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Rachenentzündung (Pharyngitis)

Bei der Rachenentzündung oder Pharyngitis handelt es sich um eine leichte Form der Mandelentzündung, die in den allermeisten Fällen durch Viren verursacht ist. Die Erkrankung heilt von selbst aus, wird nicht mit Antibiotika behandelt und ist in der Regel nach drei bis vier Tagen ausgestanden.

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Was ist eine Pharyngitis?

Im allgemeinen Sprachgebrauch wird die Pharyngitis als Hals- oder Rachenentzündung bezeichnet. Hierbei führt ein nicht bakterieller Infekt dazu, dass sich die Schleimhäute im Rachen entzünden, also der hintere Bereich der Mundhöhle, das Gaumensegel, die Mandeln und die Rachenwände.

Rachenentzündungen kommen sehr häufig vor. Wenn Sie heiser werden oder keine Stimme mehr haben, hat sich die Entzündung auf die tiefer liegende Umgebung der Stimmbänder ausgeweitet. In diesem Fall liegt eine Kehlkopfentzündung oder Laryngitis vor. Manchmal ist eine Rachenentzündung die Vorstufe einer eitrigen Mandelentzündung.

Ursache

Fast alle Rachenentzündungen gehen auf eine Infektion mit normalen Erkältungsviren zurück. Grundsätzlich kann die Entzündung aber auch von einigen anderen Viren ausgelöst werden. Manchmal sind auch Bakterien an der Erkrankung beteiligt, die sich dann zu einer behandlungsbedürftigen Mandelentzündung ausweiten kann.

Diagnostik

Nase und Rachen sind typischerweise trocken und gereizt, manchmal begleitet von Juckreiz. Der Rachen fühlt sich zunehmend wund an, und das Schlucken kann unangenehm oder schmerzhaft sein. Weitere verbreitete Symptome sind Husten, Schnupfen und Ohrenschmerzen. Ein schlechter Allgemeinzustand ist eher die Ausnahme.

Wenn die Symptome im Rachen stärker werden und sich der Allgemeinzustand deutlich verschlechtert, ggf. begleitet von hohem Fieber, ist die harmlose Rachenentzündung vermutlich in eine behandlungsbedürftige bakterielle Infektion übergegangen.

Für die Diagnose ist meist eine einfache Begutachtung des Rachenraums ausreichend. Schwieriger lässt sich dagegen feststellen, ob der Infektion Viren oder Bakterien zugrunde liegen: Hier kann ein Rachenabstrich Klärung bringen, der auf A-Streptokokken untersucht wird.

Therapie

Die allermeisten Rachenentzündungen heilen von selbst vollständig aus. Wenn der Infekt durch Viren verursacht ist, erzielen Medikamente keine nennenswerte Besserung. Auch bestimmte bakterielle Infektionen des Halses bedürfen keiner Behandlung, da sie in der Regel von selbst heilen. Ein schlechter Allgemeinzustand mit Fieber, Halsschmerzen und ggf. Belägen im Rachenraum lässt dagegen eine eitrige Mandelentzündung vermuten, bei der eine Behandlung mit Penicillin angeraten ist. Wenn der Erkrankung aber Viren zugrunde liegen, kann das Immunsystem diese in aller Regel selbst unschädlich machen.

Bei den allermeisten Rachenentzündungen sollten also keine Antibiotika eingesetzt werden.

Manchmal kann es aber sinnvoll sein, vorübergehend fiebersenkende oder schmerzlindernde Medikamente wie z. B. Paracetamol einzunehmen. Außerdem fördern Sie die Heilung, wenn Sie einige Tage lang größere körperliche Anstrengungen meiden. Wenn Sie Fieber haben, sollten Sie zuhause bleiben und sich schonen. Nach drei bis vier Tagen tritt meist eine deutliche Besserung ein, und nach einer Woche sind fast alle Patienten vollständig genesen.

Kindertagesbetreuung

Sofern das Fieber unter 38 Grad bleibt und der Allgemeinzustand nicht beeinträchtigt ist, können Kinder die Kindertagesstätte o. Ä. besuchen. Wenn eine Streptokokkeninfektion nachgewiesen und eine Penicillintherapie eingeleitet wurde, liegt ab dem Tag nach Beginn der Behandlung keine Ansteckungsgefahr mehr vor.

Weiterführende Informationen

Autoren

  • Philipp Ollenschläger, Medizinjournalist, Köln

Literatur

Dieser Artikel basiert auf dem Fachartikel Pharyngitis. Nachfolgend finden Sie die Literaturliste aus diesem Dokument.

  1. Vincent MT, Celestin N, Hussain AN. Pharyngitis. Am Fam Physician 2004; 69: 1465-70. PubMed
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  3. Little P, Hobbs FD, Moore M. et al. Clinical score and rapid antigen detection test to guide antibiotic use for sore throats: randomised controlled trial of PRISM (primary care streptococcal management). BMJ 2013; 347: f5806. doi:10.1136/bmj.f5806 DOI
  4. Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin. Halsschmerzen. AWMF-Leitlinie Nr. 053-010, Stand 2009. www.awmf.org
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  6. Sharland M, Kendall H, Yeates D, et al. Antibiotic prescribing in general practice and hospital admissions for peritonsillar abscess, mastoiditis, and rheumatic fever in children: time trend analysis. BMJ 2006; 331: 328-9. British Medical Journal