Follikulitis

Follikulitis ist eine bakterielle Entzündung in einem oder mehreren Haarfollikeln. Die Infektion kann oberflächlich sein oder in der Tiefe liegen.

Deximed – Deutsche Experteninformation Medizin

"Deximed ist für mich eine große Hilfe, um im Praxisalltag schnell aktuelles Wissen zur Therapie oder Diagnostik nachschlagen zu können. Die übersichtliche Struktur ermöglicht es, sogar im Patientenkontakt rasch etwas nachzulesen." - PD Dr. med. Guido Schmiemann, Facharzt für Allgemeinmedizin, Bremen

Deximed ist ein unabhängiges Arztinformationssystem mit Fokussierung auf die primärärztliche Versorgung. Evidenzbasierte und regelmäßig aktualisierte Artikel zu allen medizinischen Gebieten zeichnen Deximed aus.

Mehr erfahren

Was ist Follikulitis?

qr-code_45200.png

Jedes einzelne Haar auf dem Körper wächst in einem eigenen Follikel (Haarbalg). Bei einer Follikulitis (Haarbalgentzündung) besteht eine meist bakterielle Infektion von einem oder mehreren Haarfollikeln. Solche Infektionen können oberflächlich oder in der Tiefe liegen. In der Regel sind diese Entzündungen im Gesicht, auf der Kopfhaut, am Oberkörper oder am Oberschenkel lokalisiert, können aber generell überall auftreten.

Entzündungen in der Tiefe können zu entzündeten Knötchen und eitergefüllten Hohlräumen fortschreiten und werden dann Furunkel genannt. Treten viele solcher Furunkel auf, spricht man von Furunkulose. Dabei handelt es sich um eine eine häufig vorkommende Erkrankung bei Erwachsenen. Wenn mehrere Furunkel verschmelzen, können sich größere, entzündete Knoten bilden, sogenannte Karbunkel. Sie gehen gelegentlich mit Fieber und anderen Allgemeinsymptomen einher.

Ursache

Eine Follikulitis ist in der Regel auf eine Infektion mit Bakterien vom Typ Staphylococcus aureus zurückzuführen. Oberflächliche Haarbalgentzündungen werden durch ständige Reibung der Haut, eng sitzende Kleidung, Neigung zu vermehrtem Schwitzen und trockene Haut begünstigt. Bei Männern ist häufig der Bartbereich betroffen. Die mechanische Irritation bei der Rasur kann eine Follikulitis zusätzlich begünstigen (auch z. B. an den Beinen).

Weitere Risikofaktoren sind ein atopisches Ekzem, Diabetes, ein geschwächtes Immunsystem, Mangelernährung, starke Talgabsonderung und Akne. Darüber hinaus können Whirlpools eine mögliche Infektionsquelle darstellen. 

Diagnose

Das Erscheinungsbild von Follikulitis oder Furunkeln ist charakteristisch. Oft reicht eine einfache ärztliche Untersuchung für die Diagnosestellung.

Bei schwereren Verläufen wird von den entzündeten Stellen ein Abstrich für eine bakterielle Untersuchung gemacht. Wenn die Infektion häufig wiederkehrt, kann zusätzlich eine Probe aus der Nase und der Leistengegend entnommen werden.

Blutuntersuchungen sind selten erforderlich.

Therapie

Bei einer oberflächlichen Follikulitis ist eine Therapie meist nicht notwendig. Oberflächliche Infektionen sollten mit antiseptischen oder desinfizierenden Waschlotionen und einem lokal aufzutragenden, antiseptischen Mittel behandelt werden. Infizierter Schorf sollte durch Baden, Waschen oder mit Umschlägen aufgeweicht und entfernt werden. Auch die normale Reinigung mit Seife und viel Wasser ist wichtig. Zusätzlich können Sie über 3‒4 Tage Polyhexanid, Polyvidon-Jod, Octenidin oder Chlorhexidin anwenden.

Vorsicht ist geboten bei der Verwendung von lokal wirkenden Antibiotika. Sie können zur Entwicklung von Resistenzen gegen Antibiotika beitragen und darüber hinaus die Wundheilung hemmen.

Einer oberflächlichen Follikulitis kann durch Vermeidung von eng sitzender Kleidung und Austrocknung der Haut entgegengewirkt werden.

Bei Furunkeln, Furunkulose und Karbunkeln sollte der betroffene Körperteil ruhig gestellt werden. Versuchen Sie nicht, die entzündeten Knötchen auszudrücken! Wenn Furunkel im Gesicht auftreten, wird zu Bettruhe, Sprech- und Kauverbot geraten.

Gelegentlich können Ärzte die mit Eiter gefüllten Hohlräume mithilfe einer Nadel entleeren.

Furunkel werden mit Antibiotika zum Einnehmen, in der Regel für 5‒7 Tage, behandelt. Bei schweren Verläufe und Furunkeln im Gesicht erfolgt die Behandlung im Krankenhaus.

Bei Follikulitis der Kopfhaut wird der Kopf täglich mit keimvermindernden Shampoos gewaschen. Zusätzlich werden über 6‒12 Wochen Antibiotka verschrieben.

Zur Verhinderung von Rückfällen bei Patienten mit häufigen Furunkeln sollte versucht werden, die Ansteckungsquelle zu ermitteln und zu beseitigen.

Weitere Informationen

Autoren

  • Martina Bujard, Wissenschaftsjournalistin, Wiesbaden

Literatur

Dieser Artikel basiert auf dem Fachartikel Follikulitis/Furunkulose. Nachfolgend finden Sie die Literaturliste aus diesem Dokument.

  1. Peter Altmeyer. Online-Enzyklopädie der Dermatologie, Venerologie. Follikulitis und Furunkel. Allergologie und Umweltmedizin. Springer, Berlin. Zugriff 30.04.2019 www.enzyklopaedie-dermatologie.de
  2. 6. Korting H C, Abeck D Strom K. Pyodermien – Ein interdisziplinäres Problem.Dt Ärztebl 2001 www.aerzteblatt.de
  3. Deutsche Gesellschaft für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie, Deutsche Gesellschaft für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde. Diagnostik und Therapieoptionen von Aphthen und aphtoiden Läsionen der Mund- und Rachenschleimhaut. AWMF-Leitlinie Nr.007-101, Stand 2016. www.awmf.org
  4. Wolff H, Fischer TW, Blume-Peytavi U: The diagnosis and treatment of hair and scalp diseases. Dtsch Arztebl Int 2016; 113: 377–86. www.aerzteblatt.de
  5. Durupt F, Mayor L, Bes M, et al. Prevalence of Staphylococcus aureus toxins and nasal carriage in furuncles and impetigo. Br J Dermatol 2007; 157: 1161-7. PubMed
  6. Niedersächisches Landesgesundheitsamt. Rationale orale Antibiotikatherapie für Erwachsene im niedergelassenen Bereich. 2. Auflage 2018 S.71ff