Borkenflechte

Borken-/Grindflechte (Impetigo contagiosa)

Impetigo ist eine oberflächliche Hautinfektion, die Wunden oder kleine Bläschen hervorruft. Sie ist eine der häufigsten Hautinfektionen bei Kindern.

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Was ist Impetigo?

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Impetigo vulgaris ist eine oberflächliche Entzündung der Haut, die durch Bakterien verursacht wird. Typisch für die Erkrankung sind zunächst wunde Hautstellen, die dann verkrusten. Wird die Kruste entfernt, tritt meist gelbliches Sekret aus. Bei der bullösen Impetigo treten mit Sekret gefüllte größere Bläschen auf, die schnell platzen können und eine glatte glänzende Wundoberfläche hinterlassen. Der Ausschlag kann v. a. bei der bullösen Form schmerzhaft sein.

Von Impetigo betroffen sind meistens unbedeckte Hautpartien (Gesicht, Kopfhaut, Hände), die bullöse Form manifestiert sich oft in den Hautfalten (Achselhöhle, Leisten). Am häufigsten tritt die Erkrankung im Spätsommer und frühem Herbst auf, u. a. aufgrund der leichteren Bekleidung, der höheren Luftfeuchtigkeit und der Hitze.

Auslöser sind bestimmte Bakterien (Staphylokokken oder Streptokokken), die durch kleine Wunden in die Haut eindringen und eine Entzündung verursachen. Es wird zwischen einer oberflächlichen Art (Impetigo vulgaris) und einem Bläschen bildenden Typ (bullöse Impetigo) unterschieden. Kinder, die an Neurodermitis bzw. einem Hautekzem leiden, erkranken im Vergleich häufiger an Impetigo.

Impetigo kommt am häufigsten bei Neugeborenen und Kleinkindern vor; laut einer Studie sind 2,8 % der Kinder jünger als 4 Jahre, und 1,6 % der 4- bis 15-Jährigen sind betroffen. Grundsätzlich kann die Erkrankung aber in allen Altersgruppen auftreten.

Ansteckungsgefahr

Impetigo ist eine harmlose Krankheit, die in der Regel nur geringe Beschwerden hervorruft. Die Erkrankung ist jedoch ansteckend und kann auf andere Menschen übergehen, wenn keine Vorsichtsmaßnahmen ergriffen werden. Das erkrankte Kind kann die Infektion bei sich selbst weiter verbreiten, wenn es sich an den Wunden kratzt und das Wundsekret (das große Bakterienmengen enthalten kann) dann auf andere Hautbereiche oder aber durch Hautkontakt auf andere Personen überträgt. Insbesondere in Kindergärten und Schulen sind Ausbrüche von Impetigo wegen des engen Kontakts dort recht häufig. Wer in sehr engen Wohnverhältnissen lebt und wenig Möglichkeiten für eine sorgfältige Hygiene hat, ist ebenfalls eher von dieser Infektion betroffen.

Kindergarten/Tagesbetreuung

Kinder müssen zu Hause bleiben, bis die Borkenflechte unter Kontrolle ist, um eine Ansteckung anderer Kindern zu vermeiden. Wenn die entsprechenden Hautpartien mit Pflastern abgedeckt werden können, sind sie nicht ansteckend. Bei vielen und möglicherweise großen Stellen sollten diese zunächst trocken sein, bevor die Kinder wieder in den Kindergarten gehen dürfen. Im Allgemeinen ist das Infektionsrisiko schnell zu vernachlässigen, sobald eine Behandlung mit Antibiotika eingesetzt worden ist. Kinder können daher in der Regel 24 Stunden nach Beginn einer solchen Behandlung wieder in den Kindergarten gehen; sprechen Sie dies jedoch am besten mit Ihrem Arzt ab. Entsprechende Verhaltensformen gelten natürlich auch für Schulkinder, aber je älter die Kinder sind, desto leichter sind die Wunden unter Kontrolle zu bringen.

Wie soll ich mit Ausbrüchen umgehen?

Bei Ausbrüchen in Kindergärten und Schulen ist nachdrücklich auf eine gute und systematische Handhygiene zu achten. Des Weiteren sollten auch die Verwendung von Einmalhandtüchern/Feuchtetüchern sowie die tägliche Reinigung von Spielzeug etc. gewährleistet werden. Türklinken, Tische und andere oft genutzte Oberflächen sollten mindestens mit Seife und Wasser geputzt werden, evtl. auch mit Oberflächendesinfektionsmitteln.

