Herpes-simplex-Infektion in der Mundhöhle

Das Herpes-Virus tritt in vielen unterschiedlichen Variationen auf. Das Herpes-simplex-Virus Typ 1 ist jedoch für ansonsten gesunde Personen ein harmloser Typ. Es kann bei Kleinkindern eine akute, aber meist ungefährliche Infektion im Mund verursachen.

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Was ist eine Herpes-Simplex-Infektion?

Es gibt mehrere Arten von Herpes-Viren, die unterschiedliche Krankheiten verursachen können. Das Herpes-Simplex-Virus Typ 1 ist eine harmlose Variante und löst bei ansonsten gesunden Personen in der Regel keine ernsthaften Erkrankungen aus. Am häufigsten führt dieses Virus zu kleinen schmerzhaften Bläschen im Bereich der Lippen, es kann aber auch eine Infektion in der Mundhöhle verursachen.

Mit dem Herpes-simplex-Virus Typ 1 stecken sich in Ländern mit hohem Lebensstandard etwa die Hälfte der Menschen als Kind oder junger Erwachsener an; in weniger entwickelten Ländern sind es etwa 80 %. Diese Erstinfektion verläuft meist unbemerkt ohne Symptome. Bei 10–35 %derjenigen mit Erstinfektion treten dagegen deutliche Symptome und Beschwerden auf – ein Krankheitsbild, das in der medizinischen Fachsprache als Gingivostomatitis herpetica bezeichnet wird. Bei den Betroffenen bilden sich kleine schmerzhafte Bläschen auf dem Zahnfleisch (Gingiva) und auf der Innenseite der Wangen (Stoma bedeutet Öffnung), aber auch auf der Zunge, den Lippen oder der Haut im Bereich um den Mund. Die Bläschen sind schmerzhaft und es dauert in der Regel etwa 12 Tage bis zur Abheilung. 

Die akute Gingivostomatitis herpetica tritt vor allem bei Kindern im Alter von 6 Monaten bis 5 Jahren auf. Gelegentlich betrifft diese Infektion jedoch auch jüngere Erwachsene, dann entwickeln sich die Bläschen eher im hinteren Teil der Mundhöhle bzw. im Rachen.

Erneuter Infektionsausbruch

Nachdem Sie das erste Mal an einer Herpes-Infektion erkrankt sind, d. h. nach einer Erst- oder Primärinfektion, bleibt das Virus im Körper. Es verbleibt „schlafend“ in den Nerven, welche die Lippen und den Mund (Trigeminus) versorgen. Das Virus kann zu einem späteren Zeitpunkt wieder eine Infektion verursachen, die meist leicht verläuft. Es bilden sich lediglich kleine schmerzhafte Bläschen an den Lippen (Herpes labialis), meist ohne allgemeine Beschwerden. Auslösende Faktoren können Fieber, Stress, Verletzungen, Sonnenlicht, Kälte und Menstruation sein, sind oft aber auch nicht zu klären.

Die an einer erneuten Herpes-Infektion erkrankte Person ist ansteckend: Durch direkten Kontakt (z.B. Kuss) mit der betroffenen Haut oder den Schleimhäuten können sich andere Personen anstecken und nach einer Zeit zwischen 2 bis zu 20 Tagen nach Kontakt selbst erkranken. Mitunter wird das Virus auch durch Besteck oder Handtücher übertragen, die gemeinsam von der infizierten Person und einer weiteren genutzt werden.

Verlauf

Bei der akuten Form (Gingivostomatitis) klagt das erkrankte Kind über Empfindlichkeit/Schmerzen im Mund, will nicht essen, leidet unter allgemeinem Unwohlsein, hat manchmal auch Fieber und oft geschwollene, berührungsempfindliche Lymphknoten am Hals. Die Krankheit geht von selbst innerhalb von 7–14 Tagen zurück, die Ausscheidung der Viren im Speichel kann jedoch noch weitere drei Wochen fortschreiten. Die Patienten können jedoch so starke Schmerzen im Mund haben, dass sie kaum noch etwas essen oder trinken mögen. Wichtig ist es, dann trotzdem auf ausreichende Flüssigkeitszufuhr zu achten; bei Kindern ist hier oft Eis hilfreich. Durch die offenen Schleimhautwunden nach Aufplatzen der Bläschen können sich zudem Bakterien dort ansiedeln und eine zusätzliche Infektion verursachen.

