Schweißdrüsenentzündung (Acne inversa)

Eine Schweißdrüsenentzündung (Acne inversa) ist eine Entzündung der Haarfollikel in Bereichen des Körpers mit Schweißdrüsen, meist in den Achselhöhlen oder der Leistengegend, sie kann aber auch um die Genitalien, das Gesäß oder die Brüste bei Frauen herum auftreten.

Deximed – Deutsche Experteninformation Medizin

"Deximed ist für mich eine große Hilfe, um im Praxisalltag schnell aktuelles Wissen zur Therapie oder Diagnostik nachschlagen zu können. Die übersichtliche Struktur ermöglicht es, sogar im Patientenkontakt rasch etwas nachzulesen." - PD Dr. med. Guido Schmiemann, Facharzt für Allgemeinmedizin, Bremen

Deximed ist ein unabhängiges Arztinformationssystem mit Fokussierung auf die primärärztliche Versorgung. Evidenzbasierte und regelmäßig aktualisierte Artikel zu allen medizinischen Gebieten zeichnen Deximed aus.

Mehr erfahren

Was ist eine Schweißdrüsenentzündung?

Eine Schweißdrüsenentzündung – in der Fachsprache Acne inversa – ist eine Entzündung der Haarfollikel und Talgdrüsen in Hautfalten. Sie tritt in Bereichen des Körpers mit Schweißdrüsen auf, meist in der Achselhöhle oder der Leistengegend, sie kann aber auch um die Genitalien, das Gesäß oder die Brüste bei Frauen herum auftreten. Die Erkrankung ruft schmerzhafte Abszesse, Knötchen und Pickel hervor. Die Knoten öffnen sich häufig von selbst, sondern Eiter ab und können unter Narbenbildung verheilen. Die Schweißdrüsenentzündung stellt in den meisten Fällen eine wiederkehrende Beschwerde dar. Die Betroffenen schildern häufig Wundsein, Schmerzen und Beschwerden mit übelriechenden Sekreten aus den beeinträchtigten Partien. Diese Umstände können zu Hemmungen im sozialen Umgang führen und die Lebensqualität stark beeinträchtigen.

Schätzungsweise kommt die Erkrankung bei 1 % der europäischen Bevölkerung vor. Die Erkrankung tritt meist nach der Pubertät auf, bei Frauen bessert sie sich häufig nach den Wechseljahren.

Ursachen

Erbliche Faktoren scheinen eine Rolle zu spielen, in manchen Familien kommt die Erkrankung häufiger vor. Bei bis zu 30 % gibt es in einer Familie gleich mehrere Fälle. Bei Frauen spielt offenbar auch eine hormonelle Komponente eine Rolle, bei einigen steht das Aufflammen der Entzündung in Zusammenhang mit der Menstruation und mit Menstruationsbeschwerden. Die Krankheit tritt häufiger oder ausgeprägter in Erscheinung bei Rauchern und übergewichtigen Personen. Mehr als 75 % der Patienten sind übergewichtig.

Die Entzündung wird durch Verstopfen des Talgdrüsenausführgangs in Bereichen des Körpers mit Schweißdrüsen verursacht. Im Anschluss baut sich unter der Haut eine Entzündungsreaktion auf und evtl. eine zusätzliche Infektion mit Bakterien. Im Verlauf bilden sich Abszesse, die aufplatzen können.

Verletzungen der Haut, Hitze und Feuchtigkeit erhöhen das Risiko solcher Beschwerden. Die Erkrankung ist nicht auf mangelnde Hygiene zurückzuführen und ist nicht ansteckend.

Diagnose

Die Diagnose wird anhand des typischen Verlaufs und Aussehens der Hautveränderungen gestellt. Die Erkrankung verursacht Knötchen oder Abszesse mit Schmerzen, Schwellungen, Rötungen in der Achselhöhle, Leistengegend, an der Innenseite der Oberschenkel oder um die äußeren Genitalien herum. Die Knoten können sich zu Pusteln entwickeln, die schließlich aufbrechen und Eiter absondern. Sehr häufig kehrt die Erkrankung über mehrere Jahre hinweg immer wieder zurück. Im Lauf der Zeit können sich Narben oder Fistelgänge unter der Haut bilden.

Zur weiteren Diagnostik und Behandlung werden Sie an eine Hautarztpraxis überwiesen.

Behandlung

Die passende Therapie wird je nach Schweregrad der Erkrankung und Beeinträchtigung der Patienten gewählt.

In leichten Fällen werden die betroffenen Hautstellen mit einer antibiotikahaltigen Creme behandelt. Diese wird über 3 Monate 2-mal täglich aufgetragen. Bei leichten Formen kann auch ein Peeling mit Resorcinol versucht werden.

