Mögliche Spätfolgen einer Mandelentzündung

Eine durch Streptokokken verursachte Mandelentzündung kann entzündliche Reaktionen in Herz, Nieren oder Gelenken nach sich ziehen. Diese Erkrankungen sind in Deutschland heute sehr selten.

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Welche Spätfolgen kann eine Mandelentzündung haben?

Eitrige Mandelentzündungen (Streptokokkeninfektionen des Halses) und Scharlach werden durch beta-hämolysierende Streptokokken der Gruppe A verursacht. Diese Bakterien können auch Erkrankungen wie rheumatisches Fieber, reaktive Arthritis, PANDAS und akute Nierenentzündung (Poststreptokokken-Glomerulonephritis) auslösen. „Poststreptokokken-“ bedeutet dabei „nach einer Streptokokkeninfektion“. Nierenentzündungen können auch nach Hautinfektionen mit Streptokokken auftreten.

Spätfolgen nach Streptokokkeninfektionen sind in Deutschland heute sehr selten, da die Bakterienstämme, die diese Komplikationen verursachen können, seltener werden. In den Entwicklungsländern kommen diese Erkrankungen aber immer noch häufig vor. Akutes rheumatisches Fieber, PANDAS und Poststreptokokken-Glomerulonephritis treten in erster Linie bei Kindern auf.

Ursachen

Beta-hämolysierende Streptokokken der Gruppe A führen zunächst zu einer akuten Infektion (z. B. Mandelentzündung). Als Reaktion auf die ursprüngliche Infektion bildet das körpereigene Immunsystem Antikörper gegen verschiedene Bestandteile der A-Streptokokken. Später verwechselt das Immunsystem dann Teile des körpereigenen Gewebes mit diesen Bakterien. Da die Antikörper also eigentlich gesundes Gewebe angreifen, spricht man hier von einer Autoimmunerkrankung.

Am stärksten gefährdet sind dabei bestimmte Gewebearten in Herz, Gelenken und Nieren. Wenn die Antikörper körpereigenes Gewebe angreifen, kommt es in Herz, Gelenken und Nieren zu entzündlichen Reaktionen, die typischerweise wenige Wochen nach einer Infektion mit Streptokokken auftreten.

Vorbeugung

Die Folgeerkrankungen von Streptokokkeninfektionen sind in Deutschland heute sehr selten. Sicher spielen ein hoher Lebensstandard und gute hygienische Bedingungen eine Rolle. Außerdem wird ein Zusammenhang mit dem Einsatz von Antibiotika vermutet. In vielen Fällen von eitriger Mandelentzündung und Scharlach wird Penicillin verordnet, was in der Vergangenheit zu einem Rückgang des rheumatischen Fiebers geführt hat. Ob Antibiotika auch das Risiko von Nierenentzündungen oder PANDAS verringern, ist dagegen weniger gesichert.

Da die Bakterienstämme, die zu Komplikationen führen könnten, in den westlichen Industrieländern sehr selten vorkommen, wird die routinemäßige Gabe von Antibiotika bei von Streptokokken verursachten Halsentzündungen nicht empfohlen. Antibiotika werden jedoch bei vorliegenden Risikofaktoren und schweren Verläufen verschrieben.

Akutes rheumatisches Fieber

Das rheumatische Fieber betrifft überwiegend Kinder ab dem 5. Lebensjahr mit einem Häufigkeitsgipfel im 10. Lebensjahr. Die Erkrankung tritt heute fast nur noch in Entwicklungsländern auf. In Deutschland kommt sie nur selten vor.

Das rheumatische Fieber ist eine akute fieberhafte Erkrankung, die etwa 3 Wochen nach einer Streptokokkeninfektion im Hals oder Scharlach ausbricht. Neben Fieber und Abgeschlagenheit kommt es häufig zu Entzündungen der großen Gelenke, die meist in den Beinen beginnen und im Verlauf auch auf die Arme übergreifen. Häufig verweilt die Entzündung einige Tage in einem Gelenk, verlagert sich dann in ein anderes Gelenk. Meist sind Kniegelenke, Knöchel, Ellenbogen oder Handgelenk betroffen. Die Gelenke sind geschwollen, warm, druckempfindlich und schmerzen bei Bewegung. Die Gelenkentzündung dauert bis zu 4 Wochen und heilt in der Regel vollständig aus.

Darüber hinaus liegen in 50–70 % der Fälle Symptome einer Entzündung des Herzens vor, die den Herzbeutel (bei Perikarditis), den Herzmuskel (bei Myokarditis) oder die Herzinnenhaut (bei Endokarditis) betreffen kann. Mögliche Anzeichen einer solchen Entzündung sind AtemnotSchmerzen in der BrustHerzklopfen und Herzrasen sowie verminderte Belastbarkeit. Langfristig kann sich ein Herzklappenfehler entwickeln und zu Herzschwäche führen.