Bei der wiederkehrenden Form des Herpes treten in der Regel keine oder nur geringe Beschwerden in der Mundhöhle auf, hingegen kommt es wiederholt zu Schorfbildung auf den Lippen, so genannten Erkältungsbläschen, dem Herpes labialis. In den wenigen Fällen, in denen sich der Ausschlag in die Mundhöhle ausbreitet, ist er meist hinten im Gaumen lokalisiert.

Diagnostik

Die Diagnose wird auf der Grundlage des typischen Krankheitsverlaufs und des von kleinen Bläschen gekennzeichneten Ausschlags gestellt. Der Ausschlag bildet sich bei der Gingivostomatitis auf den Schleimhäuten der Mundhöhle, auf dem Zahnfleisch, den Lippen und auf der Zunge; beim Herpes labialis v.a. an den Lippen. Es kann jedoch problematisch sein, eine genaue Diagnose zu stellen, da Patienten mit dieser Form der Herpes-Infektion häufig erst dann den Arzt aufsuchen, wenn der typische Ausschlag bereits abgeklungen ist. Die Krankheit kann schwierig von Aphthen zu unterscheiden sein. Sind die Symptome nicht typisch, wird der Arzt ggf. zusätzlich die Bläschenflüssigkeit und/oder Blut auf Viren hin untersuchen.

Behandlung

Die Bläschen an den Lippen gehen in den meisten Fällen von selbst zurück, und eine Behandlung ist selten erforderlich. Es ist zwar möglich, die akute Infektion mit einem antiviralen Mittel (Aciclovir) zu behandeln, meist werden die Patienten jedoch erst so spät im Krankheitsverlauf beim Arzt vorstellig, dass eine Behandlung mit diesen Medikamenten nicht länger sinnvoll ist. Tritt der Herpes in dieser Form häufiger auf, kann Ihnen der Arzt verschiedene Salben empfehlen, die die Beschwerden etwas lindern können. Auch übliche Schmerzmittel können hilfreich sein.

Bei der Erstinfektion im Mund können bei Kindern so starke Schmerzen auftreten, dass dies die Nahrungsaufnahme beeinträchtigen kann. In diesen Fällen können schmerzstillende Medikamente wie Paracetamol oder Ibuprofen (z. B. als Zäpfchen) verabreicht werden. Es kann ebenfalls helfen, etwas Eis bereitzustellen. Wichtig ist es, dass die Kinder ausreichend trinken, damit sie nicht dehydrieren (austrocknen). Ist es nicht möglich, genügend Flüssigkeit aufzunehmen und/oder hat sich zusätzlich eine Infektion mit Bakterien entwickelt, ist es oft erforderlich, den Patienten im Krankenhaus zu behandeln. Dies ist jedoch eher selten der Fall.

Wiederholt auftretender Herpes in der Mundhöhle ist selten und muss in der Regel nicht behandelt werden.

Nur in Ausnahmefällen, z.B. bei Menschen mit geschwächtem Immunsystem, kann sich das Herpes-Virus im Körper ausbreiten mit der Folge schwerer Krankheiten. Dann ist (meist in der Klinik) eine Therapie mit Tabletten oder Infusionen gegen das Virus notwendig.

Weitere Informationen

Autoren

  • Susanne Meinrenken, Dr. med., Bremen

Literatur

Dieser Artikel basiert auf dem Fachartikel Herpes-simplex-Infektion, orale. Nachfolgend finden Sie die Literaturliste aus diesem Dokument.

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