Wie wird ein atopisches Ekzem (Neurodermitis) behandelt?

Von einem Ekzem befallene Haut stellt spezielle Anforderungen und benötigt viel Pflege.

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Ziel der Behandlung

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Das Ziel der Behandlung des atopischen Ekzems (Neurodermitis) ist, die damit verbundenen Beschwerden zu lindern oder zu beseitigen und Komplikationen zu verhindern. Die wichtigsten Maßnahmen sind die Versorgung der trockenen Haut mit Feuchtigkeit sowie die Behandlung des Ausschlags mit Kortisoncremes. Es gibt auch eine Reihe von anderen Arzneimitteln und Cremes, die in bestimmten Fällen verwendet werden. Die meisten Patienten, die an Neurodermitis leiden, benötigen eine dauerhafte Behandlung. Darüber hinaus ist es wichtig, Stoffe zu meiden, die die Beschwerden verschlimmern.

Basistherapie

Die feuchtigkeitsbewahrende Behandlung ist eine der wichtigsten Maßnahmen, um die Beschwerden in Zusammenhang mit trockener Haut zu lindern und eine Verschlechterung des Ekzems zu verhindern. Sie trägt dazu bei, die Hautbarriere zu stabilisieren.

Sie sollten regelmäßig Ölbäder nehmen, am besten täglich. Es wird empfohlen, nur gelegentlich zu duschen und Seife nur sparsam zu verwenden, vor allem an den Hautstellen mit Ekzemveränderungen. Seifen mit einem pH-Wert unter 5,5 sind am besten geeignet. Am Ende des Duschvorgangs kann eine kleine Menge Badeöl aufgetragen werden. Cremen Sie sich mehrmals täglich mit unparfümierten Feuchtigkeitscremes ein. Cremes mit einem Zusatz von Harnstoff und/oder Glycerin sind besonders geeignet.

Medikamente

Zusätzlich zu herkömmlichen Feuchtigkeitscremes stehen zahlreiche Medikamente zur Verfügung. Die meisten Medikamente werden in Form von Cremes oder Salben auf die Haut aufgetragen. Bei sehr schweren Verlaufsformen können Medikamente zum Einnehmen verschrieben werden.

Lokal wirkende Kortikosteroide

Die wichtigsten Medikamente bei der Behandlung von atopischen Ekzemen sind Kortisonpräparate (siehe Kortisonbehandlung des atopischen Ekzems). Hierbei handelt es sich um eine Wirkstoffgruppe mit entzündungshemmender Wirkung, die in unterschiedlichen Darreichungsformen und Stärken angeboten wird. Bei einem atopischen Ekzem wird Kortison üblicherweise als Salbe oder Creme aufgetragen. Bei sehr trockener Haut sind Salben in der Regel besser als Cremes. Die Verwendung von Feuchtigkeitscremes in Kombination mit lokal wirkendem Kortison verbessert die Wirkung.

Welche Art von Kortison Sie verwenden sollten, hängt auch davon ab, wie alt Sie sind und in welcher Körperregion sich der Ausschlag befindet. Im Gesicht werden, vor allem bei Kindern, in erster Linie die mildesten Kortisoncremes verwendet. Am Körper werden häufig mittelstarke Medikamente eingesetzt. Da es wichtig ist, das Ekzem schnell unter Kontrolle zu bekommen, werden zu Behandlungsbeginn häufig relativ starke Mittel eingesetzt. Eine schnelle Linderung des Ekzems reduziert die Wahrscheinlichkeit, dass dieses erneut auftritt, was zu einer Verringerung des Gesamtverbrauchs an Kortison führt.

Cremen Sie die befallenen Stellen anfangs 1-mal täglich ein. In Ausnahmefällen kann die Kortisoncreme 2-mal täglich aufgetragen werden. Die Behandlungszeit beträgt in der Regel 1–2 Wochen. Danach war es bislang üblich, über einen Zeitraum von 2–3 Wochen auf ein schwächeres Medikament überzugehen. Nach einem neuen Behandlungsprinzip, das ebenso gute Ergebnisse liefert, wird das stärkere Medikament weiterverwendet, aber die Intervalle zwischen dem Auftragen der Creme oder Salbe werden verlängert. Das Medikament sollte 1- bis 2-mal täglich aufgetragen werden, bis das Ekzem komplett verschwunden ist. Danach lassen Sie die Behandlung durch Verlängern der Intervalle (1- bis 2-maliges Auftragen pro Woche) über den Zeitraum von 3 Monaten langsam ausklingen.

Auf Bereichen mit dünner Haut (z. B. im Gesicht) sollte die Anwendung auf einige Tage beschränkt werden.

Immunmodulierende Lokaltherapie

Dies ist eine relativ neue Behandlungsmethode, die in den letzten Jahren entwickelt wurde. Die sogenannten Calcineurinhemmer Tacrolimus und Pimecrolimus wirken entzündungshemmend und juckreizstillend. Sie sind ähnlich wirksam wie Kortison, führen aber nicht zu Hautschwund. Cremes mit Calcineurin-Hemmern werden daher vor allem in Bereichen mit dünner Haut empfohlen, z. B. Gesicht, Hautfalten, Genitalbereich und Kopfhaut bei Kleinkindern. Die Präparate können bei Kindern, die älter als zwei Jahre sind, und Erwachsenen in unterschiedlichen Dosierungen eingesetzt werden.

Bei Erwachsenen (über 16 Jahren) wird 2-mal täglich eine Salbe mit Tacrolimus in der Stärke 0,1 % aufgetragen, bis das Ekzem abgeheilt ist. Bei Kindern über 2 Jahren wird 2-mal täglich eine Tacrolimus-Salbe in der Stärke 0,03 % über einen Zeitraum von bis zu 3 Wochen aufgetragen. Nach dieser Zeit wird das Auftragen auf 1-mal täglich reduziert, bis das Ekzem abgeheilt ist. Bei den ersten Anwendungen kann die Salbe zu einem brennenden Jucken der Haut führen.

Eine Creme mit Pimecrolimus in der Stärke 1 % wird 2-mal täglich aufgetragen, bis das Ekzem abgeheilt ist. Falls sich durch das Medikament innerhalb von sechs Wochen kein Behandlungserfolg einstellt, wird eine andere Therapie gewählt.

Wenn der Ausschlag abgeheilt ist, kann das Medikament weiter 2-mal pro Woche über 3 Monate aufgetragen werden. Bei Rückfällen wird die Therapie wiederholt.

Während der Behandlung sollten Sie starke Sonneneinstrahlung meiden und einen guten Sonnenschutz verwenden.

Antihistaminika

Während Phasen mit unangenehmem Juckreiz können zusätzlich sogenannte Antihistaminika als Tabletten verabreicht werden. Diese lindern den Juckreiz, können Sie aber auch schläfrig machen. Daher werden sie in erster Linie zur Behandlung von nächtlichem Juckreiz eingesetzt.

Ciclosporin A

Erwachsenen können bei chronischer, schwerer Neurodermitis Medikamente zum Einnehmen verschrieben werden, die das Immunsystem unterdrücken (z. B. Ciclosporin A). Wenn sich der Hautausschlag gebessert hat, kann die Dosis schrittweise reduziert werden. Nach 4–6 Monaten wird eine Therapieunterbrechung empfohlen. Achten Sie während der Behandlung mit Ciclosporin A auf einen guten Sonnenschutz!

Antibiotika

Wenn sich das Ekzem infiziert, kann Ihre Ärztin/Ihr Arzt antiseptische oder antibiotische Mittel verschreiben, die eventuell der Kortisonsalbe zugesetzt werden. Nur bei schweren bakteriellen Superinfektionen werden Antibiotika in Tablettenform verabreicht.

Psychotherapeutische Behandlung

Die Lebensqualität wird durch ein atopisches Ekzem stark beeinträchtigt. Zudem können Stress und psychische Belastungen die Erkrankung verschlimmern. Für einen Teil der Patienten (ca. 20 %) ist daher eine psychotherapeutische Behandlung sinnvoll.

Darüber hinaus können Entspannungsübungen (z. B. autogenes Training) hilfreich sein.

Allgemeine Maßnahmen

Sonne

Bei vielen Patienten mit atopischem Ekzem wirkt sich ein Urlaub in der Sonne positiv aus. Personen mit starken Beschwerden kann eine Phototherapie in der Hautarztpraxis helfen. Diese Behandlung wird mit speziellen Lichtsystemen durchgeführt, die UV-Licht unterschiedlicher Wellenlängen erzeugen.

Ernährung

Eine bewusste Ernährung ist wichtig. Bestimmte Nahrungsmittel können zu einer Verschlechterung des atopischen Ekzems bei Kindern führen, aber viele Kinder können alles essen, ohne dass sich dies auf das Ekzem auswirkt. Allergische Reaktionen werden häufig von Kuhmilch, Eiern, Soja, Weizen, Nüssen und Fisch hervorgerufen. Auch Lebensmittel wie Tomaten, Erdbeeren und Zitrusfrüchte sowie Farbstoffe und Konservierungsmittel können zu Überempfindlichkeitsreaktionen führen und das Ekzem verschlimmern.

Da Kinder in besonderem Maße eine abwechslungsreiche, gesunde und ausgewogene Ernährung benötigen, sollten bestimmte Nahrungsmittel nur dann ausgeschlossen werden, wenn durch Allergietests belegt ist, dass Ihr Kind auf diese allergisch reagiert. Eltern sollten nie ohne vorherige Rücksprache mit den behandelnden Ärzten wesentliche Veränderungen bei der Ernährung ihres Kindes vornehmen.

Kratzen vermeiden

Viele Menschen mit einem atopischen Ekzem leiden an starkem Juckreiz, und die Versuchung ist groß, sich mit den Fingernägeln oder scharfen Gegenständen zu kratzen. Das Kratzen verursacht Schädigungen der Haut, die wiederum zu kleinen Wunden und Entzündungen führen können, wodurch die Beschwerden weiter verstärkt werden. Eine kognitive Verhaltenstherapie kann helfen, den Teufelskreis aus Juckreiz und Kratzen zu durchbrechen. Entscheidend ist hierbei, dass Sie sich selbst über Ihr Bedürfnis, sich zu kratzen, bewusst sind und es dadurch vermeiden. Hilfreich ist zudem, die Nägel kurz zu schneiden und zu feilen, um sie stumpf zu halten. Verwenden Sie keine scharfen Gegenstände zum Kratzen!

Raumklima

In häuslichen Umgebungen, in denen Personen mit einem atopischen Ekzem leben, sollte nicht geraucht werden. Verzichten Sie auf Haustiere, insbesondere auf Katzen. Die Innenraumluft sollte nicht zu trocken sein, besonders im Winter. Das Schlafzimmer sollte kühl gehalten werden, und Decken sowie andere Gegenstände, die Staub sammeln, sollten vermieden werden.

Bekleidung

Schwitzen kann Reizungen und Juckreiz auslösen, daher sollte auf zu warme Kleidung verzichtet werden. Tragen Sie direkt am Körper Kleidungsstücke aus Baumwolle, von Wolle wird dagegen abgeraten. Waschmittelrückstände und insbesondere Weichspüler können atopische Ekzeme verschlimmern. Verwenden Sie daher Waschmittel, die bei Allergien geeignet sind. Es empfiehlt sich, die Kleidungsstücke nach dem Waschen gründlich zu spülen und auf Weichspüler ganz zu verzichten.

Duschen

Ausgedehntes Duschen oder lange Wannenbäder trocknen die Haut aus. Je wärmer das Wasser, desto schneller trocknet die Haut aus, daher sollten Sie lauwarmes Wasser verwenden. Wenn Sie baden, sollten Sie möglichst oft Badeöle zusetzen und sich nach dem Baden oder Duschen immer gründlich mit Feuchtigkeitscremes eincremen. Seifen, besonders solche mit einem pH-Wert von über 5,5, trocknen die Haut ebenfalls aus.

Vermeiden Sie alles, was das Ekzem verschlimmert!

Viele Menschen mit einem atopischen Ekzem stellen fest, dass sich das Krankheitsbild bei Kontakt mit bestimmten Stoffen verschlimmert (siehe Artikel Ursachen und Symptome des atopischen Ekzems). Wenn möglich, sollten Sie solche auslösenden Faktoren meiden. Hierbei kann es sich z. B. um Hausstaubmilben, Pollen, Tierhaare, Duftstoffe, Schwitzen, trockene Luft, Tabakrauch oder bestimmte Nahrungsmittel handeln. Häufig wirken sich übermäßiger Stress oder psychische Belastungen ebenfalls negativ aus.

Vorbeugung

Eine Ernährung des Säuglings ausschließlich durch Stillen während der ersten 4 Lebensmonate scheint das spätere Auftreten von allergischen Erkrankungen zu reduzieren. Wenn Sie Ihr Kind mit Säuglingsmilchnahrung ernähren, bevorzugen Sie solche aus hydrolisierter Molke (HA-Milch). Nach Vollendung des 4. Lebensmonats sollten Sie beginnen, Ihrem Kind Beikost zu geben.

Probiotika und Präbiotika, die am Ende der Schwangerschaft und während der Stillzeit eingenommen werden, können das Risiko für die Entstehung eines atopischen Ekzems beim Kind verringern.

Kinder, die ein hohes Risiko zur Entwicklung eines atopischen Ekzems haben, sollten von Geburt an täglich gut eingecremt werden. Ein atopisches Ekzem tritt dann deutlich seltener auf.

Weitere Informationen

Autoren

  • Martina Bujard, Wissenschaftsjournalistin, Wiesbaden

Literatur

Dieser Artikel basiert auf dem Fachartikel Atopisches Ekzem. Nachfolgend finden Sie die Literaturliste aus diesem Dokument.

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