Chronische Sinusitis (Nebenhöhlenentzündung)

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Fakten zur chronischen Sinusitis

  • Bei einer Nasennebenhöhlenentzündung, die auch als Nebenhöhlenentzündung oder Sinusitis bezeichnet wird, schwellen die Schleimhäute von Nase und Nebenhöhlen an. Das produzierte Sekret wird zunehmend zähflüssig und kann schließlich oft nicht mehr aus der Nase abfließen. Eine Nebenhöhlenentzündung gilt als chronisch, wenn sie trotz Behandlung nach drei Monaten noch nicht ausgeheilt ist oder sehr häufig wiederkehrt.
  • Besonders anfällig sind Personen, bei denen ein allergischer Schnupfen oder Polypen in der Nase vorliegen, also Wucherungen der Nasenschleimhaut. Auch bei bestimmten Grunderkrankungen kommt eine chronische Sinusitis häufig vor.
  • Typische Symptome sind eine verstopfte Nase und ein vermehrter Ausfluss von Nasensekret, das manchmal unangenehm riecht. Der Geruchssinn ist beeinträchtigt. Meist treten Schmerzen im Bereich der Wangen oder Stirn auf.
  • Eine chronische Nebenhöhlenentzündung heilt nur selten vollständig aus. Das Ziel der Behandlung besteht darin, die Symptome zu lindern.
  • Häufig wird durch das Spülen mit Kochsalzlösung eine deutliche Besserung erzielt. Zur Behandlung gehört meist auch die Anwendung eines kortisonhaltigen Nasensprays.

Was ist eine chronische Nebenhöhlenentzündung?

Nebenhöhlen

Bei den Nebenhöhlen handelt es sich um luftgefüllte Hohlräume in den die Nase umgebenden Knochen. Sie sind mit einer dünnen Schleimhaut ausgekleidet, die normalerweise geringe Mengen eines Sekrets absondert: Dieses Sekret sorgt dafür, dass in den Hohlräumen ein ausreichend feuchtes Klima herrscht und Schadstoffe abtransportiert werden. Alle Nebenhöhle sind über je eine enge Öffnung mit der Nasenhöhle verbunden.

Bei einer Infektion von Nase und Nebenhöhlen schwellen die Schleimhäute an und produzieren ein zunehmend zähflüssiges Sekret, daher verstopfen im Verlauf oft die Verbindungsgänge zwischen Nase und Nebenhöhlen. Der dadurch erhöhte Druck in den Nebenhöhlen wird als Schmerz wahrgenommen.

Man unterscheidet zwischen akuter und chronischer Nebenhöhlenentzündung. Eine Nebenhöhlenentzündung gilt als chronisch, wenn sie entweder trotz Behandlung nach drei Monaten noch nicht ausgeheilt ist oder wenn eine Person innerhalb von einem Jahr 4-mal an einer akuten Sinusitis erkrankt und zwischenzeitlich gesund ist. 

Man unterscheidet im Wesentlichen zwei Formen der chronischen Nebenhöhlenentzündung:

  • Ohne Nasenpolypen; dies ist die häufigste Form.
  • Mit Vorhandensein von Nasenpolypen; hierbei handelt es sich um kleine Ausstülpungen der Nasenschleimhaut. Bei etwa einem Drittel aller Patienten mit chronischer Nebenhöhlenentzündung liegen Nasenpolypen vor.

Chronische Nebenhöhlenentzündungen treten in höherem Alter häufiger auf, mehr Frauen als Männer sind davon betroffen.

Ursache

Eine chronische Nebenhöhlenentzündung kann relativ schnell entstehen, z. B. infolge einer Infektion der oberen Atemwege oder einer akuten Nebenhöhlenentzündung, die nicht ausheilt. Es ist aber auch möglich, dass sich die Erkrankung über einen langen Zeitraum entwickelt.

Bei einer akuten Nebenhöhlenentzündung gelangen Bakterien oder Viren aus der Nase in die Nebenhöhlen. Dies geschieht meist im Zusammenhang mit einer Erkältung. Nach einer solchen akuten Nebenhöhlenentzündung wird Eiter manchmal nicht vollständig aus den Nebenhöhlen abtransportiert, weil die Verbindungsgänge zwischen Nebenhöhle und Nase so eng sind.

Dadurch kann es immer wieder zu Entzündungen kommen, die auf Dauer zu einer Schädigung der Schleimhaut führen können. Wenn die Schleimhaut erst geschädigt ist, sinkt die Widerstandskraft gegen neue Infektionen, und die Entzündung wird chronisch.

Personen, bei denen es durch Nasenpolypen oder allergischen Schnupfen schneller zu einer Verstopfung von Nase und Nebenhöhlen kommen kann, sind gehäuft von Nebenhöhlenentzündungen betroffen. Auch Rauchen erhöht das Risiko.

Personen mit Erkrankungen des Immunsystems oder chronischen Lungenkrankheiten erkranken ebenfalls häufiger als andere an einer chronischen Sinusitis.

Diagnostik

Typisch für eine chronische Nebenhöhlenentzündung sind eine dauerhaft verstopfte Nase und ein anhaltender Ausfluss von Nasensekret. Meist treten auch pochende Schmerzen im Bereich von Wangen und/oder Stirn auf, die beim Vorbeugen stärker werden. Bei manchen Patienten lässt der Geruchssinn nach.

