Vergrößerte Mandeln (Tonsillenhyperplasie)

Vergrößerte oder hypertrophe Mandeln (Tonsillen) sind besonders bei Kleinkindern keine Seltenheit. Mit zunehmendem Lebensalter werden die Mandeln auch im Verhältnis zur Körpergröße kleiner, und meist gehen die Beschwerden zurück. Dies gilt jedoch nicht für alle Personen, und manchmal kommt es mit dieser Besonderheit immer wieder zu Mandelentzündungen oder anderen Beschwerden. In diesem Fall kann eine operative Entfernung der Mandeln notwendig werden.

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Was ist eine Tonsillenhypertrophie?

Bei den Tonsillen handelt es sich um die Gaumenmandeln, die im allgemeinen Sprachgebrauch meist einfach als Mandeln bezeichnet werden. Es handelt sich um Gewebe beidseits im Rachen zwischen den Gaumenbögen, das Teil des Immunsystems ist und daher eine Funktion bei der Abwehr vn Krankheitserregern hat. Bei einer Mandelentzündung vergrößern die Mandeln sich, nehmen aber danach meist wieder ihre normale Größe an.

Bei einer Tonsillenhypertrophie sind die Mandeln dagegen auch dann vergrößert, also hypertroph, wenn keine akute Infektion vorliegt. Die Mandeln sind meist ganz gut zu erkennen, füllen jedoch bei einer Hypertrophie den Raum zur Luftröhre immer mehr aus. Bei enormer Vergrößerung können sie von rechts und/oder links so weit zur Mitte reichen, dass sie an das sonst frei liegende Zäpfchen stoßen. Daher können Betroffene mit vergrößerten Mandeln (auch ohne Mandelentzündung) an z. B. Schluckbeschwerden, Atemproblemen und Schmerzen im Bereich des Kiefergelenks oder Ohrs leiden.

Vergrößerte Mandeln sind insbesondere bei Kindern im Alter von 2–6 Jahren relativ weit verbreitet; die Tonsillen erreichen ihre maximale Größe bei 10-jährigen Kindern. Eventuelle Probleme wachsen sich bei älteren Kindern dann häufig aus, da die Mandeln selbst dann nur wenig wachsen und ihre Größe im Verhältnis zur Gesamtkörpergröße abnimmt. So können die Mandeln bei einem Kleinkind enorm groß erscheinen, während Mandeln der gleichen Größe bei einem Erwachsenen kaum auffallen.

Diagnostik

Bei den meisten Personen mit vergrößerten Mandeln kommt es etwas häufiger als im Durchschnitt zu Mandelentzündungen. Manchmal können vergrößerte Mandeln auch zu einer groben und unartikulierten („kloßigen“) Sprache führen. In einigen Fällen sind die Mandeln so groß, dass sie Schluckbeschwerden oder auch Atemprobleme verursachen. Ein solchermaßen verengter Rachenraum löst häufig Schlafstörungen aus.

Vergrößerte Mandeln sind bei einer normalen Inspektion des Rachens bei weit geöffnetem Mund leicht zu erkennen. Der Arzt wird prüfen, ob die Mandeln und die umgebende Haut zusätzlich gerötet/entzündet ist oder ob die Mandeln eitrig belegt sind.

Therapie

Vergrößerte Mandeln können zeitweilig erhebliche Beschwerden verursachen, die aber in der Regel vorübergehender Natur sind. Da sich das Problem bei vielen Kindern mit dem Alter ergibt, wird mit einer Operation meist so lange wie möglich gewartet.

Eine Operation wird aber empfohlen, wenn eine der folgenden Bedingungen gegeben ist:

  • Über einen Zeitraum von 12 Monaten sind mehr als fünf eitrige Mandelentzündungen diagnostiziert und antibiotisch behandelt worden.
  • Die Mandeln sind so stark vergrößert, dass Nahrungsaufnahme und Allgemeinzustand beeinträchtigt sind.
  • Die Mandeln sind so stark vergrößert, dass die Atmung im Schlaf beeinträchtigt ist.

Die operative Entfernung der Mandeln erfolgt unter Vollnarkose. Bei der Operation kann der Arzt die Mandeln entweder als Ganzes entfernen oder Anteile herausschneiden. Die anschließenden Schmerzen lassen sich mit Schmerzmitteln in der Regel gut behandeln und die Wunde heilt nach einigen Tagen. Es kann allerdings zu Nachblutungen (auch lebensgefährlichen), Infektionen oder auch Gewebeverletzungen im Rahmen der Operation kommen; eine sorgfältige Nachbeobachtung des Operierten ist also wichtig. Bei <10 % kommt es nach dem Eingriff erneut zu vergrößerten Mandeln, aber etwa nur die Hälfte dieser Patienten muss erneut operiert werden.  

Weitere Informationen

Autoren

  • Susanne Meinrenken, Dr. med., Bremen

Literatur

Dieser Artikel basiert auf dem Fachartikel Tonsillenhyperplasie. Nachfolgend finden Sie die Literaturliste aus diesem Dokument.

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  2. Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin. Halsschmerzen. AWMF-Leitlinie Nr. 053-010, Stand 2009. www.awmf.org
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