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Verstopfte Nase, Übersicht

Bei einer verstopften Nase handelt es sich um eine Verengung der nasalen Atemwege, wodurch das Ein- und Ausatmen erschwert wird.

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Was ist eine verstopfte Nase?

  • Von einer verstopften Nase spricht man dann, wenn die Atemwege der Nase so eng werden, dass sich Probleme beim Ein- und Ausatmen ergeben.
  • Meist fließt zusätzlich (wässriges oder eitriges) Sekret aus der Nase, oft kommt Niesen dazu. 
  • Mögliche Ursachen sind eine angeschwollene Schleimhaut der Nase, Polypen oder auch ein Fremdkörper oder eine anatomische Veränderung der Nase (z.B. Nasenscheidewand, die den Luftweg verengt). 
  • In liegender Position schwillt die Nasenschleimhaut noch mehr an, sodass der Luftweg noch enger und die Beschwerden entsprechend schlimmer werden.
  • Die verstopfte Nase kann dazu führen, dass man durch den Mund atmen muss, was die Schleimhäute im Mund- und Rachenraum austrocknen lässt.

Häufigkeit

  • Zu einer vorübergehend verstopften Nase im Zusammenhang mit einer Infektion der oberen Atemwege kommt es bei den meisten Menschen mehrmals im Jahr.
  • Eine dauerhaft verstopfte Nase bei Kindern mit Adenoiden (vergrößerte Rachenmandeln) ist nicht ungewöhnlich.
  • Echte Nasenpolypen bei älteren Jugendlichen und Erwachsenen sind ebenfalls keine Seltenheit.

 Was kann die Ursache sein?

Zu häufigen Ursachen, die eine Behandlung notwendig machen, zählen:

  • Allergie:
    • Betrifft 10–20 % der Bevölkerung oder sogar mehr. Die allergische Rhinitis (allergische Entzündung der Nasenschleimhaut) ist am häufigsten im Schulalter. Oft treten zusätzlich allergische Augenbeschwerden, Ekzeme und Asthma auf. Bekannte Allergene sind Pollen von Bäumen, Gräsern und Beifuß, Tierhaare und Hausstaubmilben.
    • Die Allergie führt zu immer wieder auftretenden Beschwerden mit Niesen, wasserklarem dünnem Schleim, Juckreiz und nicht zuletzt einer verstopften Nase, häufig gleichzeitig mit juckenden, tränenden und roten Augen.
  • Nasenpolypen:
    • Nasenpolypen werden häufig in Zusammenhang mit Allergien gebracht, sind bei Allergikern aber wahrscheinlich nicht häufiger als bei anderen. Eine Kombination aus allergisch bedingten Schwellungen und Polypen ist jedoch besonders beschwerlich.
    • Nasenpolypen verursachen eine dauerhaft verstopfte Nase, häufig beidseitig, eine nasale Stimme, Schnarchen und unter Umständen eine chronische Nasennebenhöhlenentzündung.
  • Adenoide:
    • Als Adenoide bezeichnet man vergrößerte Rachenmandeln, die den Luftfluss aus der Nase hinaus in den Rachen einengen; sie kommen vorrangig bei Kleinkindern vor.
    • Relativ betrachtet sind Adenoide im Alter zwischen zwei und fünf Jahren am größten, bilden sich dann oft zurück und verschwinden fast immer in der Pubertät. Sie führen zu einer verstopften Nase, zu Schnarchen und einer näselnden Stimme. Betroffene Kleinkinder atmen die meiste Zeit durch den Mund; wahrscheinlich werden durch Adenoide Infektionen begünstigt.
  • Nasenscheidewandverkrümmung:
    • Kann angeboren oder verletzungsbedingt sein.
    • Bei stark ausgeprägten Beschwerden kann die Nasenscheidewandverkrümmung operativ korrigiert werden.
  • Nebenhöhlenentzündung, chronische (chronische Sinusitis):
    • Nebenhöhlenbeschwerden, die länger als mehrere Monate andauern, werden als chronisch bezeichnet.
    • Die Symptome sind Druckgefühl und Schmerzen in den Nebenhöhlen an Stirn und Nase, Berührungsempfindlichkeit in diesem Bereich des Gesichts, häufig eine verstopfte Nase mit Ausfluss von (eitrigem) Sekret und oft Nervenschmerzen (Zahnschmerzen).
  • Fremdkörper:
    • Achtung! Kleine Spielzeugteilchen oder auch Erbsen u.Ä. können insbesondere bei kleinen Kindern die Ursache für eine verstopfte Nase sein.
    • Meist kommt es zu akuten Schmerzen ohne Fieber. Typisch ist übelriechendes Sekret, das nur einseitig aus einer Nasenhöhle ausläuft.
  • Überempfindliche Nasenschleimhaut (vasomotorische Rhinitis):
    • Diese Erkrankung beruht auf einer unspezifischen Überempfindlichkeit der Nasenschleimhaut, einer nicht-allergischen Entzündungsreaktion der Schleimhaut. Typische Reaktionen auf Staub, Tabakrauch, Alkohol, Stress, Gerüche und Temperaturschwankungen. Chemische Substanzen im Wohn- und Arbeitsumfeld können zu Reizungen führen.
    • Während der Attacken kommt es zu Niesen und abwechselnd zu einer laufenden und verstopften Nase.

