit in diesem Bereich gestellt. Aufgrund der Schwellung steht das Ohr häufig stärker ab als normal. Manchmal sind die Symptome nur sehr gering, und durch eine Antibiotikabehandlung kann die Erkrankung vorübergehend verschleiert werden.

Die üblichen Blutuntersuchungen zeigen erhöhte Werte für BSG (Blutsenkung) und CRP (Entzündungsprotein) sowie eine erhöhte Anzahl von weißen Blutkörperchen im Blut. Eine Computertomografie (CT) kann die Diagnose bestätigen. Manchmal wird auch eine MRT-Untersuchung (Magnetresonanztomografie) durchgeführt, insbesondere, wenn der Verdacht auf eine Ausbreitung auf die Hirnhäute besteht.

Zur Untersuchung und Einleitung der Behandlung ist bei einer Mastoiditis immer ein Krankenhausaufenthalt erforderlich.

Therapie

Die Therapie hat zum Ziel, die Entzündung zu beseitigen und mögliche Komplikationen zu verhindern oder zumindest zu verringern.

Dazu werden Antibiotika und Schmerzmittel gegeben und meist auch eine operative Drainage durchgeführt. Ungefähr 50–70 % der Betroffenen werden nach drei bis sechs Wochen Behandlung allein mit Antibiotika wieder gesund. Bei den übrigen Patienten ist ein operativer Eingriff erforderlich.

Die Antibiotikabehandlung erfolgt direkt in den Blutkreislauf (intravenös). Wenn die Patienten mindestens 48 Stunden lang fieberfrei waren, wird die Behandlung oft auf Tabletten umgestellt. Die Tabletteneinnahme wird üblicherweise mindestens 14 Tage lang fortgesetzt.

Das häufigste operative Verfahren (falls erforderlich) ist das Durchstechen (Drainage) des Trommelfells, sodass Eiter aus dem Mittelohr abfließen kann. Wenn durch die Behandlung mit Antibiotika und die Drainage des Mittelohrs keine Kontrolle der Entzündung erreicht wird, kann der Processus mastoideus operativ geöffnet und entfernt werden.

Prognose

Die Prognose ist in den allermeisten Fällen gut. Bei einer zu spät einsetzenden Behandlung kann es zu schwerwiegenden Komplikationen wie Entzündungen des Innenohrs und Strukturen im Gehirn kommen. Wenn keine Komplikationen im Gehirn auftreten, heilt die Erkrankung normalerweise völlig aus.

Es wird diskutiert, ob es sinnvoll ist, alle Patienten mit einer Mittelohrentzündung sofort antibiotisch zu behandeln, um eine Mastoiditis zu vermeiden. Gegen diese Meinung spricht jedoch, dass die Mastoiditis sehr selten auftritt und ein umfangreicher Gebrauch von Antibiotika Nebenwirkungen hat und Resistenzen der Bakterien verstärkt. Daher sind sich die Fachleute in dieser Frage noch nicht einig. 

Weitere Informationen

  • Mastoiditis – Informationen für ärztliches Personal

Autoren

  • Susanne Meinrenken, Dr. med., Bremen

Literatur

Dieser Artikel basiert auf dem Fachartikel Mastoiditis. Nachfolgend finden Sie die Literaturliste aus diesem Dokument.

  1. Devan PP. Mastoiditis. eMedicine, May 2016. www.emedicine.com. emedicine.medscape.com
  2. Nussinovitch M, Yoeli R, Elishkevitz K, Varsano I. Acute mastoiditis in children: epidemiologic, clinical, microbiologic, and therapeutic aspects over past years. Clin Pediatr (Phila) 2004; 43: 261-7. PubMed
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