Rachenentzündung

Der Rachen erstreckt sich vom Nasenrachen bis hinunter zum Schlundrachen mit Luft- und Speiseröhre. Der Rachen wird in den oberen, mittleren und unteren Rachenraum unterteilt. Racheninfektionen sind häufig; sie werden durch Viren oder Bakterien verursacht.

Deximed – Deutsche Experteninformation Medizin

"Deximed ist für mich eine große Hilfe, um im Praxisalltag schnell aktuelles Wissen zur Therapie oder Diagnostik nachschlagen zu können. Die übersichtliche Struktur ermöglicht es, sogar im Patientenkontakt rasch etwas nachzulesen." - PD Dr. med. Guido Schmiemann, Facharzt für Allgemeinmedizin, Bremen

Deximed ist ein unabhängiges Arztinformationssystem mit Fokussierung auf die primärärztliche Versorgung. Evidenzbasierte und regelmäßig aktualisierte Artikel zu allen medizinischen Gebieten zeichnen Deximed aus.

Mehr erfahren
qr-code_39162.png

Im hinteren Bereich der Mundhöhle sind rechts und links vom Gaumensegel größere Lymphdrüsen, die Tonsillen, angeordnet, die im Volksmund als Mandeln bezeichnet werden. Der Rachen erstreckt sich vom hinteren Bereich der Nase und des Mundes bis hinunter zur Luft- und Speiseröhre. Wenn wir atmen, fließt die Luft auf dem Weg in die Lungen und zurück auch durch den Rachen. Wenn wir schlucken, wird die Nahrung in die Speiseröhre transportiert, während der Kehldeckel (Epiglottis) die Luftröhre verschließt. Die Stimmbänder, im Kehlkopf (Larynx), im unteren Teil des Rachens straffen und entspannen sich, während die Luft hindurchströmt, wodurch der Mensch Laute bilden und sprechen kann.

Blick in den geöffneten Mund
Blick in den geöffneten Mund
Nase mit Conchae und Nebenhöhlen
Nasen- und Mundraum mit Übergang in den Rachen (seitliches Schnittbild)
Spiegeluntersuchung des oberen Teils des Rachens.
Mit einer Lichtquelle und einem Spatel kann die Ärztin/der Arzt Mund und Rachen untersuchen (Spiegelung).
Stimmbaender offen.jpg
Kehlkopfspiegelung: Blick weit in den Rachenraum auf den Kehlkopf mit Stimmbändern

Erkrankungen im Rachen

Meist handelt es sich bei Erkrankungen im Rachen um Infektionen.

Infektion durch Viren

Die fachsprachlich als Pharyngitis bezeichnete Krankkeit ist eine Hals- oder Racheninfektion. In den meisten Fällen handelt es sich um eine Infektion durch Viren (übliche Erkältungsviren), die dazu führt, dass sich die Schleimhäute im Rachen entzünden, also der hintere Bereich der Mundhöhle, das Gaumensegel, die Mandeln und die Rachenwände.

Racheninfektionen kommen sehr häufig vor. Wenn Sie heiser werden oder keine Stimme mehr haben, hat sich die Infektion auf die tiefer liegende Umgebung der Stimmbänder ausgeweitet. In diesem Fall liegt eine Kehlkopfentzündung oder Laryngitis vor. Manchmal ist eine Rachenentzündung die Vorstufe einer eitrigen Mandelentzündung (s. unten).

Bei einer durch Viren bedingten Pharygitis ist die Schleimhaut von Nase und Rachen typischerweise trocken und gereizt, manchmal begleitet von Juckreiz. Der Rachen fühlt sich zunehmend wund an, und das Schlucken kann unangenehm oder schmerzhaft sein. Weitere verbreitete Symptome sind Husten, Schnupfen und Ohrenschmerzen. Ein schlechter Allgemeinzustand ist eher die Ausnahme.