Häufige, meist nicht behandlungsbedürftige Ursachen

  • Infektion der oberen Atemwege:
    • Virusbedingte Infektion
    • Beschwerden in Nase und Rachen, leichte Schluckbeschwerden. Der Allgemeinzustand ist nur leicht beeinträchtigt, Fieber tritt nur selten auf.

Seltenere Ursachen

  • Nebenwirkungen von Medikamenten:
    • Manche Antidepressiva, Betablocker u.a. sowie ein längerer Gebrauch von Nasenspray oder Nasentropfen können zu einer verstopften Nase führen.
  • Schwangerschaft:
    • Eine Schwangerschaft kann die Entwicklung einer verstopften Nase und insbesondere im letzten Teil der Schwangerschaft auch Nebenhöhlenentzündungen begünstigen.
    • Aus dem gleichen Grund kann die Einnahme der Antibabypille bei manchen Frauen zu einer verstopften Nase führen.
  • Tumoren der Nase:
    • Tumoren der Nase sind selten, ihre Häufigkeit nimmt aber mit steigendem Alter zu.

Empfehlungen für Patienten

  • Vermeiden Sie es, zu rauchen und Rauch einzuatmen.
  • Vermeiden Sie die längere Verwendung von abschwellenden Nasensprays und -tropfen. Sie sollten nicht länger als 5–7 Tage angewendet werden, da diese sonst selbst zur Ursache der verstopften Nase werden können. Als Alternative können Sie Kochsalzlösung als Spray oder zum Inhalieren verwenden, um die Schleimhaut feucht zu halten.
  • Wenn sich Ihr Kind einen Fremdkörper in die Nase gestopft hat, können Sie versuchen, diesen vorsichtig herauszuziehen. Falls dies nicht gleich problemlos funktioniert, sollten Sie einen Arzt aufsuchen, um das Kind nicht versehenlich zu verletzen oder den Fremdkörper noch tiefer in die Nase zu schieben.

Wann sollten Sie einen Arzt aufsuchen?

  • Eine dauerhaft oder häufig wiederkehrend verstopfte Nase sollte von einem Arzt untersucht werden.
  • Entwickeln sich zusätzlich zur verstopften Nase Symptome wie Atembeschwerden, Fieber oder andere allgemeine Zeichen, ist eine ärztliche Untersuchung ebenfalls ratsam.
  • Bei Verdacht auf einen Fremdkörper in der Nase sollte ein Arzt zu Rate gezogen werden, um den Fremdkörper möglichst bald zu entfernen.

Wie geht der Arzt vor?

Er erhebt eine Anamnese, erkundigt sich also nach der Krankengeschichte.

Der Arzt wird Ihnen eventuell folgende Fragen stellen:

  • Seit wann bestehen die Beschwerden?
  • Vermuten Sie eine bestimmte Ursache?
  • Gibt es Anzeichen für eine Infektion der Atemwege?
  • Haben Sie nachts Beschwerden?
  • Schnarchen, Mundatmung, näselnde Stimme, Ohrenbeschwerden bei Kindern?
  • Ist das Nasensekret eitrig (grün, gelb) oder blutig?
  • Ist die Nase einseitig verstopft?
  • Haben Sie sich an der Nase verletzt?
  • Nehmen Sie regelmäßig Medikamente ein? Welche?

Ärztliche Untersuchung

  • Der Arzt untersucht, ob Sie oder Ihr Kind durch die Nase atmen.
  • Er wird Hals, Nase und Ohren sorgfältig untersuchen und ggf. auch eine allgemeine Untersuchung vornehmen.
  • Möglicherweise sind ergänzende Untersuchungen beim HNO-Facharzt oder Allergologen zu empfehlen.

Ergänzende Untersuchungen

  • Eventuell wird eine Blutuntersuchung veranlasst.
  • Bei Verdacht auf eine Allergie werden evtl. spezielle Untersuchungen veranlasst, um z.B. entsprechende Auslöser zu identifizieren.
  • Bei Verdacht auf eine zugrunde liegende Erkrankung, wie etwa ein Tumor, können Röntgenaufnahmen oder andere bilddiagnostische Untersuchungen veranlasst werden.

 

Therapie

  • Bei einer viralen Infektion (Erkältung/Schnupfen) hilft die kurzzzeitige Gabe von abschwellendem Nasenspray und/oder Kochsalzlösung. Die Infektion heilt nach wenigen Tagen von selbst aus.
  • Bei allergischer Rhinitis sind antiallergische Medikamente (Kortison, Antihistaminika u.a.) angezeigt. Diese Wirkstoffe können auch bei nichtallergischer, aber chronisch verstopfter Nase im Enzelfall in Betracht kommen.
  • Fremdkörper kann der Arzt entfernen, in seltenen Fällen ist dazu ein Eingriff unter Kurznarkose notwendig.
  • Anatomische Veränderungen (schiefe Nasenscheidewand, Polypen, Adenoide) werden operativ behandelt.
  • Eine chronisch verdickte Nasenschleimhaut kann auch mit elektrischem Strom oder mittels einer kleinen Operation abgetragen werden.

 

Autoren

  • Susanne Meinrenken, Dr. med., Bremen

Literatur

Dieser Artikel basiert auf dem Fachartikel Nasenverstopfung, Schnupfen. Nachfolgend finden Sie die Literaturliste aus diesem Dokument.

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