Haarausfall bei Frauen

Haarausfall vom weiblichen Typ betrifft vor allem den Bereich mittig auf dem Kopf. Durch diese Art Haarausfall werden die Haare lichter, der Kopf wird jedoch nicht ganz kahl. Es entstehen keine Narben der Haut.

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Was bedeutet Haarausfall?

Die medizinische Bezeichnung für Haarausfall ist Alopezie. Eine bestimmte Art des Haarausfalls bei Frauen (und Männern) wird als androgenetische Alopezie bezeichnet. Typisch für Haarausfall dieses sogenannten weiblichen Typs ist vor allem ein Haarverlust im Scheitelbereich mittig auf dem Kopf ohne Narbenbildung. Aber der Haarausfall kann auch manchmal an anderen Stellen vorkommen. Grundsätzlich bilden sich aber keine größeren völlig kahlen Stellen.

Andere Arten von Haarausfall bei Frauen können mit einer Narbenbildung auf der Kopfhaut einhergehen. Eine weitere Form des Haarausfalls ohne Narbenbildung ist hingegen die Alopecia areata, bei der Haare in einem rundlich begrenzten Gebiet komplett ausfallen.

Haarausfall bei Frauen stellt oft eine erhebliche psychische und soziale Belastung dar; die Krankheit kann den emotionalen Zustand und die Lebensqualität einer Frau stark beeinträchtigen.

Haarausfall bei Frauen ist keine Seltenheit: Mehr als ein Drittel aller Frauen sind im Laufe ihres Lebens von erheblichem Haarausfall betroffen. Am häufigsten tritt er nach den Wechseljahren auf, doch zu einem ungewöhnlich starken Ausfall von Haaren kann es in jedem Alter und aufgrund unterschiedlicher Ursachen kommen.

Haarzyklus

In der Kopfhaut sitzen im Durchschnitt etwa 100.000 Haare. Ein Haar besteht aus einem Haarbalg mit Haarwurzel und dem Haarschaft, der durch die Haut wächst und sich zu dem Haar entwickelt, das wir aus der Kopfhaut wachsen sehen. Ein Haar wächst im Laufe eines Jahres etwa 15 cm. Beim Haarwachstum wird zwischen drei Phasen unterschieden:

  1. Anagenphase
  2. Katagenphase
  3. Telogenphase.

In der Anagenphase befinden sich über 90 % der Haare, die in dieser Phase wachsen und als Anagenhaare bezeichnet werden. Sie sind tief im Unterhautgewebe verankert und lassen sich nicht so leicht aus der Kopfhaut ziehen. Das Haar erneuert sich ständig und verbleibt 3–7 Jahre in der Kopfhaut, bevor es ausfällt und durch ein neues Haar ersetzt wird. Die Anagenphase macht fast die gesamte Lebensdauer eines Haares aus.

Nach der Anagenphase folgt die Katagenphase, die 2 Wochen dauert und in der die Haarzellen absterben. Was diesen Prozess auslöst, ist nicht bekannt.

Auf die Katagenphase folgt die Telogenphase. Dies ist eine Ruhephase, die 2–4 Monate dauert. Verglichen mit den Anagenhaaren sitzen Haare in der Telogenphase, die als Telogenhaare bezeichnet werden, weniger tief in der Haut und können relativ leicht herausgezogen werden. Normalerweise verliert die Kopfhaut jeden Tag etwa 100 Haare; diese befinden sich in der Telogenphase.

Verliert eine Person deutlich mehr als täglich 100 Haare und weist lichtes Haar oder kahle Stellen auf, spricht man von einer Alopezie.

Ursachen für Haarausfall

Auf die Frage, warum sich bei Frauen ein Haarausfall entwickelt, gibt es keine eindeutige Antwort. In manchen Fällen sind andere Erkrankungen wie der diskoide Lupus erythematodes, Lichen ruber planus (Knötchenflechte), kreisrunder Haarausfall (Alopecia areata) oder eine Pilzinfektion im Bereich der Kopfhaut verantwortlich.

