Chronische nicht-allergische Rhinitis

Bei der chronischen nicht-allergischen Rhinitis treten dauerhafte Beschwerden der Nasenschleimhaut auf, denen keine Allergie zugrunde liegt. Verschiedene Auslöser können den Zustand verschlimmern. Eine medikamentöse Therapie schlägt nicht immer an.

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Was ist eine chronische, nicht-allergische Rhinitis?

Eine Rhinitis ist eine Entzündung der Nasenschleimhaut. Die entzündlichen Veränderungen der Nasenschleimhaut sind oft durch eine allergische Rhinitis (Heuschnupfen) verursacht, die jedoch von der hier beschriebenen, nicht-allergischen Rhinitis abgegrenzt werden muss. Ursachen dieser Entzündung können Infektionen (Erkältungen), durch Medikamente bedingte Veränderungen, Nasenpolypen, Fremdkörper u.a. sein (siehe bei Ursachen).

Die chronische, also lang andauernde Rhinitis kennzeichnet sich durch Beschwerden der Nase in Form eines oder mehrerer der folgenden anhaltenden Hauptsymptome:

  • ständig oder wiederkehrend laufende Nase
  • verstopfte Nase
  • wiederholtes Niesen
  • Rückfluss von Schleim in den Rachen

Die Nasenschleimhaut produziert normalerweise Schleim, der für die Befeuchtung und Reinigung der eingeatmeten Luft notwendig ist. Ist die Schleimhaut gereizt, wird mehr Schleim produziert. Gleichzeitig führt die Schwellung dazu, dass die Luftpassage durch die Nase enger wird. Dadurch verstopft die Nase, und es wird übermäßig viel Schleim oder Nasensekret produziert. Auf der anderen Seite kann aber auch eine Rückbildung der Nasenschleimhaut (Atrophie, z. B. infolge mancher Medikamente) zu solchen Beschwerden führen, weil die säubernde Funktion der dann zu trockenen Nasenschleimhaut gestört ist.

Von einer chronischen nicht-allergischen Rhinitis sind recht viele Menschen betroffen, genaue Zahlen zur Häufigkeit liegen nicht vor. 

Ursachen

Für die Erkrankung kann es verschiedene Ursachen geben, die nicht immer leicht nachzuweisen sind. Meist ist unklar, warum manche Menschen betroffen sind. Bei einigen Patienten können ständige Infektionen zu der Erkrankung beitragen. Meist liegen Virusinfektionen zugrunde, z. B. eine übliche Erkältung, oder auch Bakterien oder Pilze. Auch eine hohe Staubbelastung und Reizstoffe in der Luft können zu einer langwierigen Entzündung der Nasenschleimhaut führen. In diesem Zusammenhang spielt das Rauchen ebenfalls eine wichtige Rolle; Drogengebrauch über die Nase natürlich ebenfalls. Auch große und ausgeprägte Temperaturschwankungen der eingeatmeten Luft können ein wichtiger Auslöser sein.

Eine übermäßige Verwendung von üblichen Nasentropfen kann die Entwicklung einer Rhinitis begünstigen, weil die abschwellenden Wirkstoffe zu einer dauerhaften Veränderung der Schleimhaut (Atrophie) führen können. Zudem können bestimmte Blutdruckmedikamente und andere Wirkstoffe zu chronischen Nasenbeschwerden beitragen.

Durch Verengung der Atemwege in der Nase können auch Polypen, Schleimhautwucherungen, eine schiefe Nasenscheidewand, Tumoren oder Fremdkörper in der Nase eine chronische Rhinitis hervorrufen. Auch eine gestörte der Durchblutung der Nasenschleimhaut (bei Fehlfunktion der Blutgefäße) kann Ursache der genannten Symptomen sein. Zudem treten diese Beschwerden bei manchen Erkrankungen anderer Organsysteme (z. B. Tuberkulose) als Begleitbeschwerden auf. Manche Patienten mit Sodbrennen/Reflux leiden dadurch bedingt auch an chronischer Rhinitis.

Bei einigen Patienten lässt sich jedoch trotz intensiver Suche keine Ursache für die Symptome finden (idiopathische Rhinitis). 

Diagnostik

Die Diagnose wird in erster Linie auf Grundlage der typischen Symptome wie anhaltende verstopfte Nase und hohe Schleimproduktion in der Nase, auch wenn der Patient nicht erkältet ist, sowie nach Ausschluss anderer Ursachen wie Allergien gestellt. Die Erkrankung unterscheidet sich von der allergischen Rhinitis dadurch, dass das typische Jucken in Nase und Augen viel seltener ist und die Symptome in der Regel später auftreten (mehr als 70 % der Betroffenen sind älter als 20 Jahre). Die Nasenverstopfung ist ausgeprägter, und die Beschwerden treten das ganze Jahr über auf.