Besuch beim Arzt

Bei Verdacht auf Impetigo sollte ein Arzt kontaktiert werden. Er wird zu speziellen Verhaltensregeln raten und die nötige Behandlung einleiten. Die wichtigsten Maßnahmen zur Verhinderung einer weiteren Ausbreitung der Infektion bestehen in guter Wundreinigung (Waschen mit Seife und Wasser 2- bis 3-mal tgl.), dem Abdecken der Wunden, strengerer Handhygiene (Händewaschen!) und erhöhter Sauberkeit. Eine schnelle und effektive Behandlung der einzelnen Krankheitsfälle ist ebenso wichtig, um eine Ausbreitung der Infektion zu verhindern. Eine gute Maßnahme zur Verhinderung einer Infektion besteht darin, kleine Wunden der Haut gut zu versorgen – unter anderem durch Waschen, gegebenenfalls mit einer Wunddesinfektion wie einer Chlorhexidin-Lösung.

Diagnostik

Der Arzt stellt die Diagnose aufgrund der typischen Erscheinung des Hautausschlags: Kleine nässende Bereiche, die nach und nach von einer gelblich braunen Kruste bedeckt werden und v. a. an der Nase, Ohrläppchen und am Mundwinkel vorkommen, aber auch an den Handgelenken und am Rumpf. Falls Zweifel an der Diagnose bestehen, kann ein Abstrich von den Wunden genommen werden.

Während es den Kindern mit Impetigo vulgaris trotz der kleinen Wunden und Bläschen insgesamt meist gut geht, können die Bläschen bei der bullösen Impetigo schmerzen, und einige betroffene Kinder haben Fieber und fühlen sich insgesamt unwohl. Bei der bullösen Form sind vorwiegend Achselhöhlen, bei Säuglingen auch der Windelbereich oder die Nackenfalte betroffen.

Behandlung

Impetigo ist eine ansteckende, doch in der Regel harmlose Krankheit. In vielen Fällen geht sie bei guter Wundreinigung und Hygiene von selbst vorüber.

  • Es wird eine gewöhnliche Reinigung mit Seife und viel fließendem Wasser empfohlen.
  • Dicke Krusten sollten durch ein Bad oder Umschläge aufgeweicht und dann entfernt werden. Festsitzende Krusten sollten nicht entfernt werden.
  • Wenn nur wenige und dazu kleine betroffene Hautpartien in einem abgegrenzten Bereich auftreten, sollte 2- bis 3-mal tgl. mit Chlorhexidin gereinigt und anschließend trocken gewickelt werden.
  • Sind mehrere Hautpartien in einem Bereich des Körpers betroffen, wird zusätzlich empfohlen, eine antiseptische oder antibiotische Salbe auf die Wunden aufzutragen, nachdem diese mit Chlorhexidin gereinigt worden sind.
  • Gibt es viele betroffene Hautpartien, evtl. an mehreren Bereichen des Körpers, wird neben dem o. g. Maßnahmen auch die Verwendung von Antibiotika als Tablette oder Saft (rezeptpflichtig) empfohlen. Tritt Impetigo mit Bläschenbildung auf, ist ebenfalls der Einsatz von Antibiotika angezeigt.

Hartnäckige Fälle von Impetigo oder wiederholte Rückfälle können dadurch verursacht werden, dass sich die pathogenen Bakterien im Körper eingenistet haben, was normalerweise am äußeren Rand der Nasenlöcher der Fall ist. Daher wird in manchen Fällen empfohlen, die antiseptische Salbe an den Innenseiten der Nase aufzutragen (z. B. unter Verwendung eines Wattestäbchens), und zwar 2-mal täglich, solange der Hautausschlag behandelt wird. Auch nach abgeschlossener Therapie der Hautwunden sollte dies noch mehrmals wöchentlich für mehrere Wochen fortgeführt werden.

Es ist auch denkbar, dass in Fällen, in denen die Infektion nicht unter Kontrolle gebracht werden kann, andere Familienmitglieder „der Wirt“ für die Mikroben sind. Dann kann es sinnvoll sein, bei allen Familienmitgliedern eine gewisse Zeit lang eine „Nasenbehandlung“ durchzuführen.

Vorbeugende Maßnahmen

Gute Handhygiene ist die wichtigste vorbeugende Maßnahme. Auch sollte jedes Familienmitglied ein eigenes Handtuch benutzen. Das Infektionsrisiko wird durch eine sorgfältige Abdeckung des Hautausschlags durch einen Pflaster oder Verband reduziert. Kleidung und Bettwächse des betroffenen Kindes sollten bei 60 °C gewaschen werden.

Weitere Informationen

Autoren

  • Susanne Meinrenken, Dr. med., Bremen

Literatur

Dieser Artikel basiert auf dem Fachartikel Impetigo contagiosa. Nachfolgend finden Sie die Literaturliste aus diesem Dokument.

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