Beim Haarausfall vom weiblichen Typ besteht möglicherweise ein Ungleichgewicht zwischen den weiblichen und männlichen Geschlechtshormonen (Androgene). Es ist jedoch nicht genau bekannt, welche Rolle Androgene beim Haarausfall vom weiblichen Typ spielen. Haarausfall vom weiblichen Typ (androgenetische Alopezie) ist die häufigste Ursache von Haarausfall bei Frauen. Oft tritt er in der Familie gehäuft auf. Nach der Pubertät kann er in jedem Alter einsetzen. Im Alter von 70 Jahren haben knapp 40 % der Frauen Haarausfall vom weiblichen Typ erlebt, wie sich in einer Studie zeigte.

Betroffen ist der Bereich mittig auf dem Kopf, die vordere Haarlinie bleibt ausgespart. Typisch ist ein breiterer Scheitelbereich, in dem das Haar im Vergleich zum Hinterkopf lichter ist. Bei manchen Frauen sind auch die seitlichen Bereiche des Kopfs betroffen.

Beim anlagebedingten Haarausfall vom weiblichen Typ sind die nachwachsenden Haare feiner und dünner als das ursprüngliche Haupthaar. Die Haarwurzeln schrumpfen und stellen schließlich das Haarwachstum ein.

Andere Ursachen für Haarausfall können auch eine Pilzinfektion der Kopfhaut sein (Tinea capitis), schwere bakterielle Infektionen oder psychisch bedingtes selbstschädigendes Verhalten mit Ausreißen der Haare.

Stressbedingter Haarausfall (Telogeneffluvium)

Eine wesentliche Ursache von übermäßigem Haarausfall bei Frauen ist zudem das sogenannte Telogeneffluvium. Es entsteht, wenn eine erhöhte Zahl von Haaren (30–50 %) in die Telogenphase (Ruhephase) des Haarzyklus eintritt, woraufhin diese Haare etwa 3 Monate später ausfallen. Frauen mit dieser Störung können pro Tag mehr als 300 Haare verlieren. Die Folge ist eine allgemeine Ausdünnung des Haupthaares. Durch Zupfen an etwa 40 bis 60 Haaren lassen sich bei dieser Störung mehr als 10 % der Haare lösen (Zupftest bei der Ärztin/beim Arzt). Bei 1 von 3 Frauen kann keine Ursache für den Haarausfall dieses Typs ausgemacht werden. Bei den übrigen Betroffenen beginnt der Haarausfall etwa 3 Monate nach:

  • einer schweren Erkrankung oder großem Stress (z. B. nach einer Operation/einer Geburt, bei raschem Gewichtsverlust oder Mangelernährung, bei hohem Fieber oder einer Blutung)
  • Hormonstörungen
  • dem Beginn einer Behandlung mit bestimmten Medikamenten (z. B. Chemotherapien, Hormone, Antiepileptika, Blutverdünner, Betablocker, ACE-Hemmer oder Lithium).

Wenn die Ursache behoben wird, kann der Haarausfall bei einem Telogeneffluvium bis zu 6 Monate anhalten. Besteht der Haarausfall über einen Zeitraum von mehr als 6 Monaten, spricht man von einem chronischen Telogeneffluvium. Bei manchen Frauen kann ein solcher Haarausfall über Jahre bestehen.

Krankengeschichte

Es ist wichtig zu klären, welches Muster der Haarausfall hat. Wird das Haar generell lichter, ist dies typisch für Haarausfall vom weiblichen Typ oder ein Telogeneffluvium. Fällt das Haar nur an bestimmten Stellen ganz aus, deutet dies auf einen kreisrunden Haarausfall (Alopecia areata) hin. Wenn die ausfallenden Haare auch die Haarwurzel umfassen, spricht dies ebenfalls für ein Telogeneffluvium oder kreisrunden Haarausfall.