Wenn die Symptome im Rachen stärker werden und sich der Allgemeinzustand deutlich verschlechtert, ggf. begleitet von hohem Fieber, ist die harmlose Rachenentzündung vermutlich in eine behandlungsbedürftige bakterielle Infektion übergegangen.

Für die Diagnose ist meist eine einfache Begutachtung des Rachenraums ausreichend. Schwieriger lässt sich dagegen feststellen, ob der Infektion Viren oder Bakterien zugrunde liegen: Hier kann ein Rachenabstrich Klärung bringen, der auf A-Streptokokken untersucht wird.

In der Regel heilt eine Pharyngitis von selbst aus, v. a. dann, wenn Viren die Ursache sind. In solchen Fällen sind Antibiotika wirkungslos, also unnötig, denn das Immunsystem kann die Viren bei einem ansonsten gesunden Menschen in aller Regel selbst unschädlich machen.

Bei den allermeisten Rachenentzündungen sollten also keine Antibiotika eingesetzt werden.

Manchmal kann es aber sinnvoll sein, vorübergehend fiebersenkende oder schmerzlindernde Medikamente wie z. B. Paracetamol einzunehmen. Außerdem fördern Sie die Heilung, wenn Sie einige Tage lang größere körperliche Anstrengungen meiden. Wenn Sie Fieber haben, sollten Sie zuhause bleiben und sich schonen. Nach 3–4 Tagen tritt meist eine deutliche Besserung ein, und nach 1 Woche sind fast alle Patienten vollständig genesen.

Infektionen durch Bakterien und andere Ursachen einer Pharyngitis

Typisch ist die „Mandelentzündung“, die Angina tonsillaris, die meist mit starken Halsschmerzen einhergeht. Sind die Mandeln sehr häufig entzündet, können sie deutlich an Größe zunehmen; in solchen Fällen ist manchmal eine Entfernung dieser Drüsen sinnvoll. Die früher häufige Diphtherie, eine sehr schwere Infektion des Rachens durch bestimmte Bakterien, tritt heutzutage infolge der Impfungen kaum noch auf. Auch die Strukturen des Kehlkopfs sind recht oft entzündet, bei Kindern ist hier vor allem der Krupp-Husten zu nennen.

Gefahr droht, wenn im Rahmen einer allergischen Reaktion die Schleimhaut des Rachens und Kehlkopfs anschwillt, da dadurch der Betroffene ersticken kann. Eine sofortige Behandlung ist hier unbedingt nötig. In der Regel harmlos hingegen, aber störend, sind Knötchen an den Stimmbändern, die sich durch Entzündungen bzw. hohe Beanspruchung ausbilden können (Sängerknötchen).

Bei leichten bakteriellen Infektionen des Halses sind Antibiotika nicht erforderlich, Ruhe und ausreichend Flüssigkeitszufuhr reichen aus. Bekommt der Patient jedoch Fieber, sehr starke Halsschmerzen und fühlt sich richtig krank, könnte eine eitrige Mandelentzündung zugrunde liegen, bei der eine Behandlung mit Penicillin angeraten ist. Eine schwere durch Bakterien bedingte Pharyngitis kann auch eine ausgedehntere Infektion mit Beteiligung der Bronchien zur Folge haben; auch hier wird der Arzt wohl eine antibiotische Therapie empfehlen. 

 Exkurs: Tumoren im Rachenraum

Viel seltener als die genannten Krankheiten treten Krebserkrankungen im Rachenraum auf. Diese sind in der Regel schwierig zu behandeln, weil sie häufig erst spät diagnostiziert werden und das Tumorgewebe sich dann bereits recht weit ausbreitet hat. Außerdem ist der Bereich des Rachens bei Operationen schlecht zugänglich, und viele wichtige Strukturen wie Blutgefäße, Nerven sowie auch manche Bereiche des Gehirn liegen in der Nähe, was das Risiko bei operativen Eingriffen stark erhöht.

Weitere Informationen

Autoren

  • Susanne Meinrenken, Dr. med., Bremen