Haarausfall bei Männern

Die meisten Männer haben im Laufe ihres Lebens Haarausfall, aber der Zeitpunkt des Beginns und die Geschwindigkeit des Haarausfalls variieren.

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Was ist Haarausfall bei Männern?

Die häufigste Form des Haarverlustes ist die androgenetische Alopezie, also die männliche Kahlköpfigkeit. Die meisten Männer bekommen diese Art von Haarausfall, aber der Zeitpunkt, wann der Prozess beginnt, variiert stark. Bei einigen setzt der Haarausfall schon vor dem 20. Lebensjahr ein, bis zu 80 % aller Männer haben ihn mit 70 Jahren. Er beginnt in der Regel an der Stirn („Geheimratsecken") und geht irgendwann später bis zum Hinterkopf.

Der Haarausfall gilt als normales Phänomen und wird auf eine vererbte, erhöhte Empfindlichkeit gegenüber männlichen Geschlechtshormonen (Androgene) zurückgeführt.

Wie kann Haarausfall behandelt werden?

Männlicher Haarausfall ist ein normales Phänomen, und man kann darüber diskutieren, ob er überhaupt behandelt werden sollte. Wenn ein Mann aber sehr unter seinem Haarausfall leidet, gibt es wirksame Behandlungen.

Die Behandlung muss einsetzen, solange noch Haare vorhanden sind. Einmal verlorene Haare können nach aktuellem Stand der Wissenschaft nicht wieder zum Wachsen gebracht werden. Werden die Medikamente abgesetzt, fallen die Haare wieder aus, die Behandlung muss daher kontinuierlich fortgeführt werden. 

Zwei Medikamentengruppen werden eingesetzt, da sie sich als besonders wirksam erwiesen haben: Finasterid in Tablettenform und Minoxidil zum Auftragen auf die Kopfhaut. Finasterid ist das Medikament, das am besten wirkt. Es ist nur für Männer zwischen 18 und 41 Jahren zugelassen, verlangsamt den Haarausfall und verstärkt das Haarwachstum. Minoxidil ist bei Frauen und Männern zur Behandlung des androgenetischen Haarausfalls zugelassen und ist rezeptfrei in Apotheken erhältlich. Es wird empfohlen, mit einem der Medikamente zu beginnen. Bei unbefriedigenden Ergebnissen kann man das Medikament wechseln oder die beiden Mittel kombinieren.

Haarstyling und Frisieren kann den Haarausfall für einige Zeit verschleiern. Von einem Friseur angepasste Toupets können für manchen eine brauchbare Alternative sein. Bei Haarausfall aufgrund einer androgenetischen Alopezie ist auch die Haartransplantation eine Behandlungsmöglichkeit. Hierbei werden Haare vom Hinterkopf entnommen und in die betroffenen Bereiche transplantiert.

Nebenwirkungen der Behandlung

Finasterid wird auch zur Behandlung von gutartigen Vergrößerungen der Prostata verwendet, in diesem Zusammenhang nehmen die Patienten 5 mg täglich. Bei dieser Behandlung wurde von einigen Fällen mit verminderter Potenz und reduzierter Libido berichtet. Bei der Behandlung von Haarausfall wird 1/5 der Dosis eingesetzt, und Studien legen nahe, dass Nebenwirkungen dieser Art seltener auftreten, jedoch auch vorkommen, in einigen Fällen auch dauerhaft, selbst nach Beendigung der Behandlung.

Auch die niedrige Dosis (1 mg täglich) führt dazu, dass sich die Produktion des prostataspezifischen Antigens (PSA) in der Prostata um etwa 50 % verringert. Dies muss man bei der Bestimmung des PSA-Werts berücksichtigen. Weisen Sie Ihren Arzt auf die Einnahme von Finasterid hin, wenn Sie einen PSA-Test durchführen lassen. 

Bei der Anwendung von Minoxidil sind lokale Nebenwirkungen wie Rötungen oder Reizungen der Kopfhaut beschrieben. Zu Beginn der Behandlung kann der Eindruck entstehen, dass die Haare vermehrt ausfallen, dies liegt jedoch nur daran, dass die älteren Haare ausfallen, um neuen, kräftigeren Haaren Platz zu schaffen. Vermehrter Haarwuchs zeigt sich dann nach einigen Monaten. Selten entwickelt sich auch eine Allergie auf den Wirkstoff, dann muss die Behandlung beendet werden. Sie sollten darauf achten, dass nur die Kopfhaut mit der Lösung in Kontakt kommt, da sonst an anderen Hautstellen ebenfalls die Haare vermehrt wachsen. Wenden Sie Minoxidil daher mindestens zwei Stunden vor dem Zubettgehen an, damit die Lösung nicht über das Kopfkissen mit der Gesichtshaut in Berührung kommt. 

Weitere Informationen

Autoren

  • Martina Bujard, Wissenschaftsjournalistin, Wiesbaden
  • Caroline Beier, Dr. med., Fachärztin für Allgemeinmedizin, Hamburg

Literatur

Dieser Artikel basiert auf dem Fachartikel Androgenetische Alopezie. Nachfolgend finden Sie die Literaturliste aus diesem Dokument.

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