Es ist wichtig zu klären, ob dem Haarausfall ein Stressereignis vorausgegangen ist, ob neue Medikamente angewendet werden oder ob es weitere Fälle in der Familie gibt. Akne, eine unregelmäßige Menstruation oder ein eher männlicher Behaarungstyp (Hirsutismus) kann auf einen Überschuss an männlichen Geschlechtshormonen hindeuten, wie er beim polyzystischen Ovarsyndrom vorliegt. Außerdem sollte geklärt werden, ob eine Schilddrüsenunter- oder -überfunktion besteht. Manchen Frauen fallen während der Schwangerschaft ungewöhnlich viele Haare aus. Psoriasis (Schuppenflechte) und das seborrhoische Ekzem können ebenfalls zu vermehrtem Haarausfall führen.

Setzt der Haarausfall relativ plötzlich ein, kann dies auf eine zugrunde liegende Erkrankung hindeuten.

Diagnose

Die Diagnose richtet sich danach, welches Muster der Haarausfall hat, und ob es Anzeichen einer Erkrankung der Haut oder Kopfhaut gibt. Die Ärztin oder der Arzt wird die Kopfhaut und die Haare sorgfältig untersuchen und dabei u. a. prüfen, ob die Haare mit oder ohne Wurzel ausgefallen sind. Blutuntersuchungen können dabei helfen, zugrunde liegende Ursachen wie eine Schilddrüsen- oder eine Autoimmunerkrankung auszuschließen. Auch Entzündungszeichen, auffällig veränderte Hormonwerte oder ein möglicherweise zu niedriger Eisenspiegel im Blut können als Hinweise überprüft werden.

Zudem wird die Ärztin bzw. der Arzt fragen, ob auch Haare am Körper vermehrt ausfallen oder möglicherweise verstärkt wachsen, ob schwerwiegende Ereignisse/Krankheiten bestanden, ob Sie gerade neue Medikamente bekommen haben usw.

Behandlung

Das Ziel der Behandlung besteht darin, einem weiteren Haarausfall entgegenzuwirken und das Wachstum neuer Haare zu fördern.

Wie gut die Patientinnen auf die Behandlung ansprechen, ist von Person zu Person sehr unterschiedlich. Bei vielen zeigt die Behandlung kaum Wirkung. Mögliche Behandlungen bestehen in der örtlichen Anwendung von Minoxidil, der Einnahme von Antiandrogenen (Stoffen, die die männlichen Geschlechtshormone hemmen) oder auch in einer Haartransplantation. Es kann 6 Monate bis 1 Jahr dauern, bis die Behandlungen Wirkung zeigen.

Minoxidil zur äußerlichen Anwendung scheint die sicherste und wirksamste Behandlung der androgenetischen Alopezie darzustellen. Doch Minoxidil ist kein Wundermittel. Studien zufolge lässt sich durch diesen Wirkstoff bei etwa 80 % der Frauen der Haarausfall stoppen, bei der Hälfte werden die Haare wieder dichter. Empfohlen wird die Anwendung einer 2-prozentigen Lösung.

Antiandrogene spielen bei der Behandlung von Haarausfall bei Frauen eine eher untergeordnete Rolle; Voraussetzung für diese Therapie ist, dass ein Hormonungleichgewicht nachgewiesen wurde.

Haartransplantationen werden immer häufiger zur Behandlung von Haarausfall vom weiblichen Typ eingesetzt. Das Transplantat (Graft) wird aus dem Nacken der Patientin entnommen und in den oberen Bereich des Kopfes implantiert. Üblicherweise wird das Transplantat dabei in viele kleine Teile zerteilt, die nacheinander in den vom Haarausfall betroffenen Bereich verpflanzt werden, zum Beispiel mithilfe einer Nadel. Zur Wirksamkeit dieser Art von Behandlung liegen jedoch noch zu wenige wissenschaftliche Daten vor.

Prognose

Die Prognose bei Haarausfall bei Frauen ist unsicher. Oft fallen die Haare eine Zeit lang kontinuierlich weiter aus, bevor dies zum Stillstand kommt. Eine vollständige Kahlheit wie bei Männern entwickelt sich jedoch nicht.

Weitere Informationen

Autoren

  • Susanne Meinrenken, Dr. med., Bremen

Literatur

Dieser Artikel basiert auf dem Fachartikel Haarausfall vom weiblichen Typ. Nachfolgend finden Sie die Literaturliste aus diesem Dokument.

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