Karies

Karies oder „Löcher in den Zähnen“ sind eine bakterielle Erkrankung der Zähne, die bewirkt, dass Zahnschmelz und Dentin abgebaut (demineralisiert) werden.

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Aufbau der Zähne

Alle Zähne bestehen aus drei Schichten:

  • Zahnschmelz: Dies ist die äußere, sehr harte Schicht, die die Zahnkrone, also den sichtbaren Teil des Zahns, schützt.
  • Dentin: Der größte Teil des Zahns besteht aus dem Material Dentin, auch Zahnbein genannt.
  • Pulpa: In der Mitte des Zahns befindet sich die Pulpahöhle, umgangssprachlich auch als der „Nerv“ des Zahns bezeichnet. Die Pulpa besteht aus Bindegewebe mit Blutgefäßen und Nervenfasern, die aus dem Kiefer in die Pulpahöhle verlaufen.

Die Zahnwurzel ist mithilfe der sogenannten Wurzelhaut (Desmodont) im Kieferknochen verankert.

Was ist Karies?

Bei Karies oder „Löcher in den Zähnen“ handelt es sich um eine bakterielle Erkrankung der Zähne, die bewirkt, dass Zahnschmelz und Dentin abgebaut (demineralisiert) werden. Karies beruht darauf, dass Bakterien Zuckermoleküle verdauen und dabei Säuren produzieren, die das harte Material des Zahns demineralisieren.

Falls die Karies tief ins Dentin reicht oder sogar die Pulpa erreicht, kommt es in der Regel zu Zahnschmerzen. In einer amerikanischen Studie sagten 12 % der Befragten, dass sie in den letzten sechs Monaten Zahnschmerzen hatten.

Ursache

Aufgrund mangelhafter Mund- und Zahnpflege bleiben Speisereste auf den Zähnen. Es bildet sich eine Schicht auf den Zähnen (Zahnbelag). In dem dünnen Biofilm, der sich auf allen Oberflächen des Mundes befindet, siedeln sich Bakterien an und bilden auf den Zähnen eine Schicht, die als Zahnbelag oder Plaque bezeichnet wird. Viele Bakterien im Biofilm können den Zucker in unserer Nahrung verwerten und wandeln ihn in Säure um. Die Säure bewirkt nach und nach eine Demineralisierung des Zahnschmelzes, sodass sich ein Loch im Zahn bildet. Die Veränderungen am Zahn werden Karies oder landläufig „Löcher in den Zähnen“ genannt.

Zunächst greift die Säure den Zahnschmelz an, der sich mit der Zeit auflöst. Der Abbau setzt sich weiter durch die Dentinschicht hindurch fort und reicht schließlich bis in die Pulpa, die sich entzündet. Zunächst kommt es zu einer oberflächlichen Entzündung der Pulpa. Diese Entzündung äußert sich lediglich in kürzeren Schmerzattacken, die durch Wärme, Kälte oder Süßes ausgelöst werden. Der Schmerz dauert wenige Sekunden und hört von selbst auf. Die Kariesentwicklung kann in dieser Phase durch eine Zahnbehandlung gestoppt werden. Die Behandlung besteht darin, das aufgeweichte (kariöse) Zahngewebe zu entfernen und durch Füllmaterial zu ersetzen. Je früher die Behandlung einsetzt, desto weniger Schäden entstehen am Zahn.

Wenn die Karies nicht zu einem frühen Zeitpunkt behandelt wird, setzt sich der Kariesangriff fort und führt zu einer Entzündung des gesamten Pulpagewebes. In diesem Stadium ist die einzige mögliche Behandlung eine Wurzelkanalbehandlung oder die Entfernung des Zahns. Eine stark entzündete Pulpa stirbt letztendlich ab (nekrotisiert) und kann eine schwere Entzündung (apikale Parodontitis) verursachen. Es kann sich ein Abszess bilden. Diese Infektion wiederum kann sich auf das Gewebe um die Zähne herum sowie das weitere umgebende Gewebe ausbreiten und sogar die Haut durchdringen. Unbehandelte Infektionen, die sich ins Gewebe ausbreiten, können lebensbedrohlich sein.