Der Schleim aus der Nase ist normalerweise farblos, kann jedoch auch eitrig sein und schlecht riechen. Er fließt meist in den Rachen zurück und führt dazu, dass sich Betroffene häufig räuspern müssen, um den Hals zu „säubern“. Die chronische, nicht-allergische Rhinitis kann sich durch Tabakrauch, Temperaturschwankungen, starke Parfums und andere Duftstoffe sowie Reinigungsmittel und Alkohol verschlimmern. Bei einigen Patienten sind auch die Nasennebenhöhlen oder die Lunge mitbetroffen. Viele Patienten berichten über ein reduziertes Riechvermögen und Geschmacksempfinden. Es kann bei lange anhaltenden starken Beschwerden zu Schlafstörungen, Kopfschmerzen und Stimmungsschwankungen kommen. Die Lebensqualität kann vermindert sein.

Bei einer Untersuchung der Nase kann festgestellt werden, dass die Luftpassage aufgrund der geschwollenen Schleimhäute verengt ist und zu viel Schleim in der Nase produziert wird. Die Schleimhaut ist in der Regel normal oder etwas rötlich. Falls Polypen oder andere anatomische Verengungen der Nase vorliegen, kann der HNO-Arzt diese bei einer Spiegelung der Nase beurteilen.

Um eine allergische Rhinitis auszuschließen, kann ein Allergietest durchgeführt werden. Eine körperliche Untersuchung und ggf. weitere Tests erfolgen, wenn der Verdacht auf eine andere zugrunde liegende Krankheit besteht. Um herauszufinden, ob eine Infektion durch Bakterien, Viren oder auch Pilze vorliegt, können Abstriche aus der Nase im Labor auf solche Erreger hin überprüft werden.

Therapie

Hauptziel der Therapie ist es, die Luftpassage zu verbessern, die Schleimproduktion zu verringern und wenn möglich die auslösenden Faktoren zu minimieren. Dafür müssen die auslösenden Faktoren jedoch eliminiert werden. Je nach Auslöser sollten Sie:

  • Staubige Umgebungen meiden.
  • Aufhören zu rauchen oder den Konsum zumindest reduzieren.
  • Eine eventuell zugrunde liegende Nasennebenhöhleninfektion behandeln lassen.

Zur Reinigung der Nase sollte Kochsalzlösung verwendet werden. Sie können die Salzlösung entweder in die Nase tropfen oder vorsichtig durch die Nase inhalieren. Es stehen fertige Kochsalzlösungen oder entsprechende Nasentropfen zur Verfügung.

Handelsübliche Nasentropfen mit abschwellenden Wirkstoffen führen bei der Erkrankung nur zu einer zusätzlichen Reizung und sollten daher wenn überhaupt nur kurzfristig verwendet werden.

Bei Patienten mit einer chronischen, nicht-allergischen Rhinitis schlagen Medikamente in der Regel schlechter an als bei Patienten mit einer allergischen Rhinitis. Nasenspray mit Kortison kann jedoch auch bei dieser Form der Rhinitis die Schwellung der Schleimhäute und das Laufen der Nase verringern. Alternativ können Antihistaminika in Form von Nasenspray oder Tabletten verwendet werden, letztere können mit kortisonhaltigem Nasenspray kombiniert werden. Weitere Optionen sind speziellere Medikamente bzw. Nasensprays (z.B. Ipratropium), über die Ihr Arzt Sie informieren kann.

Falls bestimmte Krankheiten zugrunde liegen, werden diese möglichst behandelt. Sind Polypen, Fremdkörper oder andere Faktoren die Ursache für eine Verengung der Nase, dann kommt eine Operation infrage.

Einige Patienten profitieren von Bestrahlungen mit Rotlicht oder Akupunktur.

Prognose

Die Erkrankung kann unterschiedlich ausgeprägt sein und in einigen Fällen mit Medikamenten geheilt werden. Sofern sich eine zugrunde liegende Krankheit heilen lässt, ist die Prognose gut, ansonsten bleiben die Beschwerden häufig lange Zeit bestehen.

Weiterführende Informationen

Illustrationen

Nase mit Nasenmuscheln und Nebenhöhlen
Nase mit Nasenmuscheln und Nebenhöhlen

Autoren

  • Susanne Meinrenken, Dr. med., Medizinjournalistin, Bremen