Akute Entzündungen führen zu Schwellungen, Rötungen und in vielen Fällen zu unangenehmem Eiterausfluss. Solche akuten oder ausgedehnten Entzündungen können mit Antibiotika in Tablettenform (z. B. Tetracyclin) behandelt werden. Die Therapie dauert mehrere Monate. Nicht alle Patienten sprechen auf die Behandlung an, und es kann zu Rückfällen kommen.

Womöglich kann es angezeigt sein, dass Ihre Ärztin/Ihr Arzt den Abszess öffnet und ihn leert. Solch eine Behandlung beugt allerdings keinem späteren Rückfall vor.

Schmerzen können Sie mit entzündungshemmenden Schmerzmitteln (NSAR) lindern.

Wegen der Rückfallneigung wird oft ein operativer Eingriff empfohlen, wenn die betroffene Person bereits mehrere Episoden erlebt hat. Einzelne Abszesse können dabei ausgeschnitten werden. Bei schweren, großflächigen Verläufen wird ein Teil der Oberhaut entfernt. Die Operation kann einen stationären Krankenhausaufenthalt erfordern und eine längere Krankschreibung nach sich ziehen. Eine Operation bietet die einzige Behandlungsform, um die Erkrankung dauerhaft zu heilen, doch kann sie nicht verhindern, dass an anderen Stellen neue Entzündungen auftreten.

Auch eine Lasertherapie stellt für viele Betroffene eine wirksame Behandlung dar.

Vorbeugende Maßnahmen

Eine wichtige Maßnahme zur Besserung besteht darin, mit dem Rauchen aufzuhören. Bei Übergewicht sollte Normalgewicht angestrebt werden.

Geschädigte Haut ist oft anfällig für eine Verschlechterung, weshalb Sie vermeiden sollten, die Haut zu verletzen, z. B. beim Rasieren. Die Kleidung sollte luftig sein und locker getragen werden, um Reibung zu verhindern und eine Temperaturregulierung zu unterstützen. Wenn möglich, sollte warmes und feuchtes Klima gemieden werden. Die tägliche Anwendung eines Deos kann einem Aufweichen der Haut durch Schweiß entgegenwirken, es sollte aber nicht verwendet werden, wenn die Haut gereizt ist. Drücken oder quetschen Sie nicht an neuen Knötchen in der Haut.

Tägliches, vorsichtiges Waschen (ohne Waschlappen) kann den Geruch vermindern und einer Infektion der Haut vorbeugen. Verwenden Sie eine milde Seife mit neutralem pH-Wert. Bei unangenehmem Geruch können Sie auch eine antibakterielle Seife zum Waschen verwenden.

Verlauf und Prognose

Der Schweregrad der Erkrankung schwankt häufig, der Krankheitsverlauf ist jedoch vielfach chronisch mit wiederkehrenden Schüben. Unbehandelt dauert die Erkrankung durchschnittlich ca. 20 Jahre an. Bei den meisten Frauen gehen die Beschwerden nach den Wechseljahren zurück.

Als Komplikationen können Narben und selten auch akute bakterielle Infektionen auftreten. Die Lebensqualität der Betroffenen ist stark eingeschränkt. Häufig gehen Depressionen mit der Erkrankung einher.

Weitere Informationen

Autoren

  • Martina Bujard, Wissenschaftsjournalistin, Wiesbaden

Literatur

Dieser Artikel basiert auf dem Fachartikel Hidradenitis suppurativa. Nachfolgend finden Sie die Literaturliste aus diesem Dokument.