Diagnostik

In einem frühen Stadium verursacht die Karies keine Symptome. Normalerweise werden Kariesschäden bei einer Routineuntersuchung entdeckt und entsprechend behandelt. Wenn sich die Karies zu einer leichten Entzündung der Pulpa entwickelt, kann es zu Zahnschmerzen kommen. Dabei handelt es sich um kurze Schmerzepisoden, die von warmen, kalten und süßen Reizen ausgelöst werden, einige Sekunden lang anhalten und von selbst vorübergehen. Wenn sich die Karies zu einer irreversiblen Pulpitis (Entzündung der Pulpa) entwickelt, bringt das schwere und anhaltende Zahnschmerzen mit sich. Oft ist es schwierig, selbst zu erkennen, welcher Zahn genau den Zahnschmerz auslöst. Wenn die Entzündung weiter unbehandelt bleibt, verstärken sich die Schmerzen, die Entzündung geht in eine Infektion über, möglicherweise mit Fieber. Diese Infektion kann sich dann auch weiter ins Gewebe ausbreiten.

Frühe Kariesschäden sind als undurchsichtige weiße Flächen oder Linien im Zahnschmelz zu erkennen, und die Zahnoberfläche erscheint weniger glänzend. Bei einer milden Pulpitis wird Schmerz ausgelöst, wenn der Zahnarzt kalte Luft oder Wasser auf den Zahn strömen lässt. Bei einer schweren Infektion mit Veränderungen im Gewebe um den Zahn schwellen die in der Nähe liegenden Lymphknoten an und schmerzen.

Therapie

Das Ziel ist, mit der Behandlung so früh wie möglich zu beginnen, um weitere Symptome zu verhindern und der weiteren Entwicklung früher Kariesschäden vorzubeugen.

Bei Karies mit einer milden Pulpitis wird das kariöse Zahnmaterial entfernt und eine Füllung eingesetzt.

Bei Karies mit Pulpitis muss eine Wurzelkanalbehandlung erfolgen. Die Pulpa wird entfernt und die dann leere Wurzel mit einer Füllung gefüllt. Alternativ wird der Zahn gezogen. Bei einer Beteiligung der Pulpa können die Schmerzen sehr stark werden, sodass möglicherweise Schmerzmittel nötig sind. Bei Pulpainfektionen sind selten Antibiotika erforderlich. Die Grundbehandlung ist immer eine Drainage. Bei Abszessen, die bei der Behandlung der Pulpa nicht entleert werden, kann die Drainage mithilfe eines Einschnitts (Inzision) in den Abszess erfolgen, sodass der Eiter abgelassen werden kann.

Prävention

Die wichtigste Maßnahme gegen Karies ist Prävention. Dabei geht es um eine gute Mundhygiene, also das regelmäßige Zähneputzen und Reinigen der Zahnzwischenräume, geringerer Konsum von Süßigkeiten, weniger Zwischenmahlzeiten, die Anwendung von Zahnpasta mit Fluorid und regelmäßige Kontrollen beim Zahnarzt, der bei Anzeichen von Karies eingreift.

Zahnpasta mit Fluorid und andere Fluoridprodukte verhindern, dass sich der Zahnschmelz auflöst, und sorgen für eine Remineralisierung oberflächlicher Kariesschäden. Regelmäßiges Zähneputzen mit einer fluoridhaltigen Zahnpasta ist eine wichtige Kariesprävention. Elektrische Zahnbürsten mit rotierender und oszillierender Bürstenbewegung verhindern Plaque und Zahnfleischentzündungen effektiver als herkömmliche Zahnbürsten.

In besonderen Fällen, z. B. bei Kindern mit vielen Kariesschäden, bei einer kieferorthopädischen Behandlung und bei Patienten mit Mundtrockenheit muss die Fluoridzufuhr möglicherweise durch Spülen mit Fluoridlösung, mit Tabletten oder Fluoridlack erfolgen. Die lokale Wirkung des Fluorids ist am wichtigsten. Daher sollte man Fluoridtabletten sorgfältig kauen oder langsam im Mund zergehen lassen.

Ein übermäßiger Konsum von Fruchtsäften und sauren Softdrinks führt zu Zahnschäden. Die üblichen Fluoridpräparate können nur oberflächliche Erosionsschäden remineralisieren.

Weiterführende Informationen

Autoren

  • Philipp Ollenschläger, Medizinjournalist, Köln

Literatur

Dieser Artikel basiert auf dem Fachartikel Karies. Nachfolgend finden Sie die Literaturliste aus diesem Dokument.

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