Illustration: Colourbox

Schnarchen

Das Geräusch beim Schnarchen entsteht dadurch, dass das weiche Gewebe in Gaumen und Rachen im Luftstrom der Atmung vibriert. Während des Schlafs wird der Rachen enger, weil die Muskulatur der Rachenwände erschlafft; daher strömt die Luft schneller durch den Rachen und erzeugt die störenden Geräusche.

Deximed – Deutsche Experteninformation Medizin

"Deximed ist für mich eine große Hilfe, um im Praxisalltag schnell aktuelles Wissen zur Therapie oder Diagnostik nachschlagen zu können. Die übersichtliche Struktur ermöglicht es, sogar im Patientenkontakt rasch etwas nachzulesen." - PD Dr. med. Guido Schmiermann, Facharzt für Allgemeinmedizin, Bremen

Deximed ist ein unabhängiges Arztinformationssystem mit Fokussierung auf die primärärztliche Versorgung. Evidenzbasierte und regelmäßig aktualisierte Artikel zu allen medizinischen Gebieten zeichnen Deximed aus.

Mehr erfahren

Was ist Schnarchen?

  • Während des Schlafs wird der Rachen enger, weil die Muskulatur der Rachenwände erschlafft. Bei der Atmung strömt die Luft daher schneller als sonst durch den Rachen.
  • Die Geräusche beim Schnarchen entstehen dadurch, dass die weichen Gewebe in Gaumen und Rachen durch den schnellen Luftstrom beginnen zu vibrieren bzw. schnell zu flattern. Die Geräusche können sehr laut werden.
  • Bei einigen Schnarchern wird der Atemweg so eng, dass dies zu kurzen Atemaussetzern führt, der sogenannten obstruktiven Schlafapnoe.
  • Kommt es beim starken Schnarchen zu Sauerstoffmangel im Schlaf, bedeutet dies für den Körper eine Stressreaktion. Folgen sind manchmal heftige Träume, bei sehr deutlichem Sauerstoffmangel wachen die Betroffenen plötzlich auf, evtl. mit starkem Herzklopfen. 

Häufigkeit

  • Etwa 60 % aller Männer und 45 % aller Frauen im Alter zwischen 45 und 54 Jahren schnarchen regelmäßig, so eine Studie.
  • Rund 10% der Kinder schnarchen.
  • Mehr als die Hälfte der Partner, die in einem Bett mit einem Schnarchenden schlafen, fühlen sich dadurch gestört. Rund ein Drittel berichtet über (zeitweise) Beziehungsprobleme infolge des Schnarchens.

Beurteilung des Schnarchens

  • Ein eher leises regelmäßiges Geräusch beim Ein- und Ausatmen, das weder den eigenen Schlaf noch den des Partners stört, ist ganz normal und kein Grund zur Besorgnis.
  • Schnarchen kann aber so intensiv sein, dass der Lebenspartner nicht mehr im selben Bett oder Zimmer schlafen kann und/oder Beziehungsprobleme auftreten.
  • Eine Schlafapnoe kann ein gesundheitliches Risiko bedeuten.
    • Die regelmäßigen vorübergehenden Atemaussetzer können zu einer verminderten Aufnahme von Sauerstoff führen. Die Patienten schlafen meist sehr unruhig, und der Schlaf ist meist wenig erholsam.
    • Eine nicht behandelte Schlafapnoe erhöht das Risiko für Bluthochdruck, Schlaganfall und Herzinfarkt.

Was sind mögliche Ursachen?

