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Mittelohrentzündung bei Kindern

Eine Mittelohrentzündung ist schmerzhaft, aber bei der überwiegenden Mehrheit der Betroffenen geht die Krankheit von selbst vorüber.

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Was ist eine Mittelohrentzündung?

Direkt nach der Erkältung ist die akute Mittelohrentzündung die häufigste Infektionskrankheit bei Kindern. Die Infektion wird durch Viren oder durch Bakterien verursacht, wobei sehr viele verschiedene Erregerstämme vorkommen können.

Die häufigsten Symptome sind:

  • Schmerzen im Ohr (aufgrund von Flüssigkeit im Mittelohr, die einen erhöhten Druck verursacht und dadurch Druck auf das Trommelfell ausübt)
  • Fieber
  • Unruhe
  • Vorübergehend verringertes Hörvermögen
  • Schlechter Allgemeinzustand
  • Flüssigkeit, die aus dem Ohr des Kindes fließt, wenn das Trommelfell verletzt ist

Die Symptome müssen nicht alle gleichzeitig vorhanden sein.

Sind Antibiotika notwendig?

Der Schmerz geht in der Regel nach 24 Stunden vorüber. Antibiotika helfen nicht bei Schmerzen, und in den meisten Fällen wird das Kind nicht schneller gesund. Antibiotika können beim kranken Kind auch zusätzliche Beschwerden verursachen, z. B. Durchfall und Erbrechen. Außerdem stellt es häufig eine Herausforderung dar, dem Kind das Medikament zu verabreichen. Bei Kindern über einem Jahr wird deshalb empfohlen, nach einer Vorstellung beim Kinderarzt die Situation 2–3 Tage lang abzuwarten.

Wenn die Schmerzen nicht innerhalb von 2–3 Tagen nachlassen oder aus dem Ohr des Kindes für mehr als 24 Stunden Flüssigkeit herausläuft, sollten Sie Ihren Arzt erneut konsultieren. Nachkontrolle: Das Kind sollte nach 8 Wochen vom Kinderarzt nochmals untersucht werden.

In bestimmten Fällen wird die Ärztin aber doch den Einsatz von Antibiotika empfehlen, z.B. bei Säuglingen bis zu 6 Monaten, bei sehr hohem Fieber und starken Schmerzen, bei beidseitiger Entzündung oder auch bei Kindern mit anderen Grunderkrankungen (Mittelohrentzündung, akute).

So können Sie Ihrem Kind helfen

Priorität hat die Linderung der Beschwerden des Kindes, die Erreger kann das Abwehrsystem des Körpers in der Regel gut bekämpfen.

  • Geben Sie Ihrem Kind Schmerzmittel (z. B. Paracetamol 2–3-mal täglich). Wenn Ihr Kind Fieber hat, wirken diese auch fiebersenkend.
  • Es kann helfen, wenn Sie Ihr Kind mit erhöhtem Kopf liegen oder aufrecht sitzen lassen. Dies reduziert den Druck im Ohr und es tut weniger weh. Es kann hilfreich sein, das Kopfende des Bettes zusätzlich zu den Kissen mit etwas Hartem (z. B. Büchern) auszustopfen.
  • Verabreichen Sie Nasentropfen. Dies erleichtert die Belüftung zwischen Nase, Rachenraum und Mittelohr, sodass der Druck im Ohr abnimmt.
  • Wie bei jeder Infektion mit Fieber sollte das Kind ausreichend Flüssigkeit trinken.

Das Kind kann wieder in den Kindergarten gehen, wenn der Allgemeinzustand dafür spricht.

Der Einsatz von Antibiotika bei Kindern

Antibiotika sind wichtige und wirksame Medikamente bei der Behandlung von durch Bakterien verursachten Infektionen. Die unsachgemäße Verwendung von Antibiotika kann zur Entwicklung von resistenten Bakterien führen. Dies bedeutet, dass eine antibiotische Behandlung auf diese Bakterien keine Auswirkungen mehr hat. Daher ist es wichtig, Antibiotika sehr gezielt nur in Fällen einzusetzen, bei denen sie erforderlich und wirksam sind.

Antibiotikaresistenz

Antibiotika-resistente Bakterien sind ein zunehmendes Problem; sie sind die Folge übermäßigen Gebrauchs von Antibiotika. Außerhalb des Krankenhauses werden viele Antibiotika zur Behandlung von Infektionen der Atemwege verwendet, vor allem bei Kindern. Um die Wirksamkeit der Antibiotika gegen alle möglichen Bakterien zu bewahren, ist es wichtig, die fehlerhafte Verwendung von Antibiotika bei der Behandlung solcher Infektionen einzugrenzen.

Wenn Sie im Zweifel darüber sind, ob Ihr Kind eine Infektion hat, die mit Antibiotika oder anderen Medikamenten behandelt werden muss, sollten Sie Ihren Kinderarzt konsultieren. Der Arzt wird Ihnen auch Ratschläge geben, wie Sie die Beschwerden des Kindes am besten lindern können, bis die Infektion vorüber ist.

Antibiotika wirken nicht auf Viren.

Antibiotika wirken nicht auf Viren. Viren sind verantwortlich für die überwiegende Mehrheit der Halsentzündungen, Ohrenentzündungen und Nebenhöhlenentzündungen sowie für alle Erkältungen. Der Körper bekämpft solche Virusinfektionen normalerweise ohne Hilfe von speziellen Medikamenten. Antibiotika haben keine Wirkung auf Viren und führen auch nicht zur Linderung der Beschwerden des Kindes.

Auch viele bakterielle Infektionen gehen von selbst vorüber, ohne den Einsatz von Antibiotika. Bei den meisten Infektionen wird empfohlen, die Situation für 2–3 Tage abzuwarten.

Wenn Antibiotika notwendig sind

Wenn Ihr Arzt festgestellt hat, dass das Kind eine Infektion hat, die mit Antibiotika behandelt werden muss, ist es wichtig, dass die gesamte Therapie so umgesetzt wird, wie es der Arzt festgelegt hat. Wenn das Kind die Antibiotikabehandlung nicht komplett abschließt oder eine zu geringe Dosis einnimmt, wird nur ein Teil der Bakterien abgetötet. Die widerstandsfähigeren Bakterien können überleben, sich fortpflanzen und vermehren und unter Umständen Resistenzen ausbilden.

Autoren

  • Susanne Meinrenken, Dr. med., Medizinjournalistin, Bremen

Literatur

Dieser Artikel basiert auf dem Fachartikel Otitis media, akute. Nachfolgend finden Sie die Literaturliste aus diesem Dokument.

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