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Herpangina

Bei der Herpangina handelt es sich um eine Infektion der oberen Atemwege, die charakteristische Veränderungen der Schleimhaut im hinteren Rachenraum verursacht.

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Was ist eine Herpangina?

Als Herpangina bezeichnet man eine akute fieberhafte Erkrankung, die von einer Rachen- und Gaumenentzündung sowie von Bläschenbildung in der Mundhöhle gekennzeichnet ist.1 Sie stellt eine von mehreren Formen dar, in der sich eine Infektion mit Enteroviren äußern kann. Neben den Symptomen in der Mundhöhle sind auch Ausschläge in anderen Körperregionen möglich. In Ausnahmefällen können die Viren, die eine Herpangina verursachen, auch eine Hirnhaut- oder Gehirnentzündung auslösen.

Laut Studien tritt die Herpangina am häufigsten im Sommer und bei Kindern im Kindergartenalter auf. Grundsätzlich können aber auch Neugeborene, Jugendliche und junge Erwachsene betroffen sein. Vergleichbare Infektionen mit Enteroviren kommen weltweit vor.

Ursache

Bei der Herpangina handelt es sich um eine Form der Halsentzündung, die von verschiedenen Enteroviren verursacht wird. Am häufigsten wird die Infektion von verschiedenen Arten des Coxsackie-Virus ausgelöst, aber an einer schweren Epidemie in Taiwan war vor einigen Jahren auch das humane Enterovirus 71 beteiligt.2

Die Herpangina ist eine hoch ansteckende Erkrankung. Das verursachende Virus wird mit den Händen (vom Enddarm zum Mund) oder über die Atemwege (von Mund zu Mund) übertragen. Die Inkubationszeit beträgt 4–14 Tage. Nach dem Abklingen der äußerlichen Symptome kann zunächst noch eine Infektion des Magen-Darm-Traktes fortbestehen, die meist jedoch keine Symptome auslöst.

Diagnostik

Bei der Herpangina handelt es sich um eine Infektion der oberen Atemwege, die charakteristische Veränderungen der Schleimhaut im hinteren Rachenraum verursacht. Rund die Hälfte aller Infektionen mit Enteroviren verläuft allerdings ganz ohne Symptome. Je nach Untertyp des verursachenden Virus kann sich die Erkrankung unterschiedlich äußern.

Alle Infektionen mit Enteroviren können hohes Fieber auslösen, das häufig das erste Symptom ist. Außerdem treten häufig Abgeschlagenheit, Halsschmerzen und Schluckbeschwerden auf. Einige wenige bis 24 Stunden später bildet sich typischerweise ein Ausschlag der Rachenschleimhaut heraus. Bei älteren Kindern kommen ggf. Kopf- und Rückenschmerzen hinzu. Manchmal treten auch Appetitlosigkeit, Übelkeit und Bauchschmerzen auf. Eventuell entwickelt sich ein nicht juckender Hautausschlag, dessen Aussehen je nach verursachendem Virus unterschiedlich sein kann. 

Die Veränderungen der Mundschleimhaut können den vorderen Gaumenbogen, das Gaumensegel, das Zäpfchen, die Mandeln, die hintere Rachenwand und vereinzelt auch die Zunge betreffen. In den nicht befallenen Bereichen der Mundhöhle sieht die Mundschleimhaut dagegen normal aus. Die Schleimhautveränderungen zeigen sich zunächst als kleine rote Flecken und schwellen später etwas an. Im Verlauf füllen sich diese Bläschen mit Flüssigkeit, platzen in der Mitte, werden gelblich und sind dann von einem roten Ring umgeben. In der Regel haben die so entstandenen Flecken einen Durchmesser von etwa 2 mm. Wie auch bei anderen Halsinfektionen sind die außen am Hals tastbaren Lymphknoten häufig geschwollen.

Weitere Untersuchungen sind in der Regel nicht erforderlich.

Therapie

Die Herpangina heilt von selbst aus und bedarf keiner spezifischen Behandlung. Es ist hilfreich, genügend zu trinken, mit Tee oder leicht gesalzenem Wasser zu gurgeln, erfrischende Bonbons zu lutschen und sich auszuruhen. Falls Raucher im Haus sind, sollten diese nur draußen rauchen; eine Befeuchtung der Raumluft kann auch sinnvoll sein. Bei hohem Fieber und schlechtem Allgemeinzustand können fiebersenkende Medikamente, wie z. B. Paracetamol, für Linderung sorgen.

Prognose

Die Herpangina ist eine harmlose Erkrankung, die von selbst ausheilt. Die Schleimhautveränderungen im Rachenraum bilden sich in der Regel innerhalb von 3–5 Tagen zurück. Zu Komplikationen kommt es äußerst selten. Daher kann von einer sehr guten Prognose ausgegangen werden.

Weitere Informationen

Autoren

  • Susanne Meinrenken. Dr. med., Bremen

Literatur

Dieser Artikel basiert auf dem Fachartikel Herpangina. Nachfolgend finden Sie die Literaturliste aus diesem Dokument.

  1. Deutsche Gesellschaft für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde, Kopf- und Hals-Chirurgie. Entzündliche Erkrankungen der Gaumenmandeln / Tonsillitis, Therapie. AWMF-Leitlinie Nr. 017-024, Stand 2015 www.awmf.org
  2. Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin. Halsschmerzen. AWMF-Leitlinie Nr. 053-010, Stand 2009. www.awmf.org
  3. Tsai JD, Kuo HT, Chen SM, et al. Neurological images and the predictors for neurological sequelae of epidemic herpangina/hand-foot-mouth disease with encephalomyelitis. Neuropediatrics. 2014; 45: 102-8. PMID: 24258524 PubMed