  • Schnarchen ohne definierte Ursache
    • Ist sehr weit verbreitet und als normales Phänomen zu betrachten. Es tritt bei Übergewichtigen häufiger auf, allerdings sind Personen jeglichen Körpergewichts betroffen. Schnarchen kann eine große soziale Belastung darstellen.
    • Ratschläge zur Eigenbehandlung: Gewichtsreduktion bei Übergewicht, Schlafen auf der Seite, Vermeidung von Alkoholkonsum vor dem Zubettgehen. Bei massiven Beschwerden kann eine Operation notwendig werden und bei einigen Betroffenen zu einer Besserung führen.
  • Verstopfte Nase
    • Die Ursachen für eine verstopfte Nase können eine Infektion, Allergie, Polypen, eine schiefe Nasenscheidewand, Geschwulste oder vergrößerte Rachenmandeln sein. Eine Erkältung heilt von selbst aus, Polypen u.Ä. können eine Operation erforderlich machen.
  • Vergrößerte Mandeln bei Kindern
    • Nächtliche Atembeschwerden als Folge vergrößerter Mandeln
    • Das Kind schläft schlecht, schnarcht und kann Atemaussetzer haben. Dies kann zu Müdigkeit führen, damit verbunden können Schwierigkeiten in Schule oder Kindergarten auftreten. 
  • Vergrößerte Polypen (Adenoide) bei Kindern
    • Adenoide sind ein normaler Bestandteil des im Rachen vorhandenen Lymphgewebes.
    • Diese Kinder können unruhigen Schlaf mit nächtlichem Husten haben, schnarchen und eventuelle Atemaussetzer haben (Apnoe).
  • Schlafapnoe-Syndrom
    • Tritt am häufigsten bei übergewichtigen Männern mittleren Alters auf.
    • Etwa 10% aller Personen, die stark schnarchen, leiden an einer Schlafapnoe..
    • Ist durch starkes Schnarchen und Phasen ohne Atmung (Apnoe) gekennzeichnet, wobei zugleich tagsüber verstärkte Müdigkeit bzw. ein deutliches Schlafbedürfnis bestehen.

Was können Sie selbst tun?

Tipps für Betroffene, die andere mit „normalem“ Schnarchen stören:

  • Schlafen Sie auf der Seite oder mit etwas höher gelagertem Oberkörper.
  • Übergewicht verschlimmert die Beschwerden, das Gewicht sollte reduziert werden.
  • Alkoholkonsum oder die Einnahme von Schlaftabletten wirken sich sehr negativ aus, da beide Muskeln auch im Rachenraum entspannen, die Atemwege also noch stärker verengen.
  • Rauchen Sie? Sie sollten aufhören!
  • Sorgen Sie für Frischluft im Schlafzimmer und eine nicht zu hohe Temperatur.

Wann sollte ein Arzt aufgesucht werden?

  • Bei Müdigkeit am Tag oder der Neigung zum Einschlafen, etwa beim Autofahren
  • Auch wenn man andere nachts zu sehr stört, könnte eine Beratung beim Arzt hilfreich sein.

Was geschieht bei der ärztlichen Untersuchung?

Anamnese

Der Arzt kann folgende Fragen stellen (evtl. zu Ihrem Kind):

  • Schlafen Sie gut in der Nacht? Oder wachen Sie ständig auf?
  • Sind Sie tagsüber auffallend müde?
  • Schlafen Sie tagsüber manchmal plötzlich unkontrolliert ein?
  • Wie erlebt der Ehepartner/Lebensgefährte das Schnarchen?
  • Haben Sie Atemaussetzer, wenn Sie nachts schlafen?
  • Leiden Sie an einer andauernd verstopften Nase?

Ärztliche Untersuchung

  • Normalerweise ist die sorgfältige Untersuchung des Nasenrachenraums ausreichend, wobei der Arzt genau auf mögliche Auffälligkeiten auch des Kiefers, der Zunge, Mundhöhle etc. achtet.

Weitere Untersuchungen

  • In schwerwiegenden Fällen kann eine Untersuchung in einem Schlaflabor notwendig sein.