  1. Ingram JR, Desai N, Kai AC, et al. Interventions for hidradenitis suppurativa (Protocol). Cochrane Database of Syst Rev 2012; CD010081. DOI: 10.1002/14651858.CD010081. DOI
  2. Peter Altmeyer. Online-Enzyklopädie der Dermatologie, Venerologie, Allergologie und Umweltmedizin. Springer, Berlin u. a. 2015 www.enzyklopaedie-dermatologie.de
  3. Breuninger H, Wienert V. Acne inversa. Deutsches Ärzteblatt. 2001; 98(44): A-2889 / B-2457 / C-2301. www.aerzteblatt.de
  4. Zouboulis CC, Desai N, Emtestam L, et al. European S1 guideline for the treatment of hidradenitis suppurativa/acne inversa. J Eur Acad Dermatol Venereol 2015; 29(4): 619-44. www.ncbi.nlm.nih.gov
  5. Margesson LJ, Danby FW. Hidradenitis suppurativa. Best Practice & Research Clinical Obstetrics & Gynaecology 2014; 28(7): 1013-1027. doi:https://doi.org/10.1016/j.bpobgyn.2014.07.012
  6. Gulliver W, Zouboulis CC, Prens E, et al. Evidence-based approach to the treatment of hidradenitis suppurativa/acne inversa, based on the European guidelines for hidradenitis suppurativa. Rev Endocr Metab Disord 2016; 17(3): 343–351. pmid: 26831295 PubMed
  7. Collier F, Smith RC, Morton CA. Diagnosis and management of hidradenitis suppurativa. British Medical Journal 2013; 346: f2121. doi:http://dx.doi.org/10.1136/bmj.f2121
  8. Revuz J. Hidradenitis suppurativa. Journal of the European Academy of Dermatology and Venereology 2009;23:985-98. doi: 10.1111/j.1468-3083.2009.03356.x. DOI
  9. Von der Werth JM, Williams HC, Raeburn JA. The clinical genetics of hidradenitis suppurativa revisited. Br J Dermatol 2000; 142: 947-53. PubMed
  10. Yu CCW, Cook MG. Hidradenitis suppurativa: a disease of follicular epithelium, rather than apocrine glands. British Journal of Dermatology 1990; 122: 763-9. doi:DOI: 10.1111/j.1365-2133.1990.tb06264.x DOI
  11. Deutsches Ärzteblatt. Adalimumab lindert Hidradenitis suppurativa. 2016. Zuletzt aufgerufen am 26.11.2019. www.aerzteblatt.de
  12. Von der Werth JM, Williams HC. The natural history of hidradenitis suppurativa. J Eur Acad Dermatol Venereol 2000; 14: 389-92. PubMed
  13. Morgan WP, Leicester G. The role of depilation and deodorants in hidradenitis suppurativa. Arch Dermatol 1982; 118: 101-2. PubMed
  14. Deutsches Ärzteblatt. Neues Bewertungssystem für Acne inversa. 2018. Zuletzt aufgerufen am 26.11.2019 www.aerzteblatt.de
  15. Hessam S, Scholl L, Sand M, et al. A Novel Severity Assessment Scoring System for Hidradenitis Suppurativa. JAMA Dermatol 2018; 154(3): 30-335. doi:10.1001/jamadermatol.2017.5890 DOI
  16. Scheinfeld N. Hidradenitis suppurativa: A practical review of possible medical treatments based on over 350 hidradenitis patients. Dermatology Online Journal 2013. escholarship.org
  17. Margesson LJ, Danby FW. Treatment of hidradenitis suppurativa (acne inversa). UpToDate last updated May 2014 www.uptodate.com
  18. Shah N. Hidradenitis suppurativa: A treatment challenge. Am Fam Physician 2005; 72: 1547-52. PubMed
  19. Soria A, Canoui-Poitrine F. Absence of efficacy of oral isotretinoin in hidradenitis suppurativa: a retrospective study based on patient’s outcome assessment. Dermatology 2009; 218: 134-5. DOI:10.1159/000182261. DOI
  20. Brocard A, Knol AC. Hidradenitis suppurativa and zinc: a new therapeutic approach. Dermatology 2007; 214: 325-7. doi:10.1159/000100883 DOI
  21. Orchard TJ, Temprosa M, Goldberg R, et al. The effect of metformin and intensive lifestyle intervention on the metabolic syndrome: the Diabetes Prevention Program randomized trial. Ann Intern Med 2005; 142: 611-9. PMID: 15838067. PubMed
  22. Kagan RJ, Yakuboff KP, Warner P, Warden GD. Surgical treatment of hidradenitis suppurativa: a 10-year experience. Surgery 2005; 138: 734-40. Surgery
  23. van der Zee HH, Prens EP, Boer J. Deroofing: a tissue-saving surgical technique for the treatment of mild to moderate hidradenitis suppurativa lesions. J Am Acad Dermatol 2010; 63: 475. pmid:20708472 PubMed
  24. Rompel R, Petres J. Long-term results of wide surgical excision in 106 patients with hidradenitis suppurativa. Dermatol Surg 2000; 26: 638-43. PubMed
  25. Harrison BJ, Kumar S, Read GF, Edwards CA, Scanlon MF, Hughes LE. Hidradenitis suppurativa: evidence for an endocrine abnormality. Br J Surg 1985; 72: 1002-4. PubMed
  26. Finley EM, Ratz JL. Treatment of hidradenitis suppurativa with carbon dioxide laser excision and second-intention healing. J Am Acad Dermatol 1996; 34: 465-9. PubMed
  27. Xu LY, Wright DR, Mahmoud BH, et al. Histopathologic study of hidradenitis suppurativa following long-pulsed 1064-nm Nd:YAG laser treatment. Arch Dermatol 2011; 147: 21-8. pmid:20855672 PubMed
  28. Machado MO, Stergiopoulos V, Maes M, et al. Depression and Anxiety in Adults With Hidradenitis Suppurativa. JAMA Dermatol. 2019; 155(8): 939-945. doi:10.1001/jamadermatol.2019.0759 DOI
  29. Danby FW, Margesson LJ. Hidradenitis suppurativa. Dermatol Clin 2010; 28: 779. pmid:20883920 PubMed