Am Körper kann sich ein ringförmiger Ausschlag zeigen, gelegentlich treten auch Knötchen unter der Haut auf.

Manche Kinder führen plötzlich blitzartige, unkontrollierte Bewegungen aus (Chorea minor). Weitere mögliche Symptome sind Muskelschwäche und psychische Störungen. Die Chorea minor heilt in der Regel von selbst aus und erstreckt sich meist über 2–3 Monate. Sie betrifft 10–30 % der Patient*innen und kann auch als einziges Symptom auftreten.

Die Symptome des rheumatischen Fiebers können unterschiedlich stark ausgeprägt sein und in verschiedenen Kombinationen auftreten. Die akute Phase der Erkrankung dauert unbehandelt Wochen bis Monate. Eine Schädigung der Herzklappen kann jedoch chronisch werden und eine Verschlechterung des Allgemeinzustands mit sich bringen.

Das rheumatische Fieber wird mit Antibiotika behandelt, meist mit Penicillin für 10 Tage, um die Streptokokken zu beseitigen. Die Entzündung der Gelenke wird mit entzündungshemmenden Medikamenten (NSAR) behandelt. Bei einer Entzündung des Herzens wird zusätzlich Kortison gegeben. Symptome einer Chorea minor können ggf. mit Antiepileptika behandelt werden.

Poststreptokokken-reaktive Arthritis

Auch hierbei handelt es sich um eine Form der Gelenkentzündung, die sich aber von der bei akutem rheumatischem Fieber unterscheidet. Die Entzündung der Gelenke ist in der Regel stärker ausgeprägt als beim rheumatischen Fieber. Zwischen der akuten Streptokokkeninfektion und dem Ausbruch einer Poststreptokokken-reaktiven Arthritis liegen meist 1–2 Wochen.

PANDAS

Bei manchen Kindern lautet die Diagnose PANDAS (pädiatrische autoimmun-neuropsychiatrische Störungen): Damit ist eine Autoimmunerkrankung mit zugrunde liegender Streptokokkeninfektion im Kindesalter gemeint. Hierbei handelt es sich um eine Entzündung in bestimmten Hirnregionen, den Basalganglien. Bei betroffenen Kindern treten nach einer ausgestandenen Streptokokkeninfektion plötzlich Zwangsstörungen oder Tics auf. Dazu können Angst, Schlafstörungen und Symptome einer ADHS kommen. Die Erkrankung ist selten und tritt zwischen dem 3. Lebensjahr und der Pubertät auf.

Zur Behandlung der Streptokokkeninfektion werden Antibiotika gegeben. Die Zwangsstörung wird mit Psychotherapie und Medikamenten (z. B. SSRI-Antidepressiva) behandelt.

Poststreptokokken-Glomerulonephritis

Dies ist eine der häufigsten Ursachen einer akuten Nierenentzündung (Glomerulonephritis) bei Kindern. In den westlichen Industrieländern ist die Erkrankung mittlerweile sehr selten. Die Poststreptokokken-Glomerulonephritis tritt meist im Alter von 2–12 Jahren auf. Sie bricht etwa 10 Tage nach einer Streptokokkeninfektion des Halses oder 3 Wochen nach einer Streptokokkeninfektion der Haut aus. In vielen Fällen löst diese Komplikation lediglich leichte Beschwerden aus.

Bei einer akuten Nierenentzündung wird weniger Urin produziert und Blut und Eiweiß treten im Urin auf. Wasseransammlungen im Gewebe (Ödeme) und Bluthochdruck können vorkommen. Weitere typische Symptome sind Kopfschmerzen, Appetitlosigkeit, Übelkeit, Erbrechen und Abgeschlagenheit. Manchmal treten seitlich am Rumpf oder am hinteren Rücken Schmerzen auf.

Die Streptokokkeninfektion wird mit Antibiotika behandelt. Zur Behandlung der Symptome der Nierenentzündung stehen ebenfalls Medikamente zur Verfügung.

Für die meisten Betroffenen ist die Prognose gut. In über 95 % der Fälle heilt die Erkrankung von selbst aus und ist die normale Nierenfunktion nach etwa 4 Wochen wiederhergestellt, ohne dass Schäden an den Nieren zurückbleiben.

Weitere Informationen

Autor*innen

  • Martina Bujard, Wissenschaftsjournalistin, Wiesbaden

Literatur

Dieser Artikel basiert auf dem Fachartikel Poststreptokokken-Erkrankungen. Nachfolgend finden Sie die Literaturliste aus diesem Dokument.

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