Überweisung an einen Spezialisten oder in ein Krankenhaus

  • Wenn Kinder ausgeprägt schnarchen, kann es im Falle vergrößerter Polypen oder Rachenmandeln angebracht sein, eine Operation zu erwägen.
  • Bei Erwachsenen ist die Wirkung einer Operation sehr unsicher, aber ein Versuch kann sich lohnen, da ständig neue Formen der chirurgischen Therapie entwickelt werden.
  • Bei Verdacht auf Schlafapnoe sollte an einen Spezialisten überwiesen werden.

 

Weiterführende Informationen

Autoren

  • Susanne Meinrenken, Dr. med., Bremen

Literatur

Dieser Artikel basiert auf dem Fachartikel Schnarchen. Nachfolgend finden Sie die Literaturliste aus diesem Dokument.

  1. Fietze Ingo. Über guten und schlechten Schlaf. S. 135ff. Berlin: Kein & Aber, 2015.
  2. Deutsche Gesellschaft für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde, Kopf- und Hals-Chirurgie. Schnarchen bei Erwachsenen: Diagnostik und Therapie. AWMF-Leitlinie Nr. 017-068. Stand 2016 www.awmf.org
  3. Ieto V, Kayamori F, Montes MI, et al. Effects of Oropharyngeal Exercises on Snoring: A Randomized Trial. Chest 2015; 148: 683-91. doi:10.1378/chest.14-2953 DOI
  4. Willatt D. The evidence for reducing inferior turbinates. Rhinology. 2009;47:227-236. PubMed
  5. Cazan Mehrmann Freuschle. Maurer. Der Effekt eines Kissens zur Kopflageänderung auf das Schnarchen. Somnologie . Springer-Verlag Berlin Heidelberg 2014 www.oxycare-gmbh.de
  6. Johnston CD, Gleadhill IC, Cinnamond MJ, et al. Oral appliances for the management of severe snoring: a randomized controlled trial. Eur J Orthod. 2001;23:127-134. PubMed
  7. Cooke ME, Battagel JM. A thermoplastic mandibular advancement device for the management of non-apnoeic snoring: a randomized controlled trial. Eur J Orthod. 2006;28:327-338. PubMed
  8. Aarts MC, Rovers MM, van der Heijden GJ, et al. The value of a mandibular repositioning appliance for the treatment of nonapneic snoring. Otolaryngol Head Neck Surg. 2011;144:170-173. PubMed
  9. Luyster, Dunbar-Jacob,. Aloia, Patient and Partner Experiences With Obstructive Sleep Apnea and CPAP Treatment: A Qualitative Analysis. Behavioral Sleep Medicine Vol. 14 , Iss. 1,2016 www.ncbi.nlm.nih.gov
  10. Deutsche Gesellschaft für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde, Kopf- und Hals-Chirurgie. Obstruktive Schlafapnoe bei Erwachsenen: HNO-spezifische Therapie. AWMF-Leitlinie Nr. 017-069. Stand 2015. www.awmf.org
  11. Hörmann K, Verse T: The surgical treatment of sleep-related upper airway obstruction. Dtsch Arztebl Int 2011; 108(13): 216–21 www.aerzteblatt.de
  12. Ferguson M, Smith TL, Zanation AM, et al. Radiofrequency tissue volume reduction: multilesion vs single lesion treatments for snoring. Arch Otolaryngol Head Neck Surg. 2001;127:1113-1118. PubMed
  13. Nordgard S, Stene BK, Skjostad KW, et al. Palatal implants for the treatment of snoring: long-term results. Otolaryngol Head Neck Surg. 2006;134:558-564. PubMed
  14. Iyngkaran T, Kanagalingam J, Rajeswaran R, et al. Long-term outcomes of laser-assisted uvulopalatoplasty in 168 patients with snoring. J Laryngol Otol. 2006;120:932-938. PubMed
  15. R. Doug McEvoy, M.D., Nick A. Antic, M.D., Ph.D., Emma Heeley, Ph.D. CPAP for Prevention of Cardiovascular Events in Obstructive Sleep Apnea. New England Journal of Medicine. 9/2016 www.nejm.org