Das Nasensekret kann durch die Nase nach hinten in den Rachenraum fließen. Dies löst häufig Husten aus, der nachts oder morgens am stärksten ist. Eitriges Nasensekret kann faulig riechen und einen unangenehmen Geschmack im Mund verursachen.

Fieber ist eine häufige Begleiterscheinung akuter Nebenhöhlenentzündungen, bei einem chronischen Verlauf dagegen eher ungewöhnlich. Auch Zahnschmerzen im Bereich des Oberkiefers können auftreten.

Wegen der anhaltenden Beschwerden können die Betroffenen oft schlecht schlafen.

Bei der Untersuchung wird der Arzt genau nach den Beschwerden fragen und die Nase sorgfältig untersuchen, meist mittels einer Spiegelung (Endoskopie). Es können auch Ultraschalluntersuchungen oder auch eine Computertomografie (CT) der Nebenhöhlen angezeigt sein, um das Ausmaß der Entzündung und evtl. weitere Auffälligkeiten der Nebenhöhlen festzustellen. In manchen Fällen ist auch eine Magnetresonanztomografie (MRT) hilfreich. Auch bestimmte Blutuntersuchungen können angezeigt sein.

Hat der Arzt den Verdacht auf eine zusätzlich vorliegende Allergie (z.B. Asthma, Heuschnupfen), wird er allergische Tests anordnen, um diese genauer abzuklären.

Häufig wird der Hausarzt als erster die Diagnose chronische Sinusitis stellen. Falls die Erkrankung hartnäckig ist und/oder zusätzliche Beschwerden (z.B. starke Erschöpfung, Sehstörungen) auftreten, erfolgt meist einer Überweisung zum Spezialisten (HNO-Arzt).

Therapie

Eine chronische Nebenhöhlenentzündung verläuft meist sehr langwierig. Die Symptome liegen dauerhaft vor oder treten immer wieder auf. Die Therapie zielt daher auf die Linderung der Beschwerden und eine Verbesserung der Lebensqualität ab. Die wichtigsten Maßnahmen bestehen darin, den Verengungen im Bereich der Nase entgegenzuwirken, eine eventuelle bakterielle Infektion zu heilen und weiteren Komplikationen (wie einer Ausbreitung der Infektion) vorzubeugen.

Falls Sie rauchen, ist es in jedem Fall sinnvoll damit aufzuhören. Tägliche Nasenspülungen mit Kochsalzlösung, die den Abtransport von Schleim und anderen Störfaktoren fördern, haben sich in wissenschaftlichen Studien als sichere und wirksame Behandlung herausgestellt. Auch abschwellende Nasensprays oder -tropfen können die Beschwerden lindern, dürfen aber jeweils nicht länger als eine Woche am Stück angewendet werden. Wenn Sie solche Medikamente zu lange oder zu oft anwenden, kann sich eine sogenannte Arzneimittel-Rhinitis entwickeln, bei der die Nase infolge der abschwellenden Medikamente chronisch verstopft ist.

Kortisonhaltige Nasensprays können die Beschwerden wirksam lindern und sind daher oft ein Bestandteil der Behandlung. Bei sehr starken Beschwerden, wird manchmal auch eine befristete Einnahme von Kortisontabletten verordnet. Liegt zusätzlich eine Allergie vor, sind entsprechende Antiallergika sinnvoll.

Antibiotika kommen heute nur noch zum Einsatz, wenn eine bakterielle Infektion zu einer deutlichen Verschlechterung und/oder hohem Fieber führt. Auch für Patienten mit anderen schweren Grundkrankheiten (v.a. Immunschwäche) ist eine Antibiotikatherapie oft wichtig.

Bei manchen Patienten mit chronischer Sinusitis verschlechtern sich die Symptome nach Einnahme von Acetylsalicylsäure (ASS) oder anderen ähnlichen Schmerzmitteln (Überempfindlichkeitsreaktion). Ist dies der Fall, sollte man diese Medikamente zunächst meiden. Manchmal ist es jedoch möglich, diese Überempfindlichkeit zu durchbrechen, indem der Arzt gezielt die Gabe von ASS in kleinen Mengen verordnet. Hierüber kann der Arzt Sie informieren. 

Wenn sich die Beschwerden trotz konventioneller Therapie nicht bessern, kann ggf. eine operative Entfernung von Polypen oder eine andere Operation erforderlich sein, die die Belüftung der Nebenhöhlen verbessert. Manchmal reicht auch ein einfacher Eingriff aus, durch den die Verbindungsgänge zu den Nebenhöhlen erweitert werden.

Prognose

Obwohl eine chronische Nebenhöhlenentzündung nur selten vollständig geheilt wird, kann die richtige Behandlung die Symptome lindern und die Lebensqualität deutlich verbessern. Die optimale Therapie zielt darauf ab, die Ursache der chronischen Entzündung zu finden und nach Möglichkeit zu behandeln.

Weiterführende Informationen

Autoren

  • Susanne Meinrenken, Dr. med., Medizinjournalistin, Bremen

 

Literatur

Dieser Artikel basiert auf dem Fachartikel Sinusitis, chronische. Nachfolgend finden Sie die Literaturliste aus diesem Dokument.

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