Entzündungen der Mundwinkel (Mundwinkelrhagaden)

Sogenannte Mundwinkelrhagaden sind eine lokale Entzündung, die zu starken Schmerzen in den Mundwinkeln führt. Es handelt sich um eine häufige Erkrankung bei Kleinkindern, älteren Personen und Menschen mit geschwächtem Immunsystem.

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Was sind Entzündungen der Mundwinkel?

Mundwinkelrhagaden

Entzündungen der Mundwinkel werden als Mundwinkelrhagaden bezeichnet. Es handelt sich um eine lokale Entzündung mit schmerzhaften Einrissen der Haut im Bereich der Mundwinkel – typisch sind rote, raue, eingerissene Haut und Schmerzen, gelegentlich auch leichte Blutungen.

Mundwinkelrhagaden können in gewissen Fällen ein frühes isoliert auftretendes Anzeichen für Blutarmut (Anämie) oder einen Vitaminmangel sein, z. B. einen Vitamin-B12-Mangel. In diesen Fällen gehen die Hautveränderungen zurück, wenn die zugrunde liegende Erkrankung behandelt wurde.

Die Erkrankung tritt ziemlich häufig bei Kleinkindern, älteren Personen und Menschen mit geschwächtem Immunsystem auf.

Weitere Bezeichnungen sind Cheilitis angularis, Faulecke oder Perlèche.

Ursache

Die häufigste Ursache ist eine Pilzinfektion mit Candida albicans, die Erkrankung kann aber auch durch Bakterien wie Staphylococcus aureus verursacht werden. Ein Rückgang der Rhagaden nach der Behandlung mit Antimykotika und möglicherweise Antibiotika ist ein starker Hinweis für die wichtige Rolle dieser Mikroorganismen bei der Erkrankung.

Allerdings gibt es auch ein breites Spektrum an nichtinfektiösen Ursachen für Mundwinkelrhagaden. Diese reichen von schlecht angepassten Zahnprothesen, starker Faltenbildung im Mundwinkel, Kontaktallergien, Mangelernährung und Anämie über trockene Haut und übermäßigen Speichelfluss bis zu atopischer oder seborrhoischer Dermatitis. Die Erkrankung tritt auch häufig bei HIV-Infizierten und bei Personen mit Down-Syndrom auf. Auch übermäßige Mundspülungen und ein übertriebener Gebrauch von Zahnseide können zur Entwicklung von Mundwinkelrhagaden beitragen.

Bei Kindern können Mundwinkelrhagaden auch dadurch verursacht werden, dass sie viel über die Lippen lecken, in die Lippen beißen oder am Daumen lutschen. Bei älteren Menschen können ebenfalls ein zwanghaftes Lecken der Lippen oder andauerndes Atmen durch den Mund mit Austrocknung der Haut bei Schnupfen ebenfalls Mundwinkelrhagaden verursachen.

Ein Mangel an bestimmten Vitaminen wie B12 und Folsäure sowie Eisenmangel können ebenfalls zur Entwicklung von Mundwinkelrhagaden beitragen.

Symptome

Typisch für Mundwinkelrhagaden sind Rötungen, schmerzhafte Einrisse, Blutungen und kleine Wunden in den Mundwinkeln. Die meisten Betroffenen leider unter trockenen Lippen und Schmerzen; sie beschreiben ein brennendes Gefühl in den Mundwinkeln.

Mundwinkelrhagaden entwickeln sich besonders häufig bei Personen mit Zahnprothesen, bei Menschen, die häufig mit Schutzmasken arbeiten, sowie bei Kleinkindern, insbesondere wenn sie sabbern und am Schnuller saugen.

 

Diagnostik

Die Diagnose lässt sich in der Regel einfach stellen. Die typischen Beschwerden und charakteristischen Veränderungen in den Mundwinkeln lassen eigentlich keinen anderen Schluss zu. Besteht der Verdacht auf eine zugrunde liegende Hautkrankheit, wird der Arzt die Haut des Patienten an den anderen Körperstellen ebenfalls untersuchen. Auch die Mundhöhle und die Zähne nebst Zahnfleisch wird der Arzt sorgfältig ansehen, um zu prüfen, ob hier eine Infektion vorliegt. Er wird zudem fragen, ob die Patienten sich gesund und ausgewogen ernähren. Mangelernährung kann, wie bereits erwähnt, eine wichtige Rolle als zugrunde liegende Ursache spielen.

Bei Verdacht auf Vitamin- oder Eisenmangel kann mit Blutuntersuchungen kontrolliert werden, ob ein Mangel oder ein auffälliges Blutbild vorliegen. Kommen ein Pilz oder andere Erreger in Betracht, lässt sich ein Abstrich von der entzündeten Stelle im Labor entsprechend testen. 

Therapie

Die meisten Fälle von Mundwinkelrhagaden sind auf eine Infektion zurückzuführen und werden lokal mit Wirkstoffen gegen Pilze (Antimykotika) oder Antibiotika behandelt. Das Antimykotikum wird dabei auf die roten Bereiche aufgetragen, bei Zahnprothesen möglicherweise auch auf die Oberseite der Prothese, falls diese ebenfalls von Pilzen befallen ist. Die Behandlung muss mehrere Tage lang fortgesetzt werden, nachdem die Rötungen und Risse verschwunden sind. Falls die Mundhöhler großflächiger befallen ist, empfiehlt der Arzt möglicherweise die Einnahme von Tabletten gegen die Pilzinfektion.

Gegen Bakterien kommen als Antibiotika oft Salben, z. B. mit Fusidinsäure, zum Einsatz, unter Umständen kombiniert mit einer Hydrokortisonsalbe. Die antibiotische Salbe wird auf die Mundwinkel aufgetragen, unter Umständen auch eine dünne Schicht in die Nasenlöcher, da sich die Infektion von dort ausbreiten kann.

Falls ein Nährstoffmangel zugrunde liegt, kann die Entzündung durch eine Nahrungsergänzung mit Vitaminen, bei einer Blutarmut durch die Gabe von Eisen geheilt werden. Besteht eine Kontaktallergie der Haut, sind die Auslöser zu meiden. Bei einer atopischen oder seborrhoischen Dermatitis sollte die Therapie der Grunderkrankung auch die Mundwinkelrhagaden lindern können.

Vorbeugend und auch zur unterstützenden Behandlung bei Mundwinkelrhagaden ist eine sorgfältige Mundhygiene und ggf. Reinigung des Zahnersatzes erforderlich. Leidet der Betroffene unter häufigem Speichelfluss, der den Mundwinkel reizt, ist es hilfreich, diese Stellen regelmäßig mit einer Fettcreme zu schützen. Falls aufgrund einer anderen Krankheit kortisonhaltige Sprays zum Einatmen verwendet werden müssen, ist es wichtig, nach jeder Inhalation die Mundhöhle gründlich mit Wasser auszuspülen. Reste des Kortisons im Mund begünstigen nämlich eine Infektion mit Pilzen.  

Prognose

Die Prognose ist gut. Bei der richtigen Therapie verschwinden die Mundwinkelrhagaden in den meisten Fällen wieder. Es ist jedoch nicht ungewöhnlich, dass sie zu einem späteren Zeitpunkt wiederkehren.

Weiterführende Informationen

Autoren

  • Susanne Meinrenken, Dr. med., Bremen

Literatur

Dieser Artikel basiert auf dem Fachartikel Mundwinkelrhagaden. Nachfolgend finden Sie die Literaturliste aus diesem Dokument.

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