Kortisonsalben und -cremes

Kortison ist ein entzündungshemmendes Mittel. Die verschiedenen kortisonhaltigen Präparate wirken sehr gut bei verschiedenen Krankheiten mit einem Hautausschlag, aber auch bei Krankheiten innerer Organe wie z. B. allergischem Asthma. Wichtig ist, je nach Krankheit und Patientin/Patient das richtige Präparat in der korrekten Dosis zu verwenden; zudem kann Kortison grundsätzlich mit teilweise starken Nebenwirkungen einhergehen. Daher sollte es im Allgemeinen nur gemäß ärztlicher Empfehlung verwendet werden.

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Was ist Kortison?

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Bei Glukokortikosteroiden, in Kurzform als Kortison bezeichnet, handelt es sich um eine Gruppe von Wirkstoffen, die Entzündungen im Körper dämpfen. Hierbei ist Entzündung nicht mit Infektion zu verwechseln: Während bei einer Infektion Erreger (Bakterien, Viren, Pilze) die Ursache sind, reagiert das Immunsystem des Körpers bei einer entzündlichen Reaktion, ohne dass ein Erreger vorliegt. Dies kann etwa bei allergischen Krankheiten der Fall sein, z. B. bei Neurodermitis und Asthma, oder auch bei Autoimmunkrankheiten, wie z. B. rheumotoider Arthritis. Soll das Immunsystem Erreger bekämpfen, dann darf es natürlich nicht gedämpft werden. Geht es aber um eine entzündliche Reaktion, die den Körper im Grunde schädigt, so ist es wichtig, das Immunsystem unter Kontrolle zu bringen: Das kann Kortison.

Kortison als Grundsubstanz ist eigentlich ein Hormon, das aus Vorstufen in den Nebennieren des Menschen produziert wird und wichtige Funktionen hat. Die daraus weiterentwickelten Präparate mit verschiedenen Wirkstärken gehen alle auf dieses Hormon zurück.

Die Präparate können entweder gespritzt oder inhaliert werden oder sind als Tabletten sowie als Lösungen, Salben und Cremes erhältlich. In diesem Artikel finden Sie Informationen über Salben und Cremes.

Kortisonsalben und -cremes lindern Juckreiz, Schmerzen und Beschwerden im Zusammenhang mit Ekzemen, indem es die schädliche (Über-)Reaktion des Immunsystems eindämmt. So kann sich die Haut regenerieren. Kortison ist in vielen verschiedenen Varianten und Stärken erhältlich. Es ist üblich, die Präparate in vier Gruppen aufzuteilen, bei denen Gruppe I am schwächsten und Gruppe IV am stärksten ist. Bei Hautekzemen werden Kortikosteroide üblicherweise in Form von Salben oder Cremes verabreicht. Bei sehr trockener Haut wird eine Salbe einer Creme vorgezogen.

Wirkstärken topischer Kortikoide1

  • Klasse I (leicht)
    • Clobetasonbutyrat
    • Hydrocortison
    • Hydrocortisonacetat
    • Prednisolon
  • Klasse II (mäßig stark)
    • Alclometason-dipropionat
    • Clocortolon-pivalat, -hexanoat
    • Desoximetason
    • Flumetason-pivalat
    • Fluocortolon
    • Flupredniden-21-acetat
    • Hydrocortison-17-butyrat
    • Hydrocortisonbuteprat
    • Prednicarbat
    • Triamcinolonacetonid
    • Dexamethason
    • Dexamethason-isonicotinat
  • Klasse III (stark)
    • Amcinonid
    • Betamethason-17,21-dipropionat
    • Betamethason-17-valerat
    • Desoximetason
    • Diflorason-diacetat
    • Diflucortolon-21-pentanoat
    • Fluocinolonacetonid
    • Fluocinonid
    • Halometason
    • Methylprednisolon-aceponat
    • Mometason-furoat
    • Fluticason-propionat
  • Klasse IV (sehr stark)
    • Clobetasol-propionat

Welche Art von Kortikosteroiden man verwendet, ist unter anderem davon abhängig, wie alt man ist, um welche Art Ausschlag es sich handelt, wie stark dieser ausgeprägt ist und wo auf dem Körper er sich befindet. Im Gesicht wird wegen der empfindlichen Haut vor allem bei Kindern das mildeste Kortikosteroid, Hydrokortison, verwendet. Auf dem restlichen Körper werden meist Kortisonsalben und -cremes mittlerer Stärke verwendet. Allerdings ist auch die Haut an den Augenlidern, Geschlechtsorganen und den Beugen (Achselhöhle, Ellenbeuge, Kniekehle) empfindlicher als etwa die Haut am Rücken.

Es herrscht oft Besorgnis über die schädlichen Auswirkungen von Kortison. Unter anderem wissen wir, dass die Haut dünn und brüchig werden kann, wenn Kortisonsalben und -cremes über einen längeren Zeitraum verwendet werden. Das galt vor allem für die älteren Präparate (Kortison ist seit Jahrzehnten bekannt), die anfangs in sehr hoher Dosierung verwendet wurden.

Es hat sich jedoch inzwischen gezeigt, dass die Nebenwirkungen auf die Haut nach Abschluss der Kortisonbehandlung im Allgemeinen wieder verschwinden und die Haut sich erholt. Dennoch ist es wichtig, nur so viel Kortison wie nötig zu benutzen und die Therapie nicht unnötig lange fortzusetzen. Ihre Ärztin/Ihr Arzt wird Sie darüber beraten. Wichtig zu wissen ist, dass jede Hautkrankheit selbst die Hautschichten und damit die Schutzwirkung der Haut vor Umwelteinflüssen und Erregern schädigt. Korrekt verwendet, hilft Kortison also entscheidend, die Haut und ihre wichtige Funktion wieder herzustellen. 

Für welche Hautkrankheiten eignet sich Kortison?

Kortisonhaltige Cremes oder Salben verordnen Ärzte in der Regel bei Neurodermitis oder bei Schuppenflechte, je nach Schweregrad der Symptome. Solche Cremes kommen auch bei anderen entzündlichen (allergischen) Reaktionen der Haut zum Einsatz, die nicht durch Erreger bedingt sind (etwa eine entzündliche, lokale starke Reaktion auf einen Mückenstich).

Tipps zur Verwendung

Kortisonsalben und -cremes können als Kurzbehandlung über wenige Wochen verwendet werden oder als wiederholte Behandlungen in regelmäßigen Abständen. Oft wird zuerst 1–2 Wochen lang eine mittelstarke Kortisoncreme verabreicht und danach die Dosis 1–3 Wochen lang mit einer schwächeren Creme schrittweise reduziert.

Eine andere Möglichkeit ist, mit einem stärkeren Kortisonpräparat fortzufahren, dabei jedoch allmählich die Anzahl der zuerst 1- bis 2-mal täglichen Verabreichungen auf 2–3 Mal pro Woche zu reduzieren und so einige Wochen fortzufahren.

Wenn eine kurze Behandlung ausreicht, um das Ekzem verschwinden zu lassen, und es danach nicht wieder auftritt, ist dies eine gute Behandlung. Wenn bei Ihnen häufig wiederkehrende Ekzeme auftreten, kann diese Anfälligkeit durch eine sorgfältig durchgeführte Erhaltungstherapie (also eine niedrige Dosis über längere Zeit) reduziert werden. Auf der anderen Seite ist es beim Aufflammen des Ekzems wichtig, so früh wie möglich eine stärkere Kortisonsalbe oder -creme zu verabreichen.

In vielen Fällen verschwindet der Ausschlag nicht vollständig, oder er kehrt schnell zurück. In diesem Fall ist eine Langzeitbehandlung nötig. Sie besteht aus einer Initialbehandlung und gegebenenfalls einer anschließenden Erhaltungstherapie. Diese Therapie kann dann – falls nötig – mit anderen Präparaten (z. B. immunsuppressiven Salben) kombiniert werden.

Kortisoncremes in niedriger Stärke sind rezeptfrei erhältlich. Sie können diese gemäß der Information aus der Apotheke ein paar Tage lang anwenden, etwa bei einem übermäßig juckenden geschwollenen Mückenstich ohne sonstige Symptome. Hat dies keinen Erfolg oder liegt eine länger andauernde Hautveränderung vor, ist in jedem Fall eine ärztliche Untersuchung wichtig. Zum Beispiel kann eine Pilzinfektion der Haut einer entzündlichen Reaktion stark ähneln, dann wäre Kortison aber genau die falsche Therapie. Insofern ist eine korrekte Diagnose wichtig. Ihre Ärztin/Ihr Arzt wird zudem ein passendes Präparat in der richtigen Dosis für Sie aussuchen und wahrscheinlich einen Kontrolltermin vereinbaren, um zu entscheiden, ob noch eine weitere Behandlung nötig ist.

Unerwünschte Wirkungen

Wie bei allen Medikamenten sind mögliche Nebenwirkungen zu beachten. Kortison als Creme wird zwar (je nach Menge) nicht so stark in den Körper aufgenommen wie Tabletten, dennoch sind Risiken zu beachten. Kortison kann die Hautschichten auf Dauer schädigen, daher sollte man vor allem im Bereich der empfindlichen Gesichtshaut vorsichtig sein. Zudem gelangt, wenn große Hautpartien über lange Zeit behandelt werden, auch ein Teil der Dosis in den Körper und kann sich dort ähnlich wie Tabletten auswirken. 

Vor Anwendung in Schwangerschaft und Stillzeit ist unbedingt eine ärztliche Beratung nötig.

Unter anderem können folgende unerwünschte Wirkungen auftreten:

Weitere Informationen

Quellen

Literatur

  1. Altmeyer P. Topische Glukokortikoide. Online Enzyklopädie Dermatologie. Springer 2016. www.enzyklopaedie-dermatologie.de

Autoren

  • Susanne Meinrenken, Dr. med., Bremen