Nasenbluten

Nasenbluten kann verschiedene Ursachen haben, z. B. einen Schlag auf die Nase, Erkältung, Bohren mit dem Finger in der Nase, trockene Luft oder manche Medikamente. Die Nase etwa zehn Minuten lang zugedrückt zu halten, stoppt das Nasenbluten so gut wie immer.

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Was ist Nasenbluten?

Bei Nasenbluten kommt es zu einer Blutung meist aus kleinen Blutgefäßen der Nasenschleimhaut. Normalerweise blutet bei gesunden Personen die Nase nur nach einem Schlag auf die Nase und die Blutung stoppt nach wenigen Minuten von selbst. Wiederholte kleine Blutungen können auch beim Bohren mit dem Finger in der Nase, bei kleinen Schlägen oder Druck auf die Nase auftreten. Beim Nasenbluten kann das Blut vorne aus einem oder beiden Nasenlöchern laufen, aber auch nach hinten in den Rachen gelangen. Selten sind größere Blutgefäße im hinteren Bereich der Nase verletzt, was zu plötzlichen, sehr starken Blutungen führen kann.

Bei den meisten Menschen ist es schon einmal zu Nasenbluten gekommen. Am häufigsten ist Nasenbluten bei Kindern unter 10 Jahren und Erwachsenen über 50 Jahren, Nasenbluten kann aber in jedem Alter auftreten. Sehr selten sind Kleinkinder unter 2 Jahren betroffen, dann liegt meist eine zugrunde liegende Krankheit vor. Nasenbluten ist bei Männern häufiger als bei Frauen.

Ursache

Nasenbluten kann auf mehreren Ursachen beruhen:

  • Verletzung, z. B. durch Bohren mit dem Finger in der Nase
  • Schlag oder Druck auf die Nase
  • Fremdkörper in der Nase
  • Infektionen der Nase und des angrenzenden Bereichs
  • Einatmen kalter/trockener Luft oder von Chemikalien wie z. B. Lösungsmitteln
  • Auslöser allergischer Symptome
  • bestimmte Medikamente
  • hoher Blutdruck, auch wenn dieser nur sehr selten die Ursache für Blutungen ist
  • eine Reihe anderer, deutlich seltenerer Erklärungen, z. B. andere zugrunde liegende Erkrankungen.

Bei Personen, die erst vor Kurzem Nasenbluten hatte, ist das Risiko erneuter Blutungen erhöht. Dies liegt daran, dass die Wunde nach der letzten Blutung nur durch eine dünne Kruste verschlossen ist. Diese Kruste löst sich oft schon bei geringen Einwirkungen wieder ab. So kann z. B. schon ein Schneuzen ausreichen, um eine neue Blutung auszulösen. Wiederholtes Nasenbluten im Laufe von 1–2 Wochen nach einem ersten heftigen Nasenbluten ist daher nicht ungewöhnlich und bedeutet nicht, dass etwas nicht stimmt.

Diagnose

Nasenbluten erfordert in der Regel keine Untersuchung, und nur wenige Menschen suchen deswegen einen Arzt auf. Bei schweren Blutungen, nicht zu stoppenden oder wiederkehrenden Blutungen kann es aber notwendig sein, einen Arzt zu Rate zu ziehen.

Der Arzt wird fragen, was das Nasenbluten ausgelöst hat, ob Sie häufig Nasenbluten haben, welche Medikamente Sie nehmen und ob Sie unter einer anderen Erkrankung leiden. Außerdem erfolgt eine gründliche Untersuchung der Nase, ggf. mit einer Nasenspiegelung. 

Manchmal müssen auch einige Blutwerte ermittelt werden, um herauszufinden, was die Blutung verursacht. Dies gilt jedoch nur für sehr wenige Patienten, die häufig Nasenbluten haben. Außerdem wird der Blutdruck gemessen, auch wenn hoher Blutdruck nur sehr selten die Ursache für Nasenbluten ist. In einigen Fällen lässt sich trotz der Untersuchung keine Ursache ausmachen.

Behandlung

Wenn Sie aufrecht sitzen und mit leicht nach vorn gebeugtem Kopf den unteren Teil der Nase (die Nasenflügel) zusammendrücken, stoppen die meisten Blutungen innerhalb von 10–15 Minuten. Es ist wichtig, nicht loszulassen, bevor mindestens diese Zeit vergangen ist. Um die Blutung schneller zu stoppen, können Sie auch versuchen, zusätzlich ein kaltes Handtuch auf den Nasenrücken und/oder den Nacken zu drücken.

Falls die Blutung nicht innerhalb von 10 Minuten stoppt, können Sie versuchen, einen mit Nasentropfen getränkten kleinen Wattepfropf ins blutende Nasenloch zu legen und die Nase für weitere 5 Minuten zuzudrücken. Die Nasentropfen bewirken, dass sich die Blutgefäße zusammenziehen, was dazu beitragen soll, die Blutung zu stoppen. Der Wattetupfer sollte nach einer halben Stunde entfernt werden.

Wenn die Blutung besonders schwer zu stoppen ist, kann der Arzt eine Tamponade einsetzen, die einen konstanten Druck auf das blutende Gefäß ausübt, eine sogenannte vordere Tamponade. Die Tamponade bleibt mehrere Stunden oder 2–5 Tage liegen. Falls die Blutung dann immer noch nicht aufhört, deutet das darauf hin, dass die Blutung weit hinten in der Nase sitzt. In diesem Fall legt der Arzt eine sogenannte hintere Tamponade. Das ist aber nur sehr selten nötig. Eine hintere Tamponade zu legen, ist aufwendiger und erfolgt durch einen HNO-Arzt. Möglicherweise müssen Sie dafür eine kurze Zeit im Krankenhaus verbringen. Selten sind Blutungen aus der Nase so stark, dass die Patienten medizinisch überwacht werden müssen und/oder blutungsstillende Medikamente benötigen.

Es gibt (außer bei Bluthochdruck als Ursache) keine Medikamente gegen Nasenbluten, die man vorbeugend einnehmen könnte. Falls die Blutungsquelle weit vorn in der Nase sitzt, können die betroffenen Blutgefäße vom Arzt verödet werden, sodass sie sich schließen und nicht mehr bluten. Hier stehen verschiedene Verfahren zur Verfügung, deren Vor- und Nachteile der Arzt mit Ihnen besprechen kann.

 Prognose

Alle Blutungen aus der Nase lassen sich stoppen. In seltenen Fällen ist dies aber so schwierig, dass die Patienten hierfür stationär ins Krankenhaus aufgenommen werden müssen. Dies gilt insbesondere für ältere Menschen mit Blutungen weit hinten in der Nase.

Wie schwerwiegend die Blutung ist, hängt davon ab, welche Ursache dahintersteht. Im Zusammenhang mit Nasenbluten kommt es nur selten zu Komplikationen.

Weitere Informationen

Illustrationen

Nasenbluten
Nasenbluten

Autoren

  • Susanne Meinrenken, Dr. med., Bremen

Literatur

Dieser Artikel basiert auf dem Fachartikel Nasenbluten (Epistaxis). Nachfolgend finden Sie die Literaturliste aus diesem Dokument.

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