Ekzema herpeticatum

Das Ekzema herpeticatum ist eine Infektion mit dem Herpes-simplex-Virus infolge von Neurodermitis, in der Regel bei einem Kind. Der Ausschlag tritt meist auf Gesicht, Hals und Körper auf.

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Was ist das Ekzema herpeticatum?

Das Ekzema herpeticatum ist eine Infektion mit dem Herpes-simplex-Virus (HS-Virus) infolge von Neurodermitis, in der Regel bei einem Kind. Wird die Infektion nicht behandelt, kann es zu einem schwerwiegenden Verlauf kommen. Die Erkrankung gilt als akute Situation, die sofort behandelt werden muss. Der Ausschlag tritt meist auf Gesicht, Hals und Körper auf. Die Hautveränderungen sind in der Regel leicht bis mittelschwer, in Ausnahmefällen kann es allerdings auch zu schweren Hautveränderungen kommen.

Es handelt sich um eine relativ seltene Komplikation bei Neurodermitis.

Ursache

Das Ekzema herpeticatum wird immer durch eine Infektion mit dem Herpes-simplex-Virus (HS-Virus) hervorgerufen. Der Wirkmechanismus der Infektion ist nicht bekannt, aber es wird angenommen, dass der HS-Virus durch die infolge des Ekzems geschwächte Hautbarriere in die Haut eindringt. Die Schwere des Ekzems scheint keine Bedeutung für die Schwere der Ekzema-herpeticatum-Infektion zu haben, d. h. bei schwerer Neurodermitis muss es nicht unbedingt zu einem schweren Ekzema herpeticatum kommen.

Es ist unklar, bei welchen Patienten mit Neurodermitis ein besonderes Risiko für das Ekzema herpeticatum besteht. Möglicherweise sind Kinder, die frühzeitig an Neurodermitis erkranken, etwas häufiger betroffen.

Diagnose

Der Ausschlag beginnt als kleine Bläschen (Vesikel wie bei Windpocken), die abklingen und kleine Wunden, abgeschuppte Haut und rote Hautschüppchen hinterlassen (siehe Abbildung 1 und 2). Der Ausschlag tritt in der Regel an Kopf, Hals und Körper auf. Der Schweregrad variiert, aber der Ausschlag geht häufig mit Fieber und Müdigkeit einher.

Ekzema herpeticatum
Ekzema herpeticatum
Ekzema herpeticatum
Ekzema herpeticatum

Bei Verdacht auf die Erkrankung wird der Patient sofort an einen Hautarzt überwiesen. Zur Bestätigung der Diagnose werden Proben aus dem Ausschlag entnommen, um Herpes-Viren und eventuell Bakterien nachzuweisen. Häufig führt der Ausbruch zu einer zusätzlichen Infektion mit Bakterien, die der Borkenflechte ähnelt.

Therapie

Das Ziel der Therapie ist es, einer schweren Infektion vorzubeugen. Ohne Therapie kann die Erkrankung lebensbedrohlich sein.

Die Haupttherapie besteht aus der Einnahme von virushemmenden Medikamenten, die bei schweren Infektionen direkt in den Blutkreislauf oder in leichteren Fällen als Tabletten verabreicht werden. Die Therapie dauert in der Regel mindestens eine Woche.

Lokale virushemmende Medikamente werden meist zur Vorbeugung einer Herpesinfektion im Auge eingesetzt, wenn sich der Ausschlag an den Augenlidern manifestiert. Infektionen infolge der Erkrankung werden meist mit Antibiotika behandelt. Kortisonpräparate können den Zustand verschlimmern.

Prognose

In den meisten Fällen klingt die Infektion mit der richtigen Therapie relativ schnell ab. Die Infektion muss jedoch ernst genommen werden, da sie im schlimmsten Fall ohne Therapie zum Tod führen kann.

Weiterführende Informationen

Autoren

  • Philipp Ollenschläger, Medizinjournalist, Köln

Literatur

Dieser Artikel basiert auf dem Fachartikel Eczema herpeticatum. Nachfolgend finden Sie die Literaturliste aus diesem